Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1916)
- Date
- 1916-11-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2651974-2652019--10866-2668331- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 380 7UCD1SCHE RUNDSCHAU Nr. 46 1!.1li<m;1k׳ Arbeiterbewegung, mul daher fühlten sic sich verpflichtet, jeden Kompromiß zu bekämpfen und rtisrmimen mit dem mlcmatinnnlci» Proletariat einen Kampf gegen die allwiTtliilic Reaktion zu führen. Von der zionistischen Arbeit in Amerika Im Juni des Jahres 11)1-1 hat die American Zionist I eder, ilion hei der h 1111 vi• n I i an in R o e 11 c - stcr ein Hudlet in Höhe von 1 I ü 10 iKillars für 11.•1s folgende Jahr festgesetzt. 1111 Jahre 1<H I existierteil in den Vereinigten Staaten 105 /iouislisehc Voreine, und das Budget wurde im Vergleiche mit früheren Jahren als Fortschritt betrachtet. Denn seit dem Jahre P>05 war die Zionistische ()1g.1nis.1lion in Amerika immer mehr und mehr zurtiekgegangen. Anstrengungen zur I lebung der Zionistischen Bewegung wurden, wie aus den Jahresberichten ersichtlieh ist, immer wieder unternommen, brachten aber keinen Erfolg. Dieser Rückgang Jiielt von PM>5 hi< 1012 an; erst finde des Jahres 1012 machte sieh eine Wendung zum Besseren bemerkbar. l in wirklicher Aufschwung trat jedoch erst ein,״ als am 31. August Bill die Konteren/ im Hotel Marseille in New-York cinbeniteii wurde. Die Zionisten, die dort versammelt waren, gründeten das ״l’rovisional Executive Committee für (icncrnl Zionist Affairs". Dieses Koni tee beschloß sof *rl, freilich ohne damals die Schwere der seiner lianenden Aufgabe zu ahnen, wahrend der Kiicgszeit /u einer Stütz« für dir Zionistische Organisation zu werden, ganz besonders m allen finanziellen Fragen. Man stellte lest, daß es außer der großen Verpflichtungen dem palästinensischen Jischub gegenüber, der sehr viel (fehl benötigte, aueli nötig war, die bekannten Eonds zu schaffen und die amerikanische Organisation selbst an zii 'aue■!. Die Entwicklung des organisierten Zionismus m Amerika seit FBI zeigen am besten folgende Zahlen: Im Jahre PB 4 existierten in Amerika 105, im Jahre 1015 154 und im Jahre H)lü 172 zionistisdiC Vereine außer den (nicht miteinbegriffenen) Zionistisehen Sonderverbiinden und Orden. (Inzwischen sind aueli der ״Misraclii" und die ,,Poale- Zi <1 »!‘‘-Partei zu einer starken Macht innerhalb der Judenlieit m den Vereinigten Staaten geworden). Diese Resultate rechtfertigen die Ausgaben, die das DEC in organisatorischer Richtung gemacht hat. Am 21. August 1011 beschloß man, eine Summe von 50(10(1 Dollars aiif/uhringrn, und man begann die Arbeit mit einer Garantie für 11 IDO Dollars. In diesem Jahre, lülh, hat das PIC allein in den drei Sommermonaten Juni, Juli, August, die die stillsten Monate des Jahres sind, 17 52(1 Dollars eingenommen. Die organisatorischen Ausgaben des PI C sind lui Zusammenhang mit den Einnahmen zu beurteilen, die durch diese Ausgaben erzielt werden. Das l’EC hat •(außer dem Transfer-Department) 33b <140 Dollars eingenommen und $5 530 Dollars ausgegeben, so daß also weniger als 25'״׳ fiir Organisatimts-Ansgaben in Abzug gebracht werden müssen. Schlicht man das Transter-Depariment ein, das für Europa und Palästina ca. <>()') 00!) Dollars geschaffen hat, so betragen die Ausgaben nicht mehr als 8"״, was einen sehr geringen Prozentsatz darstellt. I ur die Hebe!•Weisungen der Ciehlcr an Verwandte nach Europa und Palästina hat das PEC keine Spesen berechnet. Diese machen auch eine ansehnliche Summe aus, davon den 8"״ noch .ab- /!!ziehen wäre. ״Erez Israel“*) Unter diesem Namen ersdieint «ine neue Zeitschritt, die \om Hauptbüro des Natioualfond. Haag, hcraiisgcgcben wird und m denen in zwanglosen Helten die kukmisatoriseheu Probleme in Palästina, soweit sie mit den Grundprinzipien und Aufgaben des Jüdischen Natinnnlfonds Zusammenhängen, von (achkundiger Seite erörtert werden sollen. Gleichzeitig sollen diese Hefte au die Stelle des unter gleichem Namen bis /.um Kriege erschienenen hebräischen Ausweisorganes treten und über die gesamten Eingänge der verschiedenen Sammelmittcl ries Nationalfonds in der gewohnten Weise Auskunft geben. Im einleitenden Artikel wird Von N. Groß dieses Griindprogramm kur/.' skizziert. Erfreulich ist der hier hervorgehobene Umstand, daß trotz aller Kriegsschrecken die Natiuiialfond-Organisation sich in samt• liehen Ländern erhalten hat, ja selbst mitten im Kriegsgebiet. Selbst verständlich sind die Einnahmen, die im letzten Jahr vor dem Kriege 1013 zirka 800 <X)0 Mark betrugen, im Jahre 0)14, in dessen /weile Hälfte bereits der Krieg fällt, auf 505 764 *) Etc/. Israel, Mitteilungen des Hauptluireaus des Jüdischen Nationalfonds. Heft 1; 1,— M. Zu beziehen durch den Jüdischen Verlag, Berlin W15. Mark herahpvpangeii. Im ersten vollen Kriegsjahr 1*115 betrugen sie SOÜ 178 Mark, im ersten Halbjahr lülb aber bereits wieder 282 315 Mark. Diese latsachr 1'<1 um so bedeutsamer, als wir ja wissen, daß gerade die vom Kriege heimgesuehlcii Ocbielc Osteuropas gleichzeitig die grüßte jüdische Beeidkciiiiigsiliclilc auf/uweisrn haben. 1111 folgenden Artikel über die Palästina-( legenwartsarbeit von Nehemia de L i c m e werden inst alle mit der Kohmisalioii zusantineiihängcndcn Fragen in Kurzen Salzen skizziert und eine Reihe von Vorschlägen zu ihrer Lösung gemacht. Gerade dieser Artikel fordert aber zu der aueli gewünschten Disk11--.m11 heraus mul ist wohl zu diesem Zweck gcschrieben. Denn über sehr wesentliche Punkte und Probleine der Kolonisation. Eandarbeiterfrage. Genossenseliaflswese״, Groll- und Kleinbetrieb, private oder nationale Kolonisation. Autarkie usw. in Palästina ist man und kann man sehr verschiedener Ansicht sein und es ist z.11 wünschen, daß cs in dieser Be- Ziehung zu einer ruhigen, sachlichen, vor allem 1;priazipiciiloscn“ Diskussion über diese .1 ragen einmal kommen mögt•. Das Gleiche gilt für die von Herrn Agronom () e 11 i 11 g e r beliamlcllc Frage der praktischen Vorteile der Enbpailu. Oettinger. dessen Kenntnisse auf dem (iebietr der Kolonisation, speziell der jüdischen, infolge seirn-r langen Pravis ,•nißcronlentlicli hoch eiii/useli.älzen ist und dessen Ansicht über unsere künftigen Kolor.is.itioiismethoden in Palästina ich. soweit sie mir bekannt sind, völlig teile, bat hier ein außerordentlich kompliziertes und, wie ich fast glaube, doch noch zu wenig geklärtes Thema bchandelt. So wirblig mir auch die llesit/frage fiir die /.1 iE. 1111 it dünkt, für so uumöglirli halte ich cs mit er den gegenwärtigen Besitz- und Boden verhält• wissen in der Türkei mul vor allem der rechtlichen •Stellung des Nation,■!ll'mids in absehbarer Zeit einer Lösung praktisch näher zu kommen; ganz abgesehen davon, d.iß gerade die I rlipaditfrage mehr noch als die Eibbaumlitsfragc jeweils nach den vorhandenen La ml- und Knliivu riMigsverliiilliiisscn andere l.ösujigen verlangen dürfte•. Dagegen halte ich die von Oettinger im gleichen lief( vorgeselilagcnc Förderung des Geluüschaiies in Palästina durch den Nationalfond norb wälimul de- Krieges in der ,Form der Notstandsarbeiten mul die liir diesen Zweck bereits bestimmten Summen fiir eine überaus glückliche Idee, ja ich stehe nic 11( an, ohne dem Nation,•ilfond zu nahe treten zu wollen, sie ihr die glücklichste seit dem Beginn seiner Arbeit in Palästina zu erklären, Audi die vorgcsehlagctien Wege, Gewährung von Darlehen zum Zwecke des Gemüsebaues. Verteilitnjg bewährter (icmü-sauiciisoitep. Aussetzung von Prctseit 1111׳ in besonders guter Kultur stellende Gemiiselieele. wie 1111 die bestell (icmü-cprndukte, sind solche, dall, \*1111 ר sgc'-etzt, daß die lokalen Instau/en im E.iiulc den Geist der Vorschläge in gedadnem Sinne verwirklichen, ein praktischer Erfolg kaum aiishleibcui kann. Eine eingehende Besprechung, tesp, einen $011■ dcrarlikcl beaiisprndtl eigentlich der Aufsatz von S. Kaplniiskv über die Ansiedhiiigskapazilät Paliistiii.is. Die aullei ordentlich optimistischen Schätzimgen von llallod im Gegensatz zu den so pessimisti■ sein 11 von Pbilippsolm über die Aufnahmefähigkeit Palästinas und die daran aiikniipfcnden Artikel aueli in (Irr nicht jinli-vhcn Presse im Ici/Icn Jahre liaheit bewiesen, daß in weitesten Kreisen eine völlige U11kl,! 111 ei! iiher die Verhältnisse Palästinas bestellt. Der Aulsatz miii Kaplattskv vergleicht in möglichst sorgbilliget■ Weise die vorhandenen Angaben über die I rliags- und Anhaulaliigkcit der verschiedenen Teile des I and es unter gleichzeitiger Kritik der bisher über dieses Thema erschienenen Arbeiten und Arlikel. Auel» er nähert siel» hierin in seinen endgültige!» Schätzungen denen Professor Ballods, Aber auch auf diesen Artikel, der ein Thema behandelt, das sobald nicht zur Ruhe kommen wird, kann, trotzdem siel! sehr interessante Angaben in ihm finden, versehiedcuv-s eingevvemU't werden und wird wohl auch in einem späteren I Ic'fi erfolgen, I in Literaturverzeichnis über Palästina und K!>• loiii'-atiuii schließt sieh an. sowie ein literarischer Beitrag von Abraham Roh in soll n. der eine licbeiisvvurdige Charakteristik von Wolfsohns Eltern enthalt. Neben anderen kleineren Beiträgen und geschältliehen Mitteilungen des Nation,־ilfomls interessiert t1״s besonders die Zusammenstellung des Jahresausweises für das erste Halbjahr FBö, aus dem hervorgclit, daß Oesterreich (ohne Ungarn und südslawische Liinder) den höchsten I Inlbjahrshetrag 73 472 Mark aufgebracht bat, ihm folgt Nordamerika mit 70 30$ Mark und im weiteren Abstande Deutschland mit 3I53S Mark. Das lieft, das in vorzüglicher Weise ausgestattet (st u. a. möchte ich besonders auf die für jüdische Zeitschriften vorbildliche Reproduktion der Photographien hinweisen wird, besonders wenn cs aueli in Zukunft den im Programm nugedcutctcn Wegen folgt, ein unentbehrliches und gulinfoniiiercn• des Organ liir die Diskussion der kolonisatorischen Palästinaproblcmc darstcllen. Allerdings gestatte man mir zum Schluß ein Bedenken zu äußern das doch ziemlich nahclicgt, Wird es der Redaktion immer gelingen, völlig objektiv allen Beiträgen, die gerade die Arbeit des Nationalfonds in Palästina betreffen und vielleicht manchmal auch etwas kritisch sein könnten, gegenüber zu stehen? Dr. Cu r t N a w r a t z k v. Hermann Weyl Zu den vielen Vcrlus.en, die die Breslauer zionistisehe Ortsgruppe durch den Krieg erlitten hat, isl mm auch der lod meines besten Freundes, des Kunstsi htilers Hermann Weil, hin/ugckoinmen. Wie er allem Schönen und Idealen empfänglich war, so erfaßte er den zionistischen Gedanken mit seinem ganzen Herzen und vertiefte sieh in ihn». 8 Monate lang war er mit mir zu Anfang des Krieges als Krankenpfleger im ()steil t Big, wo er mit mir Leid und Freud teilte. Wie fühlte sein weiches Herz alle Leiden mit, denen unsere russischen Brüder am gesetzt w aren, und mit welcher l iebe pflegte er besonders die jüdischen russischen Soldaten, die in deutsche (lefangt lisch ift geraten waren! Alle, die ihn kannten, gewannen sein einfaches Wesen lieb. Besonders gern wurde er 111 de: 3 Semester vor den! Krieg gegründeten Verbindung im K. J. V. ,,Zephirah“ gesehen, der er oft seine Kunst bereitwillig zur Verfügung stellte. Als er dann als Artillerist וווו Felde stand, euipiaud er nichts schmerzlieber als den Mangel an jüdischen Kameraden und freute sieh deshalb um so herzlicher über jede zionistisehe Zeitung, In׳sonderaber über den ״Juden“, der ihm ein treuer Freund wurde. Am 27. Oktober traf sein blühendes Leben emo Granate, Ein Jude von ganzem Herzen, ein Zionist der zu großen Hoffnungen benclni;te, ein mir lieber Freund ist mit ihm dabingegangen. Alexander Walk, Breslau. Udo Moses I knie vor 2 Jahren ist Udo Moses gefallen. Bei Stalliiponen traf ihn die feindliche Kugel, als er mit seinem Zuge allen anderen voran — (gegen russische Artilleriestellungen an-tiiimte. Unter großen Schwierigkeiten hatte er sich aus Südamerika durchgeschlagen. An einem grauen, regnerischen < )ktobertage kam er z.11 uns und wurde mit der li'ilirmig unseres Zuges betraut, der eine abgesonderte Stellung nicht weit von Wirballeu bezog. In seinem Unterstand habe ich dann manche Stunde mit ihm verplaudert, liier lernte ich ihn näher kennen, die Vornehmheit seiner (iesmmmg, die Sicherheit seines Urteils bewundern. So wurde er mir aus einem Vorgesetzten zu einem Kameraden. Sein soldatisches Pilichtgeliilil, sein Wohlwollen für die Mannschaften war unbegrenzt. Den kleinen tagliehen I)lenstverrichtnngeii widmete er die gleiche peinliche Aufmerksamkeit wie dem w chtigcn Posten- und Patrouilleiidienst. Aber so trendig er jede ihm gestillte Aufgabe erfüllte, aus der eintönigen (ileicltniäßigkeit des Stellungskanipies sehnte er sich hinaus nach Bcwcgungskampf und offenem Gefecht. In diesem Sinne hat er sieh des öfteren mir;gegenüber ausgesprochen. In der Nacht vom 3 zum (1, 'Noveniber löl I verließen wir die Stellung. Am 7. Novcinber mußte er die Erfüllung seines Wunsches mit dem!.eben bezahlen. Erst spater erfuhr iclt, daß ich in Udo Moses nicht mir einen 1Wohlwollenden Vorgesetzten 111111 guten Kameraden, sondern auch einen eifrigen, verdienstvollen Ges.nmmgsgenossen verloren halte, ■ Manfred II e r z I e I d. LITERARISCHE CHRONIK Im Dezember dieses Jahres ersdieint in Prag eine SaniniiTschrift unter dem Titel ״Das jüdische Prag“, luratisgegcbeii von der Redaktion der ״S e I bs t w e 11 r“. Die Mitarbeiter der SammclsChrift sind; Martin Ihilnr, Alfons P.'iqttct, Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem, Engelbert Ehren stein, fer, Hermann Bahr, Albert Ehrenstein, Mathias A c 11 e r, Felix W e 1 < s c I», Felix Stoß ing e r, Max Brod, Adolf Böhm, Alfred Le mm, Franz W c r f c I , Else Laskcr-Schüler, Oskar Baum, Frau/ Kafka, Hugo B e r g m a n n, Prof. Allred E 11 g c I und viele andere. Die zionistische Monatsschrift ״Mo r iah“ in polnischer Sprache, die seit Kriegsausbruch ihr Erscheinen eingestellt hat, hat in Wien in diesen Tagen wieder ihre Tätigkeit aufgenommen. ft Demnächst ersdieint in Odessa eine hebräische Jubiläumsschrift zu Ehren des sechzigsten Gcburtstags Ach-ad Haains, An diesem Sammelbuch betc1!igen sieh Ch. N. B i a 1 i k, A. D ru j a n o w, Ch. G r ü n h e r g, M. O I ü c k s o n n, J. Klausner, Ch. R a w n i z k y und andere. Das Kongreflkomitee in Amerika veröffentlichte In jidischer Sprache die Rede von Louis D. Bran• clcis ״Jüdisdtc Rechte und der Kongreß" (vergt Jtid. Rundsdiau Nr. 23).