Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1916)
- Date
- 1916-11-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3/2 J.UfcPiSCHE RUNDSCHAU Nr. 45 ״Sic glauben also nicht daran, daß dieser Krieg den Juden Rumäniens die Emanzipation bringen wird?“ ״Nein. Aber die jüdischen Soldaten werden doeli etwas erhalten.‘' ״Und das ist alles?" ״Ich schreibe keine Ciesctzc“, war die letzte Antwort des Botschafters. Das also sind die Hoffnungen die der rumänische Botschafter in Frankreich, der sich doch alle Mülle gibt, sein Reich vor Europa in rosige» Farben erscheinen zu lassen, den Juden seines Landes in Aussicht stellt, dazu noch inmitten eines Krieges, in dem das Blut der jüdischen Jugend Rumäniens auf den Schlachtfeldern fließt. Den Juden gegenüber lohnt cs sich nicht einmal einem Diplomaten, sich auch nur etwas Mühe zu geben, um die harte Wirkliehkeit in der üblichen Weise zu verschleiern. Spanische Reue Unter den ottomanischen Juden, die die l'ruiizosisclie Regierung als feindliche Ausländer aus dem Lande aiiszuxveisen oder als Zivilgcfattgciic zu behandeln verordnet hatte, fanden sich ea. 201(0 Sclardim, Abkömmlinge der einst aus Spanien aitsgewieselten Juden. Diese ihre ,,Zugehörigkeit“ /um spanischen ״Vaterland“ bewahrte sie vor der I larte■ ihr französischen Maßregeln. Der spanische Botschafter m l'rankrcieh bat-nämlich die französische Regierimg, diese sefardisehen Juden, die ,,nach Sprache, Sitte mul (icschiebtc eigentlich Spanier se.cn“, nicht gleich den anderen feindlichen Ausländern zu behandeln und auf sie diese Maßnahmen .nicht in Anwendung zu bringen. Die spanische ()öffentlichkeit, die fiir die ״ehemaligen spanischen Bürger“, denen gegenüber sieh das spanische Volk für die einst begangene Mißhandlung in inniger Reue verpflichtet fühlt, wiederholt ihre Sympathien nitsgedrückt hat, unterstützte auch in diesem . Falle die Fordirimg des spanischen Botschafters. Nachdem die Bitte der spanischen Regierung bewilligt war, erhielt B 11 ־ a 11 d von den Vertretern der spanischen Intellektuellen ein Dankschreiben für diese (lastfreundsehaft, die die französische Regierung den ״ehemaligen Spaniern“ entgegenbrachte, den ״entrissenen (iliedern des spanischen Volkes, die in der Fremde leben“ und die trotz der langen Zeit ״die Erinnerung an Spanien. ■•■(•111(• Sprache und Sitte treu bewahrt haben". ״Pro Israele“ in der italienischen (>el fcntlichkclt ist seit geraumer Zeit viel von dem Problem der Judciifragc die Rede. Bckanntlicb ist ein iiichtiüdisches Komitee gegründet worden, das die Kreise der italicniselieii Intelligenz in einem Aufruf dazu aufforderte, für die jüdischen Interessen eiii/iitreteu.! Den Text dieses Appels hat, wie jetzt bekannt wurde, die italienische Journal stin Liga () 111 s e 11 verfallt, die sieh schon öfters in Amsfitzen mit dem Problem des jüdischen Volkes beschattig) bat. Dem Komitee haben sieh berühmte itaheiiisehe Prr-önlichke b n aitgesehlosseti, darunter auch Dep11ti׳׳rte der italienischen Kammer, l ,niv ersitatsprolcssoren, Advokaten, Jour* n.distcii 11-vv, In dem Zirkular, das das Komitee I virsamlt hat, wird die italienische ticscllscbaft I über Uv rechtliche Lage des jüdischen Volkes und über Bestrebungen in anderen Ländern, ihm überall di׳ ()IrichbcTcclitigiing zu verschaffen, aufgeklärt, ln diesem Zirkular heißt c.-. am Schluß: ״Um dieses Ziel bisser zu erreichen, ist es nötig, daß an ihr Bewegttng möglichst viele iiichtjfulisdie Elemente teilnehmen". I.s wird in dem Rundschreiben votgeschlagen, eine Bewegung für die jüdischen Interessen ins Lehen zu rufen, die mit ähnlichen Bestrehiiiigcii unter der Leitung des .Senator M a / z i u i in Florenz und des Advokaten Sabbatino Lapel in Mailand parallel tätig sein soll. Das Ziel der Bewegung, das auf einer Konferenz festgesetzt wurde, ist die Forderung der Gleichberechtigung für die Juden in allen )-andern und die Aufstellung dieser l or d e r u n g b e i d c 11 n a c 11 Be e ה d i g u ng d e s Krieges ein setzenden politischen Verhandlangen. Die italienische״ Juden setzen große Hoffnungen in diese Bestrebungen der italienischen Gesellschaft. Die Zionisten Italiens Italien beschlossen, für dieses niehtjüdischc Komitee ein besonderes Memorandum auszuarbeiten und es ihm zu übergeben. Das Menturandttm fordert die christlichen Kreise Italiens auf, sich noch eingehender mit den jüdischen Probienten zu befassen, damit sic sich davon überzeugen, daß die Juden außer politischen und bürgerlichen Rechten auch kulturelle Freiheit und nat i ״ n n I c R e e 111 e erhallen müssen Ferner verlangt ilas zionistische Memorandum die Behandlung der P a I ä s t i u a f r ag e , weil in ihr der Schlüssel zu einer vollkommenen Lösung des jüdischen Prohleins liege. Selbstbesteuerungstage in Rußland Den Beschlüssen der letzten Konferenz der jüdischeu k'ricgslulfsorgauisatioii gemäß beginnen jetzt die Komitees der Selbstbestcuerliug ihre voll.׳ Aufmerksamki'it zu/itweudeii. Zu diesem Zweck wurden die läge vom 2־.- I. (15.-17.) Oktober zu Tagen der Sclbstbcstciiermig int ganzen Reiche bestimmt. Alle größeren jüdischen Gemeinden haben au diesen lagen öffentliche Versammlungen veranstaltet, 11111 die Idee der Selbstbesteucrung populär zu machen und neue Kräfte für sie zu werben. Das Petersburger Zentralkomitee und die Rayonskmiiitces in Moskau, Kiew, Charkow usw. veröffentlichte entsprechende Aufrufe, die das Volk dazu ermahnten, seine nationale Pflicht zu erfüllen. I'iitc Vorhereiliiugsvcrsammluiig der Moskauer Gesellschaft, die am 27, Scpt. unter dem Vorsitz um I). W Wißo/ki zwecks Erörterung der Selbsthestenermigsfrage •stattfand, hatte den Herrn (V, I I schien <1 vv zum I latiplredner. In eindrticksvollen Worten schilderte er den Versammelten die Großzügigkeit der geleisteten llil'sarbet und die Gefahren, die gegenwärtig dem Werke drohen. Die |l!IINIIIIII!llllli!!lll!!ll!lllii!ll!lli!jl1m 1 Seminaristischer Vortragszyklus § | veranstaltet von den zionistischen g | und national־]üdischen Vereinen j I Groh-Berlinr». | S .» fcr g 1. Kurs: g | Dr. Eugen Tüubler: ״Ali-Israelitische § g Geschichte", 8 Vorträge. Hörgeb. M. 4, - | i Beginn: 8 I Sonnabend den 11. November 1916, i § abends 19 Uhr. 1 1 Lokal: i I Her/.l-Club, Berlin C, Gr Präsidcntcnstr. 2. | H. Hörerl.arten sind bei den Vorständen der Ver• g g eine und Im Bureau der Zionistischen Vcrclnhjunit Ihr g g Deutschland, Berlin W 15, Siidislsdvcslr. 8, r.u haben, 11 Sclbstbosieiicnmg sieht der Redner nicht als zeit■ weilige vorübergellende, sondern als dauernde 111• sutuiiim au, ■1Ue mich lange die llauptquvllc zur Deckung der jüdischen ol'cntlichcti Bedürfnisse sein wird. Nacn den Reden von M o t i | j c w, R a s k i n und anderen erhielt Rabbiner i>r. Mase das Wort zu einer begeisterten Schlußrede. Ls schlossen sielt sofort 2(1,1 neue Mitglieder an, die sich in einer Höhe von '3111 Kl Rubel monatlich besten1rien AUS ALLER WELT Aus Amerika. Die beiden gr.ißen Verbände der rumamsclieu Juden in Amerika, der ״Verband der rumänischen Juden“ mul die ,,Liga der Juden aus Rumänien" hielten in New-York ihre Tagungen ab. auf denen 1 über die neugeseltaffeite Lage ihrer Brüder in Rui m.iuien referiert wurde und die nötigen Schritte zur ן Einsetzung einer großzügigen Hilfsaktion cingeleitet wurden. Der ,,Verl),and der rumänischen Juden'1 bcj seid dl, eine allgemeine Beratung■ der rumänischen 1 Juden in den Vereinigten Staaten bis zum 15, De•; zember 1916 ciu/uhcrufcu, um im Zusammenhang j mit der politischen Lage die Probleme der Emanzi- 1 patinu der rumänische» Juden zu erörtern. Ferner be- 1 schlossen beide Ta־g1mgcn, ein Emigratimisburcau ins j Leiten zu rufen, das die bevorstehende Emigration I der rumänischen Juden nach Amerika zu fördern! und zu regulieren hat. Die Tagung der ״Liga" i wählte eine Kommission aus sichen Mitgliedern, die eine Verständigung der beiden jüdisch-rumänischen Organisationen in Amerika und ein einheitliches Vorgelten der gesamten rumäiusclicn Judcuhcit der Ver• einigten Staaten zugunsten ihrer kriegsiiotlcidcudcn und rechtlosen Brüder in Rumänien herlieifültren soll. Ausweis der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Schekel: Berlin 2 —, Bremen 12.—, Dortmund 8. , Dt.-Eylau I. , Frankfurt a, M. 30. , Geeste* munde I. , Glogatt 3. Hamburg 83, , Kattowitz 100 (für Bll I-15L Nauheim L- Stettin 28.—, Zwickau 28. - , aus item Felde 0. - . Lnmlcshcitriigc: Berliner zionistische Vereint• gütig 33.5(1. Bremen 30.-, Chemnitz 111.50, Dortmuml 15. . Dt-Eylau 3.--, Glogatt 3. , Hamburg HO. . Kaitowitz HK). - (für 1015), Stettin 42.—, Straßburg i. E. 17, , Zwickau 5(1. , Propagandafondst Allcustcin: Natalie Rchfcld 5. , Max I lirsiiilieim 5Berlin: P. Hauser 5. Amalie R.isentha! 5. , Breslau׳. Zahnarzt Falk 0.—, Chemnitz: Dr. Walter Frarnkcl (I. Rate) 12.50, Düsscklorl: Carl Stein weg 5.׳-, Dudenhofen: Dr. Fohlen 10.- . I ilehnc: A. Hcr/herg 5, ~ , Geestemünde: Anna Blumann 10.- ,. Gnesen: Rechtsanwalt Ncmann 10. , Lugen Gclsncr 5, -, Hamburg: Lugwig Tokkus 10. , K.ittowitz: Aus dem Nachlaß von Siegmuml Rappnport s. A. 10. , Gels; I ran Rosa Fuchs 5. , aus (lern Felde: Hans Block III. , Max Braunthal 10. , Martin Wagner 5. , Ass.-Aizt Dr. Weiß 5. , diverse Beiträge unter 5 11 Eingang vom 18. September bis 6. November 1016: Schekel für 1015-1(1: 200. . für 1014-15: BK).—. Landcshciträgc: 190. . Propagaiidaiouds: 110.50. Gcsamtcingang: Seit ekel 1013/10 : 2 82.-, Landcshciträgc: 1030 , Pro p a g a 11 d a - londs; 5376.30. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091׳ Persönliches Unsere Gesinnungsgenossen Herr Warcnhausbe* sit/er W i 11 v C o 11 11 und seine Gattin Helene geb. N e 11 m a 11 n begehen am heutigen Tage in Halberstadl das Fest der silbernen I ioehzeit. Sic haben in vorbifdliclter Weise diesen Anlaß benutzt, um ihr Interesse für den Jüdischen Nationalfond in die Tat uni/usct/cn, indem sie ihre Verwandten ersuchten, ihnen statt aller etwa beabsichtigteil Geschenke lieber Spenden für den Jüdischen Nationalfond zur Verfügung zu stellen. Die so gesammelten Beträge haben Herr und Frau Colin dann ergänzt und zu einem Willy und Helene C o h n -11;1 i n verwendet, von dem wir in der heutigen Nummer 250 Bäume auswcLen. Wir gestatten uns. Herrn und Frau (,'011:1 zu diesem Festtage unsere herzlichsten Glückwünsche au*zusprechen. Letztwillige Verfügungen zugunsten des Jüdischen Nath*mtlfonds 1 Wir haben wiederholt auf die kleine Schrift lüngcwicsen, die das Hauptbüro des Jüdi sc hen Nation alfonds unter dem Diel ״V e r m ii c h t n i s s e 11 n d V e r s 1 c h e 1 n n g 111 ־ z u-! g u 11 s t e 11 des Jüdischen N a 11 o n a I 1 o n 11 s“! herausgegeben hat. Wir können jetzt koiistalicren, ' daß eine Anzahl von Gcsinmmgsgcno'scti, die leider , zu früh unserer Sache entrissen wurden, der Bewe- ן gütig und ihrer Institution über das Grab hinaus 1 die Treue bewahr! und dieser I reue in ihre n F tzten Willen Ausdruck g.׳geben haben Herr Art Mar-; cuse aus Brüssel hat unserem loml eine Summe ו von 40(3)1) M. hintertassen, d e alkrdmg* erst nach : dem Kriege realisierbar sein ward. Ferner hat unser treuer Freund, der im I eldc gefallene Herr S i e g in 11 11 11 Rappaport dem Nation,•diond ,5000׳ M \crm,teilt, lind zwar wurde dieser Betrag m Form einer I. e: b e 11 s s c t s i e 11 e r u n g hinter- . legt- Auen der Student Walter Frank aus Hainbürg hat dem Naiionaifond eilte Spende \ou 51)1 M. 1 /״gedacht. Diese Vermächtnisse sind ein Zeichen ן der treuen Gesinnung und Anhänglichkeit an unsere ן Sache und werden gewiß die Aufmerksamkeit weiter J zionistischer Kreise auf die Institution der Ver• , m ä c 11 1 11 i s s c und Versicherungen zugunsten des Jüdische 11 N a t i o :1 a I f o u d s lenken. i TURNEN und SPORT , Der jüdische Turnverein Üar-Kochba Ham* bürg, hielt am 17. Oktober seine diesjährige ordentliehe General ■ Versammlung ab Sie war unter Berücksichtigung der Tatsache daß zur Zeit ca. 150 Mitglieder der Mämicrabtcilmig im Felde stehen oder zum Heeresdienst in Garnisonen cingczogen sind, sehr gut besucht. Fräulein W i g d e r o witsch, die die Versammlung leitete, gcdaclite zunäebst tin* sercr in! laufenden Jahre itn Kampfe gefallenen Mit* gheder der Herren Dr. I־'i 11 k, Martin Daniel, Allrcd T h o r n e r, Mcno Magnus und Leon L e v y. Das Andenken dieser Tapferen wurde durch Erhellen von den Sitzen geehrt. Aus dem Jahresbericht ist zu crsehcn׳ daß der Betrieb in allen Abteilungen cm erfreuliches Bild ««!bewußter Arbeit darstellt.