Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1916)
- Date
- 1916-05-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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T Nr. 8 י der zionistischen Leitung aufrecht erhielt, ihr Vertrauensmann wurde und das in ihn gesetzte Vertrauen in glanzender Weise bewährte.' Um so höher nruHte seine Arbeit und seine Hingcbiing angeschlagen werden, als bekannt wurde, dal! er in schwerem Leiden sein Wirken einem’ widerstrebenden Körper abrang. Aber er kannte keine Rücksicht. Wo es die Sache verlangte, stellte er alles in den Hintergrund, was von den Bedürfnissen seiner Person ausging. Kurz, bevor uns die Trauerkunde erreichte, erhielt die zionisthvhe Leitung von I)r. Alexander Lieht, dem Bruder des Verewigten, die Bitte, mit ihrer Konespunden/, sich nicht mehr an den kranken Herm,um Licht zu wenden. Er selbst hätte wohl nie der zionistischen Leitung geschrieben, er sei nicht mehr imstande, seine zionistische Pflicht zu erfüllen. Kurz darauf war er dahingegangen. Wir verlieren in ihm einen unserer Treuesten, Hingebungsvollsten, Zuverlässigsten. Die Zionistische Organisation der südslawischen Zionisten wird seinen Hingang aufs allertiefste hetrauern und aufs schmerzlichste fühlen. Der andere, dessen Hingang wir melden müssen, ist Julius Singer in Iglau. Seit Jahren war er Nationalfondskonnnissär des Volksvercins ״Zion“ in Iglau. Seit Jahren arbeitete er unermüdlich daran, unserem Befrriungswcrkv die erforderlichen Mittel zu verschaffen. Nie ließ er sich durch Widerwärtigkeiteu und Unannehmlichkeiten dieses sein Ehrenamt verdrießen, immer mahnte und eriniieite er seine jüdischen Mitbürger an ihre Pflicht dem Volke gegenüber. Auch er tat trotz langdauernder Krankheit seine zionistische Pflicht bis aufs äußerste, auch er war einer jener, auf die man unbedingtes Vertrauen setzen kann, weil sieh ihre Hingabe und ihr enthusiastischer Pflichteifer mit einer aus ihrem Wesen sprießenden soliden Zuverlässigkeit paaren. Alle, die mit ihm zusammen für unsere Idee gearbeitet haben, mußten ilm schätzen und lieb gewinnen. Auch sein Verlust fügt der Zionistischen Organisation eine tiefe Wunde zu. Die Erinnerung an Hermann Licht und an Julius Singer wird im Kreise jener, die sie gekannt haben, dauern und eine unvergängliche Mahnung sein. AUS ALLER WELT Au» Ossterrclch. (Ein Aufruf des ״Jüdischen Nationalverein s") Der ״Jüdische Nationalverein“ in Oesterreich erlicli an die jüdische Bevölkerung Oesterreichs einen von Advokat t)r, S, Kassner, Ingenieur Robert Stricker mul Redakteur M. Ile irisch unter- A'ieliiii'Un Aufruf, in dem es unter anderem heißt: Die alte Habsburger-Monarchie wird nach dem kriege, nach siegreicher Ucbcrwimlung ihrer äußeren feinde an ihren inneren Umhau zu einem modernen Volkerslaate, zu einem Rechts-, Kultur- und Wirt- »diaitsslaatc schreiten müssen. Anläßlich dieses hötotKilicn Momentes werden alte Nationalitäten mit ,liren l'orileningen lierantreten. Berücksichtigung aber «eitlen nur jene finden, hinter welchen starke Or- K11 n i s;11 i o n e 11 als Machtfaktoren stellen. Die Juden der Monarchie Wertteil daun trotz •Ines nährend des Krieges mit den größten Opfern von ("ml und Blut betätigten österreichischen Pa- Iriotisiniis einen harten Kampf für die (ilcichbercch- 1'Rung als Nation Religion und Staats- ״ärger führen müssen. Der ״Jüdische Nationalveiein in Oesterreich“, der Ju' ז e i c 11 s t r e u e r und volkstreu er d e - mokratischer und sozia l-reformatoriscl'e r (i rund läge fußt, erstrebt in 'r U e r Linie die Anerkennung d c r Jude״ als gleichberechtigte Natio- ״slitat in unserer Monarchie. Um diesen Kampf für seine jüdisch-nationalen, 1»«!crn-österrcichischen, demokratischen lind sozialüwmatorischcii Anschauungen energisch fuhren zu *0!׳nen, ist es unerläßlich, daß dies durch Massen- ״citritt der Juden Oesterreichs ermöglicht wird. hcli'111 jetzt harren des ״Jüdischen Natioiinlvcr- חס«" wichtige Aufgaben sozial-wirtschaftlicher und "auon;1l|K11itisel1Cr Natur, an deren Lösung er jedoch jwturgeinäß während des Krieges unmöglich heran- ,* *kn kann. Um so früher und intensiver wird daher eine Wirksamkeit auf allen diesen Gebieten nach *m Krieee einsctzeii müssen. Nun gilt es, die gegenh«:. Kriegs zeit gehörig auszunützen, diese Arv *" vor zu bereiten, sich gleich den anderen ״״*!־״ der Monarchie zu sammeln und zu orgamaS?": Mögen sidt allerorts die gesunden, treu* Wischen Elemente in den Dienst dieser wichtigen JUEDISCH E RUNDSCHAU Seite 147 Orgaiiisieruiigsarheit stellen. Besonders nlwr die luden im Osten der Monarchie, die sieh gerade während dieses Krieges vom Wert einer politischen R e i c 11 s o r g a n i s a t io 11 mit den! Sitze in der R c i c h s h a u p t s t a d t, welche ihre Interessen und Beschwerden direkt und nachdrücklich bei den Zentralslclleii zu vertreten in der Lage ist, überzeugen konnten. Juden Oesterreichs, wollt ihr in dem werdenden Neii-Oestcrrcich einen Anwalt eurer nationalen, polttischen und wirtschaftlichen Interessen, wollt inr die Zusammenfassung aller Juden des Reiches, dann schaffet durch Beitritt zum ״Jüdischen Nationalvcrcin in Oesterreich“ eine starke politische Reichsorganisatioii. Mitglied des Vereines kann jeder großjährige, cigciibercchtigtc, jüdische Manu sein, der das Staatsbiii'gerreclit in Oesterreich besitzt. Der mindeste Jahresbeitrag beträgt K. 1,-. Beitrittserklärungen sind an das Vcrcinssckrcfnriat, Wien II, Zirkusgasse 31, /.u richten. Aus QalUlen N a ro 1. Diese Stadt wurde kurz vor Kricgshcginn von einer Feiiershrtinst lieimgesticlit, der 273 Häuser (davon zwei Drittel jüdische) zum Opfer tickn. Die Zahl der Juden im dortigen Ovnieindcsprcngcl bcträgt gegenwärtig 2058. Wegen des Woliiuingsmangels, der infolge des Zuzuges der jüdischen Bcvölkening aus den umliegenden Dörfern noch vergrößer! wurde, wohnen mehrere Familien in einem Zimmer. Dies verursachte naturgemäß den Ausbruch verschiedener Epidemien, denen ca. 200 Juden bereits erlegen sind, 111 dieser Stadt ist (kein Arzt und seit dem Brande auch keine Apotheke vorhanden. 00 0,״ der jüdischen Bevölkerung sind ganz mittellos, Die Zahl der jüdischen Waisenkinder beträgt mindestens 70. Ljubic/.a krölewska. Dieser im Bezirk Rawa-Ruska befindliche Ort zählte vor Kriegsbeginn 1300 jüdische Seelen, Gegenwärtig ist ihre Zahl auf 000 gesunken. Vor ihrem Abzüge haben die Russen die Stadt in Brand gesteckt, Ungefähr 70 Häuser sind eilige,äschert worden ebenso die vorhandenen 3 Fabriken, wodurch mehrere hundert jüdischer Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigungslos und daher auch brotlos sind. 200 jüdische Familien sind ohne Obdach. Infolge der schlechten Wohmingsvcrhältnissc grassiereu verschiedene Krankheiten, denen ca. 300 Juden bereits erlegen sind, — Die Regierung hat für die Abgebrannten eine Unterstützung von 23 200 K. bestimmt. Aus dein bcsetz.ten Gebiet. Wilna. Die Verwaltung des ,Mischmcrcs Ciiolim“ teilt über ihre Tätigkeit folgendes mit: lm Jahre 1015 wurden in der Apotheke 50132 Rcccpte verabfolgt. Im Außendienst wurden 6057 Kranke 'durch unsere Acrzte, 5162 Personen durch Masseure, lleßammeii mul Fcldsrlicr besucht. 111 unserem Ambulatorium wurden 6708 innere und Kinder-, 1837 Augen-, 11058 Zahn-, 1287 I lautkrankiieiteii bchandelt. In 1115 Fällen wurde chirurgische Hilfe gewährt und 637 Analysen wurden vorgenommen. Für Verbandstoffe wurden ■1000 Rubel nusgegeben, Die zwei Monate Januar und Februar 1016 ergaben folgendes: Außeitbcsticbodurch unsere Acrzte 650; durch Hebammen, Masseure und Feldscher 760; In der Apotheke wurden 6001 Rezepte verabfolgt. Im Ambulatorium wurden 2132 Fälle verschiedencr Krankheiten lind 1052 Zahnkraiikheitcn bchandelt1111 .׳ Krankenhniisc befinden sieh beständig *10 Kranke firn Jahre 1015 20 Kranke). An Verbandsstoffen sind 225 Rubel ausgegeben. Das Krankenhaus wird durch alle hiesigen Acrzte besucht. Die Operationen werden auch im Beisein von den in der Stadt befindlichen deutschen Pro fcssoreti gemacht. Die I lilfelcistiing geschieht fast kostenfrei. Wenn größere Mittel zur Verfügung ständen, würde der ״Misrhmeres Choliin“ eine breitere Tätigkeit ent- (alten können. Lodz, Am 2. April las der hebräische Dichter Dr, Jakob K n 11 a 11 im Verein ״Chowcwe Splint Ewer“ einen Vortrag über ״Ch. N. Bialik um! seine Poesie“. Am 3. April wurde ein Diskuss io nsabend über die Ausführungen des Vortragenden veranstaltet. Ka lisch. Die neugegründete jüdische ״IUI- | i g e Küche“ verteilt jetzt täglich 2000 Mittagessen. Der Verein ״L i n a t h Hazcdek“ gründete eine sanitäre Sektion, die eine Waschanstalt eröffnet hat, welche unentgeltlich die Wäsche reinigt. Radom. Der früher aus drei Mitgliedern bcstehende üemeiiulevorstand setzt sich jetzt aus 15 Personen zusammen und kann daher den Geschäften der Gemeinde besser nnchkommcn. Dieser Vorstand wurde aber nicht gewählt, und besteht ausschließlich aus Vertretern des wohlhabenden Standes, sodaß die ärmere Bevölkerung und besonders die Arbeiterklasse ohne Einfluß auf die Verwaltung ist. Die jüdischen Arbeiter schritten daher zur Selbsthilfe. Sie eröffneten ein Arbeiter heim, das gegenwärtig 610 Mitglieder zählt, gründeten eine Konsum- Gesellschaft und legten auch den Grundstein zu einer Voiksbibliothck. Man begann hier auch für die Tätigkeit des Palästina-Hilfswerkes und die zionistisehe Organisation lebendiges Interesse zu bekommen. Petri'kau, Die Pctrikaucr Landsmann* s c h a f t i n A m e r i k a, die vor kurzem ein ״Komitee zur Unterstützung der kriegsnotk-idenden luden In Pctrikau“ gründete, sandte nach ihrer Heimatstadt 50000 Rubel. Lublin, Das Rettungskomitec hat eine .neue Umgestaltung erfahren. Der einzige indische Vertreter, der Bankdirektor Jakob Kaufmann, mußte das Komitee verlassen. Das neue Rcttungskomitcc in Lublin ist völlig ״judenrein“. Aua Rußland. (Auf der Konferenz der industrielle■ K r i c g s k o m 11 e c s) Auf der allrussischen Konferenz der lndustric-Komitecs, die Ende März in Petersbürg abgchaltcn wurde und die der Kräftigung des Handeis und der Industrie Rußlands gewidmet war, beschäftigte sich viel mit der Judcnlragc, die vom rein wirtschaftlichen Standpunkt aus behandelt wurde. Im Namen der wirtschaftlichen Bedürfnisse des Staates forderte unter anderem die Konferenz, alle konfessionellen und nationalen Beschränkungen aufzuheben, den evakuierten Handels 11111 e r n c h - m e r 11 und ihren Angestellten und Arbeitern in allen Städten des Reiches das Nicderlassungsicdit zu gewähren, ungeachtet der besonderen Gesetze in bezug auf Grundbesitz und Wohnrecht, die gegenwärtig fiir die jüdische und muselmanische Bevölkerung in Kraft sind. Die Konferenz befaßte sich auch mit dem bekannten Geheimzirkular des Polizeidepartcments vom 6. Januar 1616 und nahm diesbezüglich folgendc Resolution an: ״Die• Konferenz mißbilligt aut das entschiedenste die in der Duma und in der Presse bekanntgewordenen Zirkulare des IMIizeidepartements, die die rassischen Juden verdächtigen, daß sie unser wirtschaftliches Leben künstlich zerstörten, um dem Feinde damit Hilfe zu leisten,“ (V o n den Leih- und S p a r k a s s e n) Dem Bericht der ICA in Rußland über die Tätigkeit der jüdischen Leih- und Sparkassen fiir die Jahre 161*1/15 entnehmen wir, daß von den 701 jüdiseben Kassen, die vor Ausbruch des Krieges in Rußland bestanden, 277 den von Deutschland und Oesterreich okkupierten Gebieten allgehören (Polen: 150, Gouv. ürodno: 33, Oonv. Kouno: 21 Kurland: 7, Gouv, Wilna: 37, Gouv. Minsk: 10 und Wolhynien: 7). Die übrigen 137 Kassen setzten trotz der Nähe der Front, an der viele von ihnen liegen, ihre Tätigkeit unter der stets drohenden Gefahr der Evakuierung ungestört fort. Nur wellige Genossenschäften waren gezwungen, nach Ausbruch des Kricges ihre Auszahlungen zeitweilig einztistcllcn, aber auch sic konnten bald ihre Kreditoperationen wieder aufnelimeii. Unter dem Bankerott von Mitgliedern hatten die Kasse« verhältnismäßig wenig zu leiden. Den Verpflichtungen der im Felde stellenden Mitglieder kamen die zu Hause gebliebenen Verwandten regelmäßig nach. Trotzdem schlossen von den •102 Genossenschaften, deren Bericht vorliegt, 116 ihre Jahresbilanz für 1611 mit einem De f i zit ab, während es im Jahre 1613 nur 3 solcher Genossenschäften gab. Viele Genossenschaften wußten auch während des Krieges ihren Tätigkeitskreis zu erweitern. Manche erhielten 11 e e r e s I i e f e r ti 11 g e 11, manche eröffiieten Konsumvereine, um ihre Mitglieder mit <1011 nötigsten Materialien und Lebensmitteln (Holz, Kohlen, Petroleum, Zucker usw.) zu versorgen. In den Gouvernements J e k a I e r i 11 o s I a w und C hers o n, wo eine jüdische Bauernbevölkerung vorhanden ist, eröffneten die Genossenschaften ihren Mitgliedern einen bedeutenden Kredit gegen Verpfandung des Brotes, dessen Preis damals, veranlaßt durch die Scmstwooncrationcn, stark gefallen war. Von tler IUA erhielten Ende 1<M5 362 Genossenschalten einen Gesamtkredit von 2 685 100 Rubel. Vor Ausbruch des Krieges zahlte durchschnittlich jede Genossenschaft von ihrer Schuld der ICA monatlich 57 500 Rubel, seit Ausbruch des Krieges 36 000 Rubel zurück. Damit die Genossenschaften in der Lage sind, den von auswärts kommenden Flüchtlingen Kredit zu gewähren, mußte ein Finan/institnt ihnen größere Anleihen zur Vertilgung stellen, da die Krcditgcvvährung an die Flüchtlinge, die sieh in so ungesicherten Verhältnissen befinden, mit einem besonderen Risiko verbunden ist. Diese Subventionen zwecks Kreditgewäliriing an die Flüchtlinge erhielten 23 Genossenschalten, und zwar von der ICA und von den Kriegshilfskomitecs mit der Bestimmung, daß der etwaige Schaden, der aus diesen Anleihen entstehen könnte, zu 3,4 den genannten Gesellschaften und zu U den Genossenschaften selbst zur Last fallen wird. Viele Genossenschaften senden gegenwärtig ihre Hauptbücher oder Abschriften davon regelmäßig der ICA in Petersburg, um im Falle unvorhergesehener Evakuierungen gesichert zu sein. Nachrichten Berlin. Unser Gesinnungsgenosse Leutnant d. Landw. Walter Callmann -Bcutlien hat das Eiserne Kreuz 1, Klasse erhalten, nachdem ihm schon vor längerer Zeit das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehe■ worden war. Das Eiserne Kreuz. 2. Klasse erhielten unsere Gesinnungsgenossen Dr. L. Weinberg, Leutnant der Res. (K. J. V.), Referendar Erich Hirschfeld- Berlin (K.J.V.) und Otto Böhm (Jüd. Turnverein Breslau), letzterer wurde gleichzeitig zum Vizefeldwebcl ernannt. Referendar Alfred K at zcns t e in Hamei» (K. J. V.) wurde zum Leutnant befördert. ו 1,1 i 1 I. יין j 1 j י 11 I I I I I ]