Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1917)
- Date
- 1917-08-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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יקך־ץ» ^5*«3ך~ה»8ך \ I i * \ ני c, \־ -־;:׳» Redaktion und Verlnjr Jüdische Rundschau, Berlin W. 15, Sä.JuUche Straße 8. Eridirint woclienti. am VrciUj׳. Abonnement bei der Expedition und bei allen Postämtern Vierteljahr!, Mk. Z./5 111 Ueutsclilnnd, in 0estcrrcid1*Uojarn K r. ft,- im Aut,Sand Mk. 1, Nummer 35 Teltphon: Amt Uiilnnd 845. K, IC, Foitsparknrscnamt S 46, Fostnd-.cü'.kontot Berlin Nr. 17392. Für Ocsterreidi« konto Nr. 156030. Anzeigen die »ed1*.|[C8paliene Petit* Zeile oder deren Raum 4QPf, Teuervinjrr.rnsdilajr 15%. Rednktion^rliluß Dienstag nerhea, »,Das Jüdische Wort“ Der Aufsatz ,,Nochmals die Tlioratrcucn“ in No. 32 der ״Jüdischen Rundschau“ hat die destruklive Tätigkeit der ״Agudath Haortliodoxim“!und ihrer deutsch-jüdischen Führer anläßlich des so erfolgreich durchgeführten Palästina-Plebiszites eingehend behandelt. Er hat dabei auch auf die Rolle hingewiesen, die das Organ der ״Agudah“ in diesem haßerfüllten Kampf gegen den Zkmisnitis gespielt hat. Wir hätten keinen Anlaß, darauf zuruck/ukomincn, wenn nicht in dem Aufsatz der ״Europäischen Staats- und Wirtsdiafts- Zeitung“, den wir in No. 33 unseres Blattes kritisch beleuchtet haben, der Versuch gematht worden wäre, das ״Jüdische Wort“ als eine erfreuliche Erschciininp׳ im politischen und kulturellen Leben der jKJlnisdicii Juden liinzustclleii. U!n über diese schöngdarbtc Darstellung ein Urteil zu ennögliehen, wollen wir im Folgenden einiges Quellenmaterial znsariinienstellen, das zeigt, welch unverantwortliches Unternehmen cs ist, die Tätigkeit diescr Zeitung als Segen liinzuslcllen. Die Cie schichte des Antizionismus in allen Erdteilen der Welt, ׳und besonders auch in Deutschland, hat gewiß schon manche eigenartigen Blüten hervorgebracht, über die die Geschichte einstmals ihr vernichtendes Urteil sprechen wird. Dem ״Jüdisehen Wort“ aber ist cs gelungen, allen diesen Erzeugnissen eines ohnmächtigen Haßes neuen Stoff hinzuzufügen. In diesem Kampf scheut sich das ״Jüdische Wort“ nicht, auf die schlechtesten -Instinkte seiner Leser zu pochen. Nicht anders kann es gedeutet werden, wenn das ״Jüdische Wort“ in einer Reihe von Artikeln gegen diu Zionisten und die Zionistische Organ!- sation den Vorwurf der Unterstützung Christlich-missionarischer Bestrebungen er* bebt. Man traut seinen Augen nicht, wenn man etwa in No. 101 des ״Jüdischen Wortes“ liest, daß die zionistischen Führer Juden seien, ״die auf der einen Seile der Wand das Magen-David, auf der anderen das Christuskreuz, auf der einen Seile die blaii-weille Fuhne und auf der anderen ein Cruzifix haben.“ Und für dieses Ungeheuerliche, das der Arlikelschreibcr mit euieiu haßduichglülitcn ״Ha, ihr Herren Zionisten, was sagt ihr?“ hin-, ausschreit, sucht ein zweiter Schreiber, den diese Mißgeburt seines Kollegen etwa unheimlich zu sein schien, den ״Beweis“ anzutrden. Und er bcweist (Jüdisches Wort“ No. 105): Gemäß ihrer {der Zionisten) Meinung kann man ein glühender und frommer Christ sein, unter den Juden die Taufe predigen und dabei ein wahrer Jude sein, wenn man nur das jüdische Theater unterstützt und ein Anhänger des politischen Zionismus ist , , ., und wirklich ist vor einigen Jahren ein Journal ״Zionsfreund“ erschienen, das in der Praxis verwirklichte, was der Warschauer ״Merkas liazionim“ theore• tisch propagiert, d. 11. cs waren■ glühende Christeil, die auf Sceienfang unter den Juden iit Polen ausgingen 1111 d gleichzeitig für den Zionismus predigten. Wir untersuchen jetzt nicht näher, ob die söge nannte 11 Zionisten in Warschau zu dem inissio• na risch en Journal Beziehungen batten oder nicht. Denn gemäß dem Standpunkt unserer Zionisten sind Missionare, ob sic nun Christentum oder Atheismus predigen, ganz gute Juden und man muß : sie •unterstützen ... So lehrt ihre Theorie und so; Werden sie es noch in der Praxis ausführen, wenn ׳ Wr uns ihnen nicht cntgcgcnsiellcn. . .“ Mit diej scr Arbeit, die jüdische Masse zu Abfall und Taufe t Reiben, sind, wie in No. 111 des ״Jüdischen | Wortes" in langen Ausführungen zu lesen ist, ״fast | alle zionistischen Organe beschäftigt.“ Der Zionis- * nius lehre, so heißt cs dort, daß man das Judentum ״wegwerfen“!und das Christentum aniiehnieii müsse. Und wieder fehlt die Angabe des Rezepts nicht, das dein zionistischen Missionartuin ein Ende machen könnte: ״Man muß den Färbst eins die Macht aus den Händen reißen, in den Herzen unscrcr Kinder Abfall und Taufe cinzupflaiuen.“ Plumper und ungeschminkter konnte der blaßc Neid des ״Jüdischen Worts“ auf die emporstrebendc Macht des Zionismus in Polen nicht in Worte gekleidet werden und cs mutet wie die gerade Umkchrung der Wirklichkeit an, wenn der Artikel in der ״Europäischen Staats- und Wirtschaf tszdtung‘* die ust 1917 | ” ־־־־ ... r* ij31 ׳. Elut 5Ö77 (i XXII. Jahrgang »״.;-»-»••«»«CS-•-; ■ — . . ״״־Tr״־■ ־' ' ״Der Zlonltmus erstrebt für des Jüdische Volk die Schaffunj} eine!• ttffcniltch-recidllch ficsklicsica Hci1n1i.ua' in Palüitln«.“ Dasclcr Programm. Behauptung aufslcllt, daß der Grund zur Bekampfang des ״Jüdischen Wortes“ ״offensichtlich der ist, daß man die politische Konkurrenz der Orthodoxie fürchtet.“ Dem kann man nicht scharf genug entgcgentretcii. Die zionistische Tätigkeit in Polen ist und will nichts anderes sein als posilive Arbeit für das zionistische Ideal, Die Sehekelwoehc, das Palästina-Plebiszit, die Misrachl-KonfeiTiiz sind Beweise genug. Aber diese fruchtbare Arbeit der Zionisten hat die Herren vom ״Jüdisehen Wort“ nicht ruhig schlafen lassen. Sie mußteil diese Arbeit herabsetzen und in den Augen ihrer Leser, koste es, was es wolle, verächtlich machen. Und cs hat ihnen, so scheint cs uns, viel gekostet. Sic haben dabei ihre eigene Ehre aufs Spiel gesetzt ... Wie anders soll man ׳urteilen, wenn man verfolgt, wie das ״Jüdische Wort“ fast tagtäglich, ohne Unterlaß, nun schon׳ seit mehreren Monaten die Zionistische Organisation der nutzlosen Verprassung der ihr an vertrauten Gelder zeiht und sic bezichtigt, sie würde durch heimliche Manipulatioucn die für bestimmte Zwecke gesammelten Summen unkontrollierbar׳ verschwinden lassen? Wir zitieren im folgenden aus beliebig und zufällig licrausgegriffencn Nummern des ״jütli* sehen Wortes“ (die Zahl läßt siel» leicht verzehnfachen) einige Stellen: Jüdisches Wort Nr. 104: ״Die mit Gut-Geld bczahlten (zionistischen) Uiiilelsführcr, die Bich auf Kosten der Ocffeiitlidikeit füttern und von den hei den naiven, arglosen Juden zusnimnengcscliiiorrten Groschen einen guten T;>., leben . . Jüdisches Wort Nr. 111! ״Die gleichen Ideen hahcii nach andere offiziöse zionistische Organe gepredigt, die von den Schekeln, wie sie sie nennen, erhalten wurden und werden, welcher der cinfnclie Jude gerne gibt, im Glauben, daß hum für seine schwer erarluitelen paar Guldeu in umu'retit heiligen Lande Boden kauft und Ilm den jüdischen Bauern zur Ile* nibeitiiiig gibt, damit er dadurch seinen Unterhalt finde." Jüdisches Wort Nr. 117: ״Und die Schekel? Ha, glaubt ihr vielleicht, daß die Schekel zum Besten der Kolonisation und unseres heiligen Landes verwendet werden? Wenn ihr das meint, so tiiuscht ihr euch sehr! Die Schekel werden zur ״Vorbereitung des Volkes“, wie sie es nennen, verwendet, einfacher gesagt, für Propaganda. Aber wenn nur die Propaganda zum Besten Zions geführt würde 1 Mnn sicht aber doch deutlich, daß das in keiner Welse der Fall ist . . , Wenn in Palästina wirklich etwas geschaffen wurde — und daran ist kein Zweifel —,'so ist das nicht dank dem Zionismus, sondern trotz allen zionistischen Waads mit den Farbsteins an der Spitze geschehen,“ Jüdisches Wort Nr. 127: ״Die Zionistische Orga* nisation hat alle ihre Gelder für ganze Stäbe von Beamten ausgcgebcii, für ״diplomatische" kleine Refsen, bei denen man sich nur lächerlich gemacht bat, und was die berühmte Dank anbclnngt, so hat man große Summen in Unternehmungen vertan, die mit Palästina nichts zu tun haben . . ., nur weil der früher« Inhaber dieser schlechten Geschäfte einfach Protektion beim Aktionskomitee hatte, das einen guten Kaufpreis bezahlte.“ jüdisches Wort Nr. 117: ״Ohne Zweifel haben cs die einen oder anderen (zionistischen) Führer mit ihrer Beschäftigung gewiß ernst gemeint, aber das Lumpen* gesimlel der Angestellten, alle die Arten von Beamten - die meisten von ihnen haben die Zionistische Orga* nisation bestimmt als die melkbare Kuh betrachtet, bei der inan feine Posten und gute Pensionen erhält.“ Jüdisches Wort Nr. 147: ״. , . und als die Kolonialhank in London, die bis zu jener Zeit In allen vier Enden der Welt Geschäfte gemacht hatte (wobei sie selbstverständlich dicke Summen aus geheimnis* vollen Gründen zusetzte . . .), endlich beschlossen hatte, in Palästina die Anglo Palcsiinc - Abteilung zu eroffnen . . arbeitete die ganze ״Beamtcn״-Schar mit allen Mitteln, daß die Arbeit in Palästina nicht getan werde . . ., damit — einfachdamit sic, die Beamten, weiter in London und in anderen europäischen Städten sitzen können und gute Pensionen für ihr Nichtstun erhalten.w Jüdisches Wort Nr. 147: ״...und cs heißt, daß die Zionisten bezüglich der Gelder, die sie für <lfc Notleidenden in Palästina sammeln, behaupten, cs seien ihre Organisationsgelder, und daß sie die Absicht haben, davon für ihre Gcmcindcstubcnpolitik zu nehmen.“ Diese Proben genügen. Wir würden zu all dem Schändlichen, das liier fest behauptet oder in die beliebte Formel ״es heißt“ eingeklcidct wird, kein Wort hinzufügen, wenn nicht in den letzten Tagen eine neue Schändung des jüdischen Namens hinzugekommen wäre, die eine unserer größten und stolzesten nationalen Schöpfungen in den Schmutz ' zu ziehen versucht: den Jüdischen Nationalfond. In seiner Nr. 139 vom 10, August setzt das ״Jüdisehe Wort“ in sechster Folge seine Artikelserie über die zwanzigjährige Tätigkeit der Zionistischen ׳ Organisation fort mit einem Aufsatz über die Oelbaumpflarizungen des Jüdischen Naiionalfonds. Daß diese Artikelserie ein.wüstes Zerrbild der zionistischen Arbeit darstcllt, braucht kaum erst gesagt zu werden. Jede Liige, die jemals über die zionistische Arbeit verbreitet wurde, wird hier sorgfaltig cingcsammclt!und ausgetrumpft. So hat auch dieses Mal der Verfasser sich einen ״Gewährsmann‘* gesucht, dessen Urteil er seiner ״Würdigung“ zu Grunde legt. Die Schrift eines gewißen Ephraim Dclnhard aus dem Jahre 1912, der die Zitate des Aufsatzes entnommen sind, stellt die Frage, was mit den Nationalfond-Qcldern, die für die Oclbaumspende gesammelt wurden, geschehen sei. Und mit gewohnter Geschicklichkeit weiß das ״Jüdisehe Wort“ aus den übernommenen Zitaten einen׳ ganzen Anklageakt gegen den Jüdischen Nationalfond zu drechseln. Mit heuchlerischer Objektiv!- tat konstatiert der Artikelschrcibcr am Schluß: ״Ob Dcinhards Worte ganz wahr sind oder nicht, kann ich natürlich nicht fcststellen, dazu, muß man selbst in Palästina gewesen sein. Aber die Tat- Sache, daß die zionistischen Organe, die ständig so ängstlich darauf bedacht sind, daß man ihre Ehre nicht antaste, auf Dcinhards Kritik garnicht geantwortet ׳und sic mit Stillschweigen iibergan* gen haben, ist ein Beweis, daß etwas nicht in Ordnung ist mit den Drei-Rubetii, die man für Qclbauinpflanzungcn 1111 Herzhvald gibt , . . iibri* gens ist es ein offenes Geheimnis, das alle־׳ Palästiuenscr wissen: man pflanzt vielleicht ein paar Bäume, um formell der Verpflichtung nnchzukommen, ׳und was mit dem übrigen Geld geschieht, weiß Deiiihard nicht.“ Das ״jüdische Wort“ sieht in dem Schweigen der Zionisten auf Dcinhards Schrift einen Beweis, ״daß etwas nicht in Ordnung ist“. Es versteht nicht, daß die Ehre des jüdischen Volkes der Jüdische Natioualfond ist die Sache des ganzen Volkes — durch Schweigen auf gemeine Angriffe besser verteidigt ist, als durch Proteste und Beweise. Daß cs aber der Schrift Dcinhards so hilflos gegenüber stellt, ist bei der Fülle von einwandfreien Quellen, die cs zum Studium der Tätigkeit des Jüdischen Na* tionalfonds gibt, eine Dreistigkeit, die sich selbst Mitarbeiter des ״Jüdischen Worts“ nicht erlauben sollten. Es liegt nur auf dein Wege seiner Ent- Wicklung, daß das ״Jüdische Wort“ auch an das große Werk der nationalen Erneuerung, vor dem bisher auch die verbissensten Feinde .des Zionis* mus Halt gemacht hatten, seine unreinen Hände legt. Auf krummen Wegen schleicht der Antizionismus des ״Jüdischen Wortes“. Statt vieler nur einen Beweis: ׳ die Art der Bekämpfung des Palästina- # Plebiszits. Welche Hirnarbeit hat das ״Jüdische Wort“ an diesen Kampf verschwendet! Mit wieviel Gründen hat cs das jüdische Volk von seinem tiefsten Olaubcn abspenstig machen wollen! Und mit welchen! In seiner Nummer 145 stellt das ״Jüdische Wort“ zum Beispiel folgende amüsante Betrachtung an. Der Londoner Lord Rothschild und der Amerikaner Jacob Schiff haben sich für ein jüdisches Palästina erklärt. Wie kommen sie plötzlich zu einem solchen Entschluß? Die Antwort auf diese Frage erledigt sich dem Blatt wie folgt: Der Pariser Baron Rothschild und die 1CA schweigen. Warum schweigen diese und warum erklären sich jene für Zionisten? In Wirkiiehkeit sind auch jene nicht für ein jüdisches Palästina. Sic heucheln jetzt nur Zionismus und Palästina-Intcresse, um für die russischen Juden in England und Amerika einen vernünftigen Grund zu haben, sie in die Reihen der Ententehecre hineinzuhetzen.“ In diesem Gedankengang des ״Jüdisehen Worts“ ist eigentlich alles enthalten, was man L c i t r \ 1