Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1917)
- Date
- 1917-07-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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J- ״ J p'^*'4־.: (ך/.י־־־. ו:ד ׳O iO .Ä a .'J r \ .׳■ \ / 1 I \\ V *ג..■ Red«kti״״ undI VerW Jüdische Rundschau, Berlin W. 15, SlAik^SirA 8. Er- ,d'emt wothentl. am 1 mtag. Abonnement bei der Expedition und bei nllcn Postämtern »lerteljanrl. Mk. 1,15 in Deutschland, in Oesterreich-Ungarn Kr. 5,— im Ausland Mk.4,— Nummer 30 Berlin, den 27. Juli 1917 15 Tc!'1)!10n: Amt Uhl and 845. 846. Postscheckkontos Berlin Nr. 17392. Für Oejterreid., K, K!, Postsparkasienamt Scheckkonto Nr. 156030, Anzeigen die »echsgeipaUeoo Petit* | zeilo oder deren Raum 40 Pf. Teueningsiugdilag 15°/״. Redaktionasdilufi Dienstag nachm, 8. Ab 5677 XXII* Jahrgang Per ZI»■»«■■» erstrebt für daijMUche V>lk *Ile Scluaffuakg *>laer iflsat^Ä-rccIst^si gesicherte» Qclmtätt« im Palüatht«. ״ftanelerrr**ran>MM Tischa beaw /mm c J. er russischen Zionisten Tischa benw: Der Tag der Trauer, der Tag d<׳»׳ Erinnerung und der Tag der Hoffnung. Immer wieder knüpft das nationale Weh an Jerusalems (Geschick. Seine Leiden sind das ewige Leid des Volkes. Was Jerusalem gelitten, ist nicht vergessen und verharscht. Immer aufs neue blutet die Wunde und erhebt sich die Klage. Tischa beaw ist ihr leidenschaftlichster und reinster Ausdruck. Jerusalem ist gefallen, die Sciicchina ins üaluth verstoßen. Die Trauer darf keine Grenze haben, ewig muß sie die jüdische Seele aus Lässigkeit und Bequemlichkeit emporreißen. Immerdar blutet die Wunde. Denn der Tag der Trauer ist der Tag der Erinnerung. Wir dürfen Zions nicht vergessen, das unser war, und der Kraft nicht vergessen, die in Zion flammte. Die Erinnerung ist mit der Trauer verbunden, sie hält uns lebendig, was veruiebtet wurde, sie weist uns den Weg zu den Quellen unserer Kraft, die in Jerusalem gesammelt worden ist und nach Zion zurückverlangt. Und Tischa beaw ist der Tag der Hoffnung, weil er der Tag der Trauer und der Erinnerung ist, die kein Ende hat. Trauer und Erinnerung, Erinnerung und Hoffnung sind eins. Wir wissen, daß wir in Jerusalem erst gesunden werden. Das Galuth kann nicht e'wig sein. Die Sciicchina muß zurückkehren. Tischa beatw ist dessen ein Zeugnis, Nochmals trifft uns Tischa beaw inmitten des Weltkriegs. Tischa beaw war cs, als er ausbrach und drei Jahne neuer unsäglicher Trauer der Menschheit und dem jüdischen Volk aufzwang. Ein Meer von Blut und Elend . .• . Da aber Tischa beaw wi *deikelirl, wissen wir, daß auch die Trauer der Gegenwart uns Zions Fall nicht vergessen läßt. Und wie immer wird auch diesmal Trauer und Erinnerung zur Hoffnung. Zwischen der Erinnerung und der Hoffnung steht die Tat. Wie wir den heut« heimlos gewordenen Brüdern von Jaffa die brüderliche Hilfe senden und die Hoffnung auf ihre baldige Rückkehr nicht erkalten lassen, so brennt in der Seele des jüdischen Volkes die heiße Flamme der nie vergessenen Hoffnung, die uns zur Tat des Zionisnius gerufen hat. Das jüdische Volk ist in den Stürmen der Jahrtausende stolz, und aufrecht geblieben Und hat die Trauer und die Eriqmerung nicht vergessen. Jetzt ertönt von neuem in aller Welt seine Stimme, die laut seine Hoffnung aussprkht. Durch die Trauer reift die Bereitschaft ztrr Tat, die zwischen der Erinnerung und der Hoffnung steht. L. H. Aufruf Gedenket zu Tischa beaw des Hilfswerks für Palästina! Unser Appell ist überall gehört worden. In allen Ländern sind Hilfsaktionen eingeleitet worden. Aber neue rasche, starke Hilfe tut not Die letzten Nachrichten aus Palästina berichten von einem Elend, das unsäglich ist Alle bisher gebotene Hilfeleistung ist diesem Elend gegenüber unzureichend. Und noch kann die *)Rückkehr der Evakuierten in ihr Heim nicht berichtet werden. Die Regenzeit naht, die Krankheiten greifen in der geschwächten Bevölkerung um sich, der Hunger fordert seine Opfer. Gedenket zu Tischa beaw des Hilfswerks für Palästina! Für dab HiIfswierk für Palästina Otto Warburg. Spenden sind zu richten an des Hilfswerk für Palästina Berlin W. 15. Pestscheckkonto Berlin 4192. Von den ersten drei Sitzungen, die die Referate von Dr. Tschlenow und Ussischkin im Mittelpunkt hauen, wurde bereits berichtet (s. Jüdische Rundschau Nr. 27). Die nächsten vier Sitzungen (am 26. und 27, Mai a. St.) wurden von dem Bericht des Zentralkomitecs und der Debatte über ihn in Anspruch genommen. Der Vorsitzende des Permanenz-Aus* Schusses A. M. Goldstein teilte mit, daß außer den am 24. erwählten Dr. J. W. T s c h I c n o w und M. U s s i s c h k i 11 ins Präsidium der Konferenz noch M. II ruck, H, Slatopolski, J. M. Kohan* Bernstein, W. J. T i o m k i n , A. D. I d c I s o h n, J. A. Neiditsch, j. A. Rosow, und A. Podlischewski gewählt worden sind. Es wurden auch das Sekretariat und eine Reihe von Kommissionen für Palästinafragen, national-politische Forderungen, Kultur-, Presse-, Organisations-, Finanz-Angelegenheiten etc. eingesetzt. Den Bericht über die Tätigkeit des Zentralkomitees erstattete M. S. A I c i n i k o w. Die letzte Konferenz der russischen Zionisten, die im Jahre 1913 in Wien stattgefiinden hatte, hatte ein Zentral-Komitce gewählt, dessen Bestand und dessen Tätigkeit geheim bleiben׳ mußte. Es bestand aus den Herren: M. S. Alcinikow, A. G o I d s t e i 11, J. O r ü n b a u m , A. D. I d e I s o h n , S. Janowsky, L. B. Jaffc, J. A, Neiditsch, D. P a s 111 a n i k, und J. Rosow. Später wurden die Herren Rosenbaum, Wilensfcy, Klcbanow und nach der Revolution M. Margolin, Rapop o rt, II u c 11 in i I und J e r n o w i t sc h kooptiert. Das Zcntral-Koniitee erfüllte seine Aufgaben bis zum Aus- Imich des Krieges. Ls war die Zeit des Sprachenknmpfcs in Palästina. Das Zentral-Komitec entfaltete eine ausgedehnte Tätigkeit zu Gunsten des hebriii* sehen Schul Werkes. Zwecks Bildung und Durchführting des Z c n t r a I f o n d c s besuchte damals Ruß* land das Mitglied des E. A. C., Dr. Jacobson, Dr. A. R u p p i n kam nach Rußland und organisierte die Ac h usa-0 rga uis at 10nc 11. Unter der Leitung von B. G 0 1 d b c r g arbeitete die P a 1 ä s t i n a k o m - m i s s i o n mit erfreulichem Erfolg. Da kam der Krieg mit seinen schrecklichen Folgen für die russische Judenheit. Für einen Augenblick schien es, daß die zionistische Tätigkeit eingestellt Und alle Kräfte der Hilfstiitigkeit gewidmet werden müßten, ln der Provinz stellte sich die zionistische Jugend völlig׳ in die Dienste dieser Volks,־irbeit. Auch in den leitenden Organen der Hilfsorganisationen war der zionistische Einfluß hedeutend. Durch diese Hilfskomitees sind weite Kreise zinn Zionismus gekommen. Die Zionisten beteiligten sich besonders aktiv an der Arbeit des politischen Bureaus, das die jüdischen Deputierten zu unterstützen hatte. Die Reaktion hemmte aber die zionistisehe Tätigkeit auf Schritt und Tritt. Die Einziehung von Schekeln wurde verboten und das Zentral-Komitce mußte an Stelle de«! Schekels spezielle Ansich tskarten verkaufen. Zionistische Versammlungen wurden verhindert und die Sekretäre der Organisation muß• teil als Agenten des zionistischen Verlags ״Wostok״ ihre Reisen unternehmen. Die Jugend wurde zur Fahne gerufen. Auch Mitglieder des Zentral-Komitees wurden cingezogen. Später kamen die Verfolgungen der aktiven Zionisten. Die Leiter des Odcssaer Hcchawer (Fischer, Granowski und Handelin a 11 n) wurden nach Sibirien verschickt. Zur Strafe für die Einberufung einer R ay on 8* K on f e• rcuz wurde der Vorsitzende M. Klein mann verhaftet. In Witebsk wurde das ganze zionistische Komitee c i ugespe r rt. Endlich wurden die Herren Dr. Tschlenow, Ussischkin, Rosow und Ooldberg für die Beteiligung an einer zionistischen Konferenz in Kopenhagen ins Innere Rußlands verschickt. Die zionistische Zeitschrift ״R a s 8 w J e t" wurde eingestellt. Die Glan zepoche der Or- •ganisation beginnt nach dem Sieg der Revo• lution. Eine intensive Tätigkeit entfalteten die äkadänische Organisation ״Hechawer״ Und die demokratischen Zeire-Zion. Die Auflage der Zeitschrift Jewrejskaja Shisn“, die an der Stelle des Rasswjet erscheint, wurde vervierfacht. Im Jahre 1913 war die Zahl der Schckclzahkr in Rußland sechsundzwanzig Tausend. Während des Krieges wurde diese Zahl auf die Hälfte reduziert. Jetzt beteiligten sich an den Wahlen zur Zionistischen Konferenz 140000 Schekelzahler in 678 Städten des Reiche«. Zu* sammen mit der Zahl wuchs auch die politische Reif« und das Gefühl der Verantwortung. Wohl ist sich das Zentral-Komitce seiner Schwächen bewußt. Für das Zentral-Komitec bestand aber das Dilemma, entweder die Schwäche seiner Kräfte an/.uerkcimen und die Articit nicderzulcgcn, oder auf dem Posten bleiben. Ls hat das Zweite gewählt und ist jetzt glücklich, die Articit in die Hände ciuer mächtigen Organisation zurücklegen zu können. In einem ergänzenden Referat berichtete J. Grä»* bäum über die praktische Tätigkeit der Zionisten seit Ausbruch der Revolution. Die Zionisten waren die ersten, die die Forderung aufstcllten, daß die Provisorische Regierung die jüdische Rechtlosigkeit sofort abzuschaffen habe, noch bevor die Konsti- 111 a n t e einberufen wird. Er referierte über die Verdienstc des ehemaligen jüdischen Deputierten Bramsoll n, des Ministers Kerenski, des Rats der Arbeiteru n d So Id a t e 11 - De p ti t i c rt c n und der in diesem Rat vertretenen jüdischen sozialistischen Parteien um die Verwirklichung tler Emanzipation, und schilderte ausführlich die Entwicklung der Kongreß* bewegung und die Politik der Zionisten in ihrem Zusammenarbeiten mit den anderen jüdischen Parteien auf diesem Gebiete. Dem künftigen Zentral* Komitee steht der Kampf um die nationalen R c c 111 c in Rußland und das Recht der jüdischen Nation auf ein freies Teilen in Palästina bevor. Eine Reihe von Rednern und Gciieralrcdnern tmterzog die Tätigkeit des Zentral-Komitees einer eingehenden, manchmal vorwurfsvollen Kritik. M. M. Margolin warf eiern Zcntral-Koniitee vor, daß es iindcmokratiscli gewesen sei. Lcbcndinski meinte, daß die Revolution die Zionistische Organisation unvorbereitet getroffen habe. Der Vertreter des ״Heehawer", Fischer, meinte, daß das politische Arbeitsprogramm des Zentral-Komitees unklar gewese■ sei, das Parteiorgan hätte den allgeineinjüdischen Frage■ wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Der Kontakt mit de■ anderen nationalen Minoritäten wäre gering gewesen. Der Vertreter der ״Zeire-Zion״, Mereminsky, sprach über unzureichende Tätigkeit des Zentral-Komitees auf dem wirtschaftlichem Gebiet. Au der Arbeit des Hilfskomitees und der sonstigen jüdischen Gesellschäften hätte sich die zionistische Jugend beteiligt, ohne von der Leitung Instruktionen über ihre Politik erhalten zu haben. A. P o d 1 i s c h c w s k i und S. Persitz erklärten sich mit dem Zentral-Komitec wegen seiner nicht genügenden Anteilnahme an der hebräischen Bewegung unzufrieden. Das Zcntral-Komitee habe die ״Hazefira" wenig unterstützt, sich an der Organisierung des ״H a a m“ nicht ausreichend be• teiligt, bis jetzt der Provisorischen Regierung kein Re• ferat über die Rechte der hebräische■ Sprache überreicht, Lebcdinski und Ka ha 11 kritisierten das Zcntral-Koniitee, weil die Organisation bis jetzt keine genügende Presse in der jidische« Sprache besitze. Der Zionistischen Organisation, die die zahl* und einflußreichste im russi s c It e n Judentum ist, zieme es nicht, sich mit den kleinen neuen Parteien, die ein paar Dutzend A■• bänger unter der Intelligenz zählen, in Verbindungen und Koalitionen einzulassen, meinten Dr. Berger u«d Pissarewsky, (Vertreter einer neuen zionistischen Gruppe ״Et L i w 11 o t‘). Am schroffsten traten als Ver• treter der Aktivisten J. Sc hechtmann und der 1 L c g i o n i s t c n M. G r o ß tn a n n auf. S c h c c 111 ' mann hielt die Leitung mul die Partcizcitschrift de« I gesteigerten Aufgaben für nicht gewachsen. Für die Herstellung der gewünschten B e z i c 11 u n g e rt z. w i• sehen den nationalen Minoritäten sei wenig gesorgt worden. Die ״vererbte Ministeriabilität" und der Bürokratismus der Leitung müsse beseitigt werden. Es müsse ein großes und ein engeres Zentral-Komitec geschaffen werden. Großmann behauptete, daß das Zentral-Komitce eine ungenügende politische Tätigkeit entfaltet habe. Er fragte nach dem Memorandum, das die Aufgaben und Wünsche der Zionisten klarlcgt. Es sei auch ein taktischer Fehler, daß bis jetzt noch kein j i d i 8 c h c s Organ der Partei geschaffen worden sei. Die Antworten auf die Kritiken gab«■ die Mitglieder der Leitung, Rosow, L. Jaffc und Alejnikow. Wenn weniger getan wurde, als geta■ werden sollte, hätten daran Schuld vor allem die alte russische Regierung, die jeden Versuch der Arbeit unterband, und die Schekclzahler in der Provinz, die Angst hatten, die Vorschriften der gestürzten Behörden zu überschreiten. Das Parteiorgan ״Jewrejskaja Shisn" war die einzige jüdische Zeitschrift, die sich auch kurz nach Ausbruch de« Krieges nicht vergaß, dem sentimentalen