Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1917)
- Date
- 1917-09-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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׳.■<*־ e-׳ Redaktion und Verlag Jüdische Ruadidiau, Berlin W, 15, Siclisistie Straße 8, Erfi »cheint wochentl. am 1־ rt.H1g. Abonnement bei der Expedition »nd bei allen PostHmtern 1־ viertaljährl. Mk. 2,75 in Deutschland, in Oesterreich-Ungarn Kr. 5,— im Ausland ML 4,— i Nummer 36 §. Berlin, den TTscptcr^bc^mi^־'f A LL-jihon! Amt Uhlsad SIS. 8'6, Po«t*־beckkontos Berlin Nr. 17392. Für Ocxterrcidw ■״ K., PosUparkar.ccnamt Sdhecikonto Nr. 156030. Anzeigen die *cdisgeapalten« Petita!0 oder deren Kaum 40Pf.Teueru<cMuschI«g 15%. RedaktionasAluQ Dienstag na Ata. 20. Eiul C077 XXII. Jahrgang B*r ZI®»»i8*au• erstrebt f&r das jScEscSae Volk Ä« Sekaffarj e&ca• CE -irfS.t'o i־n Pn'״aUba. ״Catslcr Pr«sr*»»“ Anfang* August fand in Kopenhagen ei«c Tagung des Engeren Aktians- Comitees statt, bei der beschlossen wurde, anlfilSlich der 20. Wiederkehr des Er- Öffnungstages des 1. Zionisten-Kongresses folgenden Aufruf zu veröffentlichen. Zwanzig Jahre sind verflossen, seit auf den Ruf des unsterblichen Führers die Vertreter der Zionisten aus aller Welt zum ersten Mal im Stadtkasino zu Basel zusammentraten und das ganze jüdische Volk zur Einigkeit und organisierten Arbeit für die Wiedergeburt des Volkes und des Landes aufriefen. Mit Stolz und Freude darf die Zionistische Organisation heute den zurückgelegten Weg überblicken. Was in der Tiefe der Volksseele von jeher schlummerte, was auch vor Herzl in einer Reihe vereinzelter Versuche sich den Weg bahnte, das Streben nach der Erneuerung der jüdischen Nation in Palästina und durch Palästina, das ist im Laufe dieser Jahre zum unbeugsamen Volkswiliem geworden, es hat die Juden der verschiedenen Länder vereinigt, eine Reihe nationaler Institutionen ins Leben gerufen, der Jugend den Inhalt und die Kraft des Lebens gegeben und ist schließlich ein Faktor der Weltpolitik geworden. Und dort im Lande Israels sind die in dieser Zeit geschaffenen Anfänge des neuen Lebens bereits so erstarkt, daß sie jedes Unwetter überstanden haben und zum Gegenstand der eifersüchtigen Liebe des ganzen Volkes geworden sind, aller seiner Schichten, auch derer, die dieses Gefühl mit Worten bestreiten. *** Der Zusammenhang zwischen Volk und Land, der eigentlich niemals gelöst wurde, der aber vielen Juden nur als geistiger, ja zuweilen nur als wesenloser Schatten aus ferner Vergangenheit vorschwebte, ist in unseren Tagen zu einer sichtbar wirkenden lebenzeugenden Kraft geworden. Ein jeder erkennt heute, was die Schaffung eines Zentrums in Palästina für das zerstreute Volk bedeutet. Darum hat es die Judenheit der ganzen Welt erschüttert, als die Kunde von dem Angriff auf die nationale Sprache im Lande Israels oder von der Gefahr, die unlängst über unserem jungen Jischub schwebte, zu ihr gelangte 1 Was dieser kleine Kern des neuen natio* nalen Lebens an Gutem und Bösem erlebt, das wird von unserem ganzen Volke mit Freude oder Schmerz mitempfunden. Und das Volk, das so empfindet, scharte sich in immer dichteren Reihen um die blau-weisseFahne. Keine Prüfungen, keine Ver* suchung konnten es ablenken oder schwankend machen. Das grossmütige Ugandaangebot, das so verlockend für ein heimatloses Volk sein konnte, der Tod des Führers in der Blüte seiner Jahre und seines Werkes, die Verfolgungen der Zionisten im alten Rußland — all dies konnte zeitweilig das Volkswerk schwächen, lieferte aber auf die Dauer nur weitere Beweise der leb endigen Kraft unserer Bewegung. So wuchs mit den Jahren das zionistische Bewußtsein, erweiterte sich das Werk, erstarkten die Bande zwischen allen Gliedern des Volkes und zwischen dem Volke und dem Lande. Da kam plötzli ch die Weltkatastrophe, die alles erschütterte und ins Wanken brachte. Auch uns bedrohte sie mit einer ernsten Gefahr. Alle diejenigen, die behauptet haben, der Zionismus sei ein künstliches Gebilde, dem die innere Daseinsberechtigung und wahre Kraft fehle, äußerten die Ueberzeugung, daß nun, da alle Kräfte auf den Schlachtfeldern und hinter ihnen ganz dem Kriege gewidmet sind und sein müssen, derfZionismus bei Seite geschoben und verstummen würde. Die Wirklichkeit hat das gerade Gegenteil bewiesen. In den Schützengräben aller Fronten mit den Kampfgenossen durch Blut und Leiden eng zusammengekittet, haben die Juden dennoch und erst recht ihre Einsamkeit mit verstärktem Schmerz empfinden müssen. Und jene grosse Sehnsucht nach dem organischen Zusammenhänge mit dem cinea Lande — dem alten Lande unseres Volkes — hat sich mit besonderer Stärke ihrer bemächtigt. Und was hinter den Fronten geschah, dieses Ringen aller Nationen nach eigenem nationalem Leben auf eigenem Boden förderte ebenfalls das Erstarken des zionistischen Gefühls, des zionistischen Denkens und der zionistischen Kräfte. Von allen Ländern, wo unser Volk zerstreut lebt, ertönt jetzt ein Ruf, unser Ruf: Dem Judenvolke muß der Weg ins Judenland freigemacht werden, damit beide neues Leben gewinnen.' Dort will das Volk seine Kräfte konzentrieren, um endlich ein neues eigenes Leben für sich zu schaffen. Dieser Ruf ist die Forderung des ganzen Volkes geworden. Das Volk ist sicher, daß, wenn diese Forderung vor den Friedenskongreß gelangt, die Vertreter aller Völker, der souveränen wie auch der anderen, ihre Berechtigung anerkennen werden. Das jüdische Volk glaubt, daß der Krieg das Ende des erste n vorbereitenden Versuchsstadiums seiner Arbeit in Palästina bedeutet und daß nach ihm das zweite einer freien großzügigen Arbeit beginnen wird. Noch vor unseren Augen wird das Aufblühen des Landes beginnen und zu der Zeit, die in ״Altneuland“ vorausgesagt wurde, wird ein Teil dessen verwirklicht werden, wovon der entschlummerte Führer mit solcher Sehnsucht und Liebe geträumt hat. Gesinnungsgenossen 1 Mit diesen Hoffnungen und Erwartungen stehen wir am Schlüsse des zweiten Dezenniums organisierter zionistischer Arbeit. Gleichzeitig geht auch das vierte Jahr zu Ende, seitdem die Organisation uns zur Leitung der Arbeit und des Schicksals der Bewegung berufen hat. Wahrhaftig, nicht leicht war die Last, die der XI. Kongreß in diesen Jahren der Leitung auferlegt hat. Sie begannen mit einem inneren Kampf gegen die Stützen der Assimilation für unsere nationale Sprache. Viel schweres brachte uns dieser Kampf; doch er hat ein Ruhmesblatt in die Geschichte unserer Renaissance gefügt. Dann kam der Weltkrieg, der uns vor ernste und schwierige Aufgaben stellte und die Mitglieder der Leitung in verschiedene Länder zerstreute. Noch ist der Zeitpunkt nicht nahe, wo wir vor der Organisation Rechenschaft werden ablegen können. Doch schon jetzt dürfen wir mit ruhigem Gewissen behaupten, daß wir in diesen vier Jahren in Einigkeit und sorgender Liebe zusammengewirkt haben, um das uns anver* traute nationale Eigentum zu schützen und zu erhalten, und daß wir gleichzeitig nicht aus dem Auge gelassen haben, was für die Vorbereitungen der grossen Zukunft erforderlich schien. Wir sind von dem Glauben durchdrungen, daß unser nächster Kongreß das Urteil abgeben wird, daß die von Euch Gewählten in dieser schicksalsschweren Zeit ihre Pflicht erfüllt und die Wege zur lichten Zukunft freigemacht haben. Auf diese lichte Zukunft vertrauen wir mit der ganzen Kraft unserer Seele, und in diesem Glauben wenden wir uns heute an Euch alle! Zionisten 1 Ein jeder stehe fest auf seinem Posten 1 Säet ungeachtet des Sturmes, schützt, was emporwächst, sammelt, was reif geworden. Wir hoffen, nicht lange mehr wird der Weltsturm herrschen, die Zeit der friedlichen Arbeit wird kommen. Dann wird unser Ruf an Euch alle erschallen und wir werden uns wiederum um die blau-weisse Fahne scharen. Wie dann die Ergebnisse dieser grossen Zeit sich gestalten werden, wissen wir nicht. Eines aber wissen wir, mit neuer vergrÖsserter Kraft, mit nie erlöschender Liebe und mit festem Glauben werden wir alle die Arbeit des Aufbaus unseres neuen Lebens auf der alten Heimatscholle wieder aufnehmen. Kopenhagen, nhr^ Das Engere ALSteceeiSe® der Zionistischen Organisation