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Jüdische Rundschau · 1916-02-04 · Heft 5 (4.2.1916) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 5 (4.2.1916)
Date
1916-02-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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f Abonnement• j ,״! die wödrenlliA »m FreiUf er. j I ^finrnde ״JOdlich« Rundich.u"! I!״,itn Fei der Eiprdilion und bei | I Jlen rnetruntern ״vierteljährlich M. 1,75 J I!eeeihalb UrulaAUnde, in OreterreiA■ 1 I Unrntn M, 2,50, Im Aueland M. 8,—, י י | j IBdlech» Rundechnu, G. ra. b. H. | | gERUN w-151 SScbeleche StroBe t. | | Te!r('i״m: Amt Uhland 845, 846. | | Poitirlockkontoi Berlin Nr, 17392■ j AILLCj^A' י-י■■“•• Nummer 5 U ÜVy SttKKi SJMCsDDSeHS Berlin, den 4. Februar 1916 — 30. Sch’bat 5676 i- 1 Anzeigen I kosten für die •edbsfeepjten« Petit* | teile oder deren Raum 40 Pf.ן Steile»• | Angebote and •Geendbe nowte Verein» ■ MiUetlunfen ned »Klein« Antel gen* I o O O O nnr SO Pfennig. OOOO! Menujkripte werden, wenn Porte beCUegt» ■ eteta miHlckgenandb Redektionanchlnil I Mittwocfa vomittng«. I Redtktle■ JHdledi• BndaduMi | BERLIN V. SS, Slchnlecbe Straft« ft» 1 Tetepboat Amt Ukiend 845, 146, J PnatncheekkoBtai BerUa Nr. 173tl, an XXI. Jahrgang. Morgenthau Auf der Reise von Konstantinopel nach New- ,York weilt heute der Botschafter der Vereinigte״ Staaten in der Türkei Henry M'orgenthau in Berlin. Nach achtzehn Monaten unermüdlicher Tätigkeit auf dem Posten, auf den ihn das Vcr• (rauen der amerikanischen Regierung gestellt hat, konnte er die Urlaubsreise antreten, die ihn nun auch über Deutschland führt. Henry Morgenthait hat in dieser Zeit der zionistischen Arbeit und dem palästinensischen Judentum ein so hohes und so wertvolles Interesse entgegengebracht, dal! uns die (ielegenhcit erwünscht ist, ihm hierfür gerade in diesem Zeitpunkte herzheben Dank zu sagen. Palästina )st durch den Weltkrieg aus den im Frieden geknüpften Be- Ziehungen und Verbindungen so lierausgerisscn worden, dal) die wenigstens teilweise Ucber- Windung der damit zusammen hängende 11 Schvvierigkeiten eine auch heute noch kaum iibcrschbare Fülle von Aktionen und Arbeiten erforderte. Die in Konstantinopel tätige Vertretung der Zionistischen Organisation, die sich im Interesse des palästinensischen Judentums der Erfüllung solcher Aufgaben unterzog, erfreute sich hierbei ständig der verständnisvollsten und aufopierndsten Unterstützung des Botschafters der Vereinigten Staaten. Mit seiner Hilfe gelang es, die Verbindung mit dem Provisional Executive Committee for General Zionist Affairs, der zionistischcn Leitung in eien Vereinigten Staaten, und dein amerikanischen Judentum überhaupt hcr/iistellen und es für die großzügigen Hilfsaktionen zu gewinnen, die bald nach Kriegsausbmeli einsetzten und das palästinensische Judentum vor schlimmen Katastrophen behüteten. Dem Interesse des Botschafters Morgenthau vor .allem war die Bereitwilligkeit zu verdanken, mit der das State Departement der Vereinigten Staaten für den Transport der für die palästinensische fk'voik enmg vom amerikanischen Judentum aufgebrachten Lebensmittel durch Rcgicrungsdampf.■r .sorgte, mit der es die Ucberweisung grolWr׳1 ׳ (icUlsummen unterstützte und schlichlieh au!ן f״r die Beförderung jener Juden Sorge bug, die Palästina während des Krieges vcrhellen, Die Hilfsaktionen dieser Art verraten ״k'ht nur den Charakter einer grollzügigen Mctiseln-iiliebc, sie sind auch von unschätzbarem für die Erhaltung des neuen Jischuh, des gcs.ainti-H jüdischen Werkes in Palästina gewesen, ^,unn einmal die Geschichte dieses Krieges und ‘1'i'H's Einflusses auf das Geschick Palästinas Keseliiit lH u werden wird, wird die Unterstützung, der Botschafter der Vereinigten Staaten, Mr. ־ Henry Morgetitliuu, den jüdischen Palästinn-Be- Strebungen, den zionistischen vor allem, geleistet ״jd״ ihre volle Anerkennung finden müssen. Heute w issen nur jene, die die ganze Grolle ״er in Konstantinopel geleisteten Arbeit kennen, ,genauer dieses Verdienst cinzuschätzcn. Wenn Botschafter Morgenthau jetzt in A״>erika eintrifft, wird er sieh persönlich da- Von überzeugen können, wie stark dort das Inter- , für den Orient und für die Zukunft Pa- 13«tinns '.geworden ist. Er. wird erfahren, dall 1״/m ihm in seinem Vaterland für die Tätigkeit, a1c er während dieses Krieges in Konstantinopel JWiiltet hat, besonderen Dank zollt. Die jüdische ׳ Jesse Amerikas hat dafür besonders warme W0rtc gefunden. . , ־ »Der Zionismus erstrebt tür das Jüdliche Volk die Schaffung einer Offen!• lieh •rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Baseler Programm. Das amerikanische Judentum hat in dieser für das gesamte jüdische Volk 80 schweren Zeit die Aufgaben wohl erkannt, die es als bedeutender Faktor in dem größten neutralen Staate im jüdischen Gesaiiutintcrcssc zu erfüllen hat. Henry Morgenthau hat sich als einer seiner besten Söhne bewährt und bewiesen. Von der zionistischen Lösung Im ״Berliner Tageblatt" ist wieder ein Artikel zu lesen, der sich mit dem jüdischen Problem befaßt. Wieder einmal findet sieh jemand, der Argumente sucht, um naclmiweisen, daß die vom Zionismus befürwortete Lösung der Judenfragc unmöglich sei. 111 diesem Artikel ״Auswanderung der polnischrussischen Juden nach der Türkei?" nimmt Herr Professor I )r. Alfred P11 i I i p p s o n , der Bruder Professor Martin Phitippsons, zu der zionistischen Siedlungsfrage Stellung. Er geht davon aus, ״daß die entsetzliche Lage der Juden in den bisherigen Urcuzen des Russischen Reiches und die bevorstehende Neuordnung der politischen Verhältnisse in dem von der russischen Knute befreiten Polen die in der letzten Zeit bemerkte lebhafte Erörterung veranlaßt haben, oh durch planmäßige Einwanderung der Juden ans Polen und Rußland alle die bekannten Ucbel zu heilen seien, welche zum großen Teil aus der übermäßigen Anhäufung der Juden in jenen Ländern entstehen". Auf den von Prof. Alfred Pliilippson ins Feld geführten Einwand, Palästina 'und Syrien seien für eine irgendwie in Betracht kommende Ein- Wanderung unbrauchbar, weil nicht genügend Kulturbotlen vorhanden sei, geht ein besonderer Aufsatz glllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllH | Die ״Jüdische Rundschau״ | | in Russisch-Polen | 1 Die in Russisch-Polen und Litauen 1 ff , bestehenden deutschen Postanstal- 1 1 ten in Bcndzin, Bialastock, Ciecha- §f 1 now,Czenstochau,Gostynin,Grodno, § 1 Grodzisk* Gvojcc, Kalisch, Kolo, jg i Konin, Kowno, Kutno, Lcnczyca, | I Lihau, Lipno, Lodz, Lowicz, Mitnu, | i MUwa, Pabianice, Plock, Plonsk, | 1 Poniewicz,Prznnysz,Przcziny, Rawa, | g Rypin, Schnulen, Sieradz, Sicrpc, | if Skierniowicc, Sochaczew, Sosno- § g wice, Suwalki, Tomoszow (Kr. Brzc- | If ziny), Warschau, Wielun, Wilna und 1 i Wloclawck nehmen Bestellungen auf! j i die ,Jüdische Rundschau“ 'zum 3 p Abonnementspreis von 1 1 M. 1,75 vierteljährlich 1 | entgegen. Ebenso werden Be- 1 |l Stellungen aus diesen Städten auch g p bei der Unterzeichneten Administra- §§ i tion enlgcgengenommen. g I Administration der Jüdischen Rundschau“ 1 lg Berlin W• 15 , Sächnlsche Str. 8. § illlltlllllllllil|lllt(lllun1ll1!1tilllltllliflllllIRHIlUllllltlllllUI«lHlflt)IIIINHiHltll|]iUlUIilllllNllllllHll£ dieser unserer Nummer ein. Dieser Aufsatz eines Fachmannes weist auf die ins Auge springenden Fehler in den Voraussetzungen und Schlüssen des Herrn Prof. Pliilippson hin. Der unbefangene Leser wird aus dieser Darlegung Kurt Nawratzkis sehr wohl ersehen können, daß sich Herr Prof. Alfred Philippson sehr übcrfliissigcrweisc und ganz im Gegensatz zu anderen Fachmännern und Kennern der türkischen Wirtscliafts- und Kulturverhältnisse darüber den Kopf zerbricht, ob die asiatische Türkei eine größere Zahl von Menschen aufnehmen und ernähren kann, als heute in ihr Platz finden. Abgesehen von diesem Argument müssen aber noch einige Punkte aus den Ausführungen Prof. Alfred Philippsons einer bc so n de re n Untersuchung unterzogen werden, damit nicht der Anschein entsteht, all ob die Argumente Prof. Alfred Philippsons von zionistischcr Seite widerspruchslos hingenommeu würden. Zunächst einmal muß etwas festgestellt werden, was allerdings für die Darlegungen Prof. Alfred Philippsons unwesentlich gewesen sein mag, für unsere Auffassung des Zionismus und für die Einschätzung seiner Bedeutung aber nicht gleichgültig ist. Wie wir seit jeher die sehr oberflächliche Meinung zurückgcwicseit haben, der Zionismus sei nichts anderes als eine!־'nicht und eine Reaktion des durch den Antisemitismus hervorgerufenen Zustandes des jüdischen Volkes, nicht aber eine im Wesen und in den redftrf11hr.cn ries jüdischen Volkes selbst bcgründete Erscheinung, so müssen wir entgegen den jetzt verbreiteten landläufigen Urteilen mit Nachdruck betonen, daß der Zionismus nicht erst mit der durch die gegenwärtigen Verhältnisse Iicrvorgcmfencn Zuspitzung der Lage der ostjüdischen Massen begründet werden darf, sondern daß er vor diesem Ausnahmezustande der letzten Monate bestanden hat lind bcrcchtigt war, weil er eben im Atisnahmczu• stand <1 e s jüdischen V' o I k c s ii b c r 11 a u p t begründet ist und in diesem seine Wurzel findet. Darum kann an der Gültigkeit des Zionismus nicht mäkeln, wer die von ihm gewiesenen Wege und vorläufigen Ziele nicht ins 'richtige Verhältnis mit der ungeheuren Gcgenwartsiiot zu setzen vermag. Nur jener hätte hierzu das Recht, der selbst mit absoluter Sicherheit einen zuverlässigen positiven L ö s u ח g s v e r s u c 11 vorschlagen könnte, welcher die Not lies jüdischen Volkes radikal beseitigt, die Existenz des Judentums nicht bedroht und die freie Entwicklung seiner schöpferischen nationalen Kräfte für die Zukunft 111 seinem eigenen Interesse und im Interesse der Menschheit sichert. Wer das nicht kann, hat nicht das Ri eht, von der Unzulänglich- ' keit des Zionismus zu sprechen. 1111 übrigen schlägt sich auch Herr Prof, Alfred Pliilippson mit Windinülilciifliigcln hemm, wenn er von dein Plan des Zionismus spricht, ein Volk von vielen, vielen Millionen sofort in Bewegung Z11 setzen und in den türkisch-asiatischen Grient zu dirigieren, Phantastische Vorstellungen sind dem in der Praxis sehr wohl geschulten Zionismus durchaus fern. Eiir manche PI.ine einzelner Leute und ihrer Gruppen, die mit dem Zionismus nichts zu schaffen haben, ja ihn, wie bekannt ist, des öfteren bekämpfen und zu vcrdrängen suchen, ist die Zionistische: Organisation und der Zionismus so wenig verantwortlich, wie für die Erzählung, die Türkei habe sich verpflichtet, nach dem Kriege die Gleichberechtigung der russischen Juden 1011־ Rußland zu erlangen. Der Zionismus weiß sehr wohl, daß die Organisierung der Wanderung und Siedlung großer Massen großer Kräfte bedarf, und ist sieh über die Möglichkeiten auf diesem Gebiete viel besser im klaren, als es Herrn Prof. Alfred Pliilippson scheinen mag, der sich über das Programm und die Arbeit der Zionistischen Organisation nicht einmal aus ihren offiziellen, jedermann zugänglichen Schriften zu orientieren die Miilic genommen hat. Wenn aber Herr Prof. Philippson andererseits wie vor einem Schrcckbikl davor ziiriickschaudert, große jüdische Massen in Beilegung geraten zu sehen, 80 muß ihm doch immerhin entgegnet werden, daß schon lange vor dem Kriege das jüdische Volk aus dem relativen Ruhezustände früherer Zeiten in eine immer 1

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