Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1917)
- Date
- 1917-07-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ln- Id- 25, ii, 02 או ky!11 so 1 er uer u- •5 IO r, 0!. tt h "nd1.Ver!“? Jüdisdre Rundschau, Berlin W, 15, SädnRche Stnßr 8 Er- ,*emt wodentl am I-rcil^. Abonnement hei der Expedition und bei allen Posliimtern TicrUljah. 1. Mlc.2,75 in Deutschland, in Oeftterreich-Ungam Kr. 5י— im Auslanci Mk.4f— Nummer 27 Berlin, den 6. Juli 1917 Telephon: Amt Uhland 845.846. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. F ür Oesterreicht K. K. Postsparknsscnnmt Scheckkonto Nr, 156030. Anzeigen die *echsgespallene Petitzeilo oder deren Raum 40 Pf. Teuernngszimchlng 15%, Rrdnktionuchluß Dienstag nsch■. IC. Thammua 5G77 XXII. Jahrgang Herzl Anders als in früheren Jahren begehen wir diesen Todestag Theodor I leivls. ,Es ist nicht mir die äußere Tatsache, dall jt'izf Zionistische Or^attisatiou und Ziniiistiselur Kongreß zwanzig Jahre hcstelten. Auch innerlich l'iililen wir uns näher als sonst dein Genius Theodor I leivls. Die Zionistische Organisation war Herzls großer Gedanke. Sie sollte die Keimzelle werden für die Organisierung des ganzen jüdischen Volkes, wenn es reif sein würde für die Stunde der Befreiung, Dieser Gedanke scheint jetzt zur Tat m werden. Was sielt in Amerika vor unseren Alicen abgespielt hat, was in K'uliland machtvoll anhebt, das ist die Erfüllung der Pläne und Wünsche, mit denen Herzl vor den ersten Kongreil trat: die Organisation des jüdischen Volkes unter nationaler Führung. Der (iedanke der Selbsthilfe ist stets von Herzl *mit besonderer Entschiedenheit vertreten worden, bin Volk so sagte er , das sicli nicht selbst hilft, dem ist nicht zu helfen. Uns Zionisten war dieser Satz, zur selbstverständlichen Voraussetzung unserer Arbeit geworden. Wir' wiiiiten, daß wir nur auf e i 11 e Kraft mit Sicherheit vertrauen dürfen, auf das jüdische Volk und seinen Willen, sich eine eigene Zukunft zu bauen. Nie aber haben wir stärker die Wahrheit dieses Wortes erkannt, als heute, wo unsere Brüder in Palästina durch die unseligen Fügungen dieses Krieges in Not und Elend geraten sind, und wo wir wissen, daß es nur eine Rettung für sic gibt, die Hoffnung auf die werktätige Liebe der Volksgenossen. In diesen Zeiten denken wir an Her/.l zurück, der uns mahnte, der eigenen Kraft zu vertrauen.. Und doch sali Herzl klar die (irenzien, die der Selbsthilfe gesteckt sind. Er wies uns darauf hin, daß der Zionismus nur in einer Sphäre des allgemeinen Wohlwollens gedeihen könne. Auch hier reift die Saat zur Ernte. Den kleinen Völkern zu ihrem Rechte zu verhelfen mild ihnen die Möglichkvit eigenen nationalen Lebens zu geben, scheint mehr und mehr zu einer der unumstößlichen Fordenmgen zu werden, die von allen kriegführendun Völkern vertreten werden. Und immer stärker wird auch die Erkenntnis, daß auch unser Volk, das älteste unter den lebende 11 Völkern, dessen leidensvolle iund doch so rühm reiche (ieschichtc sich mit keiner anderen vergleichen läßt, endlich Frieden und Freiheit finden muß: in Palästina. Die zionistische Bewegung steht heute׳ an einem der Punkte des Weges, wo es gut ist, zurückzublickcn auf den bisher geschrittenen Weg, ehe man weitergeht und schneller als bisher dem Ziele cntgegeneilt. Wir denken der Zeit, da Herzl uns zur Tat auf rief. Wir denken der Tat. F. L. Wir hatten in der letzten Nummer der ״Jiidischcii Rundschau“ die Nachricht wiedergegeben, daß die spanische Regierung eine offizielle Mitteilung der türkischen Regierung erhalten hat, wonach'diese Ordre gegeben habe, der evakuierten jüdischen Bevölkerung die sofortige Rückkehr in ihre I leiinstätteii zu gestatten, Wjr imißjcii an diese Nachricht die Mitteilung schließen, daß!uns von der Erteilung dieser Ordre oder gar von einer an d!ie Evakuierten ergangenen Erlaubnis zur Rückkehr nichts bekannt geworden ist. Auch nach den bis heute vorliegenden Nachrichten haben die Evakuierten eine Erlaubnis zur Rückkehr nicht erhalten. Das Hilfswerk für Palästina Die Evakuierten sind noch nicht zurückgckclirt. Nach wie vor bestellt die dringende Notwendigkeit der Hilleteistung. ln Polen wurden die Wochen der Trauer (17. Tliainmus 0. Ab) zur flilfssanunlung bestimmt, ln Rußland wurde eine P a li» s t i 11 ä w oc 11 e הזו ganzen Reich für die S e 1l> st b e te uc r u n g für Patästina festgesetzt. Neue Hili'sgckler kommen aus S k a 11 - d i n a v i c n und Amerika, in Oesterreich hat auf Initiative der Zionisten ein Zusammenschluß aller jiklisehen Organisationen für das Hilfswerk stattgefunden. Das deutsche Judentum muß seine Pflicht tun. Spende״ sind an die Nationalbank für Deutschland, Berlin, Depositenkasse, Kurfürstendamm oder an das Postschckkonto Berlin 4192 (HiHswerk für Palastnia) zu richten. ״Der Zlonfsmus erstrebt fflr da* Jüdische Volk die Schaffun;1 einer tiffenlllch-rechSJSc!» £cclchertcn Heln1iUille ln Palästina." Baseler Programm, Die ersten drei Sitzungen der russisch-zionistischen Delegiertenkonferenz Der grolle Saal des Petersburger Konservatoriums, in dem die Eröffnungssitzung der russischen /ionistischeu Delegiertenkonferenz am '2. Juni stattland, war von Delegierten mul Gästen überfüllt. Gm 7 Uhr Abends betrafen die Mitglieder des Zentralkomitees die Estrade unter langanlialtcnden Beifall der Versammlung. in! Namen des Zentralkomitees begrullte die Tagung der ehemalige Redakteur des Zentralorgaiis ״Jewreiskaja Jisn“ und Mitglied des Zentralkoniilees A. I). Idclsohn. Zum ersten Mal, sagte der Redner, erhielten wir liier die Möglichkeit, öffentlieh die Hoffnungen des jüdischen Volkes zu verkünden. Die Knnteiiherrsehaft ist vorbei. Es wurde Licht um uns, Niehl nur die Tagcsintcrcssen waren es, die wir heim Schein der aiifslralilemlen Freiheit erfaßten, Wir wissen auch, worin unsere Aufgabe für die Zukunft bestellt. Die Aufgabe lautet: Rückkehr des jüdischen Volkes nach seiner ersehnten Heimat, nach Palästina! Die Zeit der Zerstörung ist vorüber, die Zeit des Bauens beginnt. Die Vergangenheit mit ihren Nöten und Kränkungen muH vergessen werden. Lange schwieg das Volk, jetzt muß es laut reden. Dies zu erfüllen, soll die stolze Aufgabe dieser ersten freien zionistischen Konferenz in Rußland sein.1' Die Fiilirer der zionistischen Jugendorganisation Zeirc Zinn brachten die zionistische Fahne in den Saal, und unter den Klängen der Hatikwah wurde sie auf der Estrade aulgestellt. 1111 Namen des Zentralkomitees schlug A. D. Idels o 1111 vor, Dr. Ii. W. Tsclilenow und M. M. Ussischkin ins Präsidium der Konferenz zu wählen, was einstimmig angenommen wurde. Den ersten einleitenden Vortrag, den Herr Dr. E. W. T s c 111 e 11 o w hielt, brachte die vorige Ntun- 111er der ״Jüdischen Rundschau“. Den zweiten Vortrag zur Palästinafragc hielt M. M. Ussischkin. JWir können diese inhaltsvolle Rede leider nur in der kurzgefaßten Form bringen, wie sic in den von dem Sekretariat der Konferenz täglich veröffentlichten ״Bulletins der 7. Russischen Zionisten-Konferenz.“ enthalten ist.) Das Referat Das Zentralkomitee;ahe übertragen: einen Ussischkins, hat mir eine schwierige Auf- Bericht über die Lage unseres Jischub in Palästina und unsere Aussichten für die Zukunft zu erstatten. Schwierig ist diese Aufgabe aus doppelten Gründen, Erstens, weil wir von unserem Lande getrennt sind und die wahre Lage nicht genau übersehen können, und zweitens, weil unsere Arbeiten für die Zukunft von dem Ausgang dieses Weltkrieges abhangen, den niemand vorausschen kann. Vor sechs Wochen erklärte ich, daß alles, was wir bis jetzt in Palästina geschaffen haben, lückenlos erhalten geblieben ist. Inzwischen aber ereignete sich die Evakuation un• serer Brüder aus Jaffa. Früher nahmen wir an, daß der Krieg Palästina nicht berühren würde, daß dieses Land, das von allen Völkern und Kulturen als heilig betrachtet wird, verschont bleiben würde. Aber dies ist nicht geschehen und man kann jetzt nidits Bestimm« tes Voraussagen, Unseren Nachrichten zufolge sind alle unsere Besitzungen erhalten geblieben, und unsere Piouiere sind auf ihrem Posten. Wir müssen aber auf alles gefaßt sein. Der Weltkrieg hat die Palästinafragc zur Frage der nächsten Zukunft gemacht. Wer in nächster Ziikiiiift Herr der Lage werden wird, der wird auch Herr des Lindes sein. Daher muß die Palästinafrage jetzt in den Vordergrund gestellt werden. Wir aber erleben dabei eine große Tragödie. Unsere Avantgarde in Palästina kämpft um ihre Existenz, und wir alle müssen neutral bleiben, da wir nur Jiuknhvitcn best!.. Lander darstellcn. Diese Tragödie wird nur dann aus der Welt geschafft werden, wenn wir ein einheitliches jüdisches Volk, da« von einem Ideal beseelt ist, werden. Bis jetzt galt das Streben, die russischen Juden zu befreien, für die einzige alljüdische Losung. Was wird jetzt, nachdem die russische Revolution tien luden die Freiheit gewährt hat, anstelle dieses Ideals treten? Die Vergangenheit allein reicht nicht aus, das Volk muß noch eine Zukunft erstreben, muß sich selbst bestimmen. In allen seinen Gebeten gedenkt das jüdische Volk Palästinas. Jetzt ist es Zeit, eine kategorische Ant•' wort zu geben. Ist das Volk gewillt, dieses Ideal aufzugeben oder cs zu verwirklichen? Von diesem fic■ siclrtspunkt aus erscheint die Idee eines alljüdischcn Referendums über Palästina als eine dringende Forderung des Tages. Ich glaube fest, daß die Mehrheit unseres 15 MiUioncnvolkes unzweideutig seineu Willen für die' Realisierung des alten jüdischen Palästina-Traumes zum Ausdruck bringen wird. In Ruftlaml haben wir von dein außerordentlichen jüdischen Kongreil eine unzweideutige Antwort wegen Palästina zu verlangen. Falls diese Antwort eine positive sein wird, muß dieser Kongreß, ebenso wie <iic jüdischen Kongresse in anderen Ländern, an die Regierung mit den entsprechenden Forderungen herantreten. Auf dein Friedenskongreß müssen die Vertreter des jüdischen Volkes zusammen mit den Vertretern aller anderen Völker auftreteu. Wir werden daun die Möglichkeit haben, unseren Willen vor dem Friedenskongreß zu begründen. Der beste Beweis für unsere Forderung wird dieser ausgesprochene Wille des Volkes sein, zusammen mit den Resultaten, die wir bis jetzt in Palästina erreicht haben. Der Redner gibt tlaim eine eingehende Ucbersicht aller bis jetzt in Palästina geschaffenen Positionen und spricht ausführlich über die bevorstehenden Aufgaben der wirtschaftlichen Erschliessung Palästinas. Es muß ein großes jüdisches interterritoriales Finanzsyndikat errichtet werden. Eine bedeutende Rolle hat auch das philanthropische Kapital zu erfüllen, und in diesem Zusammenhang unser Nationalfonds. Das Hauptgewicht 1111111 aber auf die Organisation des Privatkapitals lind der jüdischen Arbeitskräfte gelegt werden. Das jiidisehe Land kann mir mit jüdischen Menschen durch jüdische Arbeit besiedelt werden. Diese ganze Arbeit muß in großzügiger Form ausgeführt werden, damit wir den grollen bevorstehenden Aufgaben uns gewachsen zeigen. Zur inneren Erstarkung des Judentums Palästinas muß sofort für den Ausbau des Schiihvcrks gesorgt und die ersten Schritte zur Bildung einer hebräischen Universität müssen getan werden. Wir müssen, schloß der Redner, die jüdischen Kräfte zur friedlichen Er- Schließung unseres Landes organisieren. Nach der mit stürmischem Beifall aiifgenonimencii Rede Ussischkins verlas der Sekretär des Präsidiums, Dr. Juno witsch, die folgende Begrüßung des E11geren Aktionskomitees* Zum ersten Mal tritt der l )elegiertentag der nissistlien Zionisten in Freiheit zusammen. Namens der Zionistischen Organisation entbiete» wir ihm unsere brüderlichen Glückwünsche. Das Joch bürgerlicher Entrechtung ist zerbrochen. Der Kampf geht jet/1 um die nationale Befreiung und Entwicklung. In diesem Kampf die russischen Zionisten an der -Spitze des russischen Judentums zu sehen, ist der gesamten Organisation stolze Freude und Genugtuung. Wie die bürgerliche Emanzipation des russischen Judentums eine Sache des ganzen jüdischen Volkes ist, dessen bürgerliche Befreiung hiermit zur Vollendung gedeiht, so wird der Kampf um die nationale Befreiung, den die russischen Zionisten an der Spitze eines freien starken russischen Judentums aufgenommen haben, den Kampf des ganzen jüdischen Volkes um seine Freiheit und seine nationale Zukunft zur unaufhaltsamen Entwickhing führen. Von ilun muß eine Stärkung des nationalen Gedankens im jüdischen Volk ausgehen, welche dem Zionismus den Sieg sichert. Der Zionismus muß für das jüdische Volk gerade in dieser Zeit zum leuchtenden Ideal werden, an dessen Verwirklichung in unseren Tagen zu glauben wir das Recht haben. Wir sind uns dabei der großen Schwierigkeiten bcwußt, die die Zeit des Krieges gebracht hat. Wir 11ahen ihnen aber bisher zu begegnen verstanden. Die Zionistische Organisation ist als die einzige interterritoriale Organisation des Judentums erhalten gcblieben. In fester Verbindung mit unserem Jischuw hat sie die Feuerprobe bestanden. Und gerade jetzt vereint sie ihre Hoffnungen und ihre Zuversicht mit unserem Jischuw, über den neue Tage der Not herangezogen sind. Durch uns versichert der patästiiicnsisehe Jischuw der gesamten Zionistischen Organisation, daß sein Zukunftsglaube unersetiüttert ist und daß er auf der nationalen Wacht nnshnltcn wird. Zvvci Dezennien sind vergangen, seit Theodor Herzl das gesamte Judentum zum ersten /ionisteukon- Kielt m Hasel ziisauuiieiigeriden hat. Das Programm, io dem sich die Zionistische Organisation ziisammengesdilosscn hat, ist in ihr lebendig. Die Zeit, die uns gewaltige Aufgaben gestellt hat, verlangt die entschlossern־ nationale Tat. Zu ihr weist die Zionistisehe Organisation die Zionisten Rußlands, die seit jeher zionistischen Bewegung gewesen Warburg Es folgte dann die Verlesung von Bcgrüssungsdcpesehen und Adressen vom Nationalfonds, von der Englisehen Zionistischen Federation, von einer Reihe jüdischer Gemeinden, Kulturgcscllschaftcn, Arbeitervereinen zionistischer Komitees, Soldatcngruppen etc., wie audi Begrüßungsreden vom Rabbiner Dr. Eisenstadt, Rechts- SLiosbcrg, S. M. Dubnow, J. J. Marken, und die Kerntruppe sind'. ,anwnlt anderen mehr. Die Debatte, In der zweiten Sitzung, die am 3. Juni, um 12 Uhr begann, gedachte Herr Ussischkin der Verluste, die das jüdische Volk und die Zionistische Organisation im Verlauf der letzten Jahre erlitten hat. Er gedachte des Gründers und Vorsitzenden des ״Misrachi“, Rabbiner Reines, des Dichters F rüg, des Gelehrten Dr. Kat.cnclson, der Dichter J. L Perezund Bchol c m A l e j c h e m, des Gründers der jüdischen ■Tages* presse Kantor, der alten Zionsführer Jassinowski,