Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1916)
- Date
- 1916-02-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 5S JU EDI SC HE RUNDSCHAU neue Verleumdung, die Juden (rügen die Schuld für die NahniiigsmiHelteiiermig, droht der jüngsten Lei• deiisgcseliichle der russischen Juden ein neues Blatt hinznzufiigcn. Der ״Judentag“ in Amerika Den New Volker jüdischen Tageszeitungen geht unterm 13. Januar folgender telegraphischer Bericht aus Washington zu: Präsident Wilson erließ gestern in aller Form eine Proklamation, in «Der «in ״Judentag“ für den 27. Januar festgesetzt wird, au welchem Tage Sammlungen z u g u n s t c n d er j ü d i s c 11 c 11 Kriegsopfer im ganzen Lande veranstaltet werden sollen. Wie bereits gemeldet wurde, war die Ikstimmung eines ״Jndeulages“ durch den Präsidenten das Resultat einer durch den Senator Martin aus New- Jersey auf Ersuchen des Mr. Harry F i s c 11 c I, Schatzmeister des ״Central Jewish Relief Commitee“ in N c w York in den Senat cingehrachtcn Rcso- Intimi. Der Präsident führt in seiner Proklamation den Wortlaut der Scnatsrcsolution an, der darauf hiuwcist, daß von den 9 ,Millionen Juden, die sich gegenwärtig in den kriegführenden Ländern befinden, der grüßte Teil lhmger und Not preisgegeben;sei, daß Millioneu aus ihren 1 feimat vertrieben wurden und ,fährt fort : ״Da ich das sichere Empfinden habe, daß das amerikanische Volk gern den Kriegsopfern einer Rasse I lilfc bringet״ wird, die den Vereinigten Staaten so viele würdige Bürger geschenkt hat, fühle ich, Woodrow Wilson, Präsident der Vereinigten Staaten, mich bewogen, in Uebereinstimmimg mit dem Antrag des Senats den 27. Januar 1916 als einen Tag zu proklamieren, an dem die Bürger tler Vereinigten Staaten nach Neigung Beiträge leisten sollen, um den unglücklichen Juden Hilfe zu bringen. Spenden können an das ״Amerikanische Rote Kreuz.“ in Washington gerichtet werden, das darauf achten wird, daß das Geld dem richtigen Zwecke zugeführt werde. Gegeben in Washington, 18. Dezember 1915. Woodrow Wilson.“ Soeben trifft die Nachricht ein,!laß das Resultat der Sammlungen des amerikanischen ״Judentags" sicli auf 2 000 000 Dollars beläuft. So erfreulich dieses Ergebnis auch an sieh ist, so bedeutet cs doch angesichts der ungeheuren Not, in der sich die Juden des östlichen Kriegsgcbicts befinden, nicht allzuviel. Die Judenfrage in der Ukraina Vor einigen Wochen hatte der Reichsrats• abgcordnctc l)r. L. C c 11 e I s k y j in den U k ־ r a i 11 i s c h c n Nachrichten“ (Nummer 67 und 68) bereits zur Frage der ״nationalen Minoritäten in der Ukraina“ prinzipiell Stellung genommen und in logischer Konsequenz seiner Ausführungen den Juden — im Falle des Zustandekommens einer autonomen Ukraina — volle Berücksichtigung ihrer national-kulturellen Forderungen seitens der Ukrainer zugesichert. In der gleichen Zeitschrift behandelt nunmehr ein zweiter, K. M. gezeichneter Auf• satz das spezielle Thema: ״D ie Juden im Osten Und die Nation nlitätcnfrag c,“ (Ukrainisehe Nachrichten, Nummer 73 vom 5. Februar). Der Verfasser konstatiert, daß die Juden der osteuro• päischcn Länder ״überall besondere, scharf abgegrenzte Gruppen bilden, deren Assimiliemng mit anderen nichtjiidischen Elementen trotz, jahrhundertelangen Zusammenlebens nirgends eiligetreten ist. Der Jude läßt sich nach den bisherigen Beobachtungen nirgends, ganz vereinzelte Fälle ansgenommen, assimilieren und dies ist im europäischen Osten u 111 so mehr der Fall, als die osteuropäischcn Juden einen besonderen deutsch - jüdischeu Dialekt sprechen, den sic seit dem XtV. Jahrhundert aus Deutschland mitgebracht haben.“ Ueber die Stellungnahme der Ukrainer zur Ostjudenfrage äußert sich der Verl«, ser mit folgenden Worten: ״Die Juden sind im europäischen Osten nichts anderes als —- Juden und müssen auch als nur1 solche betrachtet werden. Das, was sich in der Ukraina über die ukrainische Masse oder in den Städten über die jüdisch-ukrainische Masse erhebt, ist mir eine ganz verschwindende Minorität; das Fremdartige, welches momentan dorthin (hauptsächlich von der Beamtenschaft) hineingetragen wird, ist auch nichts mehr als ein ׳Firnis, der für die ׳Fcststellung und Beurteilung der Sachlage in nationaler Hinsieht belanglos ist.“ ״Was soll nun aus den osteuropäischen Juden werden, sobald die Zeit für die endgültige Lösung des Problems kommt? Auf diese Frage möchten wir vorläufig nicht antworten, da sidi dieselbe ohnehin erst im vorbereitenden Stadium einer öffentlichen Erörterung befindet. Allein, so viel können wir schon jetzt konstatieren, daß sich die Ukrainer stets für die k 111111 r e 11 -11 n t i ״ im I e Aut 11 ס o 111 i e der J 11 d c 11 auf ihrem Gebiete, schon aus den Rücksichten der Gerechtigkeit und Billigkeil allein, erklärt haben, und dal) sic auf diesem prinzipiellen Standpunkt verbleib e 11 werden. Auf verschiedene Kalkulafionen der sögenannten Assimilatoreii können wir jedenfalls n i e h t eingelien, schon aus dein ()runde, weil sieh die A s s i 111 i I i e rii 11 gs a rbc i t — zumindest insofern unsere Länder in Betracht kommen - als ein politisch und kulturell ganz, verwerfliches Mittel erwiesen hat. Die assimilierten Juden rekrutieren sich bei uns vorwiegend aus den politisch und gesellschädlich demoralisierten Elementen, die aus rein egoistischen Rücksichten eine neue Nationalilät ״angenommen“ haben und sofern diese ״Assiniilierten“ die sich ohnehin überall auf ganz vercinzelte Individuen reduzieren - - politisch auftreten, so dienen sie bloß als ein politisches Werkzeug zu dem Zwecke, um den wahren Sachverhalt zugunsten ihrer Gönner zu verdrehen und die öffentliche Meinung irrcY.11fiil1rc11.“ Brief aus Saloniki (Von unserem Berichterstatter). Saloniki, 13. Januar 1916. Die in Saloniki lagernden englisch-fraii’zösischcn Truppen verhafteten dieser Tage verschiedene Personcii unter der Anklage der Spionage zugunsten Deutschlands. Unter ihnen befinden sich zwei Juden, der Inhaber des Cafe ״Cristall“, Moses Pcssach und der Schiffsagent Moses Rccanati. Diese Verhaftungen machten auf die jüdische Bevölkerung Salonikis den allcrpcinlichsteii Eindruck. Man ist allgemein der Ansicht, daß die Aliicrten kein Recht hatten, Angehörige neutraler Staaten zu verhaften. Der Großrabbiner Jakob Mci'r stattete dem General Sarrail einen Besuch ab, 11111 sich über die Motive der Verhaftung der genannten Juden zu erkundigen. Sarrail versicherte, dal! nur schwer verdächtige Personen verhaftet wurden. Die Verhafteten werden, fügte der General hinzu, wieder auf freien Fuß gesetzt, sobald die Untersuchung den Verdacht als unbegründet erwiesen hat. Andererseits besuchte der englische General Million den Großrabbiner. Im Verlauf des Gesprächs fragte der Rabbiner den General, ob sich die den Zeiitralmiichtestaatcn ׳Angehörigen Juden wegen der Verhaftungen beunruhigen müßten. Mahon antwortete; ״Wir befinden uns auf griechischem Boden, daher haben die Angehörigen der kriegführenden Staaten nichts zu fürchten, Die jüdischeu Elemente im besonderen, deren friedliche Gesinnung wir kennen, können ruhig wohnen bleiben.“ Bezüglich der verhafteten Personen versicherte der General dem Großrabbmcr, daß sie mit größter Schonung bchniidelt werden und daß er die nötigen Anordnungen treffen werde, um jene, die nicht schwer verdächtig sind, in Freiheit zu setzen. Bis jetzt sind die beiden verhafteten Juden n oc 11 i in 111 e r interniert. Von unseren Schulen VI. Die Kindergärtnerinnenkurse in Jerusalem. Diese Kurse sind zur Zeit, als sie noch vom Hilfsverein unterhalten wurden, durchaus als Stiefkind unter den Schulen bcliniidclt worden. Als die Einrich• tun;; der hebräischen Schulen begann, hatten sic keine Wohnung, keine Möbel und keine Lehrmittel. Jetzt wurden Kindergarten und Kurse in einer Wohinnig vereinigt und erst seit dieser Zeit begann eine wirklich gedeihliche Arbeit. Die Zahl der Schülerinnen beträgt 33, von denen 8 aus Jerusalem, 9 aus dem übrigen Palästina sind, während 2 in Konstantinopel, 1 in Saloniki, 1 in Bulgarieu und 11 in Rußland gebürtig sind. Die Kurse bestehen aus 2 Klassen, für die Uebergangszcit wurde eine dritte Klasse ins Lebet! gerufen. Die materielle Lage der Schülerinnen war eine recht schlechte und cs kostete große Anstrengungen, um für alle in genügender Weise zu sargen. In der unteren Klasse werden in 2 wöchentliehen Stunden viele Proben der neuen hebräischen Literatur gelesen und hebräische Aufsätze historischen Inhalts geschrieben. Im Bibchmtcrricht werden die Propheten behandelt. Der Geschichtsunterricht reicht vom Beginn des jüdischen Volkes bis zu «len Hasnionäcrkönigcn. Ferner wird Qrammatik, Agada, Geometrie und Naturkunde unterrichtet. Die Hauptfüehcr sind natürlich Geschichte der Pädagogik und systematische Pädagogik, insbesondere Pädagogik des Kindergartens. Viel Wert legt die Schule auch auf den Unterricht in Hygiene. Die Schülerinnen müssen Nr, 7 Nr. außerdem Arbeitspläne ausarheiten und vor ןןג in Küidergärten praktisch tätig sein, fm In der Oberk lasse werden die Unterricht, lädier der unteren Klassen fortgesetzt, i״sbeM,m|c ' die moderne Literatur im hebräischen Unterricht b haiiJelt. Im pädagogischen Unterricht werden Auf sat/e mit folgenden Themen geschrieben: |)as p zicliimgswcscn bei den Juden“; ״Moralische p״' sünlichkcit des Lehrers nach Mischnah mul Talmud׳• VII. Hebräischer Kindergarten in 11,ןj|, I)ie Zahl der Kinder in diesem Garten betrug ,״ו Anfang des Schuljahres 55 Kinder, diese Zahl stieg inj Laufe des Schuljahres auf 70. IX-r Gesundheitszustand der Kinder war nicht immer sehr erfreulich, da vielfach Augeiikrniikheilcn vorkamen. Man imill (|3bcj berücksichtigen, daß Haifa eine arabische Stadt ist in der die Juden überall mit den Arabern zusammen wohnen. Das bringt die Gefahr mit sieh, dal) dk jüdischen Kinder mit den arabischen auf der Straße spielen und hierbei nicht nur häßliche Unarten der Arnhcrkindcr!übernehmen, sondern sich auch leicht von ihnen nnstcckcn und so aiigcnkrank werden. Um g, Wichtiger ist der Kindergarten, in dem die Kinder jeden Tag von 8 Uhr früh bis I Uhr nachmittags ver• weilen. Durch den Opfermut der Lehrerinnen, deren Oe• halt stark gekürzt wurde, und durch die Subvention des Wand Hachinmich war es trotz des starken Ausfalls an Schulgeldern möglich, den Betrieb dei Kindergartens ohne Einschränkungen fortzuset/en, VIII. Landwirtschaftliche Mittelschule in F* e t a c h - T i k w n 11. Je weitere Fortschritte die jüdisdi-l.indwirtschalt• liehe Kolonisation Palästinas macht, um so stärker ist das Bedürfnis nach landwirtschaftlichen Kenntnissen und Erfahrungen. Die Schüler rekrutieren sich insbesondere aus den Kindern der Kolonisten. Sic be• zweckt, ihre Zöglinge national zu erziehen und ihnen die Kenntnisse und Fertigkeiten der kimlwirtscliaftliehen Mittelschulbildung zu vermitteln. Die Schule hat vier Klassen, sic vermittelt atilier den allen Schulen gemeinsamen jüdischen Fächern Kenntnisse in der arabischen und französischen Sprache und landwirt• scli.iftlichc Kenntnisse, die sowohl in theoretischem Studium wie in praktischer Arbeit erworben werden. Die Schüler arbeiten teilweise hei den Kolonisten, wo sic nicht nur viel lernen, sondern auch den notwendigen Lebensunterhalt erwerben. Die Schule hat, soweit sich dies ermöglichen ließ, für jeden Zweig landwirtschaftlicher Tätigkeit einen eigenen Betrieb mit eigenen Versuchsfeldern eingerichtet. Es fehlt eine landwirtschaftliche Bibliothek. Die Zahl der Schüler beträgt 47. IX. Mädchenschule in Jaffa. Im Jahre 5674 hatte diese Schule 471 Schülerinnen. Diese Zahl W'iichs im Anfang des neuen Semesters sehr stark, so daf) am Ende des Schul),ihres 599 Schülerinnen vorhanden waren. Da wurde die Schule von den Lokalhehördcn geschlossen mul eist nach Ablauf mehrerer Monate wieder geöffnet. In der Zwischenzeit wurden manche Eltern des Wartens müde und schickten ihre Kinder in amlere Schulen. Daher beträgt die Zahl der Schülerinnen jetzt nur 362. Im Sommer erhielten die Schülerinnen täglich eine Stunde mehr Unterricht als üblich und die Ferien begannen später, um die Versäumnisse während der Schließung der Schule im Winter gutzunviehc״. Hingegen wurde wegen Mangels an geeigneten Lehrkräften der Zeichenlind Turnunterricht eingestellt. Angcghedcrt ist der Mädchenschule die einkl.issige Schule für Frauenhandwerk. X. Lchrcrinncnscminar in J:1M:׳ (Zum Andenken an A. J. Eewinski.) Diese Schule ist der Mädchenschule ungegliedert und teilte mit ihr die zeitweilige Schließung. FKf Mangel an Lehrkräften machte sich hier recht bemerk• bar lind es gelang nur durch die Hilfe der Lelucr des Hebräischen Gymnasiums, trotzdem den Unterrieht durchzuführen. Türkisch wurde als neues Lehrfach ciiigeführt. Aus Palästina Einern Bericht des ״Hacheruf“ zufolge *im!« der jüdische Rechtsanwalt Bonfil-Effcndi als Vertreter der Stadl Tfbcriasiin das ״M c d s c h I ■ ם• U m u!11 i“ in B e y r u t h gewählt. IXc Wahl wurde von der Regierung bestätigt. I * Das ״Amsterdamer Bureau" «Kr Chatokk» ließ dem ottomanisclicn ״Roten Halbmond 1 Jerusalem 1000 Francs überweisen. Die Spcna wurde durch die Herren Rabb. Israel Po rat Izchnk Bcnvcncsti dem Pascha von Jerusalem, Michhal Bey, übergeben. Der Pascha ersuchte 0! Herrc ן zu üb F ' hlickli ׳ der V; ei״ b 1 wahrt | 1 »tidut 1 er-tc 11 trag« I Die l «; diwh» 1 ״i• der ji I 11 II st m a•' 5(0 5 seine Anzal judisi dichti und wahr diese 1 liellC «"״ ©11־111 Ilers ן I 1V I v tn Musi such! ז * l I •י; K ,1( jüdi• I) I i i; z i 0 ' 1 all 11 J I rCl > ' 1 >bv - ■ tur - יי heis I!! sam ' ge bi ׳ ergf 11 Zu 1 1י ״eil 1׳ he di 1 (ics .1 Seil( , iiati• (!cg : /eil , l'ro I iltl . den ׳ ••ein 1 lieh Wc י Kril , ein was t vza! j ben < , -eh : sät! I die : gab 1 den bib ״ g' : iiisl נ und J lasi יי sen ' keb * ״ah ״ Scb 1 1| ׳ I .