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Jüdische Rundschau · 1916-08-18 · Heft 33 (18.8.1916) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 33 (18.8.1916)
Date
1916-08-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Acliad Haams Jubiläum Am 17. Ab hat Acliad Haain das sechste Jahrzehnt vollendet.' Wir feiern den Ehrentag eines Großen in Israel. Dem nationalen Judentum ist Acliad Haam ein Verkünder und Mahner geworden und seine pr0|>l1etiscl1c Stimme hat die Lauen zur Wiederbclehmig■ der Herzen gerufen. Dem Zionismus hat er durch die unbestechliche Wahrhaftigkeit seiner Kritik, die in heißer Liebe ihre Wurzel hat, Wege der Entwicklung gewiesen, so daß die werdende Gestalt des Zionismus das starke Zeichen seines Geistes trägt. Acliad Haam hat dem Kampf um die 11ationale Erneuerung einen festen jüdischen Inhalt gegeben und ist zum Mitschöpfer des neuen jüdischen Palästina geworden. Die nationale Erneuerung ist durch die hefliifgelnde Kraft des Zionismus zur Tat geworden und sein ungebrochener Wille lebt in unseren Herzen und in der Sehnsucht unseres) Kampfes. Acliad Haams Geist hat die Arbeit wachsam behütet, reich befruchtet und in Liebe gesegnet. Die große Synthese hat dem Zionismus ihren Stempel auf ged rückt, so daß die Zionistische Organisation, Hcrzls großes Werk, am Einentag Acliad Haams' *hm heißen Dank sagen) darf. Acliad Haam ist der Unsere geworden. Sein Mahnen und Wcgbcstimmen hat geschichtsgestaltcnde Kraft erhalten, weil cs auf die Zionistische Organisation gewirkt hat, weil’ der jiolitischc Zionismus das Werk in die Hand genommen hat. In diesen Tagen wird das Jubiläum Ach ad Haams, des nationalen Denkers im Judentum, des tiefen Ergründers des jüdischen Geistes, des großen hebräischen Schriftstellers, dem die Neubclcbung der hebräischen Sprache und Literatur i hicndliches, heute noch Unwertbares zu danken hat, des treuen Dieners an Zion, überall gcleiert, >vo die hebräische Sprache einen Hort, der Zionismus wicdcrbelcbtc Herzen hat. Die Wirren «der Zeit lassen uns jetzt nicht Acliad Haam das nationale Denkmal ewiger jüdisehcr Kultur in Erez. Israel durch die große Kundgebung einer einheitlichen Tat setzen. Sie wird die Aufgabe der Zionistischen Org.11nisation sein, wenn wieder friedliche Zeit cinheibliebem jüdischem Kulturwcrk die Bahn frei gibt. Heute, da uns die Vollendung im Großen nicht gegönnt ist, geschieht nur die Kunilgehang des Willens, den Dank des Volkes in einer Acliad Haam-Stiftung für Palästina zu verewigen. Ihr Grundstein wird der Segen seines Schaffens, die Verehrung des Volkes und der Dank des neuen Judentums sein. ״Dei* Zionismui erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer Offen!- lieh-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Baseler Programm. Der Weg des Lebens Von Achad Haam Die folgenden Leitsätze, die zur Grundschritt des Ordens Bnc-Mosche wurden, schrieb Acliad Haam als einen seiner ersten Aufsätze im Jahre 1889, als er zur Gründung dieses Ordens schritt. 1. Die jüdische Geschichte während der Diaspora im allgemeinen und ־während der letzten hundert Jahre im besonderen lehrte uns verstehen, daß wir keine Hoffnung haben, in- ,mitten eines fremden Volkes als Volk und zugleich als Menschen klicn zu können;, an allen Gebieten des Lebens wie ein Bürger des Landes teilzunehuien und zugleich ein Volk mit besonderen Ideen und eigenartigen Sitten zu bleiben. Weh uns, da es uns schlecht geht und well uns, da cs uns gut geht! Das Schlechte verdarb in uns den Geist des Men■ sehen, das Gute — den Geist des Volkes; das erste machte uns zu niedrigen Menschen in den Augen der anderen, das zweite —• zu einem verächtlichen Volk in seinen eigenen Augcu. Daher verbrauchen wir umsonst unsere Kraft und verschwenden unsere Habe, um unsere Stellung unter den Völkern zu festigen — denn dies wird nie gelingen. Zwei Wege sind vor1 uns: der Weg des Lebens und d c r W c g des Todes. Wenn W’ir nnich dem Tode unserc Augen erheben, so lassen wir doch von dem Rat der falschen Acrztc und harren in) Seelenruhe seines Kommens, denn mag er auch zögern — er wird 1kommen. Aber wenn wir das 1.1c be n wählen, so ist es an uns, 1ms ein Haus für uns an sicherem Orte zu bauen — mul wo gäbe es einen so sicheren Ort wie das Erbe der Väter? Wir müssen afeo unsere besten materiellen und sittlichen Kräfte dieser unserer einzigen Rettung weihen: der Wiederbelebung unseres Volkes im Lande der Väter. 2. Genügen unsere geringen Kräfte dieses schwere weite Ziel zu erreichen? Wer ist der Weise, der diese Frage mit klaren Beweisen und Belegen zu beantworten verstünde? Soviel sie sich auch von rechts!und links abmühten, für sie eine logische und empirische Lösung zu finden, cs gelang ihnen nicht. Aber jenseits' der Grenze der Vernunft und Beweisführung gibt es noch ein großes mächtiges Reich, das ,,!Glaube“ heißt, und hinter allen Diskussionen der Nationalisten mit ihren Gegnern erhebt sich dieser große Unterschied; je ne glauben und d i c s e g I a 11 be n n i ch t. In solchen dem Zweifei unterworfenen Dingen kommen Meinung und Tat aus dem H erze 11. Je Stärker das Verlangen unseres Herzens danach ist, desto größer ist unser G Raube an die Möglichkeit seiner Erreichung, desto mächtiger unsere Hand, alle uns im Wege stehenden Hindernisse zu überwinden. — Damit also die Söhne unseres Volkes an ihre nationale Wiedergeburt glauben und ihr ihre besten Kräfte zu weihen bereit seien, müssen sie ihr Fehlen empfinden und sich nacli ihr mit ihrem ganzen Herzen sehnen, mit anderen Worten: ein starkes nationales Gefühl muß in der Tiefe aller Herzen pochen, bis kein Mensch aus Jisracl mehr in seinem privaten Wohlleben Ruhe für seine Seele findet und wirklich und *wörtlich den Namen Jerusalem über den) Gipfel seiner Freude erhebt — dann wird der Glaube von selbst kommen und die Tat nach ihm. 3. Ein solches Gefühl gab es tatsächlich vorzeiten in unserem Volke, als Jisracl auf seiner Scholle lebte. Aber durch die schreckliche Zer- Streuung und die unaufhörlichen Wanderungen nahm es allmählich ah, bis es fast ganz untere ging und nicht mehr im Herzen der großen Mehrheit lebte. Auch die wenigen, die noch! seine Spuren in ihrem Herzen fühlten und sich von Zeit zu Zeit auf seinen Ruf hin aufrafften und sich einander verbanden, um etwas zum. Besten der Allgemeinheit zu tun, — auch in ihrer Mitte sehen oft unsere Augen den Satan: — die Eigenliebe - kommen, das Gemeingefühi verdrängen und seine gute Absicht durchkreuzen, denn mächtiger ist er als dieses. Dieser Satan tanzt unter uns, auch wo wir ihn nicht zu sehen vermuteten: unter den Bannerträgern des Nationalismus lind der Zionsliehe. Die Männer, von denen wir dachten, sie würden zum Vorbild in unserer Mitte sein, indem sie denn ganzen Volke zeigten, wie viel der Gedanke und das Gefühl der Gemeinschaft vermag, um die Entfernten einander zu nähern und ihnen ein Herz und eine Meinung zu ־״eben — auch sie konnten ihren Geist nicht beherrschen und scheiterten au all den tadelnswerten Eigenschaften, die andere Parteien besitzen. Unter solchen Umständen brauchen wir uns nicht darüber wundern, wenn wir sehen, wie sich die Verzweiflung in die Herzen vieler schleicht und sic zu der Meinung bringt, daßi wir alt geworden, daß unsere Gebeine von der Sohle bis zum Scheitel cingetrocknct seien und in uns keine Kraft mehr zum Leben vorhanden! sei. 4. Aber nichts kann vor dem Glauben bestehen! Trotz, all dieser Erscheinungen gibt es in unserer Mitte wahrhafte Nationalisten, die mit ganzem Herzen an die Wiedergeburt desi Volkes glauben und in Wahrheit bereit sind, ihr Opfer zu bringen, nicht mir Worte der Lippen, sondern einen ansehnlichen Teil ihrer Eigenliebe und ihres Ansehens, ihrer R 1111 e und i 11 res Ve r mö ge n sk Nicht daß sie ihre Augen verschließen, um das Schlechte nicht zu sehen und freudigen Herzens rufen: ״Friede, Friede!“ — sondern im Gegenteil: sie sehen die Verwirrung in Jisracl, die Erstarrung, die in allen Herzen herrscht, und wissen, daß es keine Nationalisten ohne Volk und kein Volk ohne nationales Gefühl gibt. Aber da ihre Seele von Jugend an der Seele ihres Volkes verbunden ist und ihre Liebe zu ihm ihnen Glauben an cs stärkt, darum denken sic, statt jede Hoffnung für verloren au halten, alle Tage darüber nach, wie man sein Herz zur Wiederbelebung erwecken könne, damit es fühle und wolle, glaube und handle. — Solche Nationalisten gibt es in unserer Mitte, aber da sie zerstreut und von ver- 1 schiedenen Gruppen auf gesogen sind und einer

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