Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1916)
- Date
- 1916-09-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 301 Gemüsebaues in Palästina durch den Jüdische» Natio- ״,ilfoml, Literatur-Nachweis über Paliistina und Koloiiisatiou. 2, l eil. Der Jüdische Nationalfoml in der Knegszeit, Abraham Hob in so 1111: David Weil ff. solin's Litern (zu seiner zweiten Jnhrzeit) Von der Kleinarbeit — Nationalfoml-Kakuder — Puriratmarken des Jüdischen Nationalfoml — Notizen. Bestellungen für ״Lrez. Israel“ (Preis der Ntuiirner M. 1, K. 1,30, Frs. 1,20) sind zu richten an den Jüdischen Verlag, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. Aus Palästina (Politische Feier) IXr Chachaiu-Baselii Nissiin Da non benaclirichtigte die Juden Palästinas davon, daß er von der türkischen Regierung die Anordnung erhalten habe, daß am 22. Tantums (2'i. Juli) alle staatlichen und privaten Schulen geschlossen sein müssen zur rrinncrung an die Proklamation der politischen Frei- ' heit in der Türkei und daß alle Schüler an diesem j läge frei haben sollen. Anläßlich dieses brinnemngstages erging eine allgemeine Amnestie gegen diejenigen Falmeufliiclitigen, die sieh bis II. Ab (13. August) zum Heeresdienst stellen. (I) c r G e s u n d h v i t s z u s t a 11 d) Das jüdische Gesundheitsamt in Jerusalem hat drei Stationen eingerichtet, wo die arme Bevölkerung der Stadt kostenlos gegen Cholera geimpft wird. Diese Stationen sind seit 25. Juni geöffnet. Der Leiter des PasTiir-Iiistitutcs in Jerusalem gab besondere Broschüren in verschiedenen Sprachen heraus, die über die Cholera und ihre Bekämpfung Aufschluß geben. Aus I1},gie11ischen Orümlen wurde es der Bevölkertmg verboten, Versammlungen abzuhalten. Auch für Vermeidung von Masscnnnsainmlungcn an den Brotausgabestellen wurde Sorge getragen, damit die vor der Ausgabestelle sich drängenden Leute sich nicht gegenseitig anstecken. Es'wurde auch für die von der Cholcrakraiikheit erfaßten Personen, deren Wohnhäuser von der Außenwelt abgesperrt werden, eine wolilorganisierlc Hilfe eingerichtet. In Jaffa wurden auf Anordnung der Behörden alle Schulen für drei Monate geschlossen. In Jerusalem wurde beschlossen, ein besonderes jüdisches Krankenhaus für Choleiakrauke ciliziirichlcii. Ls ist dazu das Gebäude des sel'ar- (lisclien Altersheims gegenüber ״Schaarc Zedek“ ausgcwälilt worden. Einige Cholcrakranke, die im Krankenhaus des Gesundheitsamtes behandelt wurden, sind bereits genesen und wieder bei voller Gesundheit. In Jaffa wurde am 25. Juli neben dem Friedhof die Zeremonie einer Trauung vollzogen — ein alter Brauch zur Bekämpfung der Krankheit. Line große Menschenmenge begab sich zum Friedhof und riehtete dort in freudiger Stimmung den Trauhimmcl auf. Nach der ״Trauung“ wurde unter Psalincnsagen ein Umzug tun die Gräber veranstaltet. Darauf zog man unter Gesang und Tanz durch die Straßen Tei-Awiws nach Hause. Die Musikkapelle spielte und die Umziehenden klatschten in die Hände, in der Nacht wurde zu Ehren des ״Brautpaares“ ein großes Mahl im Hause des Herrn Jcschnjahu Kosi'iiack veranstaltet. Ls waren alle Gcmoindevor- Steher, die Mitglieder der ״Chewra Kaddischa“ und eine große Menschenmenge anwesend. Es wurden warm« Ansprachen gehalten und auf die Bedeutung der ״Mizwali״ hingewiesen. Das Fest dauerte bis Mitternacht. Nach den Mitteilungen des Pasteur-Institutes, dessen Leiter Dr. Arje Bdhain ist, wurden in der Zeit vom 15. Juni bis 15. Juli 20 Personen, die von tollwütigen Hunden gebissen wurden, behandelt. Darunter waren 11 Juden, 8 Mohammedaner und 1 Chris(. In der serologischen Abteilung wurden im gleichen Zeitraum ebenfalls 20 Personen behandelt. Gegen Pocken wurden 31 Personen geimpft. Die Impf- und Injektionsstation stellt im Auftrag der Regierung für 30 000 Personen Injektiousstoff 11er. Diese Sektion richtete angesichts der in Jerusalem auftrctcuden Cholcrafälle eine besondere Abteilung für Einspritzungen gegen Cholcta ein. (T o d c s f ä 11 e) In Jerusalem starb an Flecktyphus der nngescheue und beliebte Kaufmann Abraham Abadi im Alter von 47 Jahren. Geboren zu Damaskus, war Abadi vor ungefähr 30 Jahren nach Jerusalem gekomj men und schlug dort seinen Wohnsitz auf. Lr reichne 1«■ sich durch hohe Religiosität und weitherzige Wohltätigkeit aus. Er erzog seine Kinder in religiösnationalem Geiste. Vor einigen Monaten nahm er sich noch der Zöglinge des sefardischen Waisenliauses in hochherziger Weise an. Er war stets gesund und stark wie eine Eiche, aber der Verlust seiner Gattin, einer Schwester und seines Sohnes im Vorlaufe von einem Jahr lastete schwer auf ihm. Er hatte viele Freunde, auch unter den nicht jüdischen K'aufleuteii. Vor einigen Wochen wurde er tvphuskrank, wurde ins Krankenhaus ״Misgab ledacli“ gebracht, das er (nicht mehr verlassen sollte. Er hin)erläßt eine Witwe und fünf Kinder. An seiner Beerdigung nahmen die angesehensten sefardischen Rabbiner und eine große Schar seiner Geschäfts*• freunde teil. * In Beyrnth verschied Herr Ingenieur Adolf Stark m et nach kurzer Krankheit am 17. Juli. An Cholera starben .1111 '19. Juli in Jerusalem die Er; ui des Herrn Elialiu N iss im mul die Frau des Herrn P. S c h a p i r o. Am 20. Juli starb an der gleichen Krankheit Fräulein Snltaiiani Panisil. Im Alter von 47 Jahren starb der Rabbiner der niarokkaniseheii Gemeinde in Jerusalem Schelonioh Aburbic aus Tcttiau am Flecktyphus. An der gleichen Krankheit verschied Herr Jizdtak Tagir, der viele Jahre der Vorstand der sefardischen Gemeinde in Jerusalem war. Am Abend des 27. Juli starb in Jerusalem der bekannte Lehrer für die türkische Sprache N iss im L f f e 1111 i B e c har Michael im Alter von 60 Jahren an der Cholera. Der Verstorbene war aus Bulgarien nach Jerusalem cingewamlcrt. Nachdem er während des russisch-türkischen Krieges sein Vor-‘ mögen verloren hatte, verließ er sein Geburtsland und wandvrtc als armer Mann nach Adrianopel aus. Dort bekleidete• er in der jüdischen Gemeinde ein Amt. Nach einiger Zeit ging er nach Jerusalem und war dort viele Jahre als Lehrer der türkischen Sprache, die . er ausgezeichnet beherrschte, tätig. Er war fast der einzige Lehrer, der die türkische Sprache musterhaft unterrichtete und war daher als Lehrer sehr gesucht und beliebt. Lr unterrichtete in der griechischen Schule zu Jerusalem als Lehrer für Türkisch. Außer seiner Tätigkeit an der Talmud- 1 horaschiilc ״Tifereth Jeruschalajim‘' und dem Bellt- I lamidraseh ״Doreseh Zion“ gab er noch Pri- Vatstumlen und zog viele ausgezeichnete Schiller heran. Fast alle junge sefardischen Rabbiner, die jetzt in verschiedenen Gemeinden das Amt eines Chacliam-Bnschi bekleiden, lernten bei ihm Türkisch. 111 der letzten Zeit *unterrichtete er diese Sprach«) auch am hebräischen Lehrerseminar in Jerusalem. Lr war mich ein angesehener Schriftsteller in türkisclier Sprache. Die Nachricht vom Tode seines Sohnes in Südamerika hatte ihn sehr niedergedrückt. Er erlag in Wenigen Tagen seiner Krankheit. Um ihn trauern zwei Witwen und sechs Kinder in völliger Mittellosigkeit. (Von den Schulen) Infolge der vorzeitigen Schließung der he brätscheu Knabenschule in Jerusalem, die durch die Verbreitung der Krankheiten veranlaßt war, wurden die Schlußprüfimgeii in der Schule zu einem früheren Termin abgehalten. Die Lehrerschaft der Schule beschloß, in diesem Jahre die Prüfungen im Hinblick auf die allgemeine Müdigkeit und den Gesundheitszustand der Schüler möglichst leicitt zu gestalten. Die gestellten schriftlichen Themen waren in hebräischer Sprache: ״Bialik nntf sein ־Gedieht Hamathmid*', in Geschichte: ״Die Acra Mcndelsohns und «1er Mcassfiin“. Mündlich wurde aus folgenden Fächern geprüft: Bibel (die früheren und späteren Propheten), Geographie Palästinas, allgemeine Weltgcschichtc. Zehn Absolventen tragen sielt mit der Absicht, in das hebräische Lehrerseminar zu Jerusalem einzutreten. Die Unterrichtstage der hebräischen S c 11 u - le 11 sind in diesem Schuljahre nicht weniger gewesen wie im vergangenen — trotz der Unterbrechung1 nach Pessaeli und trotz, des früheren Jahresschlusses. Wie tler Schulleiter Herr Ch. L. Suta mitteilt, war die Zahl der Unterrichtstage in diesem Jahre 179 während im Vorjahre an 182 Tagen Untenrieht erteilt wurde. Dieses günstige Zahlenvcrhältnis erklärt sich damit, daß dieses Jahr ein Schaltjahr also um 30 Tage länger als die gewöhnlichen Jahre war. * ' Die Talnrud-Thora-Schulc ״Tifereth Jeru-j s c h a 1 a j i m" besuchten im letzten Schuljahre 271 | Schüler, darunter 79 Waisen. Von diesen sind 28 erst im letzten Jahre verwaist. 14 Schüler sind Doppelwaisen. Die Väter von 91 Kindern dieser Schule leisten Heeresdienst. Von 26 Schülern sind die Väter außer Landes. Am 22. Juli abends fand im KinomatograpH• Theater ״Eden" in Tel-Awiw ein Konzert der Schüler der Musikschule ״S u l a 111 i t h“ unter Mit- Wirkung des Orchesters der Schule statt. Glückwunsch-Ablösungen Solange der jüdische Nationalfond besteht, haben unsere Freunde /.um Rnselt Haschanah- Fest Gelegenheit genommen, ihn durch Glückwunsch-Ablösungen zu unterstützen. In diesem dritten Jahre «les Weltkrieges erwächst der Gcbcfrcudigkeit unserer Gesinnung»■ genossen wieder eine besonders dringliche Aufgäbe. Die Lage unserer palästinensischen Brüder ist, trotzdem sic durch tatkräftiges Eingreifen vor dem Aru!!ersten bewahrt blieben, nach wie vor sehr traurig und cs bedarf weiterer ganz erheblicher Mittel, um unserem Kolonisationswerk über die furchtbaren Erschütterungen des Krieges hiinvegzulielfeii. Wir bitten datier alle unsere Gesinnung*»• genossen, bei den diesjährigen Neujahrsablösimgen der vom Nationalfoml geschaffenen Notstands-Aktion für Palästina besonders zu gedenken und auch fern ersteh e n de jiiilisdie Kreise zu derartigen Spenden zu veranlassen. Wir haben bereits an alle uns erreichbaren Adressen einen Aufruf in diesem Sinne verschickt und fordern unsere Freunfde hierdurch dringend auf, uns möglichst viele weitere Adressen zu diesem Zweck aufz.iigebcn. Der erste Ausweis der Ablöstmgsspendcn erfolgt־ in Nr. 39 der ״Jüdischen Rundschau“. Falls unsere Freunde die Zusendung dieser Nummer an bestimmte Adressen wünschen, sind wir gern bereit, gegen Einsendung von 10 Pf. für das Exemplar die Zustellung zu übernehmen. Die Spenden müssen, um noch in die Neiijahrsnuinimer auf genommen zu werden, bis spätestens! Freitag, den 15. September bei unserem Schatz- ,mcister, Herrn Max Wollstcincr, Charlottenbürg, Roschcrstr. 5, Postscheck-Konto Berlin 3847, eingehen. Wir bitten nochmals, unsere Aktion durch größere Spenden und durch Propaganda in vvei* testen Kreisen zu unterstützen. Jüdischer Nationalfond Zentrale für Deutschland. Antisemitische Hetze Arge antisemitische Ausschreitungen haben am zweiten Mobilmachungstagc in Plauen stattgcfuudcn unil fanden am 5. November 1915 vor dem Schöffen- Berichte in Plauen ihre teilweise Sühne. Die Anklage wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs un«i Körperverletzung richtete sich gegen; 6 Angeklagte. Gegen 4 Angeklagte mußte das Verfahren eingestellt werden, weil sic sieh im Felde befinden. Zwei der Angeklagten, der Fischhändler Ihiffe untl der Snttlerlchrling Hcittickc, hatten sich wegen Vergehens des gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs und der Körperverletzung zu verantworten. In «len ersten Augiisttngen 1914 fand in Plauen eine Judenhetze statt, wie sie selbst in Rußland kaum schlimmer sein kann. Russische und deutsche Jnileti mußten von I\>li/ei und Militär gcschützt werden, sonst wären sie von fanatischen Eigenstürmern an Leben und Eigentum geschädigt worden. Ein jüdischer Firmcninhnber erbat und erhielt vom Kommandeur des Plaucncr Regiments ein Waclitkommando (Offizier, 1 Spielmann und 10 Mann) gestellt, dessen Führer unter Trommelwirbel Standrecht verkünden ließ und bis Mitternacht in dem Gcschäftsloknlc Wache hielt. In der nächsten Stadtverordnetensitzung wandte sich der Oberbürgermeister mit schärfsten Worten gegen die gemeingefährlichen Judenhetzer. Löst die Roschhaschanahwünsche durch den Nationalfond ab!