Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1916-05-19 · Heft 20 (19.5.1916) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 20 (19.5.1916)
Date
1916-05-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2651273-2651974-2651994--10620-2668060
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Abonnements ר ci n tu( die wöchentlidi •m Freit•? If. •difinende ״JUdtach* Rundadiau'‘ Sollen bei der Eiperlitlon und bei »llrn l’oitimtern »lertelj&lirlidi M. 1,7J |noe!l׳»lb DeuUchlanda, In Oeiterreidi- U״g,,rn M. 2,50, im AuiUnd M. 8,—. Jdilltih• Ru.idachaii, O. m. b, H. | BF.IU-1N W.15, S&chaladie Stra&eS, | Trlrjilioni Amt Uhland 845, 846. | l'orlrdiedikontoi Berli■ Nr. J7392. j L \־־p רן ך*ן r־ I 7 Anzeigen kost•• ffir dk FiHb• ■•»1• odsr der«o Raum 40 PC.! ffrsfl—> Aog«bote nad •Ge««ch« •owU Vtnimm MittWluoj-ea «nd .Klsia• Asadf•* O O O O nur SO Pf«alr. OOOO MsnnsVripU werden, wenn Porto ft*U «arürigr*״dL Radakti9MBckM4 ■ Mittwoch vormittag•* I R*daktio■ JOdUdi• ן BERUH W. IS, Sldturioch• Slrtl« t» * TeJepbo•׳ Ami Ukluid »45, 146, ■^ PoataobxkkoaUi Bmlia Nr. 173*3. SÖDGRDSGCiG Nummer 20 Berlin, den 19. Mai 1916 — 16. Ijar 5676 XXI. Jahrgang. ״Der Zionismus erstrebt ffir das jiiditche Volk die Schaffung einer öffentlieh-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palatina.״ Baseler Programm. Schalom Alejehern | Ausweis der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Schekels Berlin 4—, Hm.l-Clt!b 25,—, Bcr■ liner Zionistische Vereinigung 300,—, Esclnveiler 5,—, Franklurl a. M. 2,—, Köln 70,—, Königshüttc 5,—, Nordlianseii 2,—, Posen 1,—, Stuttgart 1,—, aus dein I ekle 4,—. I aiidcsbeiträße: Berlin 8,—, Hcrzl-Cltib 75 —, Berliner Zionistische Vereinigung 112,—. Zionistischer 111;;( mh e■rein 20,—, Dresden 30 —, I lalbcrstadt 30,—, NonliiaiKcn 6,—, Nürnberg (für 1914) 22,—, Stuttgart 3,-־. Pmpagandafonds: Allenstein: Rabb. Dr, Olitzki 5,—; Berlin; A. R. '25,—, Max Wollstcincr 30,—; Cheninit/: l)r. Walter Frankel (2. Rate) 12,50; Essen: Albert II.mich 5,—; Hamburg: Leo M. Michael 15,—; Köln: S. Linker 5,—; Königsberg: R.-A. Dr. Jacobi II 10,—; aus dem Felde: Max Rosenberg 5,—. Krie;,.-/.11111.'1r/t Singer-Nürnberg 10,—, Siegimmu Sichel •Schluchten! 20,—, Hans Zantory 9,—, Dr. Zlocssti 10,—. Eingang vom 29. April bis 15. Mai 1916: Schekel: 419,— M.; Landcsbciträgc: 284.— Mark; Propagandafonds: 161,50 M. Gcsaintcingang: Schekel: 1264,— M.; L a ndes hei trage: 1302,50 M.; Propaganda- 1011 ds: 4012,30 M. * Als Dank für die Pcßachgabe ״Treue“ gingen fiir «len Propagandafonds ein! ,(11. Lisie.) Mnx Edgm Pataky 27,50, Ass.-Arzt Emil Salomon 25,—, Dr. l.׳Hhe11stein 20,—, Leutnant R. Weilikopf 15,—, Oheili, S, Schembach 14,—, Paul Crohn Norbert Elias l.t. Katzenstein, Oberarzt Dr. E. Meyer, Dr. F. Mulkrheim, Hermann Oppenheim, Dr. Fritz. Simon je in.-, Frilz Herzberg, Ernst Spitz je 7,—, Zahnam i .!Ufer 6,—, Lazarus Barth, Unteroffiz. Biiam, lsmar l icund, San.-Untcrofliz. Goldenberg, Oif,-Stv. Gmiiwalil, Dr. F. Kopfstein, Lt. Dr. Kaiiffmann, Siegfrier! I evv, Herbert Levy, ür. Emst Lyon, Vi/cfeklw, Mater, Ai. Marx, Ass.-Arzt Dr. Nollimami, Vizeiehlw. Rostinhnl, Weiner Senator, Ass.-Arzt Dr. Silberstcin, Erich Seliragcnhcim, Fcldarzt Spitzer, Fekbinlerar/.t Rudi Sjiilzcr, Ocfr. Stiebei, Ei!1 j. Fr. Storch, Kan. Treidel, FeldUnterarzt Manfred Tuchler, Dr. Unna, Ob.-Wi. Wall, S. Wallach, Unteroffiz. R. Warbnrg, Dr. '.Will, Aron Winkler, Hans Wollheim je 5,—, Echltiaiuarzt Nolier 4,—, A. Berliner, Ernst Berne, Eekliiiiit rarzt Benjamin, Fritz Becker, Justin Bonne, He. 8. Id uchtwanger, Dr, Oottlieb, Fritz Grün, Gefr. Grumvaki, Ass.-Arzt Dr. Hurwitz, Mnx Jacobsolmprcsl.m, Max Koplowitz, R.-A. I. Lang, Siegfried Levy, (1t fr. Mascltke, Unteroffiz. Dr. L. Meyer, Dr. {5 8. Heumann, Gefr. H, Nolier, Dr. E. Positcr, Liubtui min. Positcr, Werner Salomon, Luft selb ff er Sclirngcnlsciu'1, Alfred Seclig, Siegbcrt Stein, Feld- ״«leraizt Albert Weyl, Unterarzt Weiß, C. Wit- «nvsky je Lt. Dr. M. Anerbach, Siegfried Brandt, Walter Braun, Heinrich Colin, Jul. Colin, Eclduiiurarzt M. DreyfuB, Wcltrm. Drucker, Hermann tlitcm, Dr. Albert Eisberg, Theo Harbnrger, Ezecü. nasgal, |>r. Jalowicz, Untcroffiz. Lobbcnberg, Sa־.״ 0••״. M, Mayer, Unterarzt Ostrowski, Kurt Rosentnal, Waller Samuel, Referendar O, Salomon, Zahn- Salomon, Arthur Schragenltciin, Lt. Silberbusch, ^elr. Sehapiro, Adolf Straus, James Warisch je 2,—, Rfleger Goldstein, I. Roppcr, Josef Schmeiulcr je Ccntawcr-Kattowitz, Unterarzt lsserlin, Ocfr, Kaufmann, Arthur Lnndskron. I. Levy, Landstunnm. *oscnblatt, M. M. Walk, Ocfr. Alfred Weyl je 1 *dreise für Geldiendungeni Zionistische Ver- *Inlgung für Deutschland, B e r 11 n W15, Sächsische Straße 8, Postacheckhont0: Berlin 8091. Durcii Radiotelegramm erhalten wir Nachrieht, daß Schalom Alejehern am 13. Mai nach zweiwöchiger Krankheit in New York gestorben ist. Audi er, der Beliebteste, der Berühmteste, der unbarmherzig Spottende, der spottend Tröstende I Kann denn auch dieses gesunde, ewig junge, lebensfrohe, sprudelnde Lachen sinnlos verstummen, von den Krallen des kalten Todes erfaßt? Er, der cs immer verstand, sich über dem Leben zu behaupten und von der Ferne schauend sielt über es und seine Träger, die ״kleinen Menschlein mit den kleinen Begriffen“ lustig zu machen, auch er unterliegt detn willkürlichen, unsinnigen Befehl des selben Lebens. Wie klein und nichtig fühlten wir uns, wenn er uns in den Kreis seines vernichtenden Humors gezogen hatte. Das Menschliche - Allzumcnschliehe in uns, das Zufällige, Kleinliche, Vorübergeltende, das wir selbst nicht schauen wollten und konnten, wie meisterhaft und unbarmherzig deckte er cs in un9 auf, flocht es zusnmmcn und verewigte uns in all unserer Unbcdcutcndhclt. Wie nichtig wurden wir, wenn er über uns lächelte. Und wie zehnfach nichtig, wie erbärmlich arm fühlen wir uns jetzt plötzliclt — ohne ihn. War denn der Becher des Elends, der sielt über ״Kasrielowka“ und seine ihm entrissenen, überall hin zerstreuten, aber unsichtbar immer in ihm wurzelnden Söhne ergoß, nocli nicht bis zum Rande voll? Audi er wurde uns entrissen, der Berühmteste, der Beliebteste . . , 0 0 Schalom Alejchem Den folgenden Aufsatz von N, S. brachte im Jahre 1908 ״Die Weit“ aniiihliclv des 25 jährigen Schriftstctlcrjubi- Iniims des Verblichenen, Die in diesem Aufsatz enthaltene Charakteristik des Schaffens Schalont Alcjchems ist so vortrefflich, daß wir ihn an dieser Stelle veröffentlichen. Das Lachen i Nicht das jauchzende der romanischen Völker, nicht das gedankenlose Kichern der Slawen, nicht das dröhnende Oelächtcr einer germanischen Bierkneipe, sondern das stille, jüdische insichhineinlachcn, der Ausdruck einer feinen Ironie, gemisdit mit einer relativen Behaglichkeit, welcher überall, auch im Goius, gedeihen kann und bei allen auf seine Rechnung kommt; eine lächelnde Befriedigung, welche siel» auf Anschauung und Anlage gründet; keine leichtfertige, täppische Heiterkeit, keine Unerfahrenheit, — eben das Lachen trotzalledem. So ist der Schalom, Alejchcmsche Humor. Wie ist er zu dieser Meisterschaft gelangt? Je eingehender und nachdenklicher man sich mit dem Problem Schalom Aicjchcm befaßt, je verschränktcr und geheimnisvoller wird cs; das Beste läßt sich über ihn nur ganz unvollkommen sagen. O ja, man kann seine Arbeiten zerlegen und zergliedern, liier und da mit dein Reflektor hineinleuclitcn. Aber ist damit etwas gewonnen? Bis auf den Ortind des Wesens dringen diese Strahlen nicht hinab. Denn wenn wir selbst alles von ihm haben, wenn wir seine Mittel und seine Worte, seine Absichten und seine Manier — denn er hat eine Manier! — aufdecken, wenn wir hoffen, den Grund der Wirkungen zu deuten, so bleiben uns dann für ihn nur einige ganz winzige, unbedeutende, doch unbeantwortete Fragen. Wie kommt denn dieser Mann dazu? Welche seelische Unterlage hat dieser Humor? Und warum vermochte cs nicht ein anderer, diesen uns allen so bekannten Humor der jüdischen Gasse in derselben Weise wie er zum Ausdruck zu bringen? Und dann beginnen wir hin und her zu tuscheln, zu schwanken und zu stottern, anstatt einfach zu sagen, daß wir es nicht verstehen. Es ist eben das Rätsel eines ganz eigenartigen Talents. So einfach, so allbekannt, fast banal, und doch so geheimnisvoll. Was wir von seiner Biographie erfahren haben, sind kleine Ziigc, Episoden trauriger und ganz gewöhnlicher Art, sind Jugcndcriiincrungcn; als der junge, litauische ״Maskil“, halb Autodidakt, halb Rabbinerschulc-Kandidat, von einer Stadt nach der andern im klein-russischen Ghetto ziehend, sich hie und da mit der Erteilung von Unterricht beschäftigt, sich zu einer Art Krönrabbiner in einem kleinen Flecken emporschwingt und dann weiter ins Freie zieht, tt. a. sich detn Handel widmet und im Laufe einiger Jahre ein bedeutendes Vermögen, das ihm durch eine Erbsebaft in den Scholl gefallen ist, verliert, wovon ihm ein großer Schatz, von Beobachtungen und Erfahrungen mehr possierlicher als praktischer Art zurückbleibt, — das ist ungefähr der biographische Stoff. Schalom Alejchem geht aus all diesen Ereignissen nicht als ein Beschämter hervor, nicht als einer, den des Lebens Roheit beleidigt bat. Es war alles nur Humor. Das neidische Schicksal hatte ihm Streich über Streich' gespielt. Er ist nicht ein Mensch, den Disliarmonien mürrisch machen, der aus irgendeinem; Grunde unbewegt, wie angekettet, kühl von ferne sielten bleibt. Er geht humorvoll und lächelnd über alles hinweg, wie in seinen Schriften, so in seinem Leben. Er weiß alles, sogar die Verletzungcn seines Empfindens, als Mittel für komische Wirkungen zu benutzen. So lacht er jetzt über sein Jubiläum und lacht auch über seine jetzige, auf uns leider gar nicht komisch wirkende Krankheit. Es ist aber kein breites Lachen. Es liegt etwas Tieferes darin. Es ist eher die abgeklärte Betrachtungsweise eines Menschen, der vielleicht nicht viel von Philosophie weiß, der nichtsdestoweniger aber philosophisch lächelnd über den Dingen und Empfindungen steht, für den das Leben nicht Leben, 60ndem selbstbewußtes Sein und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.