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Jüdische Rundschau · 1916-06-30 · Heft 26 (30.6.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 26 (30.6.1916)
Date
1916-06-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 2U i UlKl!ichhier a iw ח er- ,Ich für Jen. das ver-!die 111er tcn. auf die tcn, der einkeit len. den kes fcio- »len!ein Xr ׳ud- ■gX den nul eilt •rt? cn. ׳ormst 1111d.“ ICH tie, der zu ren liff* ns- 111t, HJff Kr 011 nd- ־ a 1en -;ix en- »g■ ge-!11 iures lad rk- 7,11 1t“ Ülum Öe- 1s“ er- Art '.io- :iodie US- 11 r- :inimiciluß ter- 111t, ich oh* rdc am des ICH zu ng, Vufeil tzc is“ :eit tnd ■er- Nr. 26 f n |H ,1 ' 1 ‘ i I ■ ׳ : 1 \ 1 :: 1׳ i f;zierte 1md die Folgerung zog, daß eine selbständige jüdische Politik die einzig richtige ist. Die Resolut ton des Komitees, sich an den Wahlen energisch ־zu beteiligen, wurde einstimmig atigenominell. Diese Versammlung machte einen großen Eindruck und wurde von der Presse vielfach besprochen. Da die Eintragung der Wähler in die Wahllisten bis nun anfangs bestimmten Termin, dem '21. Juni, nicht zu Ende gekommen war, verlängerten die Behörden diese Frist noch um drei Tage. —w. Das dritte Heft des Juden Mit •seinem dritten Heft hat der ״Jude“*) das erste Quartal vollendet und dieses lieft wird dort, wo man vielleicht die ersten beiden Hefte der neuen Zeitschrift doch noch nicht genügend beachtet hat, ganz zum Bewußtsein bringen, ein wie wertvolles und auch politisch bedeutsames Organ im ״Juden“ erstanden ist. Klarer noch als in den ersten Heften prägt sich im dritten aus, daß von einer solchen Zeitschrift, abseits enger Parteigesichtspunkte, von einer klaren Erfassung der Wirklichkeit und einer verantwortungsvollen Einsicht in die von ihr ,gestellten Aufgaben getragen, die Dar- Stellung jüdischer Politik möglich ist. fkn Auftakt des Heftes bildet ein Beitrag ״Deutsche Juden und polnische Juden“ von Julius Berger. Julius Berger war während des Krieges längere Zeit im okkupierten Gebiet, hat dort an der Organisierung der Hilfstätigkeit teilgenotnmen, die Arbeit in der Evakuierten- Fürsorge mitgemacht und ist den Verhältnissen und Menschen in tatkräftiger Arbeit näher gekommen als die meisten, die über die Probleme der Arbeit für das polnische Judentum während des Krieges geschrieben haben. Sein Aufsatz ist eine herbe Anklage gegen die deutschen Juden und ihre Stellungnahme zu den Lebensfragen der polnischen Juden. Was Julius Berger über die Hilfstätigkeit sagt und mit charakteristischen Beweisen belegt, wird größte Aufmerkvsameit finden müssen. Man siebt, daß liier jemand sich äußert, der die schweren Dinge dt! miterfüllten Zeit nicht mit der Phrase abtut ') ״Der Jude‘•. Eine Monatsschrift, 3, Heft. Verbf K. Löwit, Berlin-Wien. Berlin N 37, WeißenburgiTstrnlie ö, Jahresabonnement Mk. 10,—, Halbjahrsahwinnncnt Mk. 5,—, mißt man auch den für die Entwicklung der Zionistücken Bewegung bedeutungsvollen Essay ״Flabocliim" (III. Bd. S. 200 ff.), der die Vorgänge auf dem VI. Kongreß zum Gegenstand hat. Die Abhamlking gehört zu den wenigen, in denen es dem Meister der Selbstbeherrschung nicht völlig gelingen will, seine vornehme äußere Ruhe zu wahren. Man fulili erschüttert aus jeder Zeile die verhaltene Glut in! Innern des Mannes, der wie selten einer die ״Schamhaftigkeit der Seele“ besitzt. Die IJebcrsctzung vermag im ganzen zu befriedigen, wenngleich sie die eigenartige Schönheit des Originals nicht wiedergibt. Ach,■ui Haan! läßt sich in eine andere Sprache so wenig eigentlich übertragen, wie etwa Bialik. Ich möchte au einem kleinen Beispiel die Schwierigkeit klarmuclien. Der Aufsatz ״Riw lesclioiioth“ wird übersetzt mit ״Ein Spraclicnstreit“. Das ist völlig korrekt. 1111 Original *irkt die Deberschrift aber ganz anders. Die zwei Worte sind ein Zitat aus einem Psalm (31) und haben dadurch für den hebräischen Leser eine besondere Gefiihlsbetoming, die natürlich im Deutschen ver- 1«ren geht. Achad Haam muß, wie jeder große Schriftsteller, letzten Endes in seiner Sprache geieseu und begriffen werden, Nichtsdestoweniger begTÜlien wir selbstvcrständ* 1idi den ״deutschen“ Achad Haam mit aufrichtiger Freude. Unser Dank gilt dem Uebcrsctzer uml dem Jüdischen Verlag zumal. Ebenso sind die zahlreichen Anmerkungen dankenswert, die Dr. A. Eliasberg, der Leiter des Jüdischen Verlags, beifügte. Das Buch Verdient die weiteste Verbreitung — auch in nicht- *ionistisdien Kreisen. Schearjaschub• «Geometrie“, I Serie 1. Heft, Für die drei unter- *Jen Klassen der Mittelschulen und die entsprechen• den Jahrgänge in den andern Schulen Palästinas, ״«arbeitet von Dr A. Baruch Rosenstein, Lehrer der Mathematik und Physik am Hebräischen Gymnasium zu Jaffa. ״ Das erste Heft dieser ersten Serie liegt min "זי uns. Die erste Lieferung eines größeren Lehr- ״״ches der Oeometrie für Mittelschulen. So wird 18 mm Zur Tatsache: Mathematik in hebräischer und der sich tun die Antwort bemüht, wo lind wie eine Besserung und eine Verhütung kütiftigen Unheils möglich wäre. Ob die Schuldigen hören werden? Dem sich der Verantwortung Bewußten muß es zunächst genügen, in Klarheit und rücksichtsloser Offenheit vor der Oeffcntlichkeit aussngen zu dürfen, was geschelten ist und unterlassen!wurde. Berger nimmt zu den Verleumdungen Stellung, die, zttm Teil von deutschen Juden ausgehend, die Ehre der polnischen Juden beschmutzen und ihrem Ruf, und damit ihrem Schicksal, einen Schaden zufügen, wie er schlimmer von keinem boshaften Feind erdacht werden konnte. Was Beiger sagt, ist nicht Apologetik. Hier wird nicht entschuldigt und vertuscht, nicht erklärt und nicht verziehen. Hier wird gesagt, was ist, und wie cs ist. Und da zeigt sich, wie haltlos das üble Gerede von der Prostitutiort der jüdischen Frau, der Unmoral des Geschäfts, der Arbeitsscheu der jüdischen Arbeiter, all das leichtfertige Uebelrcden leichtfertiger Mensehen ist, die für ihren Teil niemals die Verantwortung gefühlt haben, sich für das Lebens- Schicksal der jüdischen Massen im Osten selbsttätig mit zu interessieren. ״Die Aufgabe der deutschen Juden ist wohl besser, edler, jüdischer, sie ist auch deutscher als teilnaliimsloses ,Zusehen, unfruchtbare Geschäftigkeit, leichtfertiges Geschwätz. Allerdings: sic verlangt Sachlichkeit und nicht Hochmut, üercchtigkeit und nicht Vorurteil, sic verlangt Liebe, Liebe und abermals Liebe." So schließt Julius Berger seinen Aufsatz. Ihn setzt gewissermaßen Prof. Hermann Cohen fort. Professor Hermann Cohens Worte werden immer.gehört, wenn man auch gegen sic ernste und entscheidende Einwände, ja abweisenden Einspruch erheben muß. Was Cohen aber jn dem Aufsatz ״Der polnische Jude“, sagt, wird in der Tendenz die rückhaltlose Billigung jedes Juden finden, dem jüdisches Solidaritiitsgcfiilil •kein leeres Wort ist. Es wird auch gewissen deutschen Juden vernehmlich in die Ohren klingen, daß Hermann Cohen nicht nur um der polnischen Juden willen die Grenzsperre zurückweist, sondern! daß er vielmehr jm Interesse des deutschen Judentums, seiner sittlichen Kraft und religiösen Stärke den Zufluß polnischer Juden verlangt. Es tat not, den Antisemiten das Recht zu nehmen, sich auf das Zeugnis deutscher Juden zu berufen, Sprache! Keine Phrase mehr. Für Palästina war es auch keine Phrase und nun soll das gedruckte Wort auch die Skeptiker überzeugen. Gerade in dieser Zeit des Krieges empfand Palästina am meisten, daß es selbständig werden und diese Möglichkeit auch der Welt zeigen muß. Schwer war der Anfang, Mathematik und Physik in hebräischer Sprache zu unterrichten, doch mit bewunderungswürdigem Fleiß und energischer Arbeit bereiteten die Lehrer jede Unterrichtsstunde vor und diese Lektionen, denen oft tagelange Arbeit vor.uisging, wurden gesammelt und erscheinen nun im Druck. Ein vollständiges Lehrbuch und eine Aufgabensammlung der Arithmetik in drei Teilen uml eine Formclsammhing der gesamten elementaren Mathematik sind schon lange erschienen; und nun das erste Heft de! ״Geometrie“, deren beide folgende sich im Drucke befinden. So entstehen unsere hebräischen Lehrbüclier! Ausdauer und Stetigkeit der praktischen Arbeit bringen ihre Früchte und widerlegen alles Bedenken gegen die Brauchbarkeit des Hcuräischcn zum wissenschaftlichen Unterricht. Dieses kleine Heft will dem Anfänger die grundlegenden geometrischen Begriffe aus seiner Umgebüng erklären. Es beginnt mit der Betrachtung von Körpern, Erst eines Würfels und eines rcchtwinkligen Parallelepipcds (Kuwia, Tcvva). Es werden die Begriffe: ״Körper“, ״Fläche״ ״Linie“, ferner die Begriffe ״vertikal“, ״horizontal‘1 und ״parallel“ erklärt. Durch die Betrachtung der Kugel und des Zylinders (Kacldur, Glil) lernt man den ״Kreis“ und seine Teile kennen. Es folgen ausführliche Kapitel über die Messung, Ausmessen und Zeichnen von Geraden von Flächen ■und Körpern, Daran knüpft sich die Erklärung von Begriffen wie ״Maßstab“ usw. Das Buch ist in Anredeform geschrieben, EXr Lehrer spricht zu den Kindern und entwickelt alles durch Anschauung, Wenn an manchen Stellen noch vielleicht das eine oder andere auszusetzen ist, wird es in künftigen Auflagen verbessert werden. Im ganzen erkennen wir in diesem Buche di« Lebenskraft der hebräischen Sprache und 'empfinden den Sieg der Tat und des Fleißes. Ja&kow C h a w i w. die die Abwehr des östlichen Judentums gepre* digt haben. Obwohl Professor Hermann Cohen seinen alten, längst bekannten Anschauungen auch dieses Mal treu geblieben ist und einige Gedanken seines Aufsatzes zu deutlichem Widerspruch licrausfordcrn, ist es doch erfreulieh, daß es der Redaktion des ״Juden“ gehingen ist, zu dieser Bekundung, die die Grenzsperre ablchut und die Bedeutung der polnischen Juden für die deutschen Juden hervorhebt, Fiermann Cohen zu veranlassen, den doch auch die Harmlosesten nicht für einen verkappten Zionisten halten Werden., Es zeigt, welcher fruchtbaren Wirkung auch nach außenbin die neue Zeitschrift fällig ist. Weitere Aufsätze des 3. Heftes behandeln ״Fragen des ostjüdischen Wirtschaftslebens“ von J, Leszczynski, ״die wirtschaftlichen Lehren des Krieges für Palästina“ von Curt N a w r a t /. k i. Es sind gut fundierte Aufsätze, die aber auch dem nicht fachmännisch Vorgebildcten die entscheidenden Dinge nahebringen. Neben einem sehr guten Aufsatz mehr theoretischer Art ״Unsere Sonder- Stellung“ von Herrn. Glenn, der aber zwischen den anderen Aufsätzen ganz, konkreter Art sehr wohl an seinem Platze stellt, verlangt die vollste Aufmerksamkeit eine Arbeit von Siegfr. Bernfcld ״Zum Problem der'jüdischen Erziehung“. Siegfried Bernfeld, ein Schüler Gustav Wynekcns, hat als Mitarbeiter und Schriftsteller in der neuen deutschen Jugendbewegung eine sehr beachtete Rolle gespielt. Jetzt ist er Zionist und weiß uns allen über das Erziehungspnoblcm in Deutschland lind Wcstöstcrrcich Grundlegendes zu sagen. Von seinem Aufsatz werden neue Erörterungen der schwierigsten Frage unserer Gegenwart ausgehen müssen, wenn man vor diesem Erzichungs- Problem der dem lebendigen Judentum immer mehr entfremdeten Jugend nicht krampfhaft die Augen schließen will. Siegfried Bernfcld täuscht sich und uns über die Sclnvicrigkcit der Frage nicht hinweg, aber er steht ihr mit einem Wissen und einem Erfühlen der treibenden Kräfte gegenüber, wie sich ihrer in den Reihen der um die jüdische Erziehung Bemühten nur ganz wenige erfreuen dürfen. Vor allem werden von diesem Aufsatz betroffen, die an der jüdischen Jugendbewegung teilnehmen. Arno Nadel, dessen Mitarbeit der ״Jude“ hoffentlich dauernd ausuiit/en wird״ bringt wiederum einen sehr schönen Aufsatz, aus dem Gebiet der jüdischen Volkslieder, die religiösen Lieder. Die Lieder und ihre Uebertragungen sind von einer herzlich reinen Wärme. Der Warschauer Schriftsteller F. Lachowe r, schreibt über Schalem Alcjchem, das feine und herzhafte, das überlegene und mitlebendc Lachen, ach, das einzige große Lachen des Ghettos, das jetzt verhallt ist. In den ״Bemerkungen“ fällt das Stück ״Metamorphosen einer Lüge“ von S. Aron und die dem ״überseeischen Flebräisch“ gewidmete eingehende Studie von B. K. auf. Israel Fuhrmann schreibt über ״jüdische Bauern“ (in Ungarn), Ernst Guggcnlicim mit dem cinnchmcnden Mut zur kompromißlosen Entscheidung über die ״Antisoziale Unart“ derer, die sich aus verschicdcncn Gründen vor der Identifizierung mit Parteien und positiv schaffenden Organisationen drücken. Auch aus dem Kreise der Redaktion stehen Bemerkungen in diesem Teil des Fieftes. Nun beginnt ״Der Jude“ sein zweites Quartal. Hat uns das erste enttäuscht? Wer die drei Hefte gelesen Kat, wird die Antwort wissen. Hoffen wir, daß der Weg des ״Juden“ den Aufstieg fortsetzt, in dem er begriffen ist. Leo Herr m'a n n. Wechsel in der amerikanischen Botschaft Konstantinopels Wie uns von authentisch unterrichctcr Seite mitgeteilt wird, wird der bisherige Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei, Henry Mo r ge n t h au, nach Konstantinopel nicht zurückkeliren. Zu seinem Nachfolger ist der jüdische Rechtsanwalt Abraham J. Elk us ernannt, dessen warmes Interesse für jüdische Angelegenheiten bekannt ist. Es ist zu hoffen, daß das Wirken des neuen Botschafters sich in den gleichen. Bahnen bewegen wird, in denen Henry Morgenthau sich 90 große Verdienste erworben Kat. 1■

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