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Jüdische Rundschau · 1917-08-24 · Heft 34 (24.8.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 34 (24.8.1917)
Date
1917-08-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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t סי׳ (J r1זימי r בי' Redaktion und Verlag Jüdische Rundschau, Berlin W. 15, SÜchiisdie Straße 8, Ericheint^wc chentl. am Freitag, Abonnement bei der Expedition und bei allen Postämtern vierteljährl. Mk. 2,75 in Deutschland, in Oesterreich-Ungarn Kr, 5,— im Ausland Mk.4,— Nummer 34 Berlin, den 24. August 1S17 Telephon: Amt Uhlnnd 845. 816. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17352. Für Oesterreich( K. k, Postsparknssenamt Scheckkonto Nr. 156030. Anzeigen die *echsgeipaltea• Petit* | xcilo oder deren Raum 40 Pf. Tcucrungszuschlag 15°/n. Redaktioarsdiluß Dienstag ntdi«. s see ■.^$10*0+ ״;״. u^aw«1sr3rsr t*״st.erv irnr ■!«— 6. Elul 5&77 I XXII. Jahrgang Deutsche Pressestimmen über den Zionismus In dem Leitartikel ״Der Zionismus und die Zcntralmiiclitc“ in Nummer 31!unseres Blattes haben wir unsere Leser mit den verständnisvollen Ausführungen bekannt gemacht, die Herr C. A. Brattcr in der ״Vossischen Zeitung“ vom 1.. August dem Zionismus gewidmet bat, sowie mit den־ weniger freundlichen Ausführungen der ״Germania“ in der Morgenausgabe vom 20. Juli. Inzwischen sind in verschiedenen deutschen Zeitungen weitcre Artikel über den Zionismus erschienen. Die ״Volksstiinine“ in Chemnitz, das Blatt der sozialdemokratischen Partei, brachte am 8. August unter der Ueberschrift ״Das Davidsrcgi■* ment“ einen Leitartikel, der von den Entente-! nachrichtcn über die Entsendung einer amerikanisch׳- jüdischen Kommission und die Bildung eines jt'1dischen Regiments in England, das in Palästina kämpfen solle, ausgebt. Es sei vorweg bemerkt, daß diese letztere Nachricht, die in vielen deutsehen Zeitungen verbreitet war, in dieser Form nicht zutrifft. Es scheint richtig 2u sein, daß die eng* fische Regierung sich zur Aufstellung eines besonderen jüdischen Regiments entschlossen hat, doch ist nichts Zuverlässiges darüber bekannt, daß dieses Regiment in Palästina verwendet werden soll. Im übrigen ist der Artikel in der Chemnitzer ״Volksstimme“ ein Beweis dafür, daß das Interesse für den Zionismus in Deutschland ־zunimmt und daß die Bewegung wenigstens von einem Teil der Presse ganz richtig verstanden wird. Es heißt in dem Artikel folgendermaßen: 11״! Deutschland hat man die Bedeutung dieser Dinge noch lange nicht genügend erkannt. Vielmehr sieht inan im allgemeinen in dem Bestreben nach einem jüdischen Naiioiudgcbildc in Palästina entweder eins törichte Utopie oder eine Gefährdung der katholischen Interessen oder gar eine lntriguc gegen die Unvcrschrtheit des türkischen Reiches. Nichts von dem ist richtig. Wer die starke nationale Kraft des Judentums für eine Utopie erklärt, mit dem ist nicht zu rechten. Eine Gefahrdung der katholischen Interessen hintanzulialtcn, ist nicht gerade Suche des Deutschen Reiches, im übrigen ist sic aber auch bloß eingebildet. Ebenso eingebildet ist die Gefährdung der Türkei, Die, Zionisten streben bisher noch nicht nach der Errichtung eines unabhängigen Reiches in Palästina, sondern wünschen dort nur nationalkulturelle Aufonomie als türkische Untertauen, so etwa, wie die Deutschen Böhmens und »Mährens nach einer iiliulichen Autonomie als Staatsangehörige der Donau-Monarchie streben. Es ist nicht ersichtlich, warum die Juden in dieser Stellungnahme eine Acndcrimg eintreten lassen sollten, wenn sic nicht durch fehlerhafte Maßnahmen der Mittelmächte der Entente geradezu in die Arme getrieben werden. Bisher siud solche Fehler noch nicht geschehen, und hoffentlich wird wachsende Einsicht auch künftig davor schützen. Das sollte man doch nicht vergessen, daß im Grunde die Türkei selbst ein großes Intcre.se daran hat, daß die zionistische Kolonisation Palästinas in der Art, wie sie früher und auch jetzt noch von den Zionisten selbst geplant war, verwirklicht Werde. Zu ihrer wirtschaftlichen Kräftigung bedarf die Türkei üi allerersten Linie einer starken Vermehrung itircs Mcnsdicnbc- Standes. Soweit Einwanderung als Quelle dafür in Frage kommt, kann der Lage der Sache nach nur jüdische Ein- Wanderung wirklich etwas leisten. Ar! dieser Stärkung der wirtschaftlichen Grundlagen der Türkei hat aber wiederum Deutschland mit seinen Verbündeten ein Lebeusmtcrcssc, das wir auf diesen Blättern so oft dargelegt haben, daß wir cs nicht im einzelnen zu wiedcrholcn brauchen.“ Dieselbe Zeitung beschäftigt sich in ihrer Nummer vom 18. August, wiederum in einem Leitartikel, den sie ״Die internationale Nation“ übcr&chrcibt, mit der Frage eines jüdischen Palästina. Nachdem sie mit Genugtuung die Nachricht verzeichnet hat, daß die Verwaltung Ober- Ost unter der Leitung von Hermann Struck eine besondere Abteilung für jüdische Angelegenheiten eingerichtet hat, spricht sie den Wunsch aus, daß die deutsche Politik, die es verstanden habe, ihre Forderungen für den Frieden mit denen der ״roten und der schwarzen Internationale“ in Einklang zu bringen, ״es fertig brächte, auch mit der dritten großen internationalen Organisation sich dauernd . gut zu stellen, nämlich mit dem Judentum“. ״Dazu gehört in erster Linie, daß die deutschen Po- ן litiker sich entschließen, die nationale Eigenart und die ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische VoE« die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Hctnutäiic In Palästina." Baseler Pro grames. nationalen Kulturfordcnmgcn des Judentums anzuerkenneu. So wie sie das in bescheidenem Maße bisher schon getan haben, so künftig grundsätzlich. Nur dadurch können sie das Werben der Entente um die Sympathien des nationalen Judentums »111 wirksam machen. Dabei sollte nicht vergessen werden, daß es siel» in diesen Fragen nicht nur um ein augenblickliches taktisches Interesse handelt. Gewiß haben wir ein Interesse daran, das demokratische Rußland, das die Juden nicht mehr verfolgt, nicht durch ״stramme“ Haltung gegen das Judentum unnötig kopfscheu zu machen. Gewiß ist unser Interesse groß an geordneten Zuständen in den okkupierten Gebieten im Osten. Aber weit darüber hinaus geht doch die positive Bedeutung dieser Dinge, weil sie allein in der Lage sind, für die Dauer der Türkei einen nennenswerten Zustrom von Kolonisatoren zu sichern. Die Türkei bedarf solcher Kolonisatoren sehr. Ihre Landwirtschaft wie ihre Gewerbe leiden vor allen Dingen unter Menschenmangel, Für die Einwanderung kommen aber in größerem Maße überhaupt nur die Ostjmlen in Frage. Wenn die Türkei erhalten bleibt, so werden sie nur dann auch künftig dort cinvvandern, wenn sie auch während des Krieges das nötige Maß von Interesse und Entgegenkommen gefunden haben. Sid werden ferner für ihre Kolonisationsarbeit nur daun die finanzielle Unterstützung ihrer reichen Volksgenossei! finden, wenn die Türkei sich nicht zum Träger eines ganz verfehlten Antisemitismus machen läßt. Bisher hat der deutsche Einfluß und das eigene vernünftige Denken der Türken ausgcrcicht, um schwerere Mißgriffe zu verhüten. Es könnte aber doch noch immer sehr viel Positives geschehen, um den Juden in der Türkei iiire Lage zu erleichtern, und das sollte keineswegs versäumt werden.“ Der christlich-konservative ״Reichs bote“ ln Berlin brachte ain 14, August ebenfalls einen längeren 'Artifsatz unter dem Titel ״Palästina und der Zionismus“. Auch! hier wird auf die amerikanische Paläslinakommission hingewiesen und es werden die englischen Orientpliin« erörtert, die England nach Ansicht des Reichslvoteii jetzt mit Hilfe Amerikas und des englisch-amerikanischen Judentums bezw. Zionismus zu verwirklichen suche. Der Rcichsbote, der sich bereits in einem früheren Aufsatz (vom 2. Mai) mit dieser Frage beschäftigt hat, führt dann folgendes aus: ״Es gilt «!aber, diesen Projekten und Intrigen entgegen« zu,arbeiten, damit nicht durch zionistisch-amerikanische i liiiterüiren England freien Durchgang von Acgypteit nach Indien gewinne. Diesen Punkt wird die Politik der Verbündeten nicht aus den Augen lassen dürfen. Was Deutschland betrifft, so ist anzunchnien, daß sein neuer Staatssekretär des Auswärtigen, der ja zuletzt Botschafter in Konstaiitinopel war, die Bedeutung dieser Frage würdigt. Dazu gehört auch, daß der deutschösterreichische Zionismus in seinen Plänen einer jüdischen R c s i c d - Jung Palästinas bestärkt wird. Wenn er seine Stunde erkennt, so wird er sich sagen, daß jetzt ein günstiger Moment ist, um seine Idee der Verwirkliclumg ein Stück näher zu bringen und dadurch den englisch-,•imerikanisdieii Machenschaften den Wind aus den Segeln zu nehmen. Im Interesse der Türkei läge es, eine solche Bewegung zu fördern; denn, wem: eine zionistische Besiedlung unter englisch-amerikanischer Protektion unzweifelhaft nur der Losrcißung Palästinas von der Türkei dienen würde, so würde ein zionistisches Kolouisationswerk unter der Führung der Verbündeten so gestaltet werden können, daß cs die Interessen auch der Türkei fördert und auch den Schein eines Gegensatzes gegen das Schut/iaiul meidet. Wir haben letzthin schon diesen Gedanken befürwortct. 111 der ״Voss. Zig.“ nahm vor einigen Tagen C. A. Brattcr in einem Artikel ״Der Kampf um Pa Li st i 11a" darauf Bezug, indem er urteilte, die Forderung des ״Reichsboten“, Deutschland solle sich an die Spitze jener Bewegung stellen, enthalte einen ,,weltpolitisch richtigen Kern", wenn der ״Rcidisbotc“ die Sache auch vermutlich anders gemeint habe. Man werde selbstverstündlich, um in der für Deutschland wichtigen Palästinafrage klar zu sehen und rictitig zu handeln, ihre Verquiclumg mit innenpolitischen Angelegenheiten ebenso vollständig vermeiden müssen, wie dies in England geschche. Die angcdeutctc Palästinapolitik werde in England selbstverständlich' nicht nur von solchen Juden vertreten, die selbst Zionisten seien, oder 41ur von 801eben Nichtjuden, die Antisemiten seien. Darauf möchten wir entgegnen, daß wir jenen Plan keineswegs vom antisemitischen Gesichtspunkt aus empfohlen haben. Wir betrachten ihn, wie Brattcr cs von den Engländern annimmt, in erster, zweiter und dritter Linie im Rahmen der national- und weltpolitischen Nützlichkcit »lud Notwendigkeit. Wir müssen in Palästina auch in diesem Stück der englisch-amerikanischen Politik den Rang abzulaufen und das Wasser abzugraben suchen, und zwar um unsert- und unserer Verbündeten willen. Wenn dabei auch etwas Gutes für den Zionismus und die Juden lierausspringt, um so besser. Wir glauben cs, glauben, daß die allmähliche Verwirklichung des zionistischen Gedankens auch den Juden seihst zum Segen gereichen, daß cs das Volk Israel von dem Bann der Fremde und des Zcrstrcutseins unter allen Völkern befreien helfen wird. Die besten unter seinen Gliedem sind darin einig mit uns. Und die jetzigen Wirts- Völker werden sich freuen, wenn cs den Juden in Palä- . stina gut geht und sie immer vollzähliger nach Palästina iibersicdeln; dies um so mehr, als die jüdischen Gäste ihnen nicht nur Gutes gebracht, sondern vielfach und mehr noch eine zersetzende, das Leben des Wirts- Volkes gefährdende Wirkung ausgeübt haben. Das läßt sich nun einmal nicht leugnen und wird selbst von gerecht und objektiv denkenden Mitgliedern des jüdisehen Volkes zugegeben.“ Wir begrüßen cs, daß der ״Reicbsbotc“, der siel» nicht immer von antisemitischen Tendenzen frcigelialten hat, liier erklärt, daß er den Zionismus wegen seiner tatsächlichen Nützlichkeit und Not- Wendigkeit befürwortet und daß er meint, der Zionisinus werde auch׳ den Juden selbst ־zum Segen ' gereichen. Freilich kann der Reichsbote seine antisemitischen Empfindungen nicht ganz unterdrücken, wenn er schreibt, daß die Juden ihren Wirtsvölkcm nicht nur Gutes gebracht, sondern vielfach und mehr noch eine zersetzende und gefährdende Wirkung ausgeübt haben. Die Zionisten waren immer bemüht, das Verhältnis der Juden zu den anderen Völkern wahrheitsgetreu darzustellcn. Sic haben sich nicht gescheut, die Fehler und Schwächen der Juden rücksichtslos aufzudecken, sic haben scharf gewisse Entartungserscheinungen des assimilierten großstädtischen Judentums bekämpft, aber wenn sie einen Oesundungsprozeß des jüdischen Volkes durch den Zionismus erstreben, so müssen sie doch energisch dem antisemitischen Vorurteil entgegentreten, das sich auch wieder in der Schlußbemcrkung des Reichsboten zeigt. Die Juden haben der modernen Welt soviel Gutes und Nützliches gebracht, daß sie gegen die beliebte Ucbcrtrcibung ihrer Schwächen nachdrücklich protestieren müssen. Blinder Haß und Vorurteil sind freilich׳ schwer zu überwinden, aber gerade das deutsche Volk, dem heute der wildcsle Haß der ganzen Welt entgegenschlägt, sollte in dieser Hinsicht in sich gehen und sich fragen, ob die maßlose Aufhetzung der dcutselten Volksseele gegen das Judentum, die Jahrzehnte lang in Deutschland betrieben wurde, und gerade in denjenigen Kreisen, denen der Reichsliotc nahesteht, einen fast unausrottbar scheinenden Antisemitismus hervorgerufen hat — ob diese Aufhetzung nicht ein schweres Unrecht gcw־escn ist. Immerhin wollen wir uns durch die erwähnte Bemerkung des ״Reichsboten“ nicht die Bcfriedigung darüber verkümmern lassen, daß das Blatt im übrigen die politische und wirtschaftliche Bedeuttmg des Zionismus richtig einschätzt. Die ״Deutsch c Warte“ vom 8. August, die vor einiger Zeit unter dem Titel ״Audi Israel?“ sich mit den jüdischen PaUistinabcstrebungen beschäftigte, bringt unter dem gleichen Titel ihren Lesern folgendes zur Kenntnis: ״Es gibt in der jüdischen Welt eine große wachsende Strömung, die des Zionismus, die für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heim■« stiittc in Palästina erstrebt. Da die Zionisten auf ihrem Baseler Kongreß beschlossen, die Bodenreform als Grundläge ihres Gemeinwesens zu wählen, so haben wir seit Jahren diese Bewegung aufmerksam verfolgt und cs entspricht durchaus unserer Ueberzcugung, wenn jener Leitaufsatz sagte, daß in dieser Bewegung ״viel Idealismus und ehrliches Streben lebendig ist.“ Jetzt suchen nun die feindlichen Mächte, diese große internationale Bewcgtmg bewußt in ihren Dienst zu ziehen und wir ließen uns schildern, wie Amerika Herrn Morgenthau und Eng- Lind Lord Rothschild zu diesem Zweck gebrauchen. Cclänge dieser Plan unseren Feinden, so würden wir das für sehr bedenklich halten, für bedenklicher ab die Kriegserkliirung irgend eines kleinen oder sogar Mittclstaatcs. Darum hat unser nach allen Seiten hin unab• hängiges Blatt der Katze die Schellen angehängt. Jetzt erscheint im neuesten Heft der Monatschrift ״Der Jude“ ein Aufsatz von dem Herausgeber Martin Bubcr, der wohl als Antwort auf unseren Leiter verstanden werden kann.“ Die ״Deutsche jWiarte“ druckt dann den ln Nr. 32 der ״Jüdischen Rundschau“ wiedergegebo- 1 i 1 נ 1 1 « נ: 1 I 1 t f t t » 1 I I I ( < ) 1! ו I I 1 1 I I I 1

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