Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1916)
- Date
- 1916-02-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 48 JUEPISCHE RUNDSCHAU Jetzt k;1m1 die Zionistische Organisation nicht warten, ob es einer günstigeren Zeit genehm sein wird, den im Zionismus vorgczeiclmeten Weg zu gehen. Im vollen Bewußtsein der Verantwortung muH sic selbst das große Werk weiterführen: die Arbeit des jüdischen Volkes an seiner Erlösung und Erneuerung im Lande der Väter, im Lande der nationalcn Heimat. Die Zionistische Organisation verlangt von jedem einzelnen Zionisten, daß er an dieser Arbeit mitwirke. Oie Leitung der Zionistischen Organisation gebraucht einen starken zionistischen Zentr.dfomls; sie muß ihn erhalten. Zionisten! In diesen ernsten Zeiten, die auch für unser jüdisches Volk von größter Tragweite sein müssen, ruft das Zionistische Actions-Comitö seine Freunde zur Arbeit für den Zionistisehen Zentralfonds. Der Zcntralfonds bezweckt, der Leitung der zionistischen Bewegung die Möglichkeit für die Durchführung ihrer Arbeiten zu gewähren. Es gilt den Zusammenhang der Zionistischen Organisation aufrecht zu erhalten, die jüdische Siedlung in Palästina vor schlimmem Ungemach zu schützen und die zukünftige Friedensarbeit vorzuhercitcn. Dazu bedarf die Leitung größerer Geldmittel. Möge jeder Zionist wissen, daß wir uns in einem entscheidenden Augenblick unserer Oe■ schichte befinden! Wenn jeder seine Schuldig• keit tut, werden wir unser Ziel erreichen. Das Actions-Cormtä der Zionistischen Organisation Gesinnungsgenossen, die ihren Beitrag für der. den Zionistischen Zcntralfonds noch nicht entrichtet haben, werden gebeten, dies möglichst bald ztt tun Adressen für Geldsendungen: Deutschland• Postscheckamt, Berlin Konto Nr 11 610 oder Nationalbank für Deutschland Depo• sitenkasse Kurfürstendamm 2U. Oesterreich: K. k. Postsparkassen-Amt Kontc Nr. 145 340, Professor Dr. Otto Warburg für das Zion. Zentralbiiro, Berlin mittels Erlagschein, Ungarn: K. ung. Postsparkassen-Amt Konto Nr. 15 655, ״Die Weit“, Vcrlagsgcs. in. b. H,, Berlin mittels Erlagschein, Bosnien und Herzegowina: Mittels Postanweisung an das Zionistische Zcntralbüro, Berlin. Rumänien: An Com. feder. Zion, din Romania z, Hd. M. Heinrich Schein, Galatz. Für alle übrigen Länder: IXtrch das Kopcnhagcncr Büro der Zionist. Organisation, Kopenhagen, Vcstcrgade 1. und liier — gellt. Derselbe Prozeß! Was ist das erste Bewußtsein bei meinem Schlojmclc? Die ganze Welt wird plötzlich um ihn geschaffen. Um ihn und seinetwegen! Es scheiden sich aus dem Tohu-wabohu Bäume, Menschen, Häuser, Ziegen, Gras . . . Und das letzte Gefühl, das letzte Bewußtsein beim Sterben, wie siebt es aus? Die Welt wird zerstört. Die ganze Welt wird öde! Der gleiche Blitz ia der Vorstellung: alles wird zu nichte! . . Ich denke oft daran. — Ich frage den Seiden, wie es jetzt mit dem Schreiben gehe, was Schlojme Reb Chajims mache und wann er den ersten Teil zu Ende zu bringen gedenke. Er antwortet mir: — Es schreibt sich nicht schlecht. Aber inan druckt jetzt zu rasch. Ein Kapitel geschrieben und sofort gedruckt. Ich verliere oftmals die Lust daran. Was einmal gedruckt ist, hasse ich. Wenn andere meinen ״Schlojme“ nur anrühren, will ich ihn nicht mein׳ sehen! Ich bin wie ein Huhn, das seine Küchlein ansbrütet. Rührt man seine Eier an, will es nicht mehr briitnn . . . Und plötzlich schüttelt er sich vor Ladicn: — Mein ״Schlojme Reb Chajims״ sind doch Erinnerungen. Alle schreiben jetzt Erinnerungen. Erinnerungen sind an der Mode. Man hat sich auf ״Erinnerungen" geworfen. Erinnerungen schreiben ist aber wie Fische fangen. Die anderen Memoirenschreiben sind geschickter, ihre Schiffe leichter, der Ballast an Jahren und Erlebnissen geringer. Meine Schiffe sind Kreuzer und Dreadnoughts. Eine ganze Flotte! Schwer ist cs, mit einer solchen Flottille Fische fangen! Bis ich mit meinen Kreuzern in See steche und meine ganze Flotte zusammen nehme, werden die Fischer in den kleinen Schiffen alle Fische bis zum letzten herausgeholt haben, nicht eine Schuppe wird übrig bleiben 1 ,׳,׳,< ■■■ ■ * Berlin: Zionistischer Zentralfonds 1916 Deutschland Ji 1000,- ",ססי' " -,500 ״ -,200 ״ -,150 —,50)1 —.100 -,10 -,10 -,20׳ -50 -10 -20 -,100 -,10 -,10 -,20 -,50 -,20 -,10 -,20 -,5 -,10 -,20 -,50 II. G. Ih'vmann , . . .. Dr. A. Ilaiitkc . . . . J. 1 iepniT ...<••• Dr. Sandler. Dr. W. Munk . . . . W. 1 )avkl. S. Roscnbliith׳ . . . ׳. I)r, I r. Löwenstein , . W. Philippsiein . . . . Dr. J. Weigert . . . . Th. Siholcm. ('. 1 evin. M. Nußbaum. Dr. B. Lew. Fcldruhh. Dr. Lcvy, ־z. Zt. Warschau M. Sternberg, z. Zt. im Felde ,. * |. Oppenheim . . . . Dr. Warschauer . . . . L. Stern . I)r. Mavarczik . . . . F. Friedländer . . . . A. Polink, z. Zt. Brünn . E. Steril. Leutnant Dr. Roscnbliith, im Felde Off.-Stellvertr. Eisenstädt, im Felde A. Lichtwitz, im Felde . . ft 5,- Lazarus Barth, z. Zt. im Felde tt 5,- Dr. M. Roscnbliith, z. Zt, in Kopenhagen M 25,- Frau Dr. j. Strauß .... tt 150,— K. M. I’.aer. ft ־5 S. Wolff. ft -,״2 Dr. Eliasbcrg 11. Frau . . tt 40,- Dr. Stichel, im Felde . . . n 20,- J. Berger. tt 50,- Dr. Gersou. tf 20,- Dr. A. Maaß. ft 150,- A. Fornbach. tf 10,- Dr. G. Bra<lt. 150- Ing. Maversöhn (1. Rate) . ft 5- R.-A. Heilborn. 30,— L. 1 lerrina!111 (1. Rate) . . ft 10,— Dr. Hugo Herrmann, im Felde tt 10,- e s 1 a u: H. Schachtel.. 100,- Dr. Littmann . 15,- J. Friedländer. 25,— M. Kober. 50,- G. Weyl.. . tt 5,“ H. Schachtel. ft 25,- Dr. Lasker . 10,- A. Rosenthal .. 30,- L. Bloch (1. Rate) .... tf 126,— Zahnarzt Lcvy. tt 10 — G. Bloch ....... 10,- J. Bartenstein . 10,- J. Fürst. tt 50,- mherg: W, Hirnheimer . tt 10.- c m c n: M. Mark reich . 100,- Fr. Markreich, im Felde 10,- e 111 crliavcn: J. Schocken 100,- ucl: M. Gold re iclv (1. Rate) tt 25,- u 111 c n: Dr. Dobrez.ynski .... tf 40,- J. Herzfehl . tt 50,- Und Mendele hält sich beide Seiten und schüttelt sich vor Lachen. — Mit meinem Schreiben, spricht der Seide weiter, war es überhaupt immer so, wie es geschrieben steht: ״und sie hatte eine schwere Geburt“ — zum Beispiel ich schreibe und Seitdem Alcchcm schreibt: ich schreibe, da ist cs wie eine Jüdin, die gebärt. Es wird ihr schlecht auf dem Brcchstuhl . . . Acrzte in weißen Mänteln eilen herbei. Eine Großmutter ist auch da, man siedet Wasser, cs ist ein Aufruhr und ein Stöhnen. Und schließlich, wenn Gott strafen will, wird noch ein Krüppel geboren. Ein ״krummer Fischke"*) und ähnliches . . . Und bei der gleichen Geburt schlendert in der Stube ein Huhn herum und findet irgendwo im Winkel ein paar Haferkörner und — pick pick pick, die Flügel gesenkt und — hop — ein Ei gelegt! Ein weißes, glattes Lilciu. Das ist Scholcm Alcchcm I . , . Zwischen den wilden, gelben Felsen hinter des Seiden Sommerwohnung murmelt das Schwarze Meer mit schäumenden Wellenkämmen. Irgendwie ist das Meer ständig gekränkt, beleidigt und böse. Wahrsclieinlicli ärgert cs sich über die Ufcrfclsen, Der Seide stetvt mit seinem Stock auf einer Felsenspitze wie eine bronzene Statue und schaut, glaubt man, in den weiten Horizont hinein und fühlt dabei doch, worüber ich jiachdcnkc und hilft mir in seiner Redeweise mit. — Ein Meer! Hier päppelt cs. Es päppelt schon ein hübsches Weilchen von einigen tausend Jahren. Da glaubt Ihr doch, Ihr wißt, was cs redet. Keineswegs. Es redet und redet ohne Ende. Aber nichts zu verstehen! . . . Nur wenn man die eigene Person- Uchkcit, die eigene Individualität in es hineinlegt, •) Anspielung auf ״Fisdike der Krumme", eine•: der Hauptwerke Mendele«. ׳,<׳ Nr. ö S. Orünfeld . .. S. Lcsser. II. Lesser. Ing, Fränkel, im Felde. L. Emmerich. Bromberg: l>r. W, Unna, hn Fekk Cassel: Dr. Elias .. . Chemnitz: J. Lichtmann Ing. Winkclsbcrg. j. Pfeiffer. L. Jaeoby. D. Leder . Crossen: M. Calvary. Danzig: H. Fischer. A. Fischer . W. Zimels. Darm stadt: Dr. IsaaC.. Dresden: V. Bilcski . . . . ... Duisburg: Dr. H. Epstebi . . . Emden: J. Watermann. L. Meyer. Erfurt: Dr. Wolfhcim . Floß: F. Bloch׳. F ra n k f u r t a. M.: Dr. L. Goldberg . . ,. .. M, Rapp, im Felde. L. Hoffinann. J. Kronenberger. Oollub: U.-C). Isaac Kiewe, im Felde Ounze 11 hausen: Dr. Rueck. Zahnarzt Wolff .. Halberstad t: E. Baer, im Felde.. . ■ J. Feuerring..י I. Hoffinann, z. Zt. New Yori .. U.-O. J. Neuberger. Dr. M. Crohn. P. Loewenstein.;. .. . Hamburg: N. N.. R.-A. Hirsch . . .... . . . . Dr. Allen . . . . .... ... Dr. Hildesheimer. M. Friedländer. Dr. Kalmus. Ella Cohen. O. G. Cohen .. . . Zahnarzt Unna. Dr. Weigert.. Hindcnburg: Nebel jr. ,. . Heidelberg: M. Mark . . . •. Illkirch: Dir. Baumann .... Kiel: Dr. Jacob . . . ... Prof. Dr. Opet ........ Köln a. Rh.: Abr. Reinhardt ........ A. Baer . Justizrat Dr. Bodenheimer , . . J, Feilchenfeld ....... Königsberg: Dr. Pelz . L. Dinesmann. A. Levin. B. Dünn .. 15,- 100- 100 — 1«;- 5,- 20,— 15,- ifc 10- 50- 50- 20- 20- 100- 100- -20׳ -10 -20 -,20׳ -,0! -,20־ -,100 -,30 -,5 -,5 -,()2׳ -,20׳ -,5 -,ל -,20 -10 -,20 -,6 -,50 -,20 -,50 -,50 -,10) -,20 -,10 -,50 -,5 -,25 -,10 -,25 -,10 -,15 -,300 -,10 -,20 -,20 ־100 -,50 -,5 -,75 -,50 -10 -■,15 scheint es oft, als ob das Meer Wie ein Mensch rede ... So ist cs tot, blöde und schrecklich. Was geht es ein Mensch an, ein Leben? ״Mendele"? Ach was! Unsinn! Ich fürchte mich vor ihm. Ich stehe vor ihm ohne Hut wie vor einem Tyrannen. Nicht so steh ich mit meinen Teichen und Tcichlcin in Wolhynien und in meinem Litauen, Schon gehört, wie sic auf den Sternchen plätschern? Ha? Sic leben frietllieh mit mir! Sie hallen Respekt vor dem Menschen: — Aber nehmt doch ein Boot, Gevatter, setzt über! Schaut, fediwimmt, es soll euch wohl bekommen! Aber der da — kehrte sich der Seide zum Meere um und richtete auf ihn die Augen mit komischer Feindseligkeit — uh, Uh! Ein Grausamer . . . ein Diktator . . . ein!Hochmütiger! Dabei drohte ihm der Seide einige Male mit seinem alten Stecken. Das Meer lächelte gutmütig und murmelte zwischen den Felsen unter des Seiden Füßen, als »יי cs sagen wollte: — Macht nichts,׳ wenn Mendele schimpft, ist cs nicht verdrießlich! * * * Vor Abend nahmen wir Abschied. Mendele ging mit, uns zu begleiten. In der Tram sali ich mich um. Der Seide stand noch immer am Weg, schlank, mit dem Stock in der Hand, und schaute uns nach. Sein weifler Kopf und Bart hoben sich in der AbcnddunkeUieit bleich auf dem Dunkelgrün der Bäume ab . . D erschien mir in diesem Augenblick wie ein seltenes Metischenexemplar einer Welt und eines Ocschlecnts, die wir nie wieder sehen werden, ron denen wir ah*r hören und, entzückt, schweigen, wenn der Seide «chreibt, wenn der Seide spricht , , . (Autorisierte Uebcrsetzung «1» dem Jtätohe»)