Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1916)
- Date
- 1916-07-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnements I auf die wöchentlich ■m Freitag er» g «hrinend« ״JUdUch« RmuUdtauן ״ kosten bei der Expedition und bei ■ allen Poiliimtcrn vierteljährlich M. 2,25! innt-rhalb Deutschland», in Oeaterrcich• 5 Ungarn M. 2,50, im AuaU&d M. H,—. j }üillidie Rundachau, G. m. b. H. I M.1U.IN W. 15, SUrli.l.die Straße 8. I Telephon! Amt Ultlnad 845, 846. i Postseheckkontot Berlin Nr. 17392. I V«" ׳' 1"«| n «י״- 1! ־־V / ׳׳■--״ \ 1 vy rm%\^ י L«•» H\.r? Jü V xk*ffle1£en ytt ilrchsgfspaHene Petit- *eilf.ntler^iWeyKaum 40 Pf.; SteUen* ן aa׳ sowie Vereinsfr; a&f^tbrdtirfg^it' und ״Kleine Anreigen* nur 30 Pfennig OOOO ‘‘־hfuhus'kripte worden, wenn Porto Heiliegt, *Irl» 1ururlcg«s.1ndt. Rrdnktionwichluft: Mittwoch vormittag». 'CX: •J \mJ^ ^**■»>1 I VJI Redaktion Jttdlacha Rund»than J BERLIN W. 15, SäthaUche Straft« 8-! Telephon; Amt UhUnd 845, 846. Postidheckkonlo; Berlin Nr. 17392. g3»״׳l Nummer 27 Berlin, den 7. Juli 1916 — 6. Thammus 5676 XXI. Jahrgang. Auseinandersetzung mit den Polen Fugclhcrt P1׳r 11 erst o r 1' 1■ r, Vizepräsident 1icösterreichischen Abgeordnetenhauses, ist ein I iihter der deutschen Sozialdemokratie Oc.slermclis und ein Deutscher. Er gehört /u den seltene» Persönlichkeiten, die mit einer quellenden Liehe zum eigenen Volk und seinen mit ionalen Bedürfnissen ein offenes Verständnis für die Not und das Wollen anderer Völker vereinen. Man hat Engelbert Pernerstorfer oft genug als dm Anwalt der nationalen Interessen kleinerer Volker auftreteii sehen. Immer gewann 41er freie, von keinem Opportunismus getrübte Ton seiner Rede für das Volk, für ilas er nationale Ihitwiekiimgsfreilieit forderte, die Aufmerksamkeit gerecht Dcnkemlcr. Auch für das nationale Judentum ist Engelbert Pcmerstorl'cr schon einoiler das anderemal eingetreten und jetzt lewn wir in der Liste 41er Mitarbeiter, 4lie 41er malen Zeitschrift ״Der Jude“ für 4lie nächsten Hefte Aufsätze zugesagt haben, auch Engelbert IH nierstorfers Namen. Inzwischen ist aber Pernerstorfer zu 4len Mit gegangen, um ihnen zu sagen, daß er, rnadist für seine Person, an den polnischen Wünschen einer freien nationalen Zukunft voll teilnehmendes Interesse nimmt. Es ist selbstvcrstamilish, 4lab das polnische Volk sich einer so gewichtigen Aeullerung freut. Das 2b. I left der in Berlin erscheinenden ״Polnischen Blätter“ bringt den Aufsatz, von Engelbert Pernerstorfer an leitender Stelle. Was Pcrucrstorfer hier, bevor er zur polnischen Frage selbst sieh äußert, iiivci־ seine Auffassung des Natioualisimts sagt, bat nicht mir für 4lie Polen Bedeiiluiig, es gilt vielleicht noch in höherem Malte für die, welche die jüdische Nation aus 41er Welt schaffen oder vielmehr schwatzen wollen, wie Pernerstorfer dieses ״kindische Getue“ hezeichnet. Es ist also natürlich, daß Pcrucrstorfer jedem Volke das Recht auf nationale Existenz und Entwicklung /.»spricht und seine Forderung auch dann nicht zurückstellt, wenn sie auf tief wurzelnde national-chauvinistische Intoleranz eines anderen ,um seine Entwicklung Besorgte» Volkes stößt. So erklärt Pernerstorfer in seinem Aufsatz i" den ״Polnischen Blättern׳' mit bedeutsamer Betonung, daß das ׳ c i gen 11 ich e inner- יייחIi t i se h c Problem Pol e ns die J1141 en ־ frage ist. Er stellt fest, daß die Judeiifrage im Osten nicht so wie im Westen durch Assimilation gelöst werden könne, — wenn er auch Mdbst im Westen die Stärkung des nationaljüdischen Bewußtseins und der jüdischen Gesa!nts\uipathicn durch die nationaljüilische Be- "o!1mg kennt. Er erklärt: ״Jene Richtung des polnischen Chauvinismus, die sich entweder geradc/u •antisemitisch gebärdet oder auf gewaltssnie Polouisicrung ausgclit, ist, von sittliche! Eetraclitungswcisc ganz abgesehen, unpraktisch, ia geradezu gefährlich. Sie verlegt die endgültige Lösung des Problems in weite Fernen. D1c$c Lösung kann nicht gegen die Juden, 80»dem nur im Einverständnis mit ihnen gefutnicn werden,“ Pernerstorfer weiß, daß sich die Juden des Ostens als Volk fühlen, das sein Recht auf natio- "alc Entwicklung nicht theoretisch meint, son- »Der Zionismus erstrebt ffir das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlieh-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Baseler Programm. dem praktisch durchsetzen will. Er erinnert sich 4les Aufsatzes von l>!\ Leon Reich, den wir auch in der ״Jüdischen Rundschau“ wiedergegeben haben: ״Sic — die Ostjuden — haben nicht nur als Einzelne ein Nationalbcwußtsein, sic haben es auch als (icmeinsamkeitsgcfiihl. Ein Teil von ihnen und gewiß darunter sehr hochstehende Elemente, haben sich zwar schon früher als verbunden mit der polnischen Gesamtheit gefühlt (s. den schönen Artikel von Dr. Leon Reich in der Wochenschrift ״Polen“ vom 2b. Mai d. J.), aber die grolle Masse lebt ein betont jüdisches Eigenleben. Es ist töricht, diese!Masse, weil sie die an das Deutsche sich nnlchnemle jüdische Mundart, den Jargon, .spricht, etwa für das Deutschtum reklamieren zu wollen, aber es ist ebenso unsachgemäß, -sie als polnisch erklären zü wollen. Es nützt nichts, sich in theoretische• Untersuclumgcn über den Begriff der Nation einzulasscu. Man mag hundertmal fcststelicn, 41all 4!ie Juden keine Nation sind, weil ihnen gewisse begriffliche Merkmale einer solchen fehlen, sie sind in ihrer nationalen Besonderheit mm einmal da, und wenn die Theorie mit ihnen nicht zustaiulekommt, so ist das ausschließlich ein Malheur für die Theorie. Die Wirklichkeit ist eben stärker als alle Theorie und wenn beiile nicht ziisammenstimmen, so ist gewiß die Theorie falsch." An unsere Freunde und Leser! Quartal um Quartal, Nummer um Nummer haben wir während dc.s Krieges die ״Jüdische Rundschau" 7.u einem Organ ausgebaut, das den Gedanken des Zionismus stärken und ihm in konfliktreicher Zeit neue Kreise offnen, neue Kräfte gewinnen kann.!Wir haben Anlass, mit dem Erfolge einigermassen zufrieden zu sein. Die Verbreitung der ״Jüdisch״(! Rundschau“ ist über alle in der Friedcnszcit erreichten Zahlen hinaus gewachsen. Unsere Freunde und Leser wissen sie zu schätzen und zu benutzen, Nunmehr hot uns kurz vor dem neuen Quartal die Gestaltung der Verhältnisse zu einer Erhöhung des Abonnements gezwungen. Die Papier- und die Druckprcisc sind so gestiegen, dass wir ausserstände sind, an der Höhe der bisherigen Abonnementsbeträge festzuhaltcn. Wir nehmen die 'Erhöhung vor, weil wir überzeugt sind, dass alle unsere Abonnenten ihre Notwendigkeit einschcn werden. Wir bitten olle unsere Freunde und Leser, uns neue Abonnenten zuzuführen, und nicht zu vergessen, dass jede Erhöhung der Abonnentenzahl der Jüdischen Rundschau eine dauernde Stärkung der zionistischen Arbeitsmöglichkeiten bedeutet. Vom 1. Juli 1916 ab beträgt der Abonnementspreis für Einzelabonncnten Mk. 2.25, für Ortsgruppen im Sammclnbonnemcnt Mk. 1.50, für Oesterreich Kr. 3.60, für das Ausland Mk. 3.—. Vorlag und Redaktion der ״Jüdischen Rundschau". Und mm sagt Engelbert Pernerstorfer dem polnischen Volk unumwunden, worin seine schwerste Aufgabe und Verpflichtung beruht. ״Ich will gern annehmeu, daß auf polnischer Seite ein im allgemeinen einheitlicher Wille vorhiimlen ist: die politische Gleichstellung der jüdischen Mitbürger. Aber mit der Anerkennung dieses Rechtsgrumlsut/cs ist noch lange nicht alles getan. Und hier muß es sich zeigen, ob die Polen genug staatsmännischcri Geist haben, um die Verwirklichung dieses Grundsatzes nicht dadurch zu erschweren, daß sie sie von drückenden Bedingungen abhängig machen. Wenn ich recht unterrichtet bin, so gibt es jetzt in dem besetzten 1‘olen;unter den Juden deutsche, polnische und Jargonschulen. Daran soll im neuen l’olen nichts geändert werden. Die einzige Forderung, die sie mit Recht anfsteilen können, ist die, daß auch in den oberen Klassen 41er Volksschulen die polnische Sprache gelehrt werden soll. Diese Forderung wird auch hei den Juden nicht diyi geringsten Widerstand begegnen. Die Juden lernen gern und leicht andere Sprachen. Alles andere muß der Ent- Wicklung überlassen werden. Die Frage, ob tler Jargon erhalten werden soll, ob er fortbildungsfähig ist usw., ist eine Frage, die mir die Juden angelit. Er hat ebenso leidensehaftliehe Anhänger und Gegner unter den Juden selbst. Ich habe nicht den geringsten Zweifel, daß in einer verhältnismäßig kurzen Zeit es keinen Juden im Reiche geben wird, der die polnische Sprache nicht vollständig beherrschte. Die |x>litischc Gleichberechtigung wände dann zweifellos den polnischen Patriotismus unter den Juden, soweit er nicht schon vorhanden ist, erzeugen. Alles weitere wird die Zukunft bringen, die wir nach bestem Wissen vorbereiten, aber nidrt voraussehen können. Ich lege solchen Nachdruck auf die Lösung der polnischen Judenfrage aus zwei Gründen. Endlich soll die Schmach der Bedrückung des Ostjudentums wenigstens in Polen ein Ende finden und zweitens soll dadurch das neue Reich vor Gefahren geschützt werden. Denn bleiben die Juden in Polen auch bei politischer Freiheit ein unzufriedenes Element, so bringt ein solcher Zustand Keime der Zwietracht und des Verfalles in den neuen Staat." Der Vizepräsident des österreichischen Abgeorilnctcnhauscs hat gewisse Kenntnisse darin, mit welchen Methoden nationale Kämpfe geführt werden und was die luden im |x>luischcn Gebict an Erfahrungen zu verzeichnen haben. Es ist darum gut, daß gerade er aussprach, was Not tut. Die Polen sind allerdings mit ihm nicht zufrieden. Die in Wien erscheinende Wochenschrift für polnische Interessen ״Polen“, entgegnet Pernerstorfer in ihrer Nummer vom 1. Juli: ״Ehen weil wir über Theorie mal Wirklichkeit derselben Ansicht sind, finden wir, daß die Zuerkennung politischer Gleichstellung an die jüdischen Mitbürger — und was daraus folgt: die Rechte kultureller Art, wie sic ihnen in Oesterreich, also auch in Galizien, zustchcn — mit der Theorie von der eigenen Nation der Juden nichts zu schaffen haben.“ Es ist ein simples Taschcnspiclcrstück, auf diese Art die nationalen Rechtsansprüche der Juden wcgcskamoticren zu wollen. Sie lassen sielt, was die Redaktion׳ der Zeitschrift ״Polen" auch nicht vergessen sollte, wie Pernerstorfer in den ״Polnischen Blättern“ sagte, w-eder aus der Welt schaffen,