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Jüdische Rundschau · 1916-04-14 · Heft 15-16 (14.4.1916) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 15-16 (14.4.1916)
Date
1916-04-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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r I f I I I I I I I ו 1 Abonnements iöf die wöchentlich am Freitag er* «dieinmde ״JOdlaehe Kundachaa" lo«t״׳ l,r* <•<״ Expedition und bei ,!!,!ז Pottämtern viertel jährlich M. 1,75 innerhalb Deutachlanda, in Oeaterreldi• Ungarn M. 2,50, im Ausland M. 8,—, jBdiach« Rundachan, G. m. k. H. BERLIN W. 15, Sächaladhe StraOe 8. Telephon’. Amt Uhiand 845, 846, Poxfxcheckkontoi Berlin Nr. 17392. Poxtxdieckkonto! Ber _Jl Nummer 15/16 ''*J וני* 3, Berlin, den 14. April 1916 — 11 Nissan 5676 ו I 1 I I I 1 1 1 1 I I I Anzeigen kneten für die afKh*|t»pa)%aae Mfc■ aeila oder deren Raum 40 Pt ן Mm Angebote »ad -Ciaaeiba aoerte Veeahw• Uitteilungea nnd ,Klrdna Aaaeägm* O O O O nur N Piannig. 0048 Maouikrlpte werde«, wenn Porta bW»«*4, etata a»aüekgoaaadt. Redaktie• Mittwoch *ormittaga. RadaVtlo■ JSdlaclxa _ BERUH V. 15, Sgchaiecha SbraS• 6 Telephon: Amt Utxland S4S, (46, Peetadxeckkeetel Barlla Nr. 17MS. Jl XXI. Jahrgang. An die Leser der Rundschau Dir heutige Nummer der ״Jüdischen Rund• schau“ erscheint als Peßachnummer und umfaßt!2 Seilen. Infolge der Feiertage erscheint die nächst«.: Nummer erst am 28. April. Der Kampf um die nationale Idee in der jüdischen Geschichte* Wem!;1111 Sederabeiul nach der Erzählung vom Auszug aus Aegypten und den Deutungen der Ucberliefcning die beiden ersten!,salmen des ״llallel“ verklungen sind, laßt die Ela gada einen .schwungvollen Dank• und Hoffmingsliymnns fnlgen: ״(iclobt seist Du Ewiger, unser (mit, König der Welt, der uns und unsere Väter erlöst bat aus Aegypten und uns hat gelangen lassen bis zu dieser Nacht, zu genießen in ihr gcsiiucrlcs Brot und Bitterkraut. Also möge der Ewige, unser Gott, uns gelangen lassen?11 amleren Festen und Feiern, die uns ent-?egen kommen mögen zum Heil in Frieden, erfreut durch1 den Wiederaufbau «Deiner Stadt, 11ml frohlockend in Deinem Dienst; und dort wollen wir essen von den Schlacht- und Pellachopfern, deren Blut die Wand Deines Altares berühren werden zum Wohlgefallen, und wir werden Dir anstimmen ein neues Lied unserer Erlösung und Befreiung. Gelobt seist Du Ewiger, der Israel erlöst.“ In diesem Spruche, dessen erster Satz nach Annahme der Mischna auf Rabbi Tarphon und dessen Fortsetzung auf Rabbi Akiba zurückgi'111, sind zwei wesensverschiedene Wcltanscliaiiiiiigen vereint. Die eine, welche wohl die geschichtliche Erinnerung an die politische Befrehing aus der ägyptischen Sklaverei festhält, im übrigen sich1 mit der Tatsache der Zerstreu- '»1g des Volkes und dem Untergang des natio- "»len Zentrum!» leichthin abfindet; die andere, welche das Unglück der Nation nicht verwinden hami und den 'Samen der Hoffnung auf die Mieden 1 Stellung der einstigen Herrlichkeit in (be Herzen des Volkes pflanzen will. Dieser fii'gensatz zwischen einer in rationalistischer Gc- »iigsamkeit das Lehen des Augenblickes hephenden, mit ihm unbeschadet aller intcllek- '"eilen Opfer einen Ausgleich suchenden und 1‘inci idealistischen nach freier weltlicher Gel- Iu״g ringenden revolutionären Strömung, oder "k wir in unserer Terminologie sagen würden, 1kr Gegensatz zwischen den Ideologien der Assi- "lilation und des Nationalismus durchzieht bis a"f die jüngste Zeit die ganze Gcistcsgcschichte dcs Judentums. Wie in der politischen Gc- ^Eichte der Judenhcit Gewährung und Vorcnt- Mtung von Reellen, Emanzipation und Rc- *btioji, in der Wirtschaftsgeschichte Aufstieg in %»er, fast monopolisierter Domäne und Niedergang durch Verdrängung im Daseins* *1״ple mit der Umwelt in wcchsclvollcr Folge ''״gwi, so machen sich immer wieder in der ’ Eticser ursprünglich für die Pcßacltgabe be• «immtc Aufsatz konnte dort aus technischen Orundcn *"* Aufnahme finden. ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlieh-rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina." Baseler Programm. jüdischen Kulturgeschichte die nationalisierende und assimilierende Tendenz den Vorrang streitig. In den Zeiten der politischen Selbständigkeit, als die Juden ein urwüchsiges, tatenfrohes, robustes Volk gleich den anderen •Stämmen des Syrcrlandcs auf eigener Scholle lebten, war ihr Dasein von geistigem Zwiespalt noch nicht 7errissen. Die intime Verbundenheit mit der Väter• erde, die geschichtliche Erinnerung an die wunderbaren Schicksale der Nation und das von ihren grollen Neuerern geschaffene Ideal der religiösen Erhebung im Dienste des einzig einigen (iottes schufen die Atmosphäre eines naiven Nationalbewulltseins. Noch* war die Wucht des Volksgedankens stark genug, um alle disparaten Geistesströnuingcn zu ersticken, aber schon in den Tagen der Propheten gebt eine Unruhe durch die Seele der Nation, und es splittern von ihr Richtungen ab, welche geringeres Verständnis für die altvätcrliebe Gebundenheit bekunden. Diesen Verderblieben Drang zu zügeln, ihm Mall und Richtung zu höherem Ideal zu weisen, gilt der Kampf der grollen Gottesstreiter und Menschenveredler, der Propheten. Ihr prachtvoller Zorn entlädt sieb über den Häuptern derer, die in Nachäffung fremder Art ihren Weg suchen, die Seele des Volkes feiler' Bequemlichkeit opferlos preis• geben. Wenngleich׳ das Pmphctcntum wie das Reich selbst an innerer Unzulänglichkeit im Zwiespalt mit der Verständnislosigkeit und dem Widerstreben des Volkes zugrunde ging, so war doch sein Weckruf an das Gewissen der Besten, seine Verkündigung der religiös nationalen Aufgaben nicht ohne tiefen wcitvvirkenden Nachklang geblieben. Noch in den trüben Tagen des Exils erhielt sieh der Zusammenhang mit dem nationalcn Ideal der politischen Selbständigkeit lebendig und widerstrebte allen auflösendcn Tcnilcnzcn. ״Und was ihr euch in den Sinn kommen lallt, das soll nicht geschehen, dall ihr sprechet; Wir wollen sein wie die Völker, wie die Geschlechter der anderen Länder, Holz und Stein zu dienen," so konnte der ob dieser freimütigen Worte von einer kleinlichen Kritik als Chanvinist geschmähte Prophet Ezechiel gegen die Errichtung eines Heiligtums im Exil protestieren, mul der allgemeinen Stimmung, die von dem wahren nationalen Zentrum nicht lassen wollte, lebendigen Ausdruck verleiben. Solchen Trieb nach nationaler Geltung und Erhaltung dokumentiertc auch die mit Erlaubnis des Königs Cyrus erfolgte Rückkehr von 40000 Exilanten nach der Heimat. Einen wunderbaren Sieg des nationalen Gcdankens brachte die hellenistische Periode. Unbefriedigt von dem lehrhaften Ideal des Priestertu ms suchten damals die Reichen und Mächtigen in der Ungebundenheit der hellenischen Welt ihr freies Auslcben, schonungslos alles Eigene mit Füßen tretend, verständnislos das köstliche Gut des Volkes zerpflückend. Einen wallten Orkan entfachten diese Umtriebe in der eigenen Mitte. Nicht aus philosophischen Abstraktionen, nicht aus schemenhafter Stubenweisheit, wie ho• milctischc Tüftelei es will, sondern aus dem blutwarmen Willen eines ehrgeizigen, von politi• sehen Zielen und Machtwillcn getragenen Heldentums nahmen die Makknbaeer den schonungslosen Kampf gegen den inneren und äußeren Feind auf, um als Preis für ihren Opfermut ein neues Königreich einzuheimsen. Solche Spätlinge des Strebcns nach nationaler Unabhängigkeit kehren dann periodisch wieder, verflüchtigtcn sich aber mit der zeitlichen Entfcrnung von der Zerstörung des zweiten Eieiligtums immer mehr aus dem weltlichen Getriebe in das Reich! des Geistes. Aktives Volkstum im politischen Sinne ist nicht mehr vorhanden, die Lchrsnlc und Gesetzesarbeit sind an die Stelle der äußeren Kämpfe getreten, und die Probleme, um die einst mit ehernen Waffen gerungen wurde, werden auf dem Gebiete der Ideen ausgetragen. Rein äußerlich betrachtet, 11111II es wie ein unentwirrbares Rätsel anmiiteu, daß die Juden als die sozial Schwächeren in der langen Zeit des Galutli nicht rascher Assimilierung unterlegen sind. Wenn mich unstreitig das Anlchmmgshcdiirfnis an die Umwelt sich zu allen Zeiten im Leben der Juden geltend machte, schon dadurch, dall ihnen von dem Milieu die Formen ihres sozialen Daseins vorgezeichnet wurden, so schufen sie aus sieb heraus doch stets die Kräfte, welche imstande waren, «len Wirkungen zersetzender Einflüsse ein Gegengewicht zu bieten. Ihre mit tausendfachen Fäden an «las abendländische mul morgcnlänilisclie Wirtschaftsleben gebundene ökonomische Tätigkeit mul die gegen die Außenwelt fast völlig abgeschlossene Geisteskultiir sicherten die Erhaltung der Volksindividualitäl. So überdauerte in wcchsclvollcm inneren Geisteskampfe, in Abhängigkeit von den äußeren Lebensvorgängen das jüdische Volkstum in wesentlich ungchroclie- 11er Einheit die Zeiten des mittelalterlichen und neuzeitlichen Exils, bis im 18. Jahrhundert die neuen Gedanken der großen Welt auch׳ an die Pforten des Ghettos zu pochen begannen. Jetzt zeigte sich, auf wie wenig massiven Füßen der ganze Bau des jüdischen Lebens ruhte, jetzt wurde die ganze Schwäche eines Volkstums ohne staatliches Rückgrat, eines von Zufälligkeiten abhängigen Wirtseh,iftxkampfes, einer zwar ursprünglichen, aber im wesentlichen doch abstrakt-konstruktiven, in ein vthiscli-religiösesl Ideal cinges|x»nne11e11 Bücherweisheit offenbar. Jetzt!konnteder Ausspruch ilesCIcrmont Tonnerc in jener berühmten De/emhersitziiiig der Pariser Nationalversammlung (178h), ״«laß man den Juden als Nation alles versagen, ihnen als Menschen je«kx:h alles gewähren müsse“ und jene Verkündigung, in der Pariser jüdischen Notablenversammlung; ״Aujourd’hui que les juifs ne forincnt plus unc nation qu'ils ont i’avantage d'etre unc nation inoorporcs dans la grandc nation“, zum Leitmotiv nicht nur aller künftiger Reformer auf staatlicher Seite, sondern auch der Juden selbst werden, welche sich ihrer volkstümlichen Eigenart so weit entfremdet glaubten, daß sic sieb reif für das Aufgehen in ihrer Umgebung fühlten. Wenngleich, vielleicht England ausgenommen, wo durch die Verknüpfung mit der religiösen Bewegung die Verhältnisse ein wenig anders lagen, die Emanzipation nicht deshalb gewährt worden war, weil die Juden als Menschen auf Menschenrechte Anspruch hatten, sondern weil der moderne

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