Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1917)
- Date
- 1917-06-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2652026-2652050--11160-2668454- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
0 50 o \ Rfdaktion und Verlag Jüdisdic Rundschau, Berlin W 15 5“ ־־,ך־ י׳־־ ®*7 . ו:. »ci1eint wöduntl. am Freitag. Abonnement bei der Fine 1•»• ’?• Er־ vicrteljährl. Mic.2.75 in Deutschland, in t~ im A^lS״״ 3־ c-:r [ r wnwiiwrjp 8!8"י| Nummer 25 Berlin, den 22. Juni 1917 ״ '*׳*י ^*1 m ״ Tclephon: Amt Uhland 845. 846. PostsAeckkant«! Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich 1 K. K. Pottsparkassenamt Scheckkonto Nr. 156030. Anzeigen die *ech!!gespaltene Petitteile oder deren Raum 40Pt.Teum1ng87.uscMag 15%. RedaktionsschluQ Dienstag nacliot. 2. Thammua 5677 XXII. Jahrgang Per Zlonlsmu s erstrebt fflr da■ ji^aclse Volk die Schaffung einer gf^pUfciwceh'.Reh gflc&art«a Kal«wtät<e 1■ PaMUtfaa. ״Baseler Programm* AUJFRUF! Unter dem Zwange der Kricgaereigniase haben Tausende unserer Brüder und Schwestern in Palästina ihr in jahrzehntelanger Arbeit geschaffenes Heim verlassen müssen. Jaffa ist evakuiert. Fast die ganze jüdische Bevölkerung hat die Stadt verlassen müssen, deren stolzer Aufschwung ein unzerstörbares Zeugnis jüdischer Schaffenskraft geworden ist. Auch die judaischen Kolonien tmifite ein Teil der jüdischen Bevölkerung verlassen. Heimlos in'der Heimat, dem Flüchtlingselend und verheerenden Krankheiten preisgegeben, verlangt die jüdische Bevölkerung, die fast drei Jahre lang unverzagt ausgeharrt hat, unseren Beistand. Judenl ln dieser Zeit muß das gesamte Judentum beweisen, daß es die Pioniere unserer Wieder* gebürt im Lande unserer Väter nicht verlassen wird.J, Kinder und Frauen, Alte und Kranke harren unserer Hilfe. Eine große, schnelle, umfassende Hilfsaktion tut not. An das gesamte Judentum treten wir mit der eindringlichen Aufforderung heran: Helft! Helft schnell! Helft mit Liebe! Das Judentum wird seine Pflicht tun. Das Hilfswerk für Palästina verlangt Eure Tat. H[ilfswerk für Palästina Postscheckkonto: Berlin 4192, Hilfswerk fllr Palästina, Bankkonto! Notlonslbonk für Deutschland, Berlin Berlin W, 15, Depositenkasse Kurfilrstendamm. Ehrenausschuss:« R e chUanwalt Dr. Apfel, Berlin; Lehrer Auerbach, Posen: Oberkantor Birnbaum, Königsberg 1. Pr.; Lippmann Bloch, Breslau; Gell. Jualizrsl.Bliimrnfrld, Insterburg: juatizrat Dr.Bodenheimer, Cöln; Prof. Dr.M. Brunn, Breslau; Dr. Martin Ruber, Heppenheim: Dr. R. Chßrnir.rr, Leipzig; Rabbiner Dr. Emil Cohn, Bonn; Prof. Dr. Rud. Cohn, Königsberg i. Pr.; Willy Cohn, Halberstadt; Rechtsanwalt Dr. Dobriynsky, Beuthen; Prof. Dr. Dreyfuß, Stralburgi. Eis.; Siegmund Epstein, Vorsitzender der Gemeind« Duisburg; Rabbiner Dr, Esdiclbaclier; Düsseldorf; Rektor Josef Feiner, Homburg; Dr. Friinkel, Chemnitz; Jacob Frankel, München: Dr. Ad. Friedemann, Berlin; David Friichmasn, Hamburg; J. L. Goitcin, Frankfurt a. M.; Rsbbiner Dr. Goldmann, Oppeln: Landesrabhiner Dr. Gronemann, Hannover: Dr. Arthur Hantke, Berlin: Direktor Dr, Hana Gideon Heymann, Berlin: Rechtsanwalt Herrn. Hirsch, Hamburg; Siegmund Hiridi, Messingwerk; Dr. D. Hoffmann, Berlin; Rabbiner Dr. Jacob, Dortmund; Kommerzienrat M. Jacobsohn, Lüneburg; Eduard Jsael, Lübeck; Rabbiner Dr. Joseph, Stolp; Rechtsanwalt Dr. Klee, Berlin; Recht»- anwalt Dr. Kollensdier, Posen; Oberkiralienrat Dr. Kroner, Stuttgart; Leopold Landau, Hamburg; Feldrabbiaer Dr. A. Levy; Oberrabbiner Dr. Emil Levy, Straiburg i, Eis.; Dr. Enrnto Löbl, Leipzig; Prof. Dr. Heinrich Loewe, Berlin; Lehrer David Mannheim, Stadtverordneter, Graudenz; Landosrabbiner Dr. Mannheimer, Oldenburg; Direktor Hermann Marx, Königsberg! Dr. Julius Moses, Mannheim; Dr. Curt Nawratzkl, Berlin! Rabbiner Dr. Olitzki, Allenstein; Prof. Dr. Franz Oppsnheimer, Berlin: Privatdozent Dr. Pelz, Königsberg i. Pr.; Lehrer Reinhardt, Cöln; Rabbiner Dr. Rosenthal, Cöln; Dr. A. Sandler, Berlin; Rektor Saphra, Annaberg; Zahnarzt Hugo Schachtel, Breslau: Rabbiner Dr, Schlesinger, Buchau: S. Schocken jr., Zwickau: Gustav Schwabe, Varel; Landesrabbiner Dr. Silberstein, Schwerin; Dr. Jonas Siman, Heidelberg; Fritz Sondhtimer,Frankfurt a. M.; Armeerabbincr Dr. Sonderliag; Dr. Walter Stein, Königsberg i. Pr.; Rechtsanwalt Dr. Steinberg. Münster; Lehrer Steinhardt, Magdeburg; Dr. Storch, Hamburg; Dr. Elia■ Strau», München; Rabbiner Dr. Treitel, Laupheim; Davis Triettdi, Berlin: Gemeindevorstand Walt, Guatenkausan; Prof. Dr. O. Warbnrg, Berlin; Rabbiner Dr. Warschauer, Berlin; Dr. Ludwig Wassermann, München: Rabbiner Dr, Zlescinti, Insterburg. Berichte aus Palästina Die erslctt nutentiseben Nachrichten über die Lage der jüdischen Bevölkerung in eiern von den Riiuntungsnialin.iliiiieii betroffenen palästinensischen ״Bezirk Jaffa brachte die ״Jüdische Rundschau“ in ihrer Nummer von! 25. Mai auf Grund eines telegrafischen Eigen׳ Berichts mis Jerusalem vpn Mitte Mai. Seither sind verschiedene telegrafische Berichte ver׳ öffentlicht worden, welche in der Hauptsache eine Wider• kernig der verbreiteten Nachrichten über vorgekommene Judenverfolgungen und Ausschreitungen darstellten. Ausführliche briefliche Nachrichten aus der Zeit von Mitte Mai haben bisher nicht Vorgelegen. Nunmehr sind wir in der Lage, auf Grund aus׳ fiihrlichcr schriftlicher Beridite aus Jerusalem aus der Zeit von Mitte Mai über die Lage der evakuierten Bevölkerung detailliert zu berichten. Ein Bericht Vom 10. Mai meldet, daß Jaffa von der jüdischen und christlichen Bevölkerung leer war. Außer den Beamten war eine Anzahl mohammedanischer Familien geblieben, einige kehrten aus den benachbarten Pikmzungsbojarcn langsam zurück. Das jüdische Stadt׳ viertel Tel Awiw wurde von ca. 20 jungen Juden gut bewacht. Die Wache war gut organisiert. Die jungen Leute fegten die Straßen, bewässerten die Gärten und unterhielten eine gemeinschaftliche Küche. Vcr• schicdcnc industrielle Betriebe, wie die mechanischen' Werkstätten, die Druckerei hin, die Betriebe von Gu׳ ralski-Stcin, JMeumann, Gußmanu waren in Jaffa vcrblieben. Zwischen der Kolonie l’etach Tikwah und Jaffa bestand ein ziemlich reger Verkehr. Die Häuser, Gärten und der Mobiliarbesitz in Tel Awiw waren unversehrt. Der gleiche Bericht stellt fest, daß auch die jüdischcn Kolonien uiuuigelastct geblichen waren. 111 Petach Tikwah sind die Einwohner selbst, auch die Ycmenilen am Platze geblieben Von den Jaffa« Flüchtlingen, die nach Pctach Tikwah gekommen waren, waren mir einige Hundert der bemittelteren Leute geblieben, dagegen die große Masse der ärmeren Zu׳ Wanderer nhgcschobeii worden. Die gleiche Maßnahme traf einige hundert Personen, die schon früher im Laufe der Kricgszeit, nach Rischon-lc-Zion zugezogen waren. Eine Auswanderung der in Rischon-lc-Zion ansässigen ycinciiilischen Juden begann, wurde aber aufgehalten, so daß nur eine geringe Zahl Familien diese Kolonie verlassen hat. Aus der Kolonie Reell obot 11 und den anderen Kolonien war fast niemand fortgegangen, auch die Ycmeinten nicht. In ,Kfnr Saba hatten sich, wie schon aus den telegrafischen Berichten bekannt ist, gegen 100Ü Fluchtlinge angcsicdclt. Der vorliegende Bericht meldet, daß in Kfar Saba für 300 Schulkinder ein geregelter Unter* rieht in 8 Klassen von den freien Lehrern eingerichtet worden ist. Was die Wohnungsfrage anlangt, waren von den dort befindlichen Handwerkern aus Eukalyptuszu eigen Hütten angelegt worden. Die Frage der Vcrsorgung mit Wasser war auch einigermaßen gelöst worden.! 1 Sehr schwer war die Lage der großen Masse der Flüchtlinge, die in Untcrgaliläa noch keinen festen Platz gefunden hatten. Zunächst batten sich die meisten in der kleinen'jüdischen Kolonie Kincrcth nieder* gelassen, andere in Daganla, Jcmina, Migdal und in T i b e r i a s, ' Von den Bemittelteren war eine geringe Zahl nach Ohcrgaliläa in die jüdischen Siedlungen Safed mul Rosch-Ptnah übergegangen. Mit Rücksicht äuf die schwere Lage der Flüchtlinge in Galiläa konstatiert der vorliegende Bericht, daß den Flüchtlingen durch Schaffung von Arbeitsgelegcnheit Hilfe gebracht werden könnte. Solche Arbeiten seien möglich in Sarona, Poria, bei der Pflanzungs- Gesellschaft AgudathNctaim (Sedschcra), bei Privat* Kolonisten und auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds. ( Mitglieder des von den Evakuierten eingesetzten, unter der Führung des Bürgermeisters Disengoff aus Tel Awiw stehenden Fürsorgekomitees waren inzwisehen pach Galiläa zur Prüfung der L^gc der Flüchtlinge ahgcrcist. Ihre Rückkehr war am 17. Mai noch nicht erfolgt, m daß weitere Nachrichten über diesen Zeitpunkt hinaus nicht vorliegcn. Inzwischen ist der bisherige amerikanische Konsul in Jerusalem, Herr Dr. Glazebrook auf der Rückreise nach Amerika in Konstantinopct cinge troffen und bat einem dortigen Vertreter der Zionistischen Organis.itioi, bestätigt, daß bei der Evakuierung von Jaffa keinerlei Grausamkeiten gegen Juden vorgekommen sind, daß die türkischen Behörden sich keine Ucbcrgriffc zuschulden kommen ließen und daß die Leiden der Juden bei der Evakuierung nicht auf den bösen Willen der Behörden, sondern auf den Mangel an Lebensmitteln, Transportmitteln jmd Unter kunftsräumen zurückzu führen waren. * Aus allen diesen Berichten geht die wichtige Tatsache immer wieder hervor: Hilfe tut not! Eröffnung der zionistischen Konferenz in Rußland Kurz vor Schluß der Redaktion trifft die ״Rj ctscli" vom 25. Mai ein, die einen Bericht über die erste feierliehe Eröffnungssitzung der Delegiertenkonferenz der russischen Zionisten enthält, der am 24. Mai <6. Juni) in Petersburg begonnen hat. Die Tagung wurde im Namen des Zentralkomitees der russischen Zlonisten durch A. D. 1 de 1 soha eröffnet. Der große Saal des Theatergeb iudes war von Delegierten, Ehrcndcputationen und Gästen überfüllt. Die zionistische Fahne, die Soldaten in den Saal trugen, wurde unter dem Gesang der ״Hatikwah“ begeistert empfangen. Zu Vorsitzenden ,wurden Dr. J. W. T sch I c no w und M. M. Ussischk i n gewählt. Die einleitende Rede von T s c h I e n 0 w galt der Würdigung der Judenemanzipation in Rußland und den großen jüdischen Hoffnungen in Palästina. Die Versammelten ehrten durch Aufstehen das Andenken der jüdischen Opicr des Krieges und der Märtyrer des Frcihcilskampfcs in Rußland. In einer besonderen Gedenkrede wurde David W 01 f f 8 0 h n gefeiert. Im Namen der Provisorischen Regierung hatte der Minister des Acußcren M. J. Tcreschtschenko ein Begrüßungsschreiben gesandt. E* folgten dann Begrüßungcn von M. A. Wa rscha wsky im Namen der Petersburger Jüdischen Gemeinde, Rechtsanwalt H. B. Sliosbcrg jm Namen des Petersburger Statthalters und der Jüdischen Kriegshilfsorganisation. Die Tagung begrüßten ferner der Petersburger Rabbiner Dr. M. O. Eisen stadt und der Duma-Abgcordnctc N. M. Fried mann. S. M. Dubiiow sprach im Namen der ״Historischen Gesellschaft“, A. B. Salkind im Namen der ״Bildungsgcsellschaft“, J. M arkon im Namen der ״Hebräischen Gesellschaft“ und andere mehr. ♦ Das Aktionscomite der Zionistischen Organisation hat der Tagung eine Begrüßung gesandt und durch das Kopcnhagencr Büro der Zionistischen Organisation das folgende Telegramm erhalten: Siebente zionistische Konvention Rußlands empfing in tiefer Dankbarkeit und mit großem Beifall Ihre herzliehen Grüße. Wir sind glücklich mitteilen zu können, daß die inneren Kräfte wachsen. Die Entwicklung der zionistischen Bewegung im freien Rußland übertrifft alle Erwartungen. 530 Delegierte und viele Gäste tcilnahmen an der Konvention, die begrüßt wurde vom Außenminister, vom Soldaten - und Arbeit er rat und Armeedeputierten. Es trafen Begrüßungcn yielcr jüdischer Gemeinden ein. Alle großen Organisationen arbeiten in dem Zionismus freundlichem Sinne. Es herrscht große Hoff* nung, daß die jüdische Wiederherstellung nicht weit ist. Das Präsidium! Tichlenow. Ussisch k in. ,