Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1916)
- Date
- 1916-06-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26 JU EDI SC HE RUNDSCHAU Seite 2t b Aus Palästina p׳;?§ (Neue O p f e r.) I>c111 im Laude wütenden Flecktyphus erlaßen imlcr ,imlerem der arahische Oberarzt des Kranke״- liaii'-es in Jerusalem Dr. Pot ins Efendi, der Ober• ,[1/1 des gricchischcit IvTaiikenli.mscs Dr, Ocnr/’c, eine! der heriiluntesteu Rechtsanwälte Jerusalems (jecre-l deudi A h u ה ,/ ־ c h a r i a und der bekannte christliche Ingenieur Pas quäl. An Kehlkopt'sehw iudsiieht staih ein l.ehrer der Inhiaisrlieii Mädchenschule In Jaffa, der seit sechs iahten in Palästina tätig war, I lerr Abraham I e r 11 e r a״> Duuajewzi (Podolien) und ein Beamter des Oy״!- iiasimns in Ja flu, der 2I jährige Jelmda Br cg- 111;1 n 11 aus Bcrditschcw. Am 11. Mai verschied im Alter von גיס lalireu einer der angesehensten Rabbiner der sepltardisdien neiueinde 111 Jerusalem Rabbi Mordech.1] S e 11 e r i * seh und am 10, Mai ein junger Rabbiner der ,isrlikenasisehcn Oeineinde, Rabbi Schelomn Raw im Aller von 37 Jahren. Am 10. desselben Monats 11111׳ rl.'tg derselben Krankheit der Verwalter der he- ProiscIhm 1 Schulen in Sa (cd Jakob W u I 11111111 11, In den Synagogen sämtlicher jüdischer Gemein• den Jerusalems wurde am $. und 11, Mai ein Bit(- eotiesdienst abgcliallcti. Dr. Ilillel Jaffa und Dr. lioldberg veröffentlichen im ״Haclicrutli“ eine Reihe Maßregeln, die ergriffen werden müssen, mit die Krankheiten zu bekämpfen. Auf Verordnung der Acrzlc wurden vorläufig die jüdischen Schulen in laiia geschlossen. (Die E v e I i 11 ■:! von R o 111 s c h i I d - S c 11 u 1 c.) Auf der letzten Sit/.img der A 11 g I o - J c w i s 11 Association in London teilte der Vorsitzende mit, daß die frühere I.eiterin der Evelina von Rothschild-Schule in Jerusalem, Iran Landau, die zur Zeit eine Schule palästinensischer Flüchtlinge 11׳ Alexandrien leitet, 20(1 Pfund für die Versorgung der Schülerinnen der Jerusalemer Schule gesammelt habe. Das Foreign Office hat nunmehr die Erlaub• uis erteilt, diesen Betrag nach Palästina zu überweisen. Das Foreign Office erteilte ferner die Erlaubnis zur Annahme eines Anerbieteus seitens eines Freundes der Schule in Jerusalem, der bereit ist, die zur Finanzierung der Schule notwendige Summe lur die Dauer des Krieges vorzustreekeu. liierdurch wird voraussichtlich die Wiedereröffnung der schule möglich werden. Bibliographie der Palästinaliteratur IViimäcbsl erscheint im Hinrk'lis in Leipzig der 3. I iterntur von Professor t>r. lif verzeichnet die gesamte I Verlage von J. C, Band der Palästina• Peter T h o m s e n iteralur, also Bücher karten, Zntsehril'tenaufsätze und Rezensionen tlei Jahre ID 10 bis 1 Dl I, soweit sie irgendwie Palästim betrifft. Die meisten Titel sind durch ausführliche Inhaltsangaben erläutert, deren Einzelheiten ein Re■ psk'1 von etwa 5701') Stichwörtern erschlicht. Iler■ t׳orr,n;emle Berücksichtigung halten dabei wieder wir in den beiden vorhergehenden Bänden neben Go sciii'liH', Archäologie, historischer Landesum Ortskmnlo mul Geographie die wirtschaftlichen Vcr lultimsi^ Kolonisation, Handel und Verkehr m heutigen Palästina gefunden. Der Zionismus is nilspredieiid seiner wachsenden Bedeutung (mit be• soml0101 t ׳ntcrsiiüziiiig von Dr, W. Zeitlm) in allei Eiii/cHielten bibliographisch verfolgt worden, so dal auch dieser Baud für unsere durch den Krieg eugei Kokiiupllc Verbindung mit dem Osten sich voraus snhtlich sein wertvoll erweisen wird. Allerdings kann die Weiterführung dieser Biblio er.ipttii, deren Bände alle 5 Jahre erscheinen sollen auf grolle Schwierigkeiten stoßen, wenn der Vcr ksscr nicht allseits die nötige linterstiitzimg fin dd• Sie muß sieli darin zeigen, daß dem Verlasse OWlcn-A, 10, Kügdgcnstraße II) möglichst all! ^,röffentliehiingeii über Palästina und den Zionismus namentlich die Kleineren, die zwar nicht in den Buch IiaiKlIerver/.eidiuisscn zu finden, aber oft von Be deutung sind, ebenso Zeitsehrifteimiifsätze und Kartei *»gesandt werden, damit auf Grund eigener Einsieh genaue Inhaltsangaben gemacht w'crdcn können, di׳ ,i«» Benutzer der Bibliographie die nötigen Hinweis! fhr seine Arbeit geizen. Das ist bisher recht seilet gesclichcii und möchte deshalb fernerhin regelmäßi! 8«geführt werden. Zum anderen muß aber der Ab *ab erlieblidt zuuelimcii, da sonst der Verlag cii *״** Schaden verknüpftes Unternehmen aufgeben müß le׳ Zionistische Vereine und Einzelpersonen solllci deshalb, wenn irgend möglich, das Werk regelmäßig “60dien oder doch wenigstens den neuen Band ct *eiben und so dazu beitragen, daß diese Biblio rtäpliic, hie als erste von Anfang an den Zionismu UJ Weitestem Umfange berücksichtigt hat, in ihren **iterbestandc als unentbehrliches Nachschlageum llill'swcrk gesielter! wird. Auf die bedeutende Preis ermäßigmig bei Bezug aller drei Bämle oder Bezug des letzten ßmidcs vor Erscheinen sei noch besonders aufmerksam gemacht. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Oesterreich. (Dr. 11 a n t k e s A g i t a t i o 11 s r c i s e.) In der vorigen Woche besuchte Dr. ilantke zum drittenmal wählend der Kriegszelt Wien, Es war eine verdienstvolle Arbeit des E. A. C,, durch seine Mitglieder den Gesinnungsgenossen in den verschiedenen Ländern die Möglichkeit einer persöuliehen Rücksprache zu ,gehen. Dem vorletzten AiilTiiiliallc 1)1׳, llatilkes in Wien verdankt die österreichische < irganisntion nußer der notwendigen Inf״!inalimisarbcit mul der Erledigung der hülfenden ()rganisiitimisfi'iigcu die Entstehung «les Paläsiina-l lilfsw erl.es in Gesterrcicli-Ungarn, auf welchem Zum Todestag Theodor Herzls Zwölf Jahro sind am 20.Tammus vergangen, seit Theodor Herzl uns entrissen wurde. Aber die Er- Innerung an den grossen Toten lobt In uns fort. Wir ehron sein Andenken durch treue Hingabe an sein Itloal, das er uns als teuerstes Vermächtnis hlnterlless. Unser ganzes Sinnen und Schaffen ist auf das eine hoho Ziel gerichtet, — das Werk der Befreiung unseres Volkes, das or begonnen, zu gutem Ende zu führen. Trotz aller Romantik seines Wosens war er oln Mann dor Tat. Sein kühnor Golst, sein scharfer Blick sahon alle Notwendigkeiten unserer Orynnisation voraus. Jede bedeutungsvolle Einrichtung, die uns zu Erfolgon führte, hat er geschaffen oder angeregt. Er träumte von einem starken und frolen Volk auf fruchtüaror Scholle. Er wies uns den Weg, den Traum dor Verwirklichung nahezubringen. So trotzten Söhne unsores Volkes im Lande der Väter ln helsser Heimatliebe allerorten dem so lange vernachlässigten Boden die alte Fruchtbarkeit ab. Sie schufen blühende Gärton und loyten die Keime zu stolzen Wäldern. Sie pflanzten auf den Borgen Judas den Herzlwald, ein ragendes Denkmal ewigen Dankes, ein Zeugnis unvergänglicher Treue. Wir fühlen, zumal am Todestage Theodor Herzls, die Pflicht, dieses schöne Werk der Treue und Dank* barkoit zu fördern. Auch wir wollen helfen, dass dieses Denkmal unseres Führers immer würdiger 80ln0r Grösse werde. Dor Weltkrieg hat uns in unserer unverbrüchliehen Treue zu Herzls Werk und unserem Gefühl der Verantwortung für die Zukunft unseres Volkes nur stärken können. Darum ergeht an alle Juden, die zu unserer Fahne stehen, die Aufforderung: Jeder pflanze zum 20. Tammus (21. Juli) einen Baum im Horzlwald! Bezeuget durch diese Spende die ewige Dankesschuld an den Mann, der euch das jüdische Lebensideal gegeben! Jüdischer Nationalfonds Zentrale für Deutschland; Berlin W!5. Gebiete bis jetzt mit sein׳ gutem Erfolge gearbeitet wurde. Der Krieg bat in Wien sehr viele Gcsiuniiugsgenossen aus Galizien und anderen Kronlämlcni vcrsammelt, und so hat Dr. Hantkc in Wien immer Gelegenheit, mit den Führern vier ganzen Österreich!• scheu Organisation zusammenzukommen und mit ihnen die vielen zionistiseheii Probleme zu erörtern. Auf einer vertraulichen Sitzung, auf der sich die angesehensten Mitglieder der österreichischen Organisation eingcfimdcii hatten, hat l)r. Hantkc einen mehrstündigen ausführlichen Bericht über die allgemeine u;nd insbesondere wirtschaftliche Lage in Palästina, über die Arbeit unserer Organisation in allen Ländern und unsere nächsten Aufgaben erstattet. A11 dieses Referat hat sich eine lebhafte Diskussion angcschlossen. Am nächsten Abend, dem 21. Juni, hat Dr. Hantkc auf einer öffentlichen allgemein zugänglichen Versammlung im großen Saale des Hotel ״Continental“ einen Vortrag über den ״Zionismus während des Krieges und nach dem Kriege“ gehalten. Diese Veranstaltung war sehr stark besucht und die Zu• liörer spendeten dem Redner großen Beifall. Im engen Kreise der zionistischen Exekutivc-Komitees tanden außerdem mehrere Besprechungen statt. Dr. H. F. Schweiz. /. li r i e 11. I )11• z i o 11 i s t i s e 11 e O r t s g r u p p c hielt am 5. Jmii eine gm! besuchte Vcreiiisversammhing al>, in der Herr I). W e i 11 b a u m den Bericht über den I > e I e g i 0 r t e 111 a g in Bern erstattete. I)as ausführliche Reler.1t, das ein treffendes Bild der Berner Tagung ergab, wurde Voll den Anwesen• den mit großem Beifall mitgenommen. Dein Vortrag schloß sieb eine rege Diskussion;111. In der dem Referat vur.mgegatigeiieii geschäftlichen Sitzung!wurde, der Anschluß an die Vcrtraiiciism.umer-Vi'rciiiigimg. des Bezirkes beschlossen, sowie fünf Delegierte liier• zu gewählt, Rumänien■ Jassy. V״r kurzem hat sieh ein neuer zionistischer IT.iuenveiem ״Bern rin“ luiler dem Vorsitz von Frau Rachel S c (» ö über!» gebildet, Trotz!11 mi» eher' entmutigender Schwierigkeiten legt der (iingc Verein eine große Rührigkeit an den 'Lag. Äo ,hat er bereits iilx׳r schöne Erfolge eines von ihm kürzlieh veranstalteten li 111111 e 111 a g e s , zu Gunsten des Verbandes Jüdischer Frauen für Kulturarl>eit in Palästina zu berichten. Als materielles Ergebnis dieser Veranstaltung sind bei dem Verband 412 M, ciiigcgangcu. England. Von den Herren A. Sacher, Leon Simon lind S. Landman in London wird seit einiger Zeit eine Serie zionistischer Broschüren publiziert. Bisher sind folgende erschienen: Nr. I. Der Zionismus und das Jüdische Problem (Leon Simon), Nr. 2. Zionismus und Jüdische Kultur (Norman Bcntwieh), Nr. 3. Ge* schichte des Zionismus (S. Landman), Nr. 4, Eine hebräische Universität in Jerusalem (H. Sacher), Nr. 5. Zionismus und der Staat (H. Sacher), Nr. o. Zionismus und die jüdische Religion (F, S. Spiers), Nr. 7. Palästina und die Wiederbelebung des Hcbräb selten (E. Miller), Nr. 8. Hebräische Erziehung In Palästina (l.eon Simon), Nr. 0. Jüdische Kolonisation in Palästina (Israel M. Sief(). AUS ALLER WELT Aus Amerika. (V o n if e r K o 11 g r e ß - B e w e g 1111 g.) Das Orgaiiisicriingscomite des aiiierikanisch-jüdisehen Kongresses hat sieh mit einem Zirkularsehreiben an die führenden jüdischen Organisationen in allen Ländern gewandt, um diese mit dem Programm des Kongresses, seinen Zwecken und Zielen nckannt zu maclicn. (V o m A in e r i c a n J e w i s 11 C o 111 m i 11 c c.) Nachdem die meisten jüdischen Organisationen in Amerika auf der Vorkonferenz am 20. März in Philadelphia beschlossen haben, noch vor Ablauf des Jahres 1010 einen amerikanisch-jüdischen Kongreß auf breiter, demokratischer Grundlage einzuberufen, hat jetzt das American Jewisli Committee, das die Kon* greßidee bekämpft, auf seiner Sitzung vom 14. Mai in New York eine Resolution angenommen, durch welche das Executive Comitc des A, J. C. ermächtigt wird, im Juni des laufenden Jahres eine Konferenz der jüdischen Organisationen Amerikas zu veranstalten. Die Konferenz soll über die Maßnahmen beraten, die zur Sicherung der vollen Gleichberechtigung der Juden in allen Länder!! und zur Abschaffung aller gegen sie bestehenden Sondcrgesetze gceiget sind. Unter ״vollständiger Gleichberechtigung" ist zu verstehen: der Besitz aller bürgerlichen, religiösen und politischen Rechte, sowie in denjenigen l.äudem, in welchen Sonderrechte für Bevülkenmgsgruppen anerkannt sind, die Ausdehnung dieser Rechte auf die Juden, sofern diese sie wünschen. Gleichzeitig beschloß das American jewish Commitlee, die Anzahl seiner regulären Mitglieder auf rt)l> aus/mlclmeii. Ein Teil der Mitglieder soll von der jüdischen Bevölkerung der Vereinigten Staaten gewählt, ein anderer Teil vom American Jewish Coinmitlee auf seiner Jahresversammlung designiert wer• den; den Rest bilden die Vertreter der jüdischen Organisationen, die im Verhältnis zu ihrer Mitgliederzahl gewählt werden. Das American Jewisli Committee hat siell also unter dem Druck der öffentlichen Meinung innerhalb der amerikanischen Jmleniieit zu einer weitgebenden Demokratisierung entschlossen. Die Frage Kongreß oder Konferenz ist jetzt im wesentlichen nicht mehr eine Frage der DcIcgicrtcnzahJ oder der Walilinctliodc. Die Differenz besieht jetzt vornehmlieh in der Frage: ״Geheime Beratungen“ oder ״Frörtcrung der jüdischen Sache in voller Oeftciitlicbkeit?“ Es ist sehr zweifelhaft, ob die vom American Jewisli Committee geplante Konferenz zustande kommen wird. (״Der jüdische Kämpfer“,) Die jüdische sozialistische Partei , P o a I e Z i o n" Amerikas gibt seit dem 1, Mai ihr Wochenblatt ,Der jüdische Kämpfer“ wieder heraus. Das Blatt hat bereits eine schöne Vergangenheit hinter sich. Als es vor zehn Jahren zum ersten Mal erschien, stand fast die gesamte jüdische Presse Amerikas auf einer äußerst niedrigen Stufe. .,Der jüdische Kämpfer“!mißte unter großen Schwierigkeiten sich seinen politisch und literarisch ernsten Leserkreis erziehen und leistete auf diesem Ocbicte ■wirkliche Pionierarbeit. Die Partei, deren Wort* führer der ״Kämpfer“ ist, ist im Laufe des Jahres an Zahl und!Ansehen gewachsen. Dem wJüdisd!cn Kämpfer“ ist eine bedeutende Rolle in der jüdischen Publizistik Amerikas gesichert.