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Jüdische Rundschau · 1916-03-03 · Heft 9 (3.3.1916) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 9 (3.3.1916)
Date
1916-03-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 7/ Nr. 9 aller;1״ einer gesunden Entwicklung des Landes interessierten jüdischen Kreise sich wieder intensiver auf die schwergeprüfte Judenheit Palästinas konzentriere״ müssen. Der Bericht gibt eine eingehende Aufstellung über die für ein erfolgreiches Durchhnlten unbedingt nötigen Hilfsgclder. Nach dieser licrcchnun!׳ sind monatlich mindestens 50 000 Mark nötig Diese Summe reicht naturgemäß nicht hin, um die großen wirtschaftlichen Werte der jüdischen’ Siedlung aufrecht zu erhalten, sondern nur um einer völligen Hungersnot zu steuern und den Arbeitern und I fandwerken! über diese schwere Zeit liinwcgzuhelfcn. r.s wird jetzt an uns sein, den Hilferuf unserer palästinensischen Brüder mit jenem Ernst und jenem PfliclillH wulMscin aufzunchmen, die dafür bürgen daß ihnen jenes Mindestmaß brüderlicher Hilfe geleistet wird, das zu fordern sic ein unbestrittenes ReellI haben. m. Nathan Landau Per Nestor der siidslavischcn Zionisten ist gestorheu. Ich stelle unter dem schmerzlichen Eindruck der Todesnachricht, die ich soeben erhielt. Nathan Landau, der älteste Zionist unserer Organisation, Ausschußmitglied, Nationalfomlskoimnissär, der als ()reis mit seiner regen Tätigkeit jeden jüngsten unserer Mitarbeiter in den Schatten stellte, ist nicht mehr. Wir werden ihn, der niemals fehlte, wo es galt fiir das jüdische Volk, für den Zionismus zu, arbeiten, schwer missen. Ich muß es berufeneren Federn und einer ruhigeren Zeit überlassen, Landaus Tätigkeit als Lehrer, Dichter und Zionist zu windigen. Er war von liebenswürdiger Bescheidenheit, von gütiger Bereitwilligkeit. Er scheute keine Midie, keine Arbeit, wenn cs galt für unsere Sache tätig zu sein. Als ich vor Wochen den Wunsch atisspracli ihn zu sehen, mit ihm über zionistische Angelegenheilen zu sprechen, scheute er die großen Strapazen und Schwierigkeiten der Reise nicht, um zu mir zu kommen. Am 15. v. M. sandte er mir noch 205 Kr., die er auf meine Bitte für die Kriegslandspende gesammelt hatte. Welcher Wertschätzung er sich in allen Kreisen der Bevölkerung erfreute, bewies das Begräbnis an weichem auf Veranlassung des Herrn Bezirksvorstehers Baron Ben ko auch alle Beamten teiluahmcn. Nathan Landau wird ein leuchtendes Vorbild in unscrem dankbaren Gedächtnis bleiben. Prijedor, 21. Februar 1916. Gustav Seidemann. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Amerika, In New York wurde dieser Tage ein neuer Verein unter dem Namen ״A gu d a t ־ E re 1. -1 srael" ins Leben gerufen. Im neuen Verein sollen die in New York weilenden Palästinenser ihren ZusaiiiinenschluB finden. Frankreich. Wie aus Paris berichtet wird, beginnt dort am L März die bereits seit Jalircn in Paris herausgegebene, aber seit Kriegsausbruch eingestellte zionistischc Wochenschrift ״Echo Sionistc“ unter einem neuen Namen wieder zu erscheinen. Das Blatt wird als Organ des französischen Zionistenverbnndcs dienen. Italien. (Eine zionistische Zeitschrift) In Florenz begann eine neue Zeitschrift ״Israel'‘ unter der Redaktion des bekannten italienisehen Zionisten Dr. Alfons Pazipizi zu erscheinen, uns erste Heft behandelt eine Reihe palästincnsischer und allgemein-jüdischer Fragen. Propagandafonds 'iet Zionistischen Vereinigung für Deutschland Wir bitten alle Gesinnungsgenossen, Ihren Beitrag zum Propagandafonds um• Sehend an uns abzuführen. Der Pro- ״egandafonds ermöglicht uns die Fort- *etzung unserer Arbeit! Zahlungen sind auf das Postscheck- Konto Berlin 8091 der Zionistischen Ver• ^״dgung für Deutschland zu leisten ^Zionistische Vereinig *, 7g für Deutschland Berlin W.15, SKchalsche Str 8. AUS ALLER WELT Aua Oesterreich■ . P;IS, »Komitee zur Aufklärung über ostjud1 sehe Fragen“, — dciti sich der Jücüseie Natumalvercin in Oesterreich, das Zionistische Zentralkomitee für Westösterrcidi, das Zentral- Komitee der Zionisten Galiziens, das Bukowinacr Ziomstische Laiuleskomitee, die Exekutive der jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei Poalc Zion“ Oesterrciclis, ״Agtulas Jisrael" Landcsorganisation für Galizicn und Bukowina und der Verband der gali/ischen humanitären Vereine in Wien ansclilossen — bat!111 das Armee-Oberkommando, das KricgsiibcrwaeluiiigsnmPünd das Handelsministerium Eingaben gcrichlet, in denen um ״Aufhebung des die jüdische Bevölkerung in so hohem Maße schädigenden Vorbotes der Korres|H1nde7״. in hebräischen Schriftz.eichcn" angesiicht wird. Die Oesiichstcllcr machen darauf aufmerksam, daß das Armee-Oberkommando selbst zu Beginn des Krieges in den in Betracht kommenden Gebieten einen Aufruf In jidischcr Sprache und in hebräischer Schrift verbreiten ließ und hclx:11 (he ד atsachen hervor, daß sich der größte Teil der östlichen Judenheit jm Umgänge, zur Korrespondenz und im Lesen der jidisehen, ein Teil zur Korrcspou- (lenz und Lektüre auch der hebräischen Sprache, jedenfalls aber der hebräischen Schriftzeiehcii bcdiene. Daher bedeute das Verbot der Korrcs|H)1(dcnz in hebräischer Schrift eine Behinderung des privaten, hauptsächlich den Bedürfnissen des Familienlebens entsprechenden Briefwechsels — eine Behinderung, die doppelt schmerzlich von den jüdischen Soldaten im Felde empfunden wird, — eine ״Behinderung des brieflichen Geschäftsvcrkchrcs" und ״eine Unterbindung der geschäftlichen und redaktionellen Tätigkeit von Zeitungen und Verlegern". Aus Oalltlen Gelegentlich seiner Anwesenheit in Lemberg empfing der Minister des Innern Prinz. Hohenlohe am 15. d. M. unter anderen auch zwei jüdisclic Deputationen, und zwar eine Abordnung der Lembcrger israelitischen Kultusgcmcinde und eine des Lembcrger Jüdischen Rcttungskomitccs. Die Vertreter des Rcttungskomitccs, die Prof. Bromberg, Dr. Ringel, D. Rübenzahl und Herr Ohcrlandcsgcrid1tsr.1t D r c s d n c r, überreichten dem Prinzen Hohenlohe eine ausführ• liehe Denkschrift, wobei Professor Bromberg eine längere Ansprache hielt. Der Redner schilderte die gegenwärtige trostlose Lage besonders der jüdischen Bevölkerung Ost- sowie Mittelgaiizicns und betonte die unbedingte Notwendigkeit einer guten Beziehung seitens der Regierung zur jüdischen Bevölkerung dieses Landes, S)er Geist dieser guten Beziehung seitens der Regierung, von dessen Vorhandensein die Juden übrigens überzeugt sind, zumal sie eine solche durch ihre unerschütterliche Treue zu Kaiser und Reich in den schwersten Stunden der Invasionszeit vollauf verdienen, möge auch die Vollzugsorgane bis zu den letzten Instanzen beherrschen. Möge sich überall die Ucberzeugtmg durchsetzen, daß dieses gute Verhältnis ein Gebot der Staatsnotwendigkeit ist. Der Sprecher fordert Rücksicht und Entgegenkommen für den Teil der Bevölkerung, der jetzt um seine Existenz, ringt. Besonders wies er auf die unumgängliche Notwendigkeit hin, die unglücklichen Kriegswnisctt, deren Zahl stets zunimmt, vor Elend und Verderben zu bewahren. Das Entgegenkommen und die Unterstützung, die das Komitee von seiten der Statthaltern bisher erfahren habe, berechtige die Deputation zu der Zuversicht, daß aucli sämtliche anderen in der Denkschrift ausgesprochenen Wünsche der jüdischen Bevölkerung in Galizien Berücksichtigung finden werden. Auf diese Ansprache erwiderte der Minister tpit folgenden Worten: Es war immer mein Bestreben, daß die Staatsgruudsätzc in bezug auf die Juden nicht bloß auf dem Papier existieren, sondern auch verwirklicht werden. Ich weiß aber wohl, daß die Juden sich während der russischen Invasion, in jener schwersten Zeit, tapfer verhalten haben und werde deshalb alles daran setzen, daß sic den ihnen gebührenden Lohn erhalten. Icit habe bereits oft persönliche Beziehungen mit Juden angeknüpft, und ans meiner Tätigkeit in der Bukowina werden die Herren meine Haltung den Juden gegenüber wohl kennen." Und sich an die Herren aus der Bukowina wendend, meinte der Minister: ״Sie aus der Bukowina können cs wohl bestätigen, daß meine Worte keine leere Phrasen sind!" Der Minister entließ die Abordnung mit den Worten: ״Ich nehme vorläufig keinen Dank entgegen. Erst weni! ich Ihre Wünsche erfüllt habe, werde ich Ihren Dank annchmcn." In der Denkschrift formulierte das ״Jüdische Rettungskomitee" auf Qrund des angeführten reichhaltigen Tatsachenmaterials eine Reihe von rorderuugen, von denen wir die nachstehenden hervorheben. gcj,a{(״״!? cj״cr Zentralfürsorgcstcllc in Lemberg für die dort befindlichen jüdischen Fluchtlingc der Provinzstädtc nach dem Muster der Zentral- St^,2'nDie Gewährung der staatlichen Unterstützung auch für diese Flüchtlinge, gleich jenen ln den westösterreichischen Provinzen 3 Die Verschiebung des Rückkehrtermmcs mindestens bis Ende April d. J«. für die Flüchtlinge jener ostgalizischcn Orte, die teilt verbrannt, teilt zerstört sind. Kriegsbeitrag Der 4. Ausweis der eingegangenen Beträge wird In Nr. II der ״Jüdischen Rundschau" vom 17. März veröffentlicht werden. Alle Gesinnungs• genossen, die den Beitrag noch nicht gezahlt haben, werden gebeten, dies sofort nachzuholen. Geldsendungen sind zu richten an die Zio• nlstlsche Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto Berlin 8091. 1׳. Die Errichtung von Wniscnltcimcn für mindestens iOO(H) Kriegswaisen - deren Gesamtzahl 20 000 tibersteigt , und zwar in Zusammenarbeit mit dem Rcttuiigskomitcc. 5. Die Errichtung von Aufsichtshorten für die Kinder der Soldaten und der nach Rußland Weggeschleppten, deren Mütter tagsüber beschäftigt sind. 6. Die Erhaltung und Unterstützung einer großereu Zahl jüdischer Volksküchen für die Kricgsdaucr. 7. Die Erweiterung des Gesetzes betreffs der Unfcrhaltungshciträge und die Ausdehnung desselben auch auf die rituellen Ehen. 8. Die Berücksichtigung der jüdischen Kaufleute und Handwerker beim Wiederaufbau des Landes. Als Beilage wurde der Denkschrift ein Verzeichnis beigefiigt, das genaue Daten ül>er die verbrannten, demolierten und ausgerauhten jüdischen Häuser in 70 galizischcn Städten, sowie die Zahl der ermordeten, wcggeschlepjrten und au epidemischen Krankheiten gestorbenen 'Juden enthielt. Ebenso genaue Daten über die Heimatlosen und über die!unterbliebenen Kriegswnisen in den verschiedenen Städten. Aus dem besetzten Gebiet. (Verein jüdischer Grundbesitzer in Warschau) In Warschau wurde ein Verein jüdischer Grundbesitzer gegründet, dem sofort '100 Mitglieder beitraten. Es ist bemerkenswert, daß in den Vorstand und den Rat des Vereins kein einziger A s s i m i 1 a 111 gewählt wurde. Unter den gewählten Chnssidim und Nationalisten befinden sich bekannte Zionistcnfülircr. (Ein Zcntralvcrband jüdischer Konsumvercinc in Wilna) Die 130 Konsumvereine Wilnas, die nach der Besetzung der Stadt wieder in Tätigkeit getreten sind, stellen zum größten Teile nationale Unternehmen dar. Die meisten von ihnen sind völlig selbständig und stellen direkt mit der Stadtverwaltimg in Beziehung. Nur die jüdischen Konsumvereine haben sich ziisammcngctan und werden durch einen Zcntralvcrband vertreten. Diesen 21 jüdisclic» Konsumvereinen gehören gegen 22000 Mitglieder an. Ein Direktorium regelt den Einkauf der Produkte unter sich. Im vergangenen Monat hat der Zcntralvcrband durch die Stadtverwaltung für mehr als 73 000 M. Waren eingekauft. Nunmehr hat das Direktorium einen Wohlfahrtsaus« s eil 11 ß errichtet, dem die Aufgabe zufällt, den Ucbcrschliß der jüdischen Konsumvereine den notleidenden Mitgliedern als Unterstützung zukommen zu lassen. Aus Rußland. (Rayonkonferenz in Wladimir) Am 1. Februar fand in Wladimir eine Konferertz. der in diesem Gouvernement bestehenden jüdischcn Kriegshilfskomitees statt. Das Moskauer Hilfskomitee, zu dessen Gebiet das Gouvernement Wladimir gehört, wurde durch den bekannten zio* nistischen Schriftsteller L. Jaffe und die Bildungsgcsellsclialt durch Herrn Raskin vertreten. Zum Vorsitzenden der Konferenz wurde L. Jaffe erwählt. Zu den wichtigeren Beschlüssen der Konferenz gehören die folgenden•, die Unterstützung, die die Regierung den jüdischen Flüchtlingen gewährt, soll durch die jüdischen Kriegshilfskomitecs, die die Lage und Bedürfnisse der jüdischen Flüchtlinge näher kennen, zur Verteilung gelangen. Da cs gegenwärtig auch für die gesunden und arbeitsfähigen Facharbeiter unter den Flüchtlingen nicht leicht ist, eine Arbeitsmüglichkcit zu finden, beschloß die Konferenz, daß Arbeitsfähigkeit allein durchaus noch kein Grund für das Ausfallen der Unterstützung sei. Ein Beschluß üher teilweise oder gänzliche Entziehung der gewöhnliehen Unterstützung kann nur in Anwesenheit von Vertretern der Flüchtlinge selbst gefaßt werden. Einen Bericht über die Schulfragc hielt Herr Ras k in. Im Anschluß daran beschloß die Konferenz, sich mit dem Moskauer Komitee in Vcrbindung zu setzen, um die Eröffnung von Kinderhciincn für nicht schulpflichtige Kinder und die Vermchning der Bibliotheken, Lesehallen, Abendkurse und Volkshäuser zu ermöglichen. Besondere Aufmerksamkeit muß der Arbeitsfrage gewidmet werden. In jeder Stadt wird eine Kommission eingesetzt, die den Arbeitsmarkt eingehend zu untersuchen und von allen Arbeitsmöglichkeiten dem Moskauer Komitee zu berichten hat. Es muß dafür gesorgt werden, daß die Jugend eine professionelle Bildung erhalte, und für die nicht genügend vorbereiteten Hand« werker wurde beschlossen Musterwerkstätten zu grün• den. Viel Wert legt die Konferenz auf die Beteiligung der Vertreter der Flüchtlinge selbst in allen Arbeit*- zweigen der Hilfskomitees.

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