Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1916)
- Date
- 1916-11-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2651974-2652020--10878-2668344- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
־ Nr. 47 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 391 Von den Berliner Rcpräscntantcnvvalilcn VTir 11:ibeu in einer der letzten Nummern eine uns vom ,,Liberalen Verein“ /ugi'gaitgcui׳ Notiz vcroffcntlicht, nach der die diesjährige Wahl zum Repr.isciitaiilenkollegium der jüdischem Gemeinde in Hi rin unter dem Zeichen des Burglrlcdciis vor sich 1:e!1l, da alle Parteien sich an( eine gemeinsame Liste geeinigt hatten. Wie uns von unterrichteter Seite mitgctcilt wird, entspricht diese Information nicht völlig den Tatsachen. Weite Kreise der Berliner jiiili'dicji Gemeinde halten Rcpräscnt.iii.eiiwalilcn in diesem Jahre für ein bitteres Unrecht. Lin Groller leil der Wahlberechtigten sieht im Fehle, ein weiterer, sehr eriiehlicher Teil, ist in den deutschen! tiarnisonen als militärpflichtig eiiige/ogcu. Allen diesen gegenüber bedeutet es ein bitteres Unr e.ht, dall der in Berlin zurückgebliebene Rest selbständig wählt mul damit allein die Geschicke der Berliner jüdischen Gemeinde auf weitere drei Jahre lestlegt. Fs wäre durchaus möglich gewesen, bei der Regierung zu erreichen, dall die Periode der jetzt amtierenden Repräsentanten eine Verlängerung erfahren •hätte, wenn nur die erforderlichen Scheitle von der Verwaltung der jüdischen Gemeinde getan worden wären. Was in den unzähligen Sladtvcrwa'tuiigeu geschehen ist, was bei allen Handwerkskaimnern usvv, sieh ermöglichen liell, nämlich die Wahl einfach nicht stattfiuden zu lassen und die Periode der Gewählten zu verlängern, wäre bei der Berliner jüdischen (iemeinde zweifellos auch niöglicli gewesen. Heber die rechtliche Zulässigkeit eilies solchen Schrittes kann gar kein Zweifel bcstellen. ' Bezeichnenderweise ist auch von den versci.iedeiistcn Seiten, zuletzt noch vom ,,N e 11 e n J iid i s c h c 11 (i e in cindcvcrci 11“ ein duhingchender Antrag beim Vorstand der Berliner jüdischen (iemeinde gestellt worden Leider vergeblich. Wie uns initgcteilt wird, werden sich mit Rücksicht auf diese ablehnende I laltung »k'rGcmeimleverwallung sehr viele Wälder an den Wahlen nicht beteiligen, um durch ihr Fortbh'ibcn zu zeigen, daß sie die Vornahme der Wnhlen als eine Ungerechtigkeit empfinden. Hinzu kommt noch ein anderer Gesichtspunkt. Die Wahlen von 1913 waren Kompromillwalih 11 Das Kompromiß kam dadurch zustande, dall sämtliche Kandidaten von l()i 1, die heute Repräsentanten sind, und daß weiter die 1913 im Amt bleibenden Repräsentanten, ebenso aber auch die grollen Organisationen, die in der Berliner jüdischen Gemeinde Träger der Wahlbew eg• »mg zu sein pflegen, sieh auf »lei Einführim : des Pr0|K>rti011ahval1!rechtes einigten. Trotzdem als > von allen beteiligten Faktoren im Jahre PH I die Pflicht übernommen wurde, fiir die Finfühmng des Proportionalwahlrcchtes Sorge zu tragen, trotzdem in Verfolg dieser Verpflichtung das Proportion,■ilwahlrecht!11 der Repräsentanten»cisamnihing im Piinzip angenommen worden ist, ist bis heute die Durch• fülinmg nicht erfolgt. Wenn gesagt wird, daß der Krieg die Durchführung verhindert hat, so kann dieser Finwaml als stichhaltig nicht angesehen werden. Im Kriege sind auf allen Gebieten des Staatliehen und politischen l.cbcns so viele durchgreifende Aendernngen gesetzgeberischer Art vorgeiionimen ■ worden, dall es bei gutem Willen und einiger Konseipieiu zweifellos möglich gewesen wäre, auch das Pinporlionalwahlrecht in der Gemeinde durchzufuhren und so endlich an Stelle des ungerechten ListenwahlrcchU's ein gerechteres Wahlrecht zu setzen. Dali das bis heute nicht geschehen .ist, kann nicht nur als eine Lässigkeit angesehen werden, die an und für sich auch aufs schärfste verurteilt werden müßte, sondern als Mangel an gutem Willen, Damit soll nicht gesagt werden, dall die Männer, die sich zur Finfuhrung des Proportional- Wahlrechtes verpflichtet haben, schließlich ihr Wort nicht einlöscn werden. Daß sie es aber nicht bis heute bereits eingelost Italien, bedeutet für viele Wähler der Berliner jüdischen Gemeinde eine schwere Fiitläiisclmng, Noch einmal nach dem »crioitetcn Listenwahlrecht zu wählen, lehnen sie ah. Sie sind es satt, sich auf dem Wege einer in Konventikchi zustande gekommenen Kompromißmachercj die Kandidaten vorschreihcu zu lassen, die sie wählen sollen. Sie haben deshalb an den Wahlen von 1910, die am Montag vorgenommen.werden, nicht das geringste Interesse. Damit soll nichts gegen die neuen Manncr gesagt werden, die im Wege des Kompminisscs als konservative Kandidaten aufgestcllt worden sind. Diese Herren haben aber nun, wenn sie gewählt werden, die Verpflichtung, und es muß bestimmt von ihnen erwartet werden, daß sie dieser Verpflichtung mit aller Energie nachkoinmcn, zunächst dafür zu sorgen, daß das jetzige Wahlrecht in d’er Versenkung verschwindet. Was in Warschau möglich ist, daß nämlich nach dem Verhältniswahlrecht gewählt wird, muß nun endlich in Berlin auch eingeführt werden. Wie wir hören, hat der ״Neue Jüdische De meinde verein“ seinen Mitgliedern und den Freunden seiner Sache strikteste Wahlentha Dung zur Pflicht gemacht. Er lehnt es ab, in einer Zeit, wo viele Tausende voll Wäldern sich im Felde befinden, unter einem Wahlrecht, dessen Ungerechtigkeit von allen Seiten anerkannt worden ist, sich an der Wald zu beteiligen. Wir 111 5 c h t e 11 für die zionistischen Wähler uns dieser Auffassung des ״N e u tu Jüdischen(! e in 1׳ i n d e v c r c I n s“ a nschließen und 1• 11 c 11 unsererseits unser e n G e s i 11111111 g s g c n o s s c 11 aufs angelegentlichstc e in p f e 111 e 11, dieser Wahl fern zu bleiben. Willibald Lövvcnllial Fern von der I Icimnt verschied der verdiente Vorsteher der Berliner jüdischen Gemeinde, Herr Willibald Löwen tlial. Ohne Parlciinann im eigentlichcn Sinne des Wortes zu sein, zeichnete den Verklärten ein warmes jüdisches Empfinden ans, das er in seinem f lause, das ein echt jüdisches Haus ist, und im öffentlichen Leben betätigte. Für sein warmes Interesse ,111׳ unserer Bewegung, der er offiziell nicht angchörtc, sprach, daß er, uin die zionistische Bewegung direkt kennen zu lernen, am Basler Kongreß im Jnlirc 1911 teilnahm. Seine Kinder stehen ״sämtlich in unseren Reihen. Ihnen und der verehrten Gattin sei auch an dieser Stelle unsere wärmste Teilnahme an dem Hiuscheiden dieses aufrechten Mannes, guten Juden und liehen Menschen ausgesprochen. Zionistische Bewegung Außerordentlicher Dclegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland am Montag, den 25. und Dienstag, den 26. Dezeinher 1916 im Savoy-Hotcl, Berlin, Fried rieh st r. 103. ’ Tagesordnung: 1. Bericht des Vorsitzenden Dr. Arthur Hantke, Berlin, 2. Referate: S. S-chockcn jun., Zwickau und Kurt Blumenfeld, Berlin, über ״Zionistische (iogcnw׳artsarbeit". Die Sitzungen sind nicht öffentlich. Zur Teilnahme, an der Tagung berechtigt sind außer den Delegierten, den Mitgliedern des Zentralkomitees und den Beamten der Organisation als Gäste nur diejenigen (iesinnungsgenassen, die ein Ehrenamt in der zionistischen Vereinigung für Deutschland oder in einer zionistisc'heu Ortsgruppe bekleiden oder in früheren Jahren bekleidet Italien. Diese Oesinnungsgenosseit werden gebeten, sich rechtzeitig tun! eine üastkartc zu bewerben. Zur Entsendung von Delegierten sind nur diejenigen Ortsgruppen b erechtigt, welche die L a n de s b e i t r ä ge rechtzeitig a b g c f ü 11 r t 11 a b c n. Diejenigen Ortsgruppen, die Anträge zu stellen haben, werden gebeten, sie baldigst dem Zentralkomitee ztizustellen. Wir verweisen auf die folgenden Paragraphen unseres Statuts: § 8. Jedes Mitglied der Z. V. f. D. hat das aktive Wahlrecht zum üclegicrtentagc; das passive Wahlrecht ist an die Vollendung des 24. Lebensjahres gebunden. Jiigeiidvcrcinc, die mit Genehmigung des Laudesvot Standes als selbständige Gruppen der Z. V. f. ID. angeboren, können aus ihrer Mitte auch jüngere Delegierte entsenden, die aber großjährig sein müssen. Die Zugehörigkeit zu einer lugcmlgrunpc Ist jedoch nur bis zu einer vom Lainlcsvorstana fcstzusctz.cn• den Altersgrenze möglich. § 9• Jede Ortsgruppe wählt einen Delegierten. Ortsgruppen von mehr als 50 Mitgliedern wählen zwei Delegierte. Ortsgruppen mit mehr als 100 Mitgliedern wählen für jedes angclangcnc weitere Hundert einen weiteren Delegierten, § 10. Die Mitglieder des Landesvorstandes haben auf dem Dclegiertentag bis zum Schluß der Tagung Sitz und Stimme. Jeder Delegierte verfügt auf dem Delegiertentag mir über eine Stimme. Die Dclegiertcn-Mandatc sind nicht übertragbar. Die Uebernahme des Mandats durcli einen Hrsatr.tklcgierten niuß vor Beginn des Iklcgicrtcntages erfolgen. Die Delegierten sind an Aufträge und Instruktioncn nicht gebunden. Zur Uebernahme von Mandaten haben sich bereit erklärt: Dr. Albert Bacr, Berlin, Zahnarzt Wolff, Günzenhausen, Dr. Martin Bub er, Heppenheim, Dr. Josef Meisl, Berlin, Ludwig Schwarz, Chemnitz, Dr. Kurt Nawratzki, Winterbach. Aus aller Welt Aus dem besetzten Gebiet. (LI :1 u d e I s 1 \\ a 11 g a m Samstag.) Im Zusammenhang mit der cingelührten Sonniagsruhc veröffentlicht das Km .komm.uulo in Pc• trikau eine Liste der jüdisihen Lcliciisiiiitlel-Otv schäfte. die am Samstag »<m 8 II Uhr vormittags und von 3 1 Uhr ׳,״Kliinittags geöffnet sein müssen. Achnliche Bekanntmachungen wurden auch in anderen Städten des österreichischen Okkupation», gcbictcs eirkisscn. (U n t c r d e n Assi in i I a n I e n.) Am 10. November vcrsaminellcn sich die Vertreter der verschiedenen assimilatorischen Slrümmi* gen in Warschau zur Gründung eines ״Ver* eins für soziale Arbeit unter den J U d c 11“, »ler eine organisatorische Vereinigung der assi* milatorisdien Kräfte zur Aufgabe hat. Anwesend waren ungefähr 20(7 Personen. Den Vorsitz führte der Assimilant Ratiiiaiin Dr. Muttermilch, der während »lei Zeit der Waiden sieh ״Nco-Assiniilant‘* nannte. Die I laiiplredner der Versammlung, Ratmann E i g e r mul Adolph R e r c z lehnten auf das schärfste die Polilik »ler Zionisten uml »Icr ״Jüdischen Volksgruppe“ ab, verneinten »lic Berechtigung jüdisch-nationalcr Eordcruiigcn, »lic nur von ,,nicht cchtpolni* sehen“ Juden aufgestcllt werden Könnten, und riefen die Assiinilanlrn aller Richtungen zur Einigung auf. 111 ähnlicher Weise sprachen auch die Herren Bernard Lauer, Oo Idstein, Likcrt, ßlüth und Kornfeld. Herr K c 111 p 11 c r forilcrtc ein Zusamen• gehen der Assimilnntcn mit den polnischen demokraii• stlieii Elementen. Line würdige Antwort erhielten diese Redner von Herrn Ratinann Dr. Gold flamm, der sich zwar zu den Neo-Assimilanten zdihlt, der aber tlie Meinung seiner politischen Freunde nicht teilt. Audi »ler unparteiische Ratinann T rtisker trat den assimilatorischen Rednern entgegen. Aua Rußland. (Einziehung der jüdischen Studenten.; Bekanntlich werden in Rußland Stmlcntcn nur zur Offizicrsatishiklniig cingc/ogcn. Die jüdischen Studenten, die wegen ihres Judentums den Offiziersrang nicht erreichen können, wurden daher bis jetzt vom Militärdienst befreit. Diese Bevorzugung der jüdischen Studenten ließ den russischen Antisemiten schon lange keine Ruin■ und führte auch zu l>ehatten in »ler Duma. Es wurde daher letztens die Einziehung der jüdischen Studenten als Bürolicamte erwartet. Eine aus sicherer Quelle kommende Nach* rieht teilt mit. daß »las Ministerium entgegen den allgemeinen Vorschriften beschlossen hat, die jüdi* sehen Studenten zum geuähnlichen Heeresdienst ein• zuziehen. (Z11 in Verbot des jüdischen Wortes) Tr»1tz. »ler Tatsache, »laß in Odessa bereits eine jidische Tageszeitung erscheint (״Unser Leben‘‘) lind eine hebräische Wochenschrift ( llaam“) in Vorbebcreitung ist, gilt das allgemeine Verbot der jüdischen Presse, das im Juli vorigen Jahres ergangen ist. als nicht aufgehoben. Die genannten Pcriodica sind nur als Ausnahmen zu betrachten, tu Petersburg wurde neuerdings das Verbot »ler jüdischen Presse sogar auf »las jüdische Buch ,ausgedehnt. L)er Verlag ״l og“, der bis jetzt ilichtpcriodischc Samniclbüchcr in jidischcr Sprache veröffentlicht hat mußte seine Tätigkeit einstellen. Es wurde sogar der Verwaltung der jüdischen Gemeinde nicht gestaltet, Oebctbüciicr in hebräischer Sprache heraiiszugehen. Es wird erwartet, »laß in der gegenwärtigen Session der Duma eine Interpellation wegen dieser Schikanen der »Militärliehördc׳ eingebracht werden soll. (In der B 11 d u n g s ge s c llscha (t.) Am 20. September fand eine allgemeine Ver- Sammlung der Petersburger ״Mcfizc Huskala“ statt, auf »ler zwei neue Mitglieder ins Zentralkomitee gcwählt werden sollten. Bekanntlich erhielten im Frühahr nur vier von den sechs Kandidaten eine absoute Mehrheit, sodaß die Wahlen der zwei anderen bis auf diese Versammlung ziirückgcstcllt werden mußte. y°״ ״c11cu1 entbrannte der Sprachenkampf, Die Zionisten zusammen üiit der »Icmokratisdien Gruppe bildeten die hebraistische Partei, die die Herren Dr, Weißenberg und Rappaport als Kandidaten aufstellte. Die Kadetten und Bundisten bildctcii einen jidisdiistisdien Block, der die Herren S. Niger und S. Posner als Kandidaten nominierte. An den Wahlen beteiligten sich 27t Persotten. Mit einer Mehrheit von 21 Stimmen wurden die Kandidaten der zweiten Liste gewählt. Nachrichten Berlin. Unsere Gesinnungsgenossen Georg J u - liusburgcr (Bar-Kochba Berlin), Paul Pütz- Dülken (K. J. V.), Kurt L e w i n s o 11 n-Darkchmcn, Ostpr. (K. J. V.), Vizcwachtmcistcr John Levv- Braunschweig (K. J. V.) und Dr. Adolf Pinczovver-Kattowitz, O. Schl. (K. J. V.) haben das Eiserne Kreuz erhalten, Otto Kahn (K. J. V.) wurde durch Verleihung des bayer. Militär-Verdienstkreuzes III. Kl. mit Krone und Schwertern ausgezeichnet. /tl Unser Gesinnungsgenosse Georg Goldstein (Herzl-Club Hannover) wurde zum Leutnant in einem preußischen Iftfantcrle-Regimcnt ernannt.