Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1916-03-17 · Heft 11 (17.3.1916) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 11 (17.3.1916)
Date
1916-03-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2651974-2651986--10542-2667974
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Abonnements I ן1|# י wochfntUch am Freiing er*! 1ci״mrn(ie ״JUdUche Rundschau" M der E*j>*clition und bei י tllrn P«1»Uimtern vicrtrljnhrMch M. J,75 I {nnrtl!nlb Deutschland«, in Oesterreich• I umgarn 2»50! Ausland M. Ö»-־-, I JlidFsth• Rundschau, O. m. b. H, | IU.KLIN W. 15, Sl*ch«l«che Straße 8. | TfWphout Amt UhUnd 815, 816. LlVsitrhcckkanioi Beilin Nr. I7392. 1 Anzeigen I kn.trn für dl. Mdwr«p«IU1M PbUS■ I seil« oder der» Kaum 40 Pf.ן StsIWa | Angebot« und •Gssucho sowie Verdun ן Mitteilungen und *Klein# Ajurdgea* ■ O O O O aur 30 Pfennig. OOOÖ i ManusVripte wurden, wenn Porte tMffiegb ■ •tot# lurörigesiadL Rodaktioosachlad« 1 Mittwods ▼ormitisi«. ‘ I dejkun w. 15, SIctulBcha 3(r*B■ % 1 T.laplim Aal UUuj US, »46, I Po.Ud1Kkk.Bt•! Borlla Nr. 173*1. c 1 וiäß C"׳UI Nummer 11 Berlin, den 17. März 1916 — 12. Adar II 5676 XXI. Jahrgang. In dieser Stunde... (Aus einem Brief). Vor kurzem erschien i!1 Jaffa im Verla!׳ ״Ilaawoil.i" unter dem Titel ״liescliaa su" (111 dieser Stunde) ein neues hebräisches Sammclbuch, hcrniisgcgebcn von einem Kreise dem demokratischen Verband ״Hanoel Maza'ir“ in Palästina aiigehörigcr Arbeiter und Lehrer, aus deren Feder die meisten der publizistischen und literarischen Beitrüge des Buches stammen. Von dem ernsten, tiefschürfenden (leist, der diese Veröffentlichung beherrscht, zeugt die liier wiedergegebene Vorredeeines der ältesten Arbeiter und geistigen Führer des ״I Inpoel I lazai'r". Leider hat der Stift des Jerusalemer Zensors manche Stelle weif! gelassen, .... Dt! sprichst deine Verwunderung׳ aus, dal! niaii in dieser Stunde der Vernichtung sich ganz!111' sieh seihst konzentrieren und den Krieg mit all seinen Schönheiten und Schauern siel! aus 111 in Sinne schlagen kamt. Ich aber wundere mich über das Gegenteil. Was haben wir in der lat mit dem europäischen Krieg zu tun? Ne! 1!neu wir etwa aktiven Anteil daran? Unsere Anteilnahme ist doch nur die eines Schafes beim ScM.m liten; Kanonenfutter! lind die Folgen die•י׳)׳ Krieges sind für uns doch nur׳, ihrer Söhne bemühte Mütter, Witwen und Waisen, Zerstöum!;, Not und Leiden und ,als׳Zugabe vielleicht »och ein Schmerz, dem nichts auf Erden vor-‘ ßleielibar ist, der Schmerz des Verwaisten, der so grob ist, wie der gewaltige Schmerz unserer verwaisten Golusseele, die nicht nur 11111 Vorwandte, sondern vielleicht auch tim sieb selbst trauert. (irrade diese schwere Stunde, von der man nicht weil(, wie lange sie dauern und ob sie in Zu Io!׳. ft nicht noch schwerer werden wird — gcrad,• sie ist für um; eine Stunde der Konzentriermi!י;l״f uns selbst, eine Stundendes inneren mul mlSeren Schattens, in der man nach dein \Vc . sucht und den Boden vorbereitet für eine fiat:• 110;;<׳ Wiedergeburt und nationales Schaffen. Ls ::ißt keine besseren Lehrer und Erzieher als gr״!V Leiden und Sorgen und wir brauchen bloß auf in. t k saute Schüler zu sein, 'um die Lehre '111״!! ׳tollen Lehrmeister richtig zu verstehen mul (!!!) tiefen Sinn der Leiden zu begreifen, auf dali nicht vergebens gewesen seien. Und in du..•rin Sinne ist die Lehre, die uns von dem Kiii : ׳ kommt, groß, uneralntbai׳ groll. Das ist vielleicht das einzig Positive, das wir in diesem Kric;׳<: iiiidcn. Vor allem sehen wir uns seihst wie in einem Spiegel: gegenseitig vereinsamt, %;c.-,)1itlert, verwaist, irrend; und int Kriege selbst liegt eine große Lehre, besonders dort, wo 111:111 u h it Wiedergeburt und nettem Leben streb(. Krieg ist erschütternd, aber er hat viele Seilen und jeder sieht in ihm. was seine Phantasie C|tr;mn1t, Viele sehen im Kriege an sielt das SviiiIh)1, der Kraft, das Symbol der Herrlichkeit, in der Stärke ist. Aber das Tiefste liegt n'°l1t in dom, wäs er wirklich ist, sondern was m:״l ans ihui zu folgern versteht. Man kamt a,ls ihm die Kraft des Lehens Itcrauslcscn, aber a1K'h den Schmerz der Kraft, die sich auslebcn '',י" und es nicht kann und sich ganz, umsonst vergeuden muß. Wir selten aus ihm, wie viel jd'iike, wie viel Größe es im Leben gibt, eine vJtölle, die an die letzten Grenzen reicht, oder ®0Kar die Grenzen von Leben und Tod aufhebt. Irgvml eine Ekstase der Seele gibt es im Leben, ,״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffeni• lieh •rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina." Baseler Programm. die den Menschen über alle kleinlichen, persönlicltcn Verhältnisse erhebt; irgend ein Grolles ollenbart sieb im Lehen zu der Stunde seines Niedergangs, zu der Stunde, wo cs hervorbricht und seine zerstörende Kraft beweist! Und wie groß, glaubst Du, könnte das Leben sein, wenn die Menschen zu leben verstünden! — Ach, hier gäbe es für uns etwas zu lernen, wenn das, was wir ,,Wiedergeburt“, ״Erneuerung“ nennen, kein leeres Wort ist, wenn wir in seine letzten Tiefen und Untiefen hinabsteigen könnten. Unsere Kraft liegt, ob wir cs wollen oder nicht, mir im Geiste, aus dem einfachen Grunde, weil wir keine andere haben. Aber diese Kraft — man mag sagen was man will . gehört uns und durch sie und nur durch sie bestehen wir bis a!uf diesen Tag. Und dort, wo der (jeist wirklich nach Leben ringt, ist seine Kraft viel großer als die der Faust. Zeuge ist jedem von uns seine eigene lebendige Seele, soweit sie lebendig ist, Zeuge ist dieser tiefe und traurige Himmel — — — — ■—*) daß es Tage gab, die uns etwas sagten oder besser, die uns etwas verschwiegen, etwas, dessen Einfluß auf die höchste menschliche Kult 11 r groß ist. Aber auch wenn sie scltweigen, stehen sic noch und harren der attfhorchenden Schüler. Und gerade aus dem Lärm des verheerenden Krieges hörst du ihr Schweigen, das dich über das Schaffen und die Gewalt des Schaffens belehrt. Und wenn so unsere innere Kraft erweckt würde, wenn wir alle dadurch aufgcnittelt würden, das ganze Volk ohne Ausnahme zum Leben erwachte, erwachte, um die Tiefe unseres Schmerzesünd unserer Zerstörung, den Abgrund unserer Demütigung und Vereinsamung zu erleben, dann hätte iclt ohne jedes Zögern gesagt, daß, so ״Riß auch unsere Zerstörung durch äußere Mächte sein mag, wir durch den Schaden doch nicht auch des Gewinnes verlustig gegangen sind. ״Wie das Leiden, so der Lohn“ - auch dieser Satz, lebt und gilt, so lange das Leiden lebt und die Größe und Schaffenskraft, die im Leiden ist. Und wenn ich Itie und da zögere, so ist cs mir, weil ich weiß, daß wir keine gelehrigen Schüler des Lebens sind, d. 11. unseres Lebens. Unser Leben und all das Unsere gilt uns nichts. Unseren inneren Niedergang sehe ich, der schlimmer ist, als jede zerstörende Kraft, die von außen kommt, Hier ein Niedergang durch Kleinlichkeit; denn auch in dieser Zeit, nach aIlent, was über uns gekommen ist, können wir, auch nicht auf einen Augenblick, alles Kleinliebe und Flache, das jeder Tag mit sich bringt, lassen und uns dadurch׳ über uns selbst erheben, daß wir!unsere Lage in ihrer ganzen Ausdcltiiimg und Tiefe erfühlen. Und dort — eine Zerstörung aus Selbst Verneinung; denn wenn wir unsere Taten betrachten, so gibt cs bei uns Menschen, die nichts anderes zu tun wissen, als sich selbst zu verneinen, unser nationales Dasein von der Stunde seines Werdens bis auf den heutigen Tag, unsere Menschheit, unsere •) Vom Zensor getilgt. religiöse Opferfähigkeit, ja sogar unseren großen Schmerz, — alles. Das Schlimmste dabei ist, daß wir darin irgendeine große und letzte Wahrheit sehen — so weit sind wir bereits in unserer Seibstverneiming gelangt, eine Selbstvemeinung, mit der wir uns unbewußt vor anderen herabwürdigen -- so tief sitzt unser inneres Golus! So wenig sind wir fällig, unmittelbares Leben zu leben, dKe Wahrheit, die im Leben und itt uns selbst ist. Und warum soll ich cs leugnen? Wenn ich dies alles sehe, weiß ich nicht, welche Zer- Störung die größere ist . . . Fürwahr, es gibt für uns etwas zu erschauen und zu erforschen. Es gibt etwas zusammenzufassen und zu erwecken, wenn anders wir nicht jenen Sentimentalen gleich sein wollen, deren Kraft sich int Weinen über ihr bitteres Schicksal erschöpft. Natürlich können wir vorläufig nicht kurz und klar aussprccltcii) was wir tun müssen. Denn das Leben geht und schafft nicht auf Bestellung und nach einem vorausbestimmten Programm. Bcsonders nicht in dieser Stunde, wo man dem Morgen nicht vertrauen darf, und nicht weiß, was das i lettle gebiert. Wenn wir nur mit der ganzen Kraft unserer Seele. fühlten, daß die Stunde für uns eine Stunde größer innerer intensiver Arbeit ist, die vollkommene Konzentrierung verlangt und, so weit es möglich ist, ein Sicltabwenden von dem, was nicht in unserer Kraft steht, wogegen wir nichts zu tun vermögen außer Ach und Welt zu rufen! Das ist nach meiner Meinung die Aufgabe der jungen Kräfte unter un.s, die Aufgabe jener, die es zum Schaffen drängt, damit sic in dieser schweren Stunde das Ideal des höchsten Heldenmutes verkünden — denn eines höchsten Heldenmutes bedürfen wir jetzt, und w׳er weiß, wie lange noch. A. D. Gordott. Die Judenfrage in der Duma In den Beden der oppositionellen Deputierten wurden die Enthüllungen der geheimen antisemitischen Rcgierungspolitik fortgesetzt. Der Kadcttenführcr A. J. S c 11 i 11 g ,׳! r e w führte in seiner Bede über den Etat mit I0./29. Februar unter anderem aus: ״Vor mir liegt ein Erlaß, der vorsehreibt, alle Geschäfte, die mit Jude« kautrakteumäßig geschlossen worden sind, a11f/11l!ebr!1. leb dachte aber bisher, daß sieh mit dieser Art der Tä igkeit mir das Polizciilepartcinciit befasse, das es allein es sei, das die Scheidemünzen-, Teuertings- und sonstigen Vcr- Icumdutigcn gegen die Juden erfinde. Nun hegt aber ein zweites Dokument vor nur, diesmal vom Finanzministerium, unterzeichnet von Gehilfen und Mitarbeiter des Eiiianzministers. Dieses Dokument, das ein (khcimzirkiilar an die Verwalter der Regierungsbezirke darstellt, lautet: ,Der Gehilfe des Ministers des Innern, Dschunkowsky, teilte dem Finaii/.niinistcr mit, daß den ins Poliz.eidcpartemcnt eingetroffenen ungeprüften Nachrichten zufolge, die Deutschen die Absicht liegen, den Wohlstand der russischen Bauern dadurch zu minieren, daß sie im nächsten Sommer an verschiedenen Stellen des Reiches die Ernte durch spezielle Maschinen von Grund aus vernichten. Zu diesem Zweck sollen in verschiedenen Orten geheime deutsche Vorschriften bereits erlassen werden. fX’iiselbcn Nachrichten zufolge, sollen an der Ausfülimng dieses Planes die Deutschen russischer Staatsnngchörigkcit und Juden, die zu diesem Zweck von den Deutschen bestochen worden, beteiligt sein. Obgleich diese Nachrichten, wie gesagt, nicht geprüft waren und cs möglich war, daß sie nicht ganz zu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.