Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1917)
- Date
- 1917-06-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ו l X J rc—י־*; :\ V?1 \!' n I ^yV. L:i/ V^.. 1 r— ■ ״־..־ -_ - j \ \ (' I \ \ \ ׳• n־■/ .V^w^ v-^ Aktion und Verlag Jüdische R«Bdscha^inVT5*^I;rrc;׳ T'־T ־« ,difint wödicntl. am I-rciUg. Abonnement bei der Fxneditiן ״,, ״״ J ׳? י,0™51־ kr- Srtdjihrl. Mk. 2.75 In De,»,hl״״!, i״ OederrÄÄr ’ i" A I ‘ YmL1 ״״[‘״ Nummer 20 N־״־־/ / .y ץי*־־^!8* p 3»»״ ״״* י»1 tWBtl" ,trgr1«T Berlin, den 29. Juni 1917 Tcl.-plion: Amt Uiiland 845. 046, Postr.cieckkonto! Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich 1 K, K. Pontsjinrkner.ennmt Siherkkonto Nr. 156030. Anzeigen die ««־dmgcspiiltene Petit* teilo oder deren Rmim 40 Pf, Teucrungrzuscblnj» 15°/״. Rednktionssrhluß I.)icn«taj* nachm. 9. Thammu» 5677 XXII. Jahrgang An die Freunde und Leser der : ״Jüdischen Rundschau" Mit dein nächsten Monat beginnt ein neues Quartal der ״Jüdischen Rundschau“. Die ״Jüdische Rundschau“ wird in der gesamten : | jüdischen Publizistik gegenwärtig mit Recht als [ reichhaltigste und informierendste Zeitung in! Deutschland anerkannt. Ihr stehen infolge ihrer Beziehung zur ganzen zionistischen Weltorganisa• . tion aus allen Ländern Nachrichten zur Verfügung.; Die Nach richten der ״Jüdischen Rundschau" infor• j micrcn gründlich über alle Vorgänge im jüdischen | Leben. Die wesentliche Vergrößerung der Zeitung jj durch ökonomischere Anordnung des Textes und Erweiterung des Satzspiegels hat ihr die Möglichkeil gegeben, den redaktionellen Teil erheblich zu; vermehren. Die in s'tctem Wachsen begriffene Erhöhung des Papierpreises und der Herstellungskasten haben uns gezwungen, den Abonnementspreis der ״Jüdisehen Rundschau“ um einen kleinen Betrag zu erheben. Wir sind sicher, daß die Zahl unserer Abon- I aenten trotz dieses Aufschlages weiter steigen wird. Freunde der ״Jüdischen Rundschau“! Werbet für die ״Jüdische Rundschau“! Der Verlag. I Die Lage der Evakuierten i י!! ln der ,,Jüdischen Rundschau“ vom 22. Juni 1' haben wir aus Palästina mitßctcilt, daß das ״Jü- : di sehe Fürsorgekomitec für die Eva- I! .! Wuicrtcn“ eine Reise nach Galiläa unter- I nonunen hat, um die Lage der Flüchtlinge daselbst ] zu untersuchen. 5 1 Nunmehr liegen uns die ersten vorläufigen Be- I richte über die Ergebnisse dieser Inspektionsreise vor. Die Kommission hat, wie ein vom 18. Mai datierter Bericht meldet, ganz Galiläa sowie | Haifa und Sic 11 ron- Jakob besucht. ln ן Jcmnia wurde eine Versammlung cinberufen, an ן welcher Vcitrcter aller galiläisc 11 en Kolo- ן nien, alle Komitecs der Flüchtlinge, Vcr- ן tretcr der Stadt Tiberias und aller Farmen, I insgesamt 60 Vertreter der jüdischen Bevölkerung I teilnahmen. Auf Vorschlag des Fürsorgckomitecs 1 wurde für Galiläa ein Zcntralkonvitce gewählt, I das dort alle Arbeiten organisieren und leiten soll, t Der uns vorliegende Bericht des Fürsorgckomitecs 1 konstatiert, daß überall Hingabe!und Wille zur Arbeit ״ im Interesse der Evakuierten vorhanden ist und | daß sich insbesondere die Jugend in den Dienst der Sache gestellt bat. Es wurden insgesamt zwei I Versammlungen abgchaltcn, welche dazu beitrugen, daß bei der künftigen Organisierung der notwendigen Arbeit die jüdische Bevölkerung Galiläas selbst aktiv tätig sein wird. Das von dem Fürsorgekomitee für die Evakuiciten ausgcarbeitctc Budget verlangt 50 000 Frcs. monatlich in Goldwährung für Unter- *1 Stützungen, Notstarulsarbcitcn und Erziehung der IFlüchtlingskinder, wobei als Grundlage der Sub- , ^ention ein Minimum von 20 Cts, pro Kopf ו genommen wird. Der Bericht konstatiert selbst, j dal) dieser Durchschnittsbetrag natürlich unzu-; reichend ist und daß mindestens der doppelte { Betrag notwendig ist, um die Flüchtlinge einiger* 11 maßen ausreichend zu ernähren. י ן Soweit Berichte über die Lage der Evakuierten 1 1 w den einzelnen Orten vorlicgcn, wird konstatiert, ן daß im besonderen der Zustand der Evakuierten in 11 Kineret 11 außerordentlich schlecht gefunden j5׳ vurdc. Auf dem Kerak fand das Fürsorgekomitce P mehr als 1000 Flüchtlinge unter den schlechtesten p klimatischen Bedingungen. Das Fieber hatte sich ff dngenistet und schnell verbreitet. Die Zahl der II fieberkranken •und derjenigen, die an I! 8ndcrcn Krankheiten daniederlagen, I *ar sehr groß. Trotz der geringen zur Verf %u!1g Stellenden Mittel und der durch den Trans* 1 Port entstehenden Kosten mußte man sich deshalb entschließen, einen Teil der Flüchtlinge von ״»er Zionismus ersirebt für da» Jüdtschc Volk die Schaffunit einer Offenilich-rcchliich (•eiichcrfen HeinutiiUc in f'di,t!ii!1al“ Baseler!,rogramm. Kinereth an andere Orte zu bringen. Die Arbeitsfälligen wurden nach Rosch Pi n all und anderen Arbeitsplätzen gebracht, ein Teil bä den Wege* arbeiten der Regierung beschäftigt, die Arbeitsunfähigen wurden nach Safcd transportiert. Der sanitäre Zustand war infolge des Mangels an Heil* personal und Heilmitteln sehr schlecht geworden, denn der einizige Ar/.t, der für die ärztliche Fürsorge zur Verfügung stand, der im Auftrage des Fürsorgckomitecs nach Galiläa gereist war, konnte die Arbeit nicht bewältigen, Man erwartete daher mit großer Ungeduld das Eintreffen der ärztlichen Mission aus Jerusalem׳. bi Tiberias haben sich die Emigranten eine gemeinsame Kiklic und' Kontrolle eingerichtet. Von den >1500 Flüchtlingen, die •unbedingt unterstützungsbedürftig sind, wird dein1 uns vorliegenden Bericht zufolge etwa der fünfte Teil bei Nots t a n d s a r b c i t c n beschäftigt werden können. Diese Notstaiulsarbcitcn für die Flüchtlinge sind in Galiläa Arbeite« für Fachleute und landwirtschaftliche Arbeiten, sowie andererseits Regie nun gs arbeite 11. In den Kolonien gibt cs verschiedene Arbeiten für Bauarbeiter, wie beispielsweise in Jcmnia, Mes 11a und zum Teil auch in Kinercth. Es gibt auch Saisonarbeiten beim׳ Ausreißen der Hülsen fl üchte und der Getreidearten, die nicht gut aufgegangen sind (in Scdjera und in Mesha), Bei diesen Arbeiten könnten 200 Personen Besclüifiigung finden. Außerdem gibt cs landwirtschaftliche Arbeiten in Migdal •und in Rama (Sarona), sowie Straßenreparaturen in Rosch- Pi ת all. Der Waad der Kolonie Rosch-Pinah hat sieh verpflichtet, 60 0/0 der Kosten der Arbeiten in dieser Kolonie zu übernehmen, der Rest wird vom Fürsorgekomitce der Kolonie geliehen. Um die Arbeit in Gali lä a gut zu organisieren, wurde beschlossen, ein ständiges Büro für die Evakuierten in Galiläa zu eröffnen, Wenn die Notstaiulsarbcitcn in dem geplanten Malle durchgefiihrt werden und Gelder hierfür aiusreichend zur Verfügung gestellt werden, so würde cs sich ermöglichen lassen, mit dem bczciclmetcn Durchschnitt von 40 Cts, pro Tag und Kopf die dringendste Fürsorgearbeit zu bestreiten. Um die augenblicklich notwendigen Gelder aufzubringen, mußte sich das Fürsorgekomitee an die Kolonien, Institutionen und Einzelpersonen wegen der vorläufigen Deckung seines Budgets durch innere Anleihen und Spenden wenden. Int Hinblick auf die aus dem Ausland verlangten und erwarteten Hilfsgelder konnten auf 'diese Weise zunächst die notwendigsten Summen aufgebracht werden. Die Bemühungen des Fürsorgckomitecs fanden auch dadurch eine Unterstützung, daß sich die Kolonisten in Galiläa bereit erklärten, die Erntcarbeiten an die Flüchtlinge zu vergeben. Soweit die Flüchtlinge 1r.it diesen Arbeiten nicht vertraut sind, wurde beschlossen, Arbeiter, die die Arbeit kennen und sich dafür eignen, an die Spitze von Avbeitergruppcn zu stellen und diesen Arbeiterführen! die Arbeiten bei den Kolonisten auf Akkord zu übergeben. Ein besonderes Augenmerk hat das Fürsorge- I komitcc bei seiner Reise durch Galiläa der Erzic Innig der Fl iiclitl in gskindc r gewidmet. Man bemühte sieh um die Unterbringung der Kinder in den bestellenden Kolonicscluilcn, die bestehenden Scluilräuiiie wurden vergrößert und Lehrer angcstellt. A11 den Orten, wo keine geeigneten Räume zur Verfügung stehen, werden Zelte errichtet werden müssen. * * Der letzte uns vorliegende Bericht ist vom 20. Juni 1917 datiert und «ns auf telegraphischem Wege zugekomnien. Er behandelt die Lage im ganzen Lande. ’ In Jaffa halten sich diesem׳ Bericht zufolge Über 50 Juden auf. Die Zahl der Araber, die sich zur Zeit in Jaffa aufhalten, beträgt ungefähr 3000. Eine beträchtliche Zahl von ihnen hatte, wie bekan nt, die Stadt nicht verlassen, andere hatten sich in die benachbarten Orangerien verzogen und waren von liier aus nach und nach in die Stadt zurückgekehrt. Genaue Zahlcnlxstimimingcn sind aber sehr schwer. Nach Lage der Dinge stellen neue F v akuic ru 11 ge n nicht bevor. Das Gerüclit über die Räumung von Haifa ist völlig ׳unbegründet. 111 den letzten Wochen sind keine größeren Ab- Wanderungen aus Jerusalem und den Kolonien vorgekommen. Da i!1 den Kolonien nur die Land- Wirtschaft treibende Bevölkerung Zurückbleiben durfte, mußten, wie bereits früher gemeldet worden ist, einige hundert Unbemittelte Einwohner, welche sich Aufcnthaltsscheine nicht beschaffen konnten, die Kolonien verlassen. Aus Jerusalem verziehen wöchentlich 20 bis 30 jüdische Familien, darunter Amerikaner, Ungarn, Oestcrrciclicr und Deutsche. Das hat seinen Grund in persönlichen Verhältnissen und der wirtschaftlichen Not im Lande. Dr. E. W. Tschlenows Rede auf der Konferenz der russischen Zionisten Die auf den 24. Mai (6. Juni) in Petersburg cinbcrufcnc Delegiertenkonferenz der russischen Zionisten eröffnete der Vorsitzende der Zionistischen. Organisation in Rußland, das Mitglied des E. A. C. Dr. E. W, Tschleuow mit der folgenden Rede: Liebe Gesinnungsgenossen und verehrte Gäste! Mein warmer Gruß Euch, die sieh in dem freien Rußland zum ersten Mal versammelt haben, um öffentlieh die Freiheitshoffnungen des die Regeneration ersehnenden Volkes zu verkünden und die uns bevorstehende Arbeit zu erörtern. Nirgends, scheint cs mir, könnten wir jetzt einen solchen Widerhall finden wie in dieser Stadt, wo erst vor drei Monaten die stärksten Ringe der Kette gebrochcn wurden, die das Leben des großen Landes gt• fesselt hatten. Wie viele reine Seelen sind geopfert, wieviel unschuldiges Blut ist vergossen worden! Mit Stolz konstatieren wir es: auch wir haben Teil an diesem Blut. Laßt uns derer gedenken, denen es nicht vergönnt war, die Frucht ihrer Arbeit zu erblicken (Die Versammlung erhebt sich). Erst drei Monate sind vorüber, seit sich Rußland die Freiheit errungen hat und die Provisorische Regieruiig in Gemeinschaft mit dem Rat der Soldaten* und Arbeiterdeputierten die schmachvolle Rechtlosigkeit der Juden, die seit Jahrhunderten Rußland befleckt hatte, schleunigst aus der Welt geschafft hat. Die Oeschichte unseres Volkes kennt kein zweites Beispiel der Vernichtung eines so großen Ghettos wie dieses, weiß keine Befreiung, die so menschlich einfach durchgeführt wurde von den einen, und so würdig empfangen wurde von den anderen, wie diese, Wir senden der Provisorischen Regierung unseren herzlichen Gruß (Beifall). Wir bitten sie, zu glauben, daß sie in ihren hcklenhaften Anstrengungen, die Errungenschaft der Freiheit zu sichern, auf unsere Unterstützung rechnen kann (Beifall). Jetzt müssen auch die Mauern der zwei letzten Ghcttis, die im alten Europa noch geblieben sind, stürzen: das f i n 111 ä 11 d i s c 11 c und das rumänische. Sic werden stürzen wie die Mauern Jerichos vom Posaur.cnschaß der großen russischen Revolution. Wie mitgctcilt wird, ist in Finnland bereits das entsprechende Gesetzesprojekt fertig. Wir wollen hoffen, daß Rumänien •nicht wird warten wollen, bis wieder der Friedenskongreß selbst diese Frage lösen wird und diesmal in einer Form, die keine aufhebende Interpretation zulassen wird. Vorläufig aber sind die Nachrichten, die aus diesem Lande kommen, traurig. Wie wir cs erst vor kurzem bei uns erlebt haben, sucht mich dort die Regierung alle Mißerfolge auf unsere Brüder zu wälzen. Seufzen und Entrüstung kommen uns von diesem Lande, Wir wollen hoffen, daß dies die letzten Seufzer sind, die durch die Rechtlosigkeit der Juden veranlaßt sind. Von uns Zionisten wurde behauptet — von den einen aufrichtig, von den anderen böswillig — daß wir das Gaiuth verneinen, daß uns die Fragen der Diaspora gleichgültig lassen. Noch mehr, manche behaupteten sogar, daß für uns das Prinzip gilt; je schlimmer desto besser. Zionismus sei, behaupten sie, eine Reaktion auf Rechtlosigkeit; wird die Rechtlosigkeit versdiwin* den, wird auch der Zionismus keinen Boden mehr haben. Nichts ist verkehrter als eine solche Behauptung, äs genügt, vorurteilslos das Baseler Programm zu lesen, um die richtige Sachlage zu erfassen. Die