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Jüdische Rundschau · 1916-06-16 · Heft 24 (16.6.1916) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 24 (16.6.1916)
Date
1916-06-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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f I Abonnement■ I I I I ■ul die wÖdhenMith ■m Freitag 6r. I *cJjfinende ״JtldUehe Rtinclarhau** t kosten bei der Eiprtlilion und bei J nllrn l’״itär״tern viertrljühHicti M, 1,?5 ״ innerhnlb Deut^viilnnds, In Orsterreich• ® * Ungern M. 2,SO, im Auslimd M. B — I J 1 ־ } jUtllacli• RunH.itliiiu, G. m, |». H. | | BERLIN W. 15, SMaUchc StrnCU■ 8. | | Telephon» Amt Ultluml 8׳|S, Hl׳>. | PoMUcbedckonto» Berlin Nr. 17 392. Jh, r I Anzeigen ר־ koaten für di• isdufaapalhm!eile oder deren Raum 40 Pf.ן Slefta»• Angebote 00(1 •Genuch• •owie Varei••• Mitteilungen and ,Klein« Anmige•* 0 O 0 O nur SO P(eonlf, O 0 O O Manuskripte werden, wenn Porto beJlefk ateU ■urürkgeeandb RMaktioniiAi^i Mittwoch ▼ornittafa. I Rodnktloa JRdlncB« I HKHUN ש SS, SScbaUdi« Strafte I» I Tr!>pho*’ Amt Uhland $45, 146, ^^Poaticfceckkont•! Berita Nr. 17191. Nummer 24 Berlin, den 16. Juni 1916 — 15. Ssiwan 5676 XXI. Jahrgang. Das Freiheitsringen der Polen und die Juden Von Dr. Leon Reich. Unser Oesimi 1!upsi;en< >sse De. Leun Reich veröffentlicht in der in Wien erscheinenden Wochenschrift ,,Pulen׳' (Nr. 71 vom 2h. Mai 1010), dem Organ des Obersten polnischen Natioiinlkomitecs, den folgenden Aufsatz, dem die Redaktion des ,,Polen“ eine Innrere Vorbemerkung vorniisschickt, in der sie die /.ionisiisehe Tätigkeit׳ Dr. Reichs würdigend den Verfasser einen Zionisten polnischer K11I- 111 r' nennt , aller trot/dem es für nötig hiilt , sieh vor ihren Lesen! zu riTlitlertigen , dal! sie einem Z.ionisteil in der jüdisch - polnisi hen Trige das Wort erleilt. Dr; Leon Reich, der bekanntlich Mitglied des zionistis( lieii Aktkmskomitei s nml Vizepräsident de־- z.ionistiselieii Zentralkomitees in Galizien ist, Ivo( in seinem Vorwort Gewicht darauf, zu konstatieren, dal! der nachstehende Aulsatz seine Priv.'itmilieruug ist, für die er gern die Verantwortlichkeit trage, nicht aber eine Kundgebung der /innixtischcu Parteileitung Galiziens. 1111 Feuer von hundert Schluchten wird jetzt die Zukunft Polens geschmiedet. F.in köstliches (ml ihre 1׳ Vergangenheit haben •die Polen Ihr den neuen Tay, ihrer (ic.scliicliK׳, der da;*•״ihnen soll, sieh sch׳in gesichert: die Unauslöschharkcit des nalio- 11; 11111 Feuers, dessen Hut weiter gegeben wurde von 1 leneration zu Generation, bis vs in diesem Krieg c wieder wie einst hell .־uifgclodert ist, als die nationale Tat der Legionen. An dieser, wie an den früheren Kumlgebtmgcn des ewigen I■reiheits- (I1a11:;(׳s in Polen haben wir Juden unseren /Anteil: Von den Tagen Koseiuszkos, unter dessen I!.inner um den verheißungsvollen Worten: ״Um unsere und eine Freiheit" Bcrek Joselowicz. seine < ilaiihenspe- Hussen scharte, über die Jahre 1810/!1 und 1 St י ä, bis zu den jüdischen I Icltleiijiingliiigen in den heut!־ IP11 Legionen, geht eine Kette der Blut/eugeiischaltim Kampfe um die Freiheit . . . Doch nicht die Hausteine der Vergangenheit wollen sich der Zukunft einpassen. Wenn jedermann m Polen, ob Pole oder Jude, welcher Partei immer, ganz gewiß in die Neueinrichtungen nach dem Kriege den nach voller Gerechtigkeit strebenden Geist mitlienilnruehmeil will, so sind wir Jüdisth-N,׳!t1011:1lrn der Ucber/eugung, dal! dieser Geist der Gercchtig• keil erst dann reale Erfolge zeitigen kann, wenn 1 iimidlngcn einer Zukunft geschaffen werden, gleich (׳ ileihlich für die Poleii wie auch für jene Juden m Polen, die bei aller Loyalität für ihr Geburts- •jikI sieh dennoch nicht als National-Polen lülilcu können. Das Heroische der gemeinsamen Freiheits- In geisterung muH fortwirkcu, tun die Wege für eine durchwegs gerechte Zukunft zu bahnen. In dieser Zeitschrift ist wiederholt dargelegt wurdt 11, in welcher Weise in einer langen, inneren Kaml'nyne vor dem Kriege von einer Partei in Polen dt ni.'igogiselie Waffen verwendet wurden, die indt ui sie zunächst die Juden trafen die weiteren Ziele jener Partei törderii sollten: eben das Niederringen des gegen Rußland kämpfenden Freiheits- (Inniges. Ich will weder durch I linweise auf Vorgange, welche schon während des Krieges auf diesem Hintergründe der antisemitischen Agitation sieh ahgespielt haben, noch durch IVcrufimg auf die bckannten Darstellungen dieser Vorgänge im voraus eine Diskussion verbittern, die hoffentlich zum erselmtcn Ziele führt. Ls sei bloß festgcstollt, daß l'olenfcindc wie Judenfeinde gleichermaßen aus diesen Ereignissen und aus deren verschiedenen Dar- Stellungen Argumente hcrgcholt haben, die zum Schweigen zu bringen - nicht durch irgendein kontra« Verses Gerichtsverfahren, sondern durch eine ein- ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlieh •rechtlich gesicherten Hcimstüite In Palästina." Baseler Programm. trächtige Firnichluug der Zukunft im Interesse der Polen wie der Juden liegt. Und diese Einriebtimg der Zukunft kann unseres Erachtens nicht ohne weiteres ankniipfeu an jene Ucbcrliefcrungeu der polnischen Geschichte, die auch wir von rein historischem Standpunkte nicht unerwähnt lassen wollen, an jene Polilik der ״Linlüirg'cnmg der Juden“, wie sie von Czacki, Butrvmowicz, Knilataj, Wjelopolski, Frau/ Sinolka, Ziciniaikowski gedacht war. Denn seither ist ein neues Faktum in den tatsächlichen V'viTi.ihiiissvti cingclcteii, das bei der rechtlichen Regelung nirlil iiheisehcn und nicht vernachlässigt werden soll und werden kann. Dieses neue Faktum isf das Wicdcrerwiiclicii des wahrend jahrhimderlelanger Knechtschaft eiiigcschluuiincrtcn jüdischen Nationalbew׳ulliseins 11111er den großen jüdischen Volksmnsseii allüberall und mich in Polen. (ierade durch dieses neue Faktum drängt sich mit immer stärkerer Gewalt die Frage auf: ob es nicht endlich an der Zeh wäre und auch im Interesse beider nationalen Gruppen hegen würde, anläßlich des Weltgerichtes, das ja zweifelsohne nicht nur die Geographie, sondern in nicht geringerem Malte die Struktur der Völker ummodcln wird, die Methoden des T’otzi••; um1 dev Anfeindung in der Rumpelkammer der bisherigen Politik einfür allemal zu belassen und an Stelle der immerwährenden Reihungen und politischer Ncrvosiiät wenn nicht gegenseitige Hilfsbereitschaft so doch wenigstens vertrau( nsvolle Hesomicnhcit und aufrichtiges Woldwollen walten zu lassen. Und fürwahr wir Jüdisch-Nationale werden unserem Programme nicht im geringsten untreu und stempeln unsere bisherige Taklik nicht zur Füge, wenn wir das Entgegenkommen 11ml Verständnis der Polen für unsere Bestrebungen beanspruchen und mit derselben Münze auch ihnen zahlen wollen. Es geschieht nicht seit heute, daß wir die uns von verschiedenen Seiten vorgeh,alteiic Polenfi'iiulschuft als Verleumdung von uns weisen, die von politischen Gauklern, welche mit vermummtem Gesichte darauf lauern, Gräben zwischen uns und die polnische Gesellschaft zu graben, wissentlich verbreitet, und von Toren, die mit politisclier Blindheit geschlagen sind, als imhcstritkmcs Dogma gegl,1111)1 wird. Im Gegenteil: alle Jahrgänge unserer Parteipresse wie unsere Broschüren, unsere ,,Jahrbücher“- und ״A11uan.1׳clt"»A11sgabcn sowie endlich unsere öffentlichen Kiimlgebuugen legen Zeugnis davon ab, daß wir seit Anfang unseres Partcibcstamlcs der polnischen Kultur und polnischen Regeneralionshewcgtmg unsere aufrichtigste Sympathie entgegenbrachten, und die letzte öffentliche Deklaration unserer Organisation in Galizien vor dem Einbrüche des Moskowiters, war merkwürdiger, vielleicht symptomalischer Weise ein Aufruf des zionistischen Zentralkomitees;pi die jüdische Oeffentliehkeit ״fürs freie Polenbegleitet vom ersten Spendenausweis unseres Parteivorstandes, zugunsten der polnischeu Legionen. Es war dies dazumal unsererseits, da ja noch die Ergebnisse der Titnncnkanipfc vom Schleier der Zukunft umhüllt waren, sicherlich nicht ein feiles Angebot, uns als Söldlinge der Sache Polens oder als Schildknappen polnischer Ehr’ und Wehr zu bc* trachten, die dereinst um ihren Lohn sich cinstellen würden. Es war der freundschaftliche Händedruck der Vertreter einer nach eigener Freiheitsluft lechzenden Nation, in deren Herzen das Frciheitsriiigcn der polnischen Nation ein freudige» Echo weckte. Wahrheitsgemäß und zu unserer Genugtuung müssen wir es bekennen, daß auch Unter der polnischeu Nation nicht wenige Männer v<>11 Namen nml Bedeutung es an Beweisen nicht fehlen ließen, dal! unsere fremiilsiTiaitiiche mul mätmlich-offcue llalttiug ihrer Nation gegenüber bvi ihnen die richtige Würdigung und unsere Ideale das ihnen gebührende Verständnis linden mul wir bedauern es am meisten, daß die im letzten Friedensjahre ungebahnte Verstänihgiingsaktkm mul die dem Zwecke eitler Verstäiidiguug dienend(׳ Sammelsehrift, all der bereits bedeutende!Klinische Persönlichkeiten ihre Teilnahme zugesiehert hatten, durch den Ausbruch des Krieges Unterbrechung und Aufschub erleiden mußte. Aber vielleicht ist jetzt, wo der beste Umwälzer und Reformator - der Krieg seine warnenden Zeichen der Menschheit Vorhalt, wirklich der geeignete Zeitptuikl, um die oherwähnten Versuche der edlen Geister Polens und des Judentums einer günstigen Lösung /u/uführci( '! 1 Was wir ehrlichkeiishalbcr gleich hier an erster Stelle als unser kostbarstes Gut bezeichnen, dessen wir um gar keim׳ Konzession uns begeben wurden, ist unser nationales Bewußtsein und dessen moralische Grundlage, die nationale Kultur. Zwecks Vermeidung von Mißverständnissen wollen wir es gleichzeitig bemerken, dal! wir nicht den Ehrgeiz, und den Willen, noch auch die Möglichkeit haben, dicssc Kultur hier in den Staaten der jüdischen Zerstreuung zur vollen Geltung zu bringen; aber andererseits werden wir niemals uns von ihr lossagen und auf ihre Fortent- Wicklung verzichten. Unter den EruTiüttertingcii des jetzigen Welthr,indes erleben wir neben de״ Polen, deren Los wir ebenfalls, aber noch in gesteigertem Maße teilen die fiirclnharsfc Tragik. Niehl nur deswegen, weil die I.ander, wo der Krieg am wildesten tobt, diejenigen sind, in denen die jüdischen Massen am meisten ztisaiiimeiigedräiigl sind; nicht nur, weil Handel und Industrie, also der ganze wirtschaftliche Aufbau der jüdischen Gesellschaft, in erster Reihe unter den Trümmern des Krieges begraben wurden; nicht mir, weil jüdische Vater und Sohne einerseits von ihre! galizisehcn I leimat als Geisel nach Ruftlaml verschleppt, und andererseits als politisch verdäeldig von ihren russischen Wohnorten verschleppt wurden; sondern auch, und vor allem deswegen, weil die jüdischen Soldaten zcrplitfert in den Armeen aller kriegführenden Staaten gegeneinander kämpfen. Und Irotz dieser Tragik stehen wir als Gesämtlich ,׳mfrecht. Retten, was im Gewitfer der Geschichte zu rette״ ist. I H uken weiter an den Bau unserer nationalen Zukunft, als ob wir in unserer imvcrsii’gharcn Lebenskraft den Ruf unserer Oeschichte horten: nil d(׳spcrn1(dmn! Dieser Ruf der Geschichte, der 1ms in den gefahrvollsten Momenten vor Verzweiflung rettete, ist es eben, was wir als das Phänomen der jtidisehen Kultur bezeichnen. Es ist die Kontinuität (unserer leiden, aber auch unserer Lebenspotenz; es ist der unsichtbare Kitt unserer nationalen ZusaniiiH'iigdiörigkcit, die Ouelle unserer nationale•״ Eigenart, die Triebkraft unserer nationalen Strömung. Was wir von der polnischen Nation verlangen, ist, daß sie uns die Berechtigung, im Sinne unserer eigenen Kultur zu wirken und uns danach einzurichten, nicht absprechen soll. Niemals werden wir, wie bereits erwähnt, liier national-kulturell uns ganz ausleben können. Diese Möglichkeit glauben wir mir im historischen I ande des Judentums, in P.dastina, finden zu können und nur dort haben wir den Ehrgeiz, der Stärkung unseres nationalen Geistes dienende Kulturstätten wie Hochschulen, National Museen und dergleichen zu schaffen. Allein wogegen wir uns hier, in allen Ländern der jüdischen Zerstreuung, mit aller Macht auflehncn müssen, ist, daß wir unser nationales ״Ich" ver* leugnen und die eigene Freiheit am Frcihcitsaltare anderer Nationen opfern sollen. Im Rahmen jedoch unserer eigenen Ideale können wir, ohne ihnen Abbruch zu tun, auch der Kultur, der Freiheitsbewegung und späterhin auch den Staatv 7 י) 5 E 1 j 1 / ו 1 fl I il J :1 r; < fl \ i 1< i< ' I •1 > ,I 1 i i 1' ( I A T V;1' ׳ ( i: i• I; i I ו 1; 1 l ן: s i:! d ü I• ״ 1, d R k il I k!' 11 1' k I f!“ ׳1 5 ׳! ו I. » I i t יי F t , e t £

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