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Jüdische Rundschau · 1916-06-02 · Heft 22 (2.6.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 22 (2.6.1916)
Date
1916-06-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 22 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 177 I nm.’r,1 strömte, auch lernerstehemle sich nicht entziehen konnlcn, dafür scheint mir eint• kleine tkgvhcnheit nach seinem Tod bcsoiiders bezeichnend Als Suirtiiz fiel, sprang ein sonst wenig beachteter '1 Cieniciner auf die Böschung: ״Was? Unser״ Unterofli/M r Steinitz haben die Kerle erschossen?" Und voll Will reillt er das Gewehr an die Hacke und seihe•‘1 den immer noch feuernden Franzosen mitten I ins Herz. Eine Stunde später lag er selbst ins Hei / ::etroffen neben dem, den er hatte rächen wollen. \1n lolgemleu Abend aber versammeln sich die Kanicudeii um den Tisch, und einer erhebt sich: Unser lieber Steinitz ist tot, und die in Blut und Eisen gehärteten Männer weinen wie die Kinder. Man sagt, der Krieg verrohe. Wahr ist, dal! er du' Se■Iilechten noch schlechter macht. Aber die innerliciet Keinen macht er noch reiner, denn er ist, nach einem biblischen Bilde, der eiserne Schmelzofen, in dem das Gold, von den Schlacken geschieden, zu laut! intern Golde geglüht wird. In Menschen ’ wie Steinitz bringt er dies Werk zur höchsten Vollendung. Und beugen wir ehrfurchtsvoll, trauernd das Haupt, d.ib ■iftlich so vollendete Persönlichkeiten uns ent- . nssen werden, che sic als wahrhaft Berufene den Friedensbaii unseres Judentums höher führen konnten, so soll das reine Licht ihrer Seele uns das Dunkel erhellen und ihr Glaube, ihre Liehe, die kein Tod besugt, nns den Weg zu mutig frohem Schaffen wciMii, Fcldrabbiner |>r. Salzberger. Aus Palästina (Jerusalemer St a d t w a h I c ״.) \1n 2n. März, fanden die Waiden der Stadtvcrwaltung in Jerusalem slatt. Kein einziger der viel indiseiieu Kandidaten wurde gewählt. Hu Typluisepidcinic, die als Bauch-, Fleck- und haupt'üchlich als Hungertyphus schon seit einiger Zeit unter den Arbcitssoldatcn wütete und viele Opfer weg!affte, ist nun auch nach den Städten verschleppt wuriirn. In Jerusalem und Jaffa sind letztens viele Falle anfgelretcu, oft mit tödlichem Ausgang. Eine Bekämpfung der Krankheiten wird immer schwerer, da es au Acrzten und Arzneimitteln mangelt. In Jaffa sind außer Dr. C 11 i s s i n , der bis jetzt noch frei ist, und vier Acrztinnen alle jüdischen Aerztc eingezogen: von den Kolonien ist I'etach-Fikwah, Recliobotii und Rischot! lc-Z.ion wegen der Krankheit des Arztes f)1 Weizbart ohne Arzt. Arzneien sind, wenn überhaupt erhältlich, unerschwinglich teuer. Der anriirkrwle .Sommer läßt nach Ansicht der Aerztc nein ((11111 mische Krankheiten, besonders der Verd,1iiuiigM>rganc, befürchten. Der Direktor des Pasteur-Instituts, Dr. Arie Bt ii am, hielt in Jerusalem zwei eingehende Vertrage über den Flecktyphus, seine Ent- Stellung und I leihmg. In der Einleitung zum Vortrag sprach der Redner von den großen Verlusten der jüdischen Medizinci'schaft Palästinas während der letzten Zeit. Ein Arzt nach dem anderen sei dalmigcsrlucdcn: Dr. Kaiscrmonn, Dr. Bardas eh, Dr. Moscowitz und Dr. K rische w* skv In tiefer Trauer ehrten die zahlreichen Anwesenden dav Andenken dieser treuen Diener des Volkes. Rer Redner machte auch von dem Beschluß Mitteilung, eine hebräische medizinische Zeit- Schrift in Palästina zu gründen. , * (O pferdes Fleckt v p h u s.) Am IO, Nissan verschied in Jerusalem im Alter v1 ״״' Jahren am Fleck-Typluis Mosche A s r i c I, dtt י minder und Verleger der einzigen gegenwärtig l’aläHma erscheinenden Tageszeitung ״I lachcruth*‘. ז!יז Verstorbene war einer der angesehensten Mitglndti der sephardisehen Gemeinde in Jerusalem. Train ranspraclteii bei der großen Ikerdigungspro- Zession hielten unter anderen Rabbiner Abraham Philosoph, der Redakteur des ״Hacheruth" Chajmi b e n - E t e r, Rabbiner S. Lieder und I ).1v'(l .( v 11 i n. Während des Peßachfestes starb an der gleichen Krank heit der in Jaffa beliebte und von den weitesten Kreis״) der Stadtbevölkerung konsultierte Arzt Dr, Sie in. Vor 33 Jahren kam l>r. Stein, ein junger Mediziner der Universitäten Moskau und Leipzig, als IÄ1" nach Jaffa, später wurde er von den Kreisen Um Adiad-I iaatn zum Führer des Achad-Haam-Ordens Mosche" in Jaffa gewählt. Eine kurze Zeit staml er auch an der Spitze des Jaffacr Ordens ״Bne Britli", Seit zehn Jahren leitete er das Hospital ״Schaar« öon", wurde zu einem der beliebtesten Aerztc der ״men Bevölkerung der Stadt, bekämpfte die Krank- ״'bn and, durch Schrift und Wort, veröffentlichte ״ der ״Hazwi" des Ben-Jchuda Artikel über Volks-?Kiene und veranstaltete in Jaffa populäre medizi- **sehe Vorlesungen, In den kitten Monaten erfüllte w *eine Pflicht als Militärarzt. Am 7. Tag Peßaeli verschied, ebenfalls am FleCk- I t%plins, einer der würdigsten Kaufkutc Jerusalems, Herr L. I.cwy, MitinhalH'r der bekannten Firma ״Blum und l.ewy". Auf einer Be rat 1111 g der Acrzte und Einwohner Jaffas wurde die schwierige Frage der s a n i - t ä r e n Lage der Stadt behandelt. Es wurde beschlossen, angesichts der drohenden Gefahr, Mittel zu finden, um das Krankenhaus auch in den Sommermonaten in Betrieb zu erhalten und durch Publikationen die Bevölkerung mit den Grundsätzen der Hygiene bekannt zu machen. (J c r 11 s a I e 111 c r Augenklinik.) Die Augenklinik des Vereins ״L c 111 a .111 Zion" ist während des Krieges sehr stark in Ansprucli genommen worden. In der Poliklinik wurden wählend der Wintermonate au manchen Tagen mehr als 8(0י Kranke unc11t«eltlieh behandelt. F>cr Leiter der Klinik ist Herr f>r. Tycho. Da infolge der .schwierigen pekuniären Verhältnisse, unter denen die Augenklinik ebenfalls leidet, das Aerztc- und Pflegepersonal verringert werden mußte, so hat Djemal Pascha vier Absolventen der I lociisdiitlen von Damaskus und Beyruth der Klinik zur Verfügung gestellt. (Von den hebräischen Schulen.) lieber die Schiilerrahl der hebräischen Schulen in Palästina während der ersten Monate des laufenden Schuljahres WI1 gellen nns folgende Daten zu: Die Anzahl der Schiller betrug in Jerusalem: Seminar- und Komnierzschule 85, Knabenschule 23t, Mädchenschule 302, Kiiidci'gärtncrimicn-Kprsc 30, Tiferclh Jerusalem 275, Glieder Thora 08, Bezalclschule 22 ordentliche־ und 55 externe. Jaffa: Gymnasium Hl, Knabenschule 137, Mädchenschule 36׳t, Taehkcmoni 146 Haifa: Realschule 142. — Sa {{cd: Mädchenschule 100. Pc t a c h - T i k - wall: Landwirtschaftliche Schule 45. Die Schülerzahl in den Vorstufen des Jaffacr Gymnasiums beträgt 100, in der Jaffacr Mädchenschule 14(1, in der T.ichkcmonischulc in Jaffa 88, und in der Haiincr Realschule 53. Infolge der Einstellung des Unterrichts im Jerusnleiner Gymnasium sind die Schüler der einzelnen Klassen in die Knabenschule, die Mädchenschule und das Hebräische Gymnasium in Jaffa cingctrctcn. — Der Jaffacr Mädchenschule ist das Lewinsky-l.clticriimen-Scniiiinr mit drei Klassen und zusammen 37 Schülerinnen sowie eine I landarbcitssclnile mit 16 Schülerinnen angeglicdert. - ln den hebräischen Kindergärten befanden sich zuletzt: in Jerusalem (Nr. I) 101, Jerusalem (Nr. 2) 81, Haifa (17, Tihcrias 80, Jaffa Taehkcmoni 30, Jaffa Tel Awiw 03 Mädchen und Knaben, Von den in den gemischten Schulen untcrrichteten 832 Schülern sind 551 Knaben und 278 Mädchen. (Vom hebräischen Gymnasium i tt J a f f a.) Trotzdem eine Anzahl Schüler und Lehrer des Gymnasiums in Jaffa Palästina seit Ausbruch des Krieges verlassen haben, wurde der Unterricht im Gymnasium ungestört Fortgesetzt. An Stelle der Aiisgeschicdcncn sind folgende neue Lehrer angcstellt worden: Rechtsanwalt Wiener für Türkisch, Selniftsteller J. C]1, Brenner für hebräische Sprache und Literatur, j. Feld mau 11 für deutsche Sprache und Literatur und Jacobs oh 11 für Talmud. Das Lelircqiersoiial licstclit gegenwärtig aus 27 Personcii, die 148 Stunden wöchentlich unterrichten; die Zahl der Schüler beträgt HO. Auch in diesem Jahre wurden Parallelklassen fiir die beiden obersten Stufen eingerichtet. jeden Samstag wurden vom Lehrerpersonnl öffentliche Vorträge im Gymnasium veranstaltet, iksonderen Erfolges erfreuten sich die Vorlesungen, die der gegenwärtige Direktor und Gründer des Gymnasiums Dr. J. L. Met in an über die Aufklärtingscporbc in Europa, Dr. Z i f roni über Shakespeare, Wald stein über Erkenntnistheorie, J. Feld man 11 über M, J. Bcrditschvwsky, J. G11. Brenner über Bialik und Tscliernichowsky, Dr. Gure witsch über Ethik und Acsthctik hielt. Eifrigen Zuspruch fanden auch die Vorträge von Dr. Ros e n s t e i 11, W i n 11 i k und Ladizinski. Die Lehrer des Oynuiasiitms beginnen ihre Auf- Zeichnungen über Mathematik, Naturwissenschaft, Litcraturgcschiciite ctc. in Buchform zu veröffentlichen. Der Verwalter der Regien!ngsschulcn, Djemal Bc y, besuchte das Gymnasium und drückte seine Bewundenmg über all das Neiigcschaffene aus. Zum Andenken an einen Schüler des hebräischen Gymnasiums in Jaffa, der im vorigen Sommer ertrank, erschien jetzt ein kleines Sammelbuch ״Z e 1 a I i m“, verfaßt und redigiert durch die Schüler der 7, KJassc des Gymnasiums, * Die jüdische Natl ona I-Bi bl 1 ot h e k ״Bet- N c e m a n" in Jerusalem ist auch während des Krieges täglich geöffnet. Die Zahl der Besucher der Lesehalle hat sich nicht verringert. Im Verlauf des Jahres 1915 besuchten die Bibliothek 22018 Personen aus allen Schichten und Klassen der Bevölkerung. In Jaffa wurde eine Gesellschaft zur Unterstützung der Familien, deren Ernälircr ciiigezogen wordeti sind, gegründet. Die Ge- Seilschaft eröfinctc eine Küche, die täglich ca. 140 Mittagessen, teils umsonst, teils zu sehr billigen Preisen, verteilt. Von der jüdischen Selbsthilfe (Rayonkonferenz des Hilfskomitees in Sfidrußland) Die viclverzweigte und ausgedehnte Tätigkeit der jüdischen Kricgshilfsorganisntion ließ schon lange die engere Verbindung der Mitglieder der provinziellen Komitees und eine gegenseitige Aussprache der Dclcgierten der Flüchtlinge selbst dringend notwendig erscheinen. Trotz der ungeheueren Schwierigkeiten seitens der Behörden wurden doch solche Konferenzen in den verschiedenen Gegenden des Ansiedlungsrayons abgehalten, die immer mehr an Interesse und Bedeutung für die jüdische Ocffcntlichkcit und die weitere Entwicklung der Selbsthilfe gewinnen. Besonders schwierig fiel die Einberufung der letzten Konferenz der südnissischcn Hilfskomitees (aus den Gouvernements Poltawa, Charkow׳, Jekaterinoslaw, Cherson und Krim). Sie w׳ar mit Genehmigung der Behördett ursprünglich auf den 15. April nach Poltawa cinbcrufcn. Zu diesem Termin kanten die Delegierten in Poltawa mit den Vertretern des Petersburger Zentralkomitees, Rechtsanwalt II. B, Sliosberg und — dem inzwischen verstorbenen — David Feinberg, zusammen. Den lokalen Behörden schien aber die behördliche Genehmigung nicht aus-!eichend. Erst am 22. April konnten die Delegierten ihre Konferenz für eröffnet erklären. Zum Vorsitzenden wurde der bekannte zionistische Führer Rabbiner W. J. T e 111 k i ״ gewählt. Die I lauptvorträge beschäftigten sich mit der Arbeitshilfe, der medizinischen und juridischen Hilfe, der Waisenfiirsorge, Schule und Erziehung und der Organisation der südnissischcn Flilfskomitces. Dieser letztere Bericht, ebenso wie die Vorträge über die Erziehungsarbeit und die Tätigkeit des Vertreters des Zentralkomitees an der Beratungsstelle des Ministcriums des Innern, die die Fürsorge für die Fluchtiingc zur Aufgabe hat, riefen besonders Itcfligc Debatten hervor. Um über all diese Fragen der Hilf*- arbeit eine richtigere Vorstellung zu erhalten, verlangte die Konferenz, daß auch die Vertreter anderer Organisationen eingcladrn wurden, die auf den vorschicdcncn Gebieten der Hilfsarbeit tätig sind. Solche Berichte wurden erstattet von den Vertretern der Gesellschaft für Handwerk und Erdarbeit, der Ge- Seilschaft für jüdische Gesundheitspflege und der Bildungsgcscllscliaft. Nach tiugeliendcn Debatten drückte die Konferenz ihre Zufriedenheit über die Beschlüsse der letzten Beratung der Bililungsgcsellschaft hinsichtlich der Sprache und des Programm* der Fliichtlingsschulcn aus. Den ״großen Tag" der Konietenz bildeten die Sitzungen, auf welchen die Delegierten die Tätigkeit ihrer Lokalkomitees und die gegenwärtige Lage der jüdischen Flüchtlinge schilderten. Von neuem wurden die alten Wunden, die seit den großen Mai- /Ausweisungen unaufhörlich bluten, in ihren Details lebendig. Von neuem wurde auch die unvcrgleieiiliehe nationale Anstrengung und brüderliche Hilfe veranschaulicht, die die ganze Judcuhcit Rußlands diesem Volkstmgliiek enlgcgcnbrachtc und die den nationalen Zusammenbruch vermied. Noch ist das Elend lange nicht gemildert und die nahe Zukunft verbürgt keine Beruhigung. Von neuem bekräftigte die Konferenz das alte, bis jetzt überall streng durchgeführte Prinzip der Selbstbcsteucrimg, regelte die Einrichtung der Lokalkomitees, wählte ein Rayonsbüro für Südrußland, dessen Wohnsitz in Charkow׳ sein soll, bestimmte einen Plan der Verteilung der Flüchtlinge, setzte die Richtlinien der Arbcitshilfe fest und ermunterte die Gcsundhcits- und Bildungsgesellsclialt, ihre segensreiche Tätigkeit hn Bewußtsein ihrer großen Verantwortung mit doppelter Energie fortzuführen. Die Konferenz beschloß auch 5 °/0 aller einlaufenden Ockler für die jüdischen Kriegsnotleidenden in Palästina abzuliefem. In Privatberatungen benützten die Delegierten die Gelegenheit, auch allgemeine jüdische Zcitfragen eingehend zu behandeln. Unter anderem wurde eine Protestresolution gegen das Verhalten der Kadetten- Partei und der jüdischen Deputierten während der Behandlung der mißlungenen Dumainterpellation gefaßt.

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