Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1916-06-23 · Heft 25 (23.6.1916) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 25 (23.6.1916)
Date
1916-06-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2651974-2651999--10665-2668110
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Abonnement« I auf die wöchentlich am Freit•* er• *clieinend« MjQdlache Rundschau“ kosten bei der Etpedition und bei allen Postämtern vierteljährlich M. 1,75 )BDcrhelb Deutschlands, in Oesterreich• Ungarn M. 2,50, im Ausland M. (J,—. Jüdische Rundschau, G. ns. k. H. BERLIN W. 15, Sliditiithe Straße 8. Telephon: Amt Uhlund 845, 816. Postscheckkonto! Berlia Nr. 17392. J :31L3 u AnxcIjfMi | koaiee Hkr tfc* aoahag I teils •dar der«• Raam 40 PL l ן Aafsbote ssd •Cs—ehe —via Vs—!ייי• Mittatluflfna •ad •Kleine O O O O nasr 39 Pfanaif. O O O Maouskrrpt« war den, ween Porto basBqlh staia ■erQdkge«**dt SUdtdtfSoMBdbltoi■ Mittwoch ▼onaittegsu | Radaktl«• JUlsAo * BERLIN V.tS, Sldudadba» * Telephon־. Amt Uh Und 845, Mb, ^^P01tsd>Mkk»alsi Bark» Hr. 17Ä 57 (1 mmM v a ««•1■1״■״',an Nummer 25 Berlin, den 23. Juni 1916 — 22. Ssiwan 5676 XXI. Jahrgang ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffenilieh •rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina." Baseler Programm. Lockruf zur Entscheidung Durch Maximilian llardcns ״/uknnft“ schickt Oskar A. H. Schmitz ein Stück aus (.iiirin neuen Huch voraus, das aus der Um* arlH’itmig eines nicht unrühmlich bekannt gevmdciivn früheren Werkes entstanden ist. Nun mamt es sieh ״Englands politisches Vermächtnis an Deutschland durch Heujaiuin Disraeli, Lord of H( acon.sfield". Der Abschnitt aber, dein die Zu* kimft zur schnellen Verbreitung hilft, heilit ״Die ,111 d e 11 f r a ge“. Wieder einmal wird die alte Trage diskutiert; nicht um das Schidoal und die Bedeutung der Ostjuden oder der polnischen Juden dreht sich hier die Auseinandersetzung, sondern au die .'Struktur und Stellung der deutsehen Juden wird mit Untersuchung mul Tordirung gerührt. Es ist ein Thema, das immer wie'׳, und vielleicht gerade jetzt autln,!dien macht. Auch wir haben nicht notig, der Erörternng aiiszuweiclieii. Ja, wir müssen Rede stillen und Antwort sagen, weil Oskar A, II. Sclmiit/, von der Ocgcniiberstell11״g Lassalles zu l>M.1e]i ausgehend und die Schichtung und Hedniiung des deutschen Judentums prüfend, mich der Zionisten sich erinnert. Er wendet ihnen sogar eine ganz, entschiedene mul rückhaltlose Würdigung zu. Schmitz, stellt sie neben die ״Rcchtgliiu- Ingen", den Getauften und den ״anderen“ gegen- «her. Der Angelpunkt seiner Betrachtung ist die Trage: wie vertrag! sich diese oder jene der vier Arten mit dem deutschen Staatsbegriff? Welche Aufnahme ist den Forderungen dieser jüdischen Gruppen auf volle Gleichstellung im Staate zu bereiten? Reditsmöglichkeitcii der jüdischen Orthodoxie nicht aufs deutlichste zuriickwiesc. Uns Zionisten behandelt Oskar A. H. Schmitz mit einem ganz, uneingeschränkte» Respekt. Wir sind ihm die rassestolz.cn Juden von der Art Disraelis, die sich ihrer alten Abstamimmg rühmen und in ihrer Ikurtcihmg des heutigen Gioßstadtjiidcntuins mit den Judenfeinden in vielen Punkten ühcrcinstiinmcn. ״Nur sagen sie" -■■ wir — ״da(! die mißachtete heutige jüdische Art nicht Rasseerbteil sei, sondern die Folge Jahrhunderte langer Unterdrückung. Als Heilmittel aber verlangen sie nicht möglichstes Aufgehen der Juden in ihr Wirtsvolk, sondern stolze Selbstbesinnung auf die eigene, innerfälschte Art. Die jüdische Heimat soll wieder Zion werden, wo sie einen zeitgemäßen, den anderen glcichbcrechtigleii Staat gründen wollen. Wer auch immer in Europa oder gar in Palästiua, wo die jüdischen Ansiedlungen längst begönnen haben, mit Zionisten verkehrt hat, wird überall die höchste Lauterkeit des Charakters, verbunden mit der starken Geistigkeit des Judentums, gefunden haben‘־. Die Anerkennung ist also uneingeschränkt. Wir wollen sie einfach zur Kenntnis nehmen als ein Zcngni־•׳ dafür, daß man sich auch außerhall) des jiiiieiitinns mit unserem Sein und Wollen beschäftigt. Daß der bekannte jüdische Goethe- An unsere Freunde und Leser! Quartal uin Quartal, Nummer um Nummer haben wir ,während des Krieges die ״Jüdische. Rundschau“ zu einem Organ ausgebaut, das den Gedanken des Zionismus stärken und ihm in konfliktreicher Zeit neue Kreise öffnen, neue Kräfte gewinnen kann. Wir haben Anlass, mit dem Erfolge einigerinasscii zufrieden zu sein. Die Verbreitung der ״Jüdischen Rundschau“ ist über alle in der Friedenszeit erreichten Zahlen hinaus gewachsen. Unsere1 Freunde und Leser wissen sie zu schätzen und zu benutzen. Nunmehr hat uns kurz vor dem neuen Quartal die Gestaltung der Verhältnisse zu einer Erhöhung des Abonnements gezwungen. Die Papier- und die Druckprcisc sind so gestiegen, dass wir ausserstände sind, an der Höhe der bisherigen Abonnementsbeträge fcstzuhaltcn. Wir nehmen die Erhöhung vor, weil wir überzeugt sind, dass alle unsere Abonnenten ihre Notwendigkeit einschcn werden. Wir!bitten alle unsere Freunde und Leser, uns neue Abonnenten zuzuführen, lind nicht zu vergessen, dass jede Erhöhung der Abonnentenzahl der Jüdischen Rundschau eine dauernde Stärkung der zionistischen Arbeitsmöglichkeiten bedeutet. j ) Vom 1. Juli 1916 ab beträgt der Abonnementspreis für ,Einzclahonncnten Mk. 2.25, fiir Ortsgruppen im Sammclabonncment Mk. 1.50, für Oesterreich Kr. 3.60, für das Ausland Mk. 3.—. Verlag und Redaktion ״Jüdischen Rundschau". forscher von nun an neben Alfons Paqnet —־ dem schwäbischen Dichter - auch Oskar A, H. Schmitz für einen verkappten Zionisten ansehea wird, versteht sich von sellrst, und läßt sich wohl nicht einmal durch den Hinweis auf die nachfolgenden Ausführungen über das Verhältnis von Vollherechtigung und Zionismus verhitvdem. Schmitz wurde es nämlich für das Logische halten, wenn die Zionisten von Deut sch laaid nichts anderes als vorläufige Gastfrenml- Schaft verlangten, bis ihr zionistisdhes Ideal Erfüllung findet, er sicht aber: ״Eine Volksseele wird nicht allein durch die Logik geleitet; und so verlangen denn die meisten Zionisten die Zulassung zu den höchsten Staatslind Militärämtern im Reich. Es hat nicht viel Zweck, darüber mit ihnen zu streiten. Daß sie logisch im Unrecht sind, ist kein Zweifel; aber die Frage erhebt sich, ob man ihnen nicht trotzdem der Früchte wegen entgegenkommen kann. Die Zionisten sagen, daß sie ihre Kraft, genau wie die Christen, dem Staat, der Gemeinschaft zur Verfügung stellen, Steuern zahlen wie die anderen, und ihr Stolz empört sich dagegen, daß sie trotzdem von den hohen Aemtern ausgeschlossen sein sollen. Wenn, wie gesagt, dieser Stolz, auch nicht ganz logisch urteilt, so ist er doch menschlich nur zu begreiflich. Die Zionisten sitzen zwischen zwei Stühlen: von den Jude’» als Schwärmer verspottet oder gar bekämpft, haben sie bei den Nichtjuden noch immer nicht das Vorurteil gegen ihr Judentum überwunden. Das macht empfindlich. Gibt man nicht oft einem empfindlichen, aber sonst wert* vollen Menschen gern nach, zumal, wenn daraus kein Schade entsteht? Die Zionisten würden nichts von dem ״jüdischen Geist“ in das deutsche Staats- und lleerlchen einführen; denn diesen Geist empfinden sie als eben so unjüdisch, wie wir ihn als lindeutsch empfinden. Als Menschen bilden sic, wie gesagt, an Charakter wie an (reist eine Auslese. Sic würden also keine Gemeinschaft verschlechtern, in die sie aufgeiiommen würden. Man betrachte sie wie edle Flüchtlinge eines zerstörten Vaterlandes, so, wie man während des Zerfalles des alten Reichs, besonders aber nach 1806, im Ausland die Deutsehen betrachtete . . . Natürlich würde auch hier die Zulassung von der Persönlichkeit abhängen, aber cs ist nicht an/1mehmen, daß die Zionisten, die überhaupt Fähigkeit und Neigung verspüren, deutsche Beamte und Offiziere zu werden, als ungeeignet befunden werden sollten. Sic würden sicher eine wertvolle, aber an Zahl geringe Auslese darstellcn“. Es braucht keiner weiteren Begründung, um zu erklären, warum die Zionisten eine solche Argumentation aufs entschiedenste ablehnen. Die Feststellung, daß die Zionisten eine Auslese an Charakter und Geist darstellcn, und das Zugeständnis, ihnen deswegen gern als Gnade zu gewähren, was sie nur uiilopischerweise als Recht beanspruchen dürften, können sie nicht davon abbringen, auf diesem Recht als Recht zu bestehen. Es gab eine Zeit, wo ein, wenn auch nicht repräsentativer, so doch bekannter Führer der deutsch-jüdischen Assimilation dazu aufforderte, den Zionisten das Staatsbürgcrrccht abzuerkennen. Er begründete sein Verlangen, das in der Furcht vor dem nationalen Judentum wurzelte, mit dem Hinweis auf die mit dem deutschen Leben nicht vereinbarlichen Tendenzen des Zionismus, die seine Anhänger zu untauglichen Staatsbürgern machen könnten. Herr Schmitz hat aus der Ls ist charakteristisch, daß Schmitz, sich den Orthodoxen gegenüber mit der Feststellung hmihigt, sic könnten ohnedies den Anspruch mclit erheben, zu den Beamten- und Offizierssellen /«gelassen zu werden, weil sie durch dm Gebundenheit au verschiedene religiöse Ge¬ Lote vom Wettbewerb ausgeschlossen seien, Fs steh; in! Zweifel, ob die deutsche Orthodoxie «s Gr notwendig befinden wird, sieh gegen diese 0'" ilTidiliclicn Behauptungen zu wenden. Ist dm h diesen und ähnlichen Argumenten bis zum Lchcrdniß oft cntgcgcngdretcii worden. Oerj'dc die Konservativen — zu denen Oskar A. I i. Näimii/ gezählt werden will — haben sich manch- 11111 gegen diese tendenziöse Strafbestimmung a1|f Festhalten au religiösen Traditionen ausgesprochen. Ist es möglich, daß die Redensarl von der mangelnden Qualifikation jüdischer Beamten oder Offiziere, die gesetzestreu leben, a1|ch während und nach dem Kriege noch gleich'- fflütig ausgesprochen werden darf? Die puliti- Schriftsteller, die es tun, sollten doch vor- "cr einmal Umfrage halten, um zu erfahren, oh die ״rechtgläubigen“ Juden überall nicht «Lenso t1CU unt| tadellos in cntscltcidungsschwerer Zeit ihren Mann gestellt haben, wie ändere. Jedenfalls wird es wohl keinen Juden ««Len, der di esen Angriff auf die gleichen f

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.