Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1916)
- Date
- 1916-02-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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f Abonnement• ,"ז di« wikhmUidi »m Frei(*( W ,rhrinrnde ״Jüdisch* Rundtchia“ t(״lrn bei der Expedition und bei ,Ute 1'ojtnmtMn viertctjibrlich M. 1,75 üinefbelb Deulxdilsnd■, in Oeeterreith. Unjern M■ 7,50, iro Auilend M. fl,—, Jüdisch* Rundschau, G.m. b. II. BI.IU.IM W. IS, Sächsische StrsBe B. TricpHnn! Amt Uliisnd 845, 846. (’.,•!,checkkontoi Berlin Nr, 17391. A SLLC1 G^V Nummer 8 1 ף"*Sy J.\A U.1J Li Üy C Anzeigen kostw ISr di* sed»|espsH*1M P*M6- ■eilt oder der« Raum 40 Fi, 1 Slsllsu An{*boi* ■ad •Ges*d>s sowie Vnriiil— Uittsjlunfes nnd .Klein* Ansei!na* OOOO Mr 50 Plennlf, O O O O Manuskripte werden, «renn Porte beiBsft, stets nr&dtreesedb RedsktjonssdilutI fl Mittwoch vomltt*(*. | Msküss Jüdisch* Rsndsduu I BERUN V. IS, Slchslsch* Stoa•* 6. fl Te'epho*1 Amt Uhland 845, 146, H Postsrherkkonts 1 Berlls Nr. 175*1. U fl נס□ gyGßosGMG 2gbtij&1<2 Berlin, den 25. Februar 1916 — 21. Adar 1 5676 XXI. Jahrgang. Zur Lage in Palästina I . erscheint wieder einmal ratsam,;ms der gcaaiicren Kenntnis der Vorgänge und Zustände j״ Palästina Itcraus der (iesamtsitnation der jütiisflien Bevölkerung Palästinas eine Besprechung ni wiilnien. um statt einzelner Zusammenhangloser N ich richte״ ein (iesaintbild zu bieten. In ökonomischer Hinsielit ist das Mild der Lage di 1 jiidisehen Bevölkerung Palästinas w:ilinml des Krieges sehr ilunkel. Je länger der Krieu dauert, desto starker macht sieh in Paliistma die t 'ntcrbiuduug tles landwirtschaftlichen l \|׳orts, die t 'nmöglichkcit der L־ in fuhr versrliiedc,ucr Produkte, die int l.anile nicht סיווןdii/ini werden können, mul im Zusammenhang d,1mii das Steigen der Lebensmittelprci.sc geltend. Die (ieireideprodnktion des Landes konnte den llrilarf wohl.decken, wenn nur die Organisation hier(in vorhanden wäre. Immerhin haben die T'irinen des Jüdischen Nationalfoiuls zur Lileichterimg des (ietrcidemangels Wesentliches beigehagelt. Aber die gesamte landwirtschattliehe l’mdiiktion ist zu Zeiten besonders dadurch schwierig geworden, tlall in den Landwirtschaftliehen Betrieben Arbeitstiere für militärische Zwecke requiriert waren und dal) auch Arbeiter 11ml Kolonisten des öfteren für militärische Dicnsiicistnngen (Wegebau usw.) herangezogen wurden. 111 den Pflan/uugshctricbcu ist die Wirtschaft, wie bekannt, atillerdeni durch den Mangel an Petroleum nnlScrordcutlicb in Mit- Itklcuschaft gezogen worden, da die für die Heu asscrungsanlagen notwendigen Molare nicht .irlnuen konnten. Der Binnenverkehr ist erschwul, die Linnahmen aus dem Reiseverkehr חוו heiligen Lande sind ausgeblielnai, zahlreiche wirtschaftliche Betriebe, die, in gmllziigiger lorm angelegt, in der ersten ,Zeit beträchtliche Zu* schubse erforderten, mußten eingeschränkt werden, weil diese Zuschüsse, besonders soweit sie ans dm mit der Türkei im Kriege befindlichen Staaten stammten, in nicht unerheblichem Um* fange ausblieben. Ebenso blieben grolle (ield- ..im aus, die sieh sonst aus den Summen ziiMniiiiK'iisetzen, die von den Eltern der Schüler komme״, welche die Schulen im heiligen Lande, insbe■Mindere auch die hebräischen Schulen, bc- Muhen. Dali die Einnahmen, die von der (.,haiukkah gebracht werden, einsclmimpften, ist bebunt. Alle diese Gründe wirken /tisaimneii, 'in! riia drückende Not in einer Bevölkerung iKn-vor/urufcn, deren Charakter im Laufe der b/ten Jahre in immer steigendem ■Malte von )c״cn Schichten bestimmt wurde, die sich durch produktive Arbeit von philanthropischer Unter- 5hitzun״ freigcmacht hatten. Die Krisis des Kdvges bedeutet einen schweren Schlag für die S1ch selbst erhaltende und wirtschaftliche Werte Produzierende jüdische Bevölkerung Palästinas. Trotzdem lebt in allen das Bcwulit- *1‘in, dall es sich nur um eine zeitweilige Krisis "3»dein kann und daß das gesamte Werk unbefj"Rt erhalten werden muß, damit nach dem ״rick׳e die neue Arbeit wilder!einsetzeu kann, *«'bewußte Arbeit für die Erhaltung des Bc- *teilenden bat vor allem in ökonomischer Hin- 5'eilt cinzuset/.en und gibt dadurch auch allen ״״'«ciitajicn Hilfsaktionen den Charakter einer iUr die Dauer berechneten, wohl voraussehenden "*bonalen Tätigkeit. Diese zielbewußte Arbeit N auf dem sozialen Gebiet von Anfang an »Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer üffeni• lieh *rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina." Baseler Programm. Aufruf Wiederum kommen Nachrichten aus Palästiua, die alle Juden zur Hilfstätigkeit aufrufen. Die jüdische Bevölkerung des heiligen Landes hat in unaufhörlich steigendem Maße mit Mangel mul Not zu kämpfen. Sie kämpft und leidet in dem Bewußtsein, daß ihr Aushnrreii Verständnis und Mitgefühl, aber auch tatkräftige Linderung bei all denen auslöscii wird, denen Erez Israel ein heiliges Wort und eine teuere Hoffnung ist. Die Arbeiter, die zumal in der Kriegszeit mit dom Geringsten sieh bescheiden, leiden bittere Not. Einige Tage der Woche müssen Arbeiter, Handwerker, Schüler und jene Kreise, die auch sonst auf Unterstützungen angewiesen waren, hungern, weil die Mittel nicht reichen. Der Bericht, der dem Hilfswerk für Palästina erstattet worden ist, verlangt urigesäumtes und großzügiges Eingreifen zugunsten unserer palästinensischen Brüder. Die Organisation des Hilfswerkes in Palästiua ist vorhanden, Volksküchen, Darlehnsküssen bestehen und lange Zeit hindurch wurde eine Katastrophe vermieden, da Hilfsgclder aus Europa und aus Amerika vorhanden waren. In der letzten Zeit hat aber die Hilfstätigkeit versagt. Eine neue Aktion tut not. Wir hoffen, daß die Juden Deutschlands ihre Pflicht tun werden. Es geht um eine Hilfe, die den Hunger stillt mul unsere Brüder und die Arbeit ihrer Hände künftigem Wirken bewahrt. Hilfswerk für Palästina. Geldsendungen sind zu richten an das Hilfswerk für Palästina, Berlin W. 1 \ Postscheckkonto Nr. 4B)2. eingesetzt. Die aus dem Ausland, in erster Linie aus Amerika, zur Verfügung gestellten Hilfsgelder wurden im Einvernehmen mit den Spendern von dem zur Verteilung berufenen Komitee, an dessen Spitze Dr. Ruppin und seit einiger Zeit Dr. T I o n stellt, in möglichst gemeinnütziger und produktiver Form verwendet. Notstandsarbeiten wurden soweit als tnöglieh vorgenommen, Darlchnskasscn für die Ar* heiter gegründet, Unterstützungen an Arbeiter gegeben, die ganz oder teilweise arbeitstos wurden. Volksküchen wurden unterstützt und neu gegründet und so wurde ein organisiertes System der Hilfstätigkcit aufgebaut, das dem einen Ziele diente: in der Krisis des -Krieges der Erhaltung des Bestehenden zu dienen. Gleiche Prinzipien waren von vornherein für die Haltung der jüdischen Bevölkerung in bürgerlich-politischer Hinsicht maßgebend gc* wesen. Der Ausbruch des Krieges beschleunigte eine Entwicklung, die schon seit Jahren zur immer stärkeren Einbürgerung der jüdischen Bcvölkerung ins ottomanischc Staatsganze gedrängt hatte. Diese Bestrebungen waren gerade von zionistischer Seite immer wieder gefördert und gestärkt worden. Bald nach Kriegsausbruch gclang cs, erleichterte Bedingungen für die Aufnähme der ausländischen Juden in den oltomanischen Staatsverband zu erlangen und auch so die Grundlagen der jüdischen Siedlung in PalästiJia zu erhalten. Mehr als 20 000 größtenteils russische Juden haben sicli seither ottomanisieren lassen. Die türkische Zentralregierung bcwies hierbei der jüdischen Bevölkerung gegenüber ein grundsätzliches Wohlwollen, das auch von jüdischer Seile allenthalben anerkannt worden ist. Leider befleißigten sich einzelne palästinensisehe lokalbehörden, bei der Durchfiilirung der Ottomanisierung und in einer Reihe anderer Maßnahmen eines wenig judenfretmdliehen Vorgehens, was natürlich seinen Einfluß auf die Stimmung der Bevölkerung nicht verfehlt hat. Wie dabei vorgegangen wurde, wird am besten durch die bekannte Tatsache gekennzcichnet, daß einer Anzahl von Persönlichkeiten, die im neuen jisclmvv eine bedeutende Rolle spielten, die Naturalisation verweigert wurde. Es handelt sich hierbei um 15 Fälle, die zum großen Teile Persönlichkeiten betreffen, die als Zionisten bckannt waren und sieb seit jeher um die Ottomanisiorung der Juden Palästinas und ihre völlige Einbürgerung bemüht hatten und die zu den beredtesten Verfechtern der ottomanischen Interessen gehörten. Da in dieser schlimmen Zeit auch eine ganze Reihe von Maßnahmen zu verzeichnen waren, die zwar des öfteren eine antizionistisebe S|>itzc trugen, im Grunde aber das gesamte jüdische Leben Palästinas und seine Sicherheit gefährdeten, so war es durchaus natürlich, daß die damit verbundene Beunruhigung der jüdischen Bevölkerung ein Element der Unsicherheit schuf, durch das die ohnehin drückende materielle Lage nur noch schlimmer empfunden wurde. Im Zusammenhang damit haben im ganzen etwa 12 000 Juden, darunter allerdings viele erwerbsunfähige Eiemente und erfreulicherweise nur wenige Kolonisten und Arbeiter das Land verlassen. Die Unterbrechung des Verkehrs mit der Außenwelt, Mangel an notwendigsten Lebensmitteln, ungeheuere Teuerung, Beunruhigung infolge der Maßnahmen der lokalen Behörden, dazu noch Hcuschrcckcnschvvärmc, die seit vielen Jahren zum erstenmal wieder anftraten, waren Tat- Sachen, die von den verantwortlichen Kreisen des palästinensischen Judentums ein volles Maß von Kaltblütigkeit und von Vertrauen auf die überzeugende Kraft der jüdischen Loyalität verlangten. Und das Verhalten der jüdischen Bevölkerung Palästinas, sowie insbesondere der führenden Kreise, war tatsächlich von diesem Oeist erfüllt. Von Anfang an setzten die Bemühungen in der Richtung ein, der durch den Krieg gcschaffcnen Nervosität entgegenzuwirken und eine genaue Information über die Tendenz und Bedcutung der zionistischen Arbeit auch dort durch-• zuführen, wo man nicht von früherer Zeit her darüber unterrichtet war. Allmählich trat eine Entspannung ein, die an sich schon die Hoffnung einer dauernden Beruhigung hatte auf-