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Jüdische Rundschau · 1917-06-08 · Heft 23 (8.6.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 23 (8.6.1917)
Date
1917-06-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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"ff <k t >3; ff- .13 31 iam 2i v- JH )* 75 if. 11. hkJ U 7»||per~~sK v\! \V -0' C\J vicHcijährf. Mk. 2.75 in Deutschland. in Ocsterreich-U^n 5 ™י. - t ÄLd“- Nummer 23 Berlin, den 8. Juni 1917 ״י .. ־ lr'י .XX.״״י־ י" T **י" ,TX ■■■■rttwae■ ־־Tr"g3i5,r. « ־־~־־־,~־־^,■^,,,^1 ׳■׳^״׳,— Telephon: Amt Uhland 845.846. Postsckeckkanto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich 1 K. K. Postsparkassenamt Seheckkonto Nr, 156030, Anzeigen die sechsgespaltene Petit* Zeile oder deren Raum 40 Pf, Teuerungs/uschlag IS0/«. RedaktionsschlußDienstag nachm. " ' ' | XXII. Jahrgang 18. Ssiwan 5677 ^0*111,^,0^ ׳u8 erstrebt für Jag jücliccUc Vmlk die Schaffwaag ckacc 8if eatlleliTocMgcIi gmotebcrton HebMtfttte i* Paülatlaa. ״Baseler Pragraaun• Aus der Zeit der Evakuierung liflHi• 11k■ Räumung Jaffas erfahren wir iioeli fol gvmle Einzelheiten; j 161• Kimmung wurde am 27. Mär/ von den liirkischcii Militärbehörden für du• Stadt Jaffa urnl alle im Kreise! 1.1' i.i gelegenen < )rtsrh.itten ,■ingeordnet. Ursprünglich .;,Iit der R.niiiiuiigshefehl nur für ottomniiisoltc mul feind- In! 1s־ Smatsangeliöirige, nicht aber für Angehörige heireiiiideier oder neutraler Länder. Schlicflhch wuixle nach wiederholten Aeiiderungcn der Ausweisuiigsbelehl am sämtliche Einwohner Jaffas ausgedehnt. Auf Bitten der jüdischen Bevölkerung verscholl l)je• 111,1 i Pascha die Räumung mit Rücksicht auf das Pcsviehfest bis /uni ersten Tage Chol Haiiiocd Pessaeh, 11 11. bis nun ■L April. Für die jüdischen Kolonien im Kreise Jaffa war die Bestimmung getroffen, «lall die < ictreidcbauern, deren cs freilich nur sehr wenige bei Jaffa gibt, mit ihren Familien, die Pflan/cr dagegen ohne• ihre• Familien Ins zur Ernte in den Kolonien Iilirthen (lurltcn. Alle amlcren Einwohner der Kolonien, die nicht landwirlsch.'dtlich tätig waren, tl. 11. Kaufleiitc, Ijt'hrer, Handwerker, sollten ursprünglich die Kolomcn verlassen. Die Lehrer und Schüler der Ackerbauschule Mikwtli Israel, sowie die Beamten mul Arbeiter der Weinkellereien in Risehon-le-Zion erhielten die l>er sondere Vergünstigung, an Ort und Stelle• /ti bleiben. Die jüdische Bevölkerung der Stadt Jaffa begann mm den Abzug zu organisieren, was infolge des Mangels an Lebens- und Transportmitteln naturgemäll eine aullerst schwierige Aufgabe war. I>ic Kolonisten, welche ihre Wagen und Gespanne zur Verfügung stellten, taten dir Bestes und unterstützten so das von den Jaffaer Jtnlen eingesetzte Komitee, welches die Organisation des Abmarsches unternommen hatte. Jeden Tag ver* hell eine gewisse Anzahl von Personen »'ie Stadt. Für Kinder sowie für alte und kranke Leute wurde auf besondere Weise gesorgt. Es wurde darauf gesehen, da ft die Abwandernden wenigstens das Allernotigste an Kleidung, Wasche und Mundvoiratcn mit nehmen konnlen und daß alle Habe, welche die Flüchtlinge in ihren Häusern zurücklierten, in möglichst sicherer Weise verwahrt wurde Die Kolonisten von Petaeli Tikwali nahmen mehrere lausend Flüchtlinge bei sieh auf, gaben ihnen Unterkunft und teilten ihre Lebensmittel mit ihnen. Die Flüchtlinge zogen nämlich in erster^Linie nach Pctach Tikwali, weil diese Kolonie nur 18 km von Jaffa ent• lernt ist und weil man hoffte, daß die angedrohte teilweise Räumung der Kolonie nicht zur Ausführung kennmen würde. Mehrere Tausend der Flüchtlinge gingen 11;ich den galiläisehon Kolonien, was mir dadurch er* möglicht wurde, daß dir Kok>ni»ten Untergaliläas, obwohl sie gerade mit Feldarbeit vollauf beschäftigt waren, sofort ihre Mint Iiet1'*n Wagen, ungefähr '2W, nach Jaffa sandten und den Transport der Flüchtlinge lediglich gegen Vergütung ihrer eigenen Auslagen übernähme.■'. Ferner beschlossen die Kolonien in Uulergaliläa, alle verfügbaren Wnlumiiime den Flüchtlingen zu überlassen, ihnen jede Erleichterung zu gewähren und ihnen das notige Getreide ni mäßigem Preise zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise gntjg die Evakuierung Jaffas vor -ich, und hei Ablauf der Frist befand sieb kein einziger lüde mehi in Jaffa. Von den Flüchtlingen waren etwa dt 100 mit Wagen nach Galiläa gezogen, etwa 5000 hat- ׳en sich, größtenteils zu Fttli, nach Petaeli Tikwali begeben, der Rest halle sich nach Jerusalem und an« deren Orten zerstreut. Infolge der gewaltigen Ucberfüllting Petaeli Tikwnhs mHinten von den 5000 dorthin gelaugten Flüchtlingen mir ungefähr die Halft« in der Kolonie seihst Unterkunft und Nahrungsmittel finden. Die andere Hälfte war gezwungen, außerhalb Petaeli Tikwahs an der Bahnstation Ras cl Ain unter freiem Himmel zu kampreren und auf die Eisenbahnziige zu warten, die ihnen zum Transport nach üaliläa versprochen wurden waren, die aber nicht kamen. L)a es an der genannten Station weder Untcrksmftsräumc noch genügend Wasser und I ebcnsniittel gab, so kann man sich die traurige Lage dieser Flüchtlinge vorstellen, obwohl seitens der Kokmivuit in Pelach Tikwali und seitens der jüdischen Hilf*« touds das Möglichst« getan wurde. 161s Schlimmste war, daß gemäß der ursprünglichen Ordre über die Räumung der Stadt Jaffa auch diejenigen Flüchtlinge, die in Petaeli Tikwalt Unterkunft gc* umdeti hatten, den Befehl erhielten, die Kolonie zu verlassen, Glücklicherweise wurde dieser Befehl nicht streng durchgefülirt. Immerhin mußten etwa 600 der in Petaeli Tikwali utilergekominencn Jaffaer Flüchtlinge die Kolonie verkäsen. Die anderen sind zurückge« blieben. Der Befehl, daß die nicht landwirtschaftlich tätigen Einwohner der Kolonien abwamlern sollten, wovon etwa l 4000 Menschen betroffen worden wären, wurde glück« liclterweise nicht durchgefülirt, sodaß wenigstens die Unter dem Zwange der Kriegsereigniaae haben Tausende unserer Brüder und Schwestern in Palästina ihr in jahrzehntelanger Arbeit geschaffenes Heim verlassen müssen. Jaffa ist evakuiert. Fast die ganze jüdische Bevölkerung hat die Stadt verlassen müssen• deren stolzer Aufschwung ein unzerstörbares Zeugnis jüdischer Schaffenskraft geworden ist. Auch die judäischen Kolonien mußte ein Teil der jüdischen Bevölkerung verlassen. Heimlos in der Heimat! dem Fiüchtlingselend und verheerenden Krankheiten preisgegeben• verlangt die jüdische Bevölkerung, die fast drei Jahre lang unverzagt ausgeharrt hat, unseren Beistand. Juden! ln dieser Zeit muß das gesamte Judentum beweisen! daß es die Pioniere unserer Wieder• gebürt im Lande unserer Väter nicht verlassen wird. Kinder und Frauen, Alte und Kranke harren unserer Hilfe. Eine große, schnelle, umfassende Hilfsaktion tut not. An das gesamte Judentum treten wir mit der eindringlichen Aufforderung heran: Helft! Helft schnell! Helft mit Liebei Das Judentum wird seine Pflicht tun. Das Hilfswerk für Palästina verlangt Eure Tat. Hilfswerk für Palästina Postscheckkonto: Berlin 4192, Hilfswerk für Palästina, Berlin W. IS, Bankkonto: Nationalbank für Deutschland. Berlin, Dspoeltenkssse Kurfürstendamu. Ehrenausschuss: Rechtianwalt Dr. Apfel, Berlin; Lehrer Auerbach, Posen; Oberkanlor Birnbaum, Köoijrsbcrjf i. Pr.; Lippmann Bloch, Breslau; Geh. Ju»tixrat Blumenfeld, Insterburg; Justizrat Dr. Bodenbeimer, Cöln; Prof. Dr.M. Braan, Breslau; Dr. Martin Buber, Heppenheim; Dr. R. Chsmizer, Laipzig; Rabbiner Dr. Emil Cohn, Bonn; Prof. Dr. Rud. Cohn, Königsberg i. Pr.; Willy Cohn, Halber Stadt; Rschtsanwslt Dr. Dobrsynsky, Reuthen; Prof, Dr. Dreyfufl, Straßburg i, Eis.; Siajmurd Epstein, Vorsitzender der Gemeinde Duisburg; Rabbiner Dr. Eschelbacher, Diiaieldorf; Rektor Josef Feiner, Hamburg; Dr. Frankel, Cbenanilz; Jacob Fränkel, München; Dr, Ad. Friedemann, Berlin; David Fritchmasn, Hamburg; Rabbiner Dr. Goldmaan, Oppelu; Landesrabbiner Dr, Gronemaoo, Hannover; Dr. Arthur Hantke, Berlin; Direktor Hane Gideon Heyniann, Berlin; Rechtsanwalt Heim. Hirsch, Hamburg; Sisgmend Hirsch, Messing werk; Dr. D. Hoffmann, Berlin; Rabbiner Dr. Jaaob. Dortmund; Kommerzienrat M. Jacobsoha Lieeburg; Edeerd Jeei, Lübeck; Rabbiner Dr. Joseph, Stolp; Rechtsanwalt Dr. Klan, Berlin; RechUaawalt Dr. KoUenscher, Posen; Oherkirchenrat Dr. Kroner, Stuttgart; Leopold Lande■, Hamberg; Feklrabbieer Dr. A. Levy; Oberrabbiner Dr. Emil Levy, 5tre4leurg!.Ela.; Dr. Emma Lübl, L.eipsig; Prof.Dr.Heinrich Loewe, Berlin; Lehrer David Manabeim. Stadtverordneter,Graudenz; Laedeerebbiner Dr. Mannheimer, Oldenburg; Direktor Heemsen Marx, Keaigsberg; Dr. Julius Moses, Mannheim; Dr. Carl Nawratski, Berlin; Rabbiner Dr. Olitzki, Alienslein; Privatdozent Dr. Pelz, Keeigaberg i. Pr.; Lehrer Reinhardt, Cöln; Rabhiner Dr. Rosenthal, Cöln; Dr. A. Sandler, Berlin; Rektor Saphra, Aanaberg; Zahnarzt Hugo Schachtel, Breslau; Rabbiner Dr. Schlesinger, Buchau; S. Schocken jr., Zwickau; Gastav Schwabe, Varel; Landesrabbiner Dr. Silberstein, Schwerin; Dr. Jona• Simon, Heidelberg;Frits Sondheimer,Frankfurt a. M,; Armeerabbiner Dr.Sonderling; Dr. Weiter Stein,Königsberg i. Pr.; Rechtsanwalt Dr. Steinberg, Münster; Lehrer Steinhardt, Magdeburg; Dr. Stordi, Hamberg; Dr. Elias Straus, München; Rabbiner Dr, Treitel, I.aupheim; Davis Trietsch, Berlin; Gemeindevorstand Wala, Gaaseabaasea; Prof. Dr. O. Warbarg, Berlin; Rabbiner Dr. Warschauer, Berlin; Dr. Ludwig Wassermann, München; Rabbiner Dr. Zlecisti, Insterburg. Bewohner aller Kolonien im Kreise Jaffa bis jetzt unbe* heiligt dort bleiben kiinnten. I!t der Stadt Jaffa blieben etwa 3(j jüdische Wächter zuriiek, um das Eigentum der Evakuierten zu schützen und die öffentlichen Anlagen vor dem Verfall zu behüten. Einige wenige Juden, welche Mühlen oder Maschinen« fabriken besitzen, durften nach Jaffa zurückkehren. Die arabische Bevölkerung Jaffas, welche gleich« falls von dem Ausweisungsbefehl betroffen wurde, sich aber nicht sofort, wie die Juden dies getan hatten, organi« sierte, sondern die Ereignisse an sich herankommen ließ, wänderte mir zum Teil ab. Ein erheblicher Teil der arabischen Bevölkerung befindet sieh nach wie vor in Jaffa. Zur Judenfrage in Finnland Im f i n n ländischen Senat gelangte vor kur« zein die Frage der Abschaffung der Be« Schränkungen für die russischen Bürger in Finn«!and zur Verhandlung. Die jüdische politische Oelfcntlichkeit in Rußland suchte die Gelegenheit zu benützen, um «Jie Frage der Rechte der. finnländischcn Juden, der einheimischen wie der dngewmilderten, aufzurollen. In diesem Sinne telegraphierten die Konferenzen der So z. ■ Te r ri t o ria 1181 crt untf ,Her Poaic*Zio,n sowie das Zentralkomitee de# Bundes an die soziaklcmo« kratisehe. Fraktion de* fiitnliindlselten Landtop, die ge« gcnwiirlig die Mehrheit Im Landtag besitzt, Audi M. M, Wl naiver sandte eine Adresse an den Vorsitzen« den des Senats und den Tallmanit des Landtages, in der er die Ucberzetiguiig zum Ausdruck bringt, daß ״das befreite fimiläudischc Volk ebenso gerne den Akt der Judcncman/ipalion vollziehen wird, wie ihn vor kur- /ein das russische Volk vollzogen hat.“ Dieselbe F'orderung wurde auch in einer von den Petersburger Zionisten ausgehenden Erklärung an den finnischen Senat erhoben. Auch Miniscrt Kerenski betonte in seiner Ansprache «in das finnische Volk während seines Besuches in I lelsinglors die unbe« dingte Notwendigkeit, das Prinzip der Gleichheit aller Bürger des Landes unverzüglich zu verwirklichen. Der fiiinländisdu• Senat hat inzwischen ein Gesetzes- Projekt füfden Landtag entworfen,demzufolge alle bis jetzt bestellende״ Rechtsbesdiränkuiigen der russischen Rtk* «er annulliert werden sollen, Senator Ehren rot er* klarte später in der Presse, das Gesetzesprojekt habe absichtlich die Juden nicht erwähnt, da in Rußland die Juden bereits als vollberechtigte Bürger anerkannt und daher in dem Ausdruck ״alle russischen Bürger“ inbegriffen seien. Damit aber ist in Wirklichkeit die Frage der Judenemanzipation in Finnland noch nicht völlig gelöst, da die russischen Juden nur einen, wenn auch überwiegenden Teil der finnländischcn Judenheit ausmachen. Außer ihnen gibt cs in den finnischen Städten noch eine große Anzahl aus Deutschland und Oesterreich cingcwamlcrtcr Juden, die sich vor 100 Jahren in Finnland niedergelassen haben, ferner eine Zahl einheimischer Juden, die ebenfalls noch immer alt recht« lose Parin* Im Lande betrachtet werden. Die sozial• demokratische Fraktion versprach, die Emanzipation»• frage aller finnländischcn Juden bei der Behandlung des vom Senat vorbereiteten Gesetzprojektes aufzurob len u/1d sie in ihrem ganzen Umfang zu lösen.

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