Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1916)
- Date
- 1916-09-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 317 sie dies nicht spätestens am 30. September tun, werden sie nach der Reih« cingczogen werden, doch nicht vor dem 1. Oktober. Besoldung, Separationserlaubnisse und Pensionen. D. Die Bedingungen hinsichtlich der Besoldung, Separationscrlaubnissc und Pensionen sind dieselben wie für britische Untertanen, Naturalisation. 1'. Russische Untertanen, die die Bedingungen fiir Naturalisation erfüllen (fünfjähriger Aufenthalt in Seiner Majestät Ländern, iitkl. 12 Monate im Vcr* einigten Königreiche, gutes Benehmen, hinreichende Kenntnisse der englischen Sprache und die Absicht, in den Ländern Seiner Majestät zu bleiben oder der Krone zu dienen) werden ohne Gebühr naturalisiert werden, wenn sic drei Monate wirklichen Dienstes in den Reihen der britischen Armee geleistet haben. Bei dem direkten Einschreiben oder der Attestation wird ein russischer Untertan eine gedruckte Mitteilung erhalten, daß er, wenn er die genannten Ikdiiigiingcn erfüllt und drei Monate wirklichen Dienst in den Reihen geleistet hat, naturalisiert werden wird. Er wird auch ein einfaches Formular für das Gesuch erhalten, wenn er nicht schon ein Gesuch cingcreieht hat. Das Formular wird begleitet sein von Anweisungen hinsichtlich des Verfahrens. Russische Untertanen, die faktisch in den Reihen der britischen Armee dienen und nicht sofort die Bedingungen der Naturalisation erfüllen, werden als berechtigt betrachtet werden, frühzeitig ohne Gcbiihr naturalisiert zu werden, sobald sic die Bcdingungen im vorigen Paragraph erfüllen. Dienst im britischen Heere wird als Aufenthalt im Vereinigten Königreiche gerechnet werden. Aehnlichc Privilegien hinsichtlich der Naturalisation werden der Witwe und den minderjährigen Kindern eines russischen Untertans eingeräumt werden, wenn er während wirklichen Dienstes im Heere vor seiner Naturalisation stirbt. Gesuche attestierter Männer um Bcf r c i u n g vom Dienste. F. 1. Russische Untertanen in Großbritannien, welche attestieren und meinen, daß cs Umstände gibt, die sie, wenn sie britische Untertanen wären, zur Befreiung durch ein Tribunal berechtigen würden, werden Gelegenheit erhalten, sich an ein Tribunal um die Befreiung vom Dienste zu wenden auf Grund derselben Umstände, die einen britischen Untertanen, der freiwillig attestiert hat, dazu berechtigen würden. Das Gesuch kann daher cingercicht werden (auf einem gedruckten Formular, das beim Rekrutierungs- Offizier zu haben sein wird), um ein Bcfreiungszertifikat zu erhalten vor dem 30. September: a) weil es im nationalen Interesse liegt, daJi der Mann, statt im Heere zu dienen, bei einer anderen Arbeit, bei der er gewöhnlich beschäftigt ist, gcbraucht wird; oder b) weil es im nationalen Interesse liegt, daß der Mann, statt im Heere zu dienen, bei einer anderen Arbeit, bei der er beschäftigt zu werden wünscht, gebraucht wird; oder c) weil der" Manu ausgebiklet wird für eine Arbeit, so daß cs im nationalen Interesse liegt, daß »r statt im Heere zu dienen, weiter ausgebiklet werde; oder d) weil ernste Folgen sich zeigen würden, wenn der Mann zum I leeresdienste ciubcrufcn werden sollte, indem er besondere finanzielle oder geschäftliche Pflichten zu erfüllen lut, oder eine besondere hüusliehe Stellung einuimmt. Lin Gesuch kann auch eingereicht werden, weil e) die wichtigste und gewöhnliche Beschäftigung des Mannes in der Liste über Beschäftigungen aufgenommen ist, die zur Befreiung qualifizieren. N. B, Alle Gesuche um Befreiung müssen spätestens am 30. September in den Händen des Rekruticrungsoffi/icrs sein, gleichgültig, oh der Betref- [ende von der Rekrutierungskommission vor diesem Tage ärztlich untersucht worden ist oder nicht, aber das Gesuch wird nicht geprüft werden, bevor die Untersuchung stattgefunden hat. 2. Eine Ordnung wird cingefiihrt, wonach die Gesuche um Befreiung nach der Reihe von dem Tribunal geprüft werden, und jeder wird Mitteilung erhallen, wann sein Gesuch behandelt werden wird. 3. Lin russischer Untertan, der nach der Attest:!- tion sein Gesuch um Befreiung zurückgewicsen erhält, wird von der Militärbehörde, wenn er eiaberufen ist, Befehl erhalten, sich zum Dienste zu melden, aber in keinem Fall vor dem 1. Oktober. 4. Attestierte russische Untertanen, die im reciitmäßigen Besitze eines offiziellen Kriegsdicusischcines oder -Zertifikats sind, werden in derselben Weise wie britische Untertanen vom Dienste befreit werden, Nacli dem 30. September wird die Frage, in• wiefern cs notwendig ist, weitere Maßnahmen gegen die russischen Untertanen zu ergreifen, die nicht attestieren oder sich nicht vor diesem Tage einschreiben, betrachtet werden. M i 11 i s t e r i u m d. Innern, August 1016, « ״The American Jewlsh Chronicfc״ über das ״zionistische Mauiesclkorps" Die jüdisch-nationale Wochenschrift ״The American Jewisli Chrouiclc" nimmt in ihrer Nummer 13 vom 4. August 1910 in der Frage des /ionistischcn Mauleselkorps, das Herr Jahotinsky mit gründen half und das itn englischen Parlament bei der Debatte über den Kriegsdienst der russischen Juden in England zur Sprache kam, (vergl. Jüdische Rundschau Nr. 36), folgende Stellung: ״Der europäische Krieg hat vielen den Verstand zerrüttet und sie zu Verbrechern oder Verrätern gcmacht. Wie das Schicksal uns ja immer ein größeres Maß Sorgen aufcrlegt als anderen Völkern, so müssen wir auch gegenwärtig mehr als jedes andere Volk unter der Torheit und dem Verbrechen solcher unverantwortlichen Individuen leiden. Indem diese Männer sich als Vorkämpfer der jüdischen Sache oder als jüdische Führer ausgeben, verhandeln sic ganze Gruppen von Juden an das eine oder andere Volk und diese unglücklichen Opfer werden alsdann als Kanonenfutter verwendet. Wir erinnern besonders an die Missetaten Jabotinskys, der das berühmte zionistische Mauleselkorps mit gründen half, dessen Mitglieder in den Schlachten an den Dardanellen starben, und das man jetzt mit den zehntausend dienst׳■ fälligen russischen Juden militärpflidhtigen Alters in England zu wiederholen versucht. Um die Torheit oder die Schuld von jabotinsky’s Handlungsweise ganz zu verstehen, muß man sich an folgende Tatsachen erinnern: lm Gegensatz zu den christlichen im Kriege befindlichen Völkern internierte die Türkei die auf türkischem Boden lebenden feindlichen Untertanen nicht. Anstatt die Internicrungsinaßnahmen der zivilisierten europäischen Nationen naehzuahmen, verlangte die türkische Regierung von den ausländischen Untertanen, daß sie entweder türkische Bürger würden, oder das Land vcrließen. Diese Wahl wurde besonders den russischen Juden in Palästina gestellt. Eine große Anzahl von ihnen zog cs vor, sich naturalisieren zu lassen, während andere, mehrere Tausend an Zahl, cs fiir klüger hielten, das Land zu verlassen. Die Aus׳• Wanderer gingen nach Alexandrien in Aegypten. Die englischen Behörden in Aegypten verlangten von den Flüchtlingen im dienstpflichtigen Alter nicht, daß sie in die englische Armee cintrntcn. Aber andererseits drängte sie der russische Konsul, nach Rußland zu gehen mit der Aussicht, in die Listen der russischen Armee eingetragen zu werden. Zu dieser Zeit erschien Herr Jabotinsky, ein russisch-jüdischer Journalist, in Alexandrien und drängte seine palästinensischen Glaubensgenossen, eine militärische Einheit zu bilden, die der englischen Armee angcschlossen werden würde mit dem Ziel, Palästina für die Juden zu erobern. Zuerst verhielten sich die englischen Behörden diesem Vorschlag gegenüber ziemlich indifferent, aber schließlich überredete sie Jabotinsky, seinen Plan auszuführen. Sechs- oder siebenhundert junge palästinensische Flüchtlinge wurden ausgcwälilt, in Khakiuniforincn gesteckt und ausgesandt — nicht zur Eroberung Palästinas, sondern der Dardanellen. Dort wurden sie nicht als Soldaten, sondern als Wasserträger und Schipper verwandt. Die meisten von ihnen starben und wurden in den Wüsten auf Oallipoli begraben. Vom rein praktischen Standpunkt aus war die Tat Jabotinskys eine Tollheit, denn wie konnte ein überlegender Mensch nnnclunen, daß eine Gruppe von sechs- oder siebenhundert Leuten Palästina erobern könne oder auch mir denen eine substanzielle Hilfe sein könne, die danach streben, das Heilige Land zu erobern? Oder glaubte Jabotinsky, daß, wenn die englische Armee Palästina erobern wurde, Groß-Britannicn dieses den Juden geben würde, weil fünfhundert jüdische junge . Leute dem jüdischen Namen neuen Ruhm gebracht haben? So war Jabotinskys Handlungsweise im Grunde verbrecherisch oder närrisch; ,und dennoch ist der Mann, der verantwortlich für das vergossene Blut voll Hunderten junger jüdischer Männer ist und der den Patriotismus der Juden kompromittiert hat, im Begriff, ein anderes Verbrechen zu begehen. Mit der Unterstützung einer Clique von Assiinilantcn will er die in England lebenden russischen Juden zwingen sich der englischen oder russischen Armee anzusclilit^ ßcn, wie er sechshundert palästinensische Juden gezwungen hatte, das Maulesel-Korps zu bilden. Während patriotische Franzosen der französischen Regierung rieten, die russischen Juden Frankreichs nicht zu zwingen, in die französische Armee einzutreten, weil dies im Gegensatz stände zu allen Gesetzen der Menschlichkeit, strebt ein Jude, der außerdem Zionist ist, danach, die Listen der jüdischen Kriegsopfer um Zehntausende zu vermehren. Glückwunsch-Ablösungen Nochmals richten wir an alle unsere Freunde die dringende Bitte, ihre Rosclt-Maschana• Wüiisdie zu Gunsten unserer Notstandsaktion abzulösen. Die bisher bei uns cingegangenen Spenden zeigen uns wiederum, wie allgemein die Bedeutung der Notstandsarbeiten in Palästina gewürdigt wird. Wir hoffen bestimmt, daß alle diejenigen Gesinnungsgcnossen, die der Ablösung bisher noch nicht gedacht haben, nunmehr umgehend die Gelegenheit benutzen werden, unser bedrohtes Kolonisationswerk zu unterstützen. Wir müssen um sofortige Zusendung des uns zugcdachtcn Beträges bitten, weil sich sonst eine Veröffentliclmng in der Rosch-I laschanah-Nutmncr, die diesmal schon Mitte nächster WocRp erscheint, nicht mehr ermöglichen läßt. (Eine Zahlkarte liegt dieser Nummer bei). Daher nochmal&j Jeder gedenke der OIückwunschab* I ö s u n g e n! Jüdischer Nationalfond Zentrale für Deutschland. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Oesterreich. Unter Vorsitz des Präsidenten Adolf Stand fand am 11, September d. J. eine Sitzung des Exekutiv-Komitccs der Zionisten Oesterreichs statt. Das Bukowinacr Zionistische Landeskomitee designierte an Stelle des zum Militärdienste cingerücktcn Mitgliedes Dr. Theodor Weißelbcrger Herrn Dr. Markus Krämer als Mitglied in dieses Komitee. Aegypten. Alexandria. Die von Fräulein Landau gcleitete Schule für die Kinder der palästinensischen Flüchtlinge hat in weiten Kreisen größtes Interesse und durch die Unterstützung der Lauy Mc Mahon, dcrGattin des High Commissioncr, tatkräftige Unter- Stützung gefunden. Außer dieser einen Samte sind jetzt Schwestcrinstitute ins Leben gerufen worden und für die Frauen, die Geld verdienen wollen, sind Nähräume eingerichtet worden, sowie Arbeitsstätten für die Herstellung von Verbands,־(dien usw. Gairo. In dem großen Tempel zu Cairo fand in diesem Jahre zum ersten Mal am Todestage Theodor Herzls eine imposante Trauerfeier statt. Herr Jacques Mosseri hatte die Feier organisiert, der alle Notabein der Jüdischen Gc-!neinde in Cairo beiwohnten. Auf seinen Appell wurden 80 Bäume tlcm ״Hcrzl-Wald•' gestiftet. Das schöne Gelingen dieser Feier wird zweifellos zur Festigung des zionistischen Gedankens in Cairo beitragen. AUS ALLER WELT Aua Amerika. (K i n d e r e p i d e m i e und jüdische Gem e i n d c - S c 11111 e 11 in New-Yor k.) Infolge der Kinderkrankheiten, die jetzt in New- Vork hauptsächlich in den jüdischen Vierteln der Stadt auftreten (in Brookliu, Manhattan, Bronx u. a.), verlassen viele Kinder ihre Heimat. Innerhalb einiger Wochen stieg die Zahl der erkrankten Kinder aut ungefähr 3000, die Zahl der Todesfälle auf 500. Laut dem Beschluß der Gemeinde wurden die Talniud-Tlioraschulcii der Stadt bis auf weiteres geschlossen. Diese Maßnahme verursachte eine Notläge der Lehrer. In manchen Schulen wurde bcschlossen, den Lehrern auch während dieser 1111freiwilligen Ferien das Honorar zu zahlen Durch diese Verhältnisse wurde die jüdische Oeffcntlichkcit a1'f ,d,e ,1-״fre der vielen jüdischen Talmud-Thoraschulen der Stadt gelenkt, die keine regelmäßigen Linn.ilinicii. haben und auf zufällige Beiträge an• genicsen sind. Besonders großes Interesse rief die Krise dieser religiösen Volksschulen in den nationalen Kreisen hcrvoi, die deren nationale Bedeutung nicht verkennen. In der hebräischen Presse Amerikas und den zionistischen Kreisen wird daher die Vereinigung aller dieser Talmud - Thoraschulcn New-Yorks ins Löst die Roschhaschanahwünsche durch den Nationalfond at