Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1916)
- Date
- 1916-03-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I.amlcsbcitrügc: Berliner Zionistische Vcreinigmu! 12, , Festcnberg 2, , Stolp 13,- Propagandafonds: Alienstein; Louis l.evvald ¬ר,; Berlin: Karl M. Baer 5, , San.-Rat Cuspari 10. , Hermann Ertesehik 5, , Rosa Holde 10, , Hi.mka besser 5, , Dr. Fritz Salingcr 5, , l)r. Jui. Weigert 10, , Dr. Warschauer 15,; Boi/en- Imrg: Bertha Cohn 5,; Breslau: Jul. Fricdliindcr 11, . I.iubv. Laqiteur 10,; Danzig: Bruno Fischer 10,; I ileh.iu•: Adolf Joseph 20,; Frankfurt a. M.: J. Heim,■um 20,; (lev: Rosa und Jelleheu Meyer 1,; (ineseu: Eugen ()elsuer 5,; Oraiidenz: Frau Jul:» llerrmanu 20,-; Guben: Zahnarzt Liclilwitz נ,; Hamburg: R.-A. Hirsch 6,; Kiel: San.-Rat laeoh 10,; Kohl: Aron Hofinann 10, ,Sal.uiHMi I liiimaun 10,; Krotosehiu; Heimanu Daniel 15,; Leipzig: Dr. Fl. Chamizer 20, , Dr. II. Fohl 10,; Mannheim: Otto Retvvit/er 10, -, Julius Simon 50,; Miillicim: R.-A, Dr. Königslierger 6,; München: Jae. I'raeukel 10, : Neuwied: Jakob Lew 5,; i’iplin: Betty Demant 5,-; Stolp: Dr. Ludwig Aron ¬י, , Hanna Blati 5, } Mnrg, Brootzeu 5, ־ Dr. M. Joseph 5, Dr. Fritz Miillerhcim 5,; Trier : Louis Steril 15,; Zcrkow: Tierarzt Dr. Mai 10,; Zwickau: S, Schocken jun. 200, —; aus dem Felde und ans Garnisonen: Dr. Ernst Hamburger 5,- , 'Ball.- Arzt Dr. Heimanii-Elberfeld 10, , Uuteroffiz, B. Srhrigi'iilieim 10,■■, Dnteroffiz, Warhurg 15, , Verschiedene Spenden: Berlin 10, , Eingang vom 23. bis 29. Mürz 1916: Schekel 1911 11; 37, M.; 1915/10: 177, M.;!;indesb e i t r ii g e: 27, M.; P r o p a g a n d a fonds: 082, M. Gesamteingang: S e h e k e I 1914/15: 3120, M,; S e 11 ekel 1915845 :10 ׳, - M.; L;1 n d e s b e i t r ii g e; 1018,50 M.; P r o p a g a n d a f o n d s: 3125,80 M. *ttresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinlffung filr Deutschland. Berlin W 15, Sächsische Stralfc 8. Postscheckkonto: Berlin 8091. Neue Stimmen Fs ist Menschcnnrt, gegen die Resultate von Arbeiten und Entwicklungen, die, so lauge sie in der Ferne standen, kostbar und erstrebens- "ul erschienen, schnell abgestumpft zu werden, wenn sie Gegenwart lind Besitz geworden sind. Wenn mau den Werdegang von Fntwickhmgen 711 filuTsehauen gewohnt ist mul für die Tat• saehen des realen Lebens, die in grollen Znsainiiu nbangeii Voraussetzungen fortschreiten■‘ de! Ikuiiihimgen sein müssen, eins Aogenmali nicht verliert, so tut mau gut daran, von Zeit zu Zeit darauf hinzuweisen, welche Bedeutung :on׳h den relativen Fortschritten im Kampf um nt'0e Einsichten und Positionen zakouimt. Von diesem Gesichtspunkte aus mochten wir hilmun, daß es auch in der Beurteilung jochselu i Fragen manchen Fortschritt, manche neue l’li.iw zu verzeichnen gibt. Lt es denn schon so lange her, daß die Wortführer aller Welt eine Judenfragc über• lt;111| t leugneten? Es war doch sozusagen erst System und vorgestern, da man, wenigstens hier ZI1 l aude und in der Nachbarschaft, von der Tatsache, daß und wie die Juden sind, nichts Wissen wollte. Gegen die Judenfrage galt das Sclieuleiler der überkommenen Assimilationsi1ieologk>. Es gab keine Juden mehr, sondern |J'lr ganz verschämter Weise Israeliten oder Staatsbürger dieser oder jener Nationalität (und mosaischen Glaubens). Die Landcsgrenzen teil¬ »Der Zlonbmu» erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffenf* lieh •rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina." Baseler Programm. teil das Judentum und zersprengten die Einheit, die allerdings darum immer noch nicht aufhörte, Einheit zu sein. Die Leute aber, die mit niemals ruhendem Eifer bemüht waren, das Seiende aufzudeeken, für das Werdende Verständnis zu suchen und durch zielbew ußten Willen das Zukünftige zu gestalten, nannte man, wenn es gut ging, Pliaiitastcn und reaktionäre M.ircliendichter, Der Krieg hat anscheinend doch eine Wandhing erzielt. Und cs ist nicht uninteressant sind unwesentlich, sie von Zeit zu Zeit an neuen Tatsachen nachztipriifen. Die jüdischen Problerne sind jedenfalls doch der Gegenstand intensiver Aufmerksamkeit geworden. Und da von der Art, wie dies geschieht, auf die Gestaltung der Verhältnisse mancher Einfluß ausstrahlt, ein-!)finden wir cs als notwendig, hier wachsame Ueberscliau über die Erscheinungen - vornehmlieh der politischen Literatur zu halten, die sieb mit dein Stand und den Beziehungen jüdischer Dinge beschäftigt. Diesmal gilt die Aufmerksamkeit zwei Pnblikationcn, die in einem gewissen Sinne zusammengehören, weil sie, von deutschen Politikern herrührend, in ähnlicher Weise zu den von der jüdischen Bevölkerung in den besetzten Gebieten erhobenen Forderungen Stellung nehmen: eine Schrift von l)r. Adolf Grabowsky lind ein Aufsatz von Georg Gothein ״Die Juden in Polen“. Die Schrift von Dr. Adolf Grabowsky heißt: ״Die polnische Frage". Sachlicher und ernsthafter als die meisten anderen Aufsätze und Schriften über dieses Thema —- Alfons Paquet ist von diesem Urteil ausdrücklich auszunehmen versucht sie auch die jüdische T rage von einer gewissen Fiele ans anzufassen, (irahowsky k I a s s i f i ziert nicht mir die jüdischen Strömungeii und Parteien, die er in Russisch-Polen vor sich gesehen hat. Solch Scheiden und Ordneu ist ja nicht das Schwerere für offene Augen und nicht voreingenommenes Urteil, (irahowsky möchte auch erklären, in welchen tieferen Gründen der Volksari die Unterschiedlichkeiten wurzelit, die Juden von Polen, Juden von Russen, Juden von Jude״ trennen, (irahowsky bat den Willen zur Wahrheit und läßt sich darum nicht in die von betriebsamen polnisch-jüdischen Akquisiteureu gewobene Lüge fangen: die Ostjuden hätten kein eigenes nationales Leben .und seien, für die Dauer wenigstens, doclt mir Anhängsel der polnischen Volksgemeinschaft. (Irahowsky sieht in (len Juden des Ostens die Ration und erkennt ihr Recht auf nationales Eig• ׳leben an. Solche Feststellungen sollten selbst■ stündlich und darum überflüssig sein, sind es .ץ.er leider noch nicht hei allen deutschen Publi^tcn. Unter den verschiedenen Kapiteln ,.er Schrift, die der Erörterung der jüdischen Fragt gewidmet sind, kamt man die ersten, die Tatsachen feststellen, ohne Widerspruch hinuehmen, kann es überdies nur begrüßen, daß nicht die ״Litwakcn- Theorie" zur Begründung und Entschuldigung der starken polnisch-antisemitischen Welle der letzten Jahre herangezogen wird. Dagegen zeigt das Kapitel über das ״Das Wesen des Ostjuden־ tums", daII selbst so sachliche Urteiler wie Or(»- bowsky trotz guten Willens nicht durch die Schale in die Tiefe kommen, wenn sie, statt überschaubarer äußerer Zustände — Wirtschaftlieber und politischer inneres Wesen fassen und geistige Wurzeln bloßlegen wollen. Das Kapitcl, das den verheißungsvollen Titel ״Wesen des Ostjudentums" führt, ist von einer kärglichen Genügsamkeit. Wesen des Ostjudentums? Es gibt polnische und litauische Juden, antwortet man, zwischen Warschau und Wilna besteht ein Unterschied, wird erklärt, weil man sich in Warschau nicht so voll dem Studium des Talmuds hingebe, und der Chassidismus, die Lehre von der Frömmigkeit, sei entstanden durch die Ahnei• gütig der polnischen Juden gegen die unbequeme Gelehrsamkeit. Daß (irahowsky im Chassidismus von heute nicht viel Vcrchrungsvvürdigcs findet, ist wohl zu verstellen. Wer aber über das Wesen des Ost judentums sprechen will, müßte doch* eigentlich über das Gegenwärtige, Zufällige, Entartete hinaus zum Wesentlichen, zu den Kr.iften und Möglichkeiten Vordringen, die nur von literarischer Betrachtung als ״überlegene, unelementnre Tüftelei" abgetan werden können. Von einer solchen apodiktischen Behauptung schreitet (irahowsky, was uns dann nicht mehr wundert, zu einer zweiten: Der Rationalismus steckt dem Juden im Blut, er ist eingeborenes (int des jüdischen Stammes. Was aber nicht ins Schema paßt, ist Ausnahme, die die Regel bestätigt: die merkwürdigen ״Wunderblumen der jüdisehen Träumer, die zu allen Zeiten mitten im jüdischen Rationalismus emporgeblüht sind; voll eines feinen klagenden Duftes uild mit hauchartig zarten Farben angetan . . . Sie haben sich In ihrem Innern eine eigene Natur erschaffen mit Blumeuwicscn, so groß wie Meere, und mit Gründen, die in unaufhaltsamem Sturz sich ausdehnen bis zum Mittelpunkt der Erde!“ Grabowskys Empfinden ist so lyrisch zart, daß sich vielleicht hieraus erklärt, warum er die jüdische Seele im Rationalismus seit jeher beschlossen meint; die tiefe״ Gründe sind aber eben nicht nur in den .schonen trimmenden Knaben. Diese Ausstellungen berühren indes nicht den wesentlichen Wert der Schrift, die eine politische sein will. Ihre politisch reale Bedeutung für die jüdische I rage liegt darin, daß und wie sich (irahowsky uneingeschränkt für die Aller* keniumg und Erhaltung der jüdischen Volksart erklärt, ohne, wie leider des öfteren geschehen ist, diese Notwendigkeit damit zu begrimden, daß die Juden in Russisch-Polen taugliche Genuanisntionsobjekte und Gcrmanisationsmittler wäreu. Mit erfreulicher Bestimmtheit tritt Grabowsky, der deutsch-konservativer Richtung ist, gegen solche l:\ploitierung der Juden auf. Sie vergiftet das Verhältnis der Juden zu den Polen, ohne den Deutschen zu nützen. Man müsse sich darüber klar sein, daß die Juden um keinen Preis weder polonisiert, noch aber auch germanisiert werden dürfen. Die Deutschen müßten den Juden mit Wohlwollen entgegenkommen — das sei das Wesentliche. Gegendienste als Preis hierfür dürften nicht verlangt werden. Es wäre zu wünschen, und ist von uns jedenfalls mit immer erneuter Bestimmtheit zu verlangen, daß sich die Forderungen, wie sie auch! (irahowsky für berechtigt hält, in der Praxis durchsetzen. Ucbcr den politischen Teil dieser Schrift, der von dem allgemeinen Schicksal der östlichen Gebiete handelt, — besonders von dem Lösungsversuch eines dcutsch-österreichiscli-ungarischen