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Jüdische Rundschau · 1916-01-28 · Heft 4 (28.1.1916) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 4 (28.1.1916)
Date
1916-01-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1 Abonnements I 1 BOf wikhenUich •m FrclUg׳ er• ן I!fttrinrn'l« ״JUdlidi• UlmtUchnti“ j 1 j[08irn brl <*cr E«p«HÜMon und bei J I *Üen |%»'t:1׳ntfrn vierteljährlich M. J,75 J I j0nrrl1*lb DrtiHthlumW, in Orsterreieh- I | gngnr״ M. 2,50, im Aualnnd M. öf—, J I jOdl-tli״ Rund•«*»■•«* O. m. b, II, | | gr.ltUS W. 15, SUihslicbe Straß« B, | | ׳,'■! ,!,ץm! Amt Ultland 815, 816־. | | p8״(Mhtikko«to» BcrÜ« Nr. 17392. | Nummer 4 mm Anzeigen IcoaUn {Gr d!• e«cb«fesp*!ten• PetHteile oder deren Raum 40 Pf.ן Stelle•- Angebote und •Geeudre sowie Vereliur Mitteilung«* and »Kleine Anteife•* O O O O BUf SO Pfennig. OOOO Manuskript* werden, wenn Porto beilieft• stete BurGckfessedb RedeHfoueedsJnAl Mittwoch rormitUf•. Rodnktloa JOdlsdi• RandechM BERLIN W. IS, SlebsUch« Straft« ft, Telephon t Amt Ubtend 845, •46, Postscfce«ik*Bte1 Berti« Hr. 173W. Berlin, den 28. Januar 1916 — 23. Sch’bat 5676 XXI. Jahrgang. Ausweis der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Schekel; Argcuau 2.--, Berlin 3,—, Cohlenz II. .! וחי!( I,I lamhurg!,—, Kid M,—, Mülhausen i■ 1- 1.—. Pieschen 1,~, Stettin 7,■־ -, Schlcttstadt I, , ans dem Felde ■I.—. Laiulcshcitrügu 1915: Berliner Zionistische Vercinigim:: 2(), , Kattowit/. 200,— (davon 100 - für 101h. mellin 10,--, Landexbciträße 1916: Berlin 2.—, lientlieii 200. , (ohlen/ I,—, Hohinsnlz.a 1,50, Kiel II,-. Mulho 1>״-en i• E. 1׳,—, Schlettstadt 3,—, ans dein F ekle 8, l’ropaßmidafonds: Berlin: J. Ilosehwitz. 11. Frau 150 - , ( livmnil/: l)r. W. Fraenkel (1. Rate) 12,50; Erfurt: Dipl.-Ing. Ladyjenski 6.—ן Kiel: Prof. Dr. Opct '25,—; Ki-singen: Dr. Bambcrgcr 10,—; Köln a. Rh,: Judi/rai Dr. tiodcnlicimcr 25.—; Mannheim: B. Main- 1er 3(1,—: Usnahrück: O. Stein 10,—; Pieschen: Helme Galcwski 7,—; ans dem Felde: Dr. Sichel- Cltemnit/ 30,— , Adolf Pollnk-Berlin 10,— (davon 5.- f. 1015), Untcroffiz. Ehrlich (>,—, Untcroffiz. Frost 3, . Eingang vom 6. bis 25. Januar 1916: S c 11 ekel!013 '10: ln. M.; L a n d e s b e i t r ii g e 1015; 13«.— M.; I. a n d e s b c i t r ii g e 1010: 233,50 M.; Propa ״ an d a f o n ds 1015: 5,-- M,; Propagandatoiids 1910: 377,— M. Gcsamtcingang: Sehekel 1015/10: <118,־- M.; I. :111 dv s h e i I r ii g c 1015: 3835,50 M.; Landesbeit rä u e 1010: 030,50 M.; Propagandafnnds 1015: 0301,— AL; P r o p a g n 11 d a f o 11 d s 10113; 070,- M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vertlnlgun״ für Deutschland, B e r I i n W 15, Sächsische Strallc 8. »*nstschcckkontot Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Ilcymann & Co., Berlin W 56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Volksidee und Volksliebe In den Vertretern eines naclv Erneuerung stiebenden Volkes sind zwei Kriifte wirkend, deren Resultante sich nach autlcn als ״nationales Programm“ kimdtut. Die eine Kraft ist die der nationalen Idee, die das Denken und Fühlen der Führer he* herrscht und ihrem Streben nach Erneuerung des Volkstums Bestimmtheit und Wucht verleiht. Sie vermag die Geister zu revolutionieren, die Gefühle der Ehre und Verantwortung zu schärkn; sie ordnet alles Tun und Lassen in den grollen Zusammenhang einer ziclbcwiilitcn Entwickln״״ ein; sie vergleicht stets prüfend das Erreichte mit dem zu Erreichenden; ihr Malls,;d> ist die Unendlichkeit. Sie ist die konzentrierende mul zentralisierende Spannkraft des nationalen Willens. Sie bedeutet die auf ge• speicherte Kraftfiillc vor der Bewegung. Aber sie ist an sich noch nicht die Bewegung selbst. Ihr muH sich erst die tätige Kraft der Volksliehe gesellen, um ihr eine breite Strallc <kr Entfaltung zu ebnen. Diese Liebe ist nicht elem Form«ngsdränge des Bildhauers am unbe- ״äucnen Marmor vergleichbar: das Volk ist an Ul'd für sich schon Form, die nicht beliebig um•?«schaffen, sondern nur der Vervollkommnung wer inneren Schönheit und Gesetzmäßigkeit ,entjkßongcführt werden kann. Liebe zum Volke ״«deutet ein Horchen auf die Besonderheit seiner "Jcl> Ausdruck ringenden Seele, Ehrfurcht vor dCn Gesetzen seiner geistigen Struktur. Liebe ßjm Volk heißt schließlich auch unendliche Fürfür sein geistiges und körperliches Wohl, ״stlose Kleinarbeit zum Schutze gegen entwick- ״gsstorende Einflüsse, «Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlieh •rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina." Baseler Programm. Die Trägerder nationalen Idee streben nach theoretischer Vertiefung ihrer aus dem Leben geschöpften Anschauungen; sic können sich dabei von der instinktiven Erfassung des nationalen Gedankens entfernen und so die innere Gewalt über das Volk verlieren. Die Liebe zum Volk treibt auf Straßen und Märkte und birgt in sich die Gefahr, daß ihrem Adepten itn Vieigcstaltigen des Lehens die Richtung abhanden kommt. Nur die innige Verbindung, das In- und Miteinander beider Triebkräfte erzeugt die Volks* bewegmig. ■— Nicht immer standen im Verlauf der fortschreitenden Entwicklung des jüdischen Volksgedankens diese beiden Kräfte in jenem glückliehen Verhältnis zueinander, das sic gegenseitig befnichlc! hätte. IXt Appell der rationalistisehen Aufklärung (llaskalah) des vergangenen Jahrhunderts an das jüdische Nationalgefühl hat nicht in die breiten Volksmassen cinzudringen vermocht; umgekehrt kann eine kritiklose Volksliehe, die alle gewordenen Erscheinungen als unverrückbar gegeben betrachtet und dem Volke Gewalt anzutun glaubt, wenn sic in ilvm alte, teilweise eingcschhimmertc Ideale und Zukunftsträume erweckt, auf den frischen natürlichen Tatendrang des Volkes lähmend wirken. Uns interessiert heute nicht so sehr die geschichtliche Entwicklung dieses Kräftcvcrhältnisses als vielmehr die Tatsache, daß der Krieg die glückliche Vereinigung beider Grundlagen eines wahrhaft nationalen Wollcns int Zionismus iJIIIIHIIIIlllllllllllllllllllllltltllllllUlllltHinillllllltllllllllltlllHmilllllflHilllHmillllllltllfltllimtltllttir’ ן Die ״Jüdische Rundschau4* ן 3 ES in Russisch-Polen I &2 Die in Russisch-Polen und Litauen bestehenden deutschen Postanstalten in Bcndzin, Bialastock, Ciechanow,Czenstochau,Gostynin,Grodno,. Grodzisk, Grojec, Kali sch, Kolo, Konin, Kowno, Kutno, Lenczyca, Libau, Lipno, Lodz, Lowicz, Mitau, Mlawa, Pabinnice, Plock, Plonsk, Ponicwicz, Przanysz, Przeziny, Rawa, Rypin, Schaulen, Sieradz, Sierpc, Skierniowice, Sochaczew, Sosnowice, Suwalki, Tomoszow (Kr. Brzeziny), Warschau, Wiclun, Wilna und Wloclawek nehmen Bestellungen auf die ,Jüdische Rundschau" zum Abonnementspreis von M. 1,75 vierteljährlich entgegen. Ebenso werden Be- Stellungen aus diesen Städten auch bei der Unterzeichneten Administration entgegengenommen. 8=5 E SS | Administration der JüdlschEn Rundschau" | jj Berlin W. 15 Sächsische Str. 8. I SWIIIIIH1IIIIIIIIUIINHflHIHIUlittUIIIUWIItlHlitra1ll«l1a11mMIHHItlHllllHHMUHNIHH1n1«IIIIHan von neuem bestätigt bat. iXr Zionismus empfindet die solidarische Hilfe für die vom Krieg so furchtbar betroffenen Massen unseres Volkes als eine seiner heiligsten nationalen Aufgaben tmd es gibt andererseits keinen Zionisten, der angesichts des Krieges nicht doppelt glühend an eine Erlösung aus dem Golus all sein Hoffen knüpfte, da doch deutlicher als je die Ereignisse gezeigt haben, wie wurzellos trotz aller kulturellcn Verfestigung das Leben eines Volkes ist, dem cs an einem territorialen Zentrum, wo es seinen eigenen inneren Gesetzen zu leben vermag, gebricht. Diese neue große Bestätigung, daß wir den rechten Weg gewählt haben, ist eine Beruhigung und zugleich ein mächtiger Ansporn für die kommende Zeit. M. M. Das Schlagwort Paul Harms hat bekanntlich im Berliner Tageblatt vom 31. IX/.cmbcr einen Aufsatz über ״das polnisch-jüdische Problem" veröffentlicht, in dem er unler anderem die Meinung äulierte, das von den Juden in Polen beanspruchte Recht auf Achtung und Schutz ihrer nationalen Art wäre nur zu befriedigen, wenn man einen ״Staat im Staate“ schaffen wollte. Wir haben den Aufsatz von Paul Harms in der ״Jüdisehen Rundschau“ schon einer Besprechung und Beiirteilung unterzogen. Nun ist am 22. Januar itn Berliner Tageblatt seihst ein von L. Wahl gczcichnetcr Aufsatz erschienen, den das Berliner Tage■ blatt unter dem Titel ״Juden und Polen“ als eine aus zionistischen Kreisen stammende Zuschrift wicdergcgcbcn hat. In dieser Zuschrift wird aus* cinandcrgesctzt, daß cs ״nur ein Schlagwort sei, von einem ״Staat im Staate“ zu sprechen, wo besonders geartete nationale Oruppen mit eigenen liistorisehen Werten, eigener Sprache und Kultur, eigenen wirtschaftlichen Verhältnissen und einer eigenen Religion und Religiosität Schlitz gegen Vergewaltigung durch die Majorität brauchen und wünschen. Zu Beginn des Krieges ist auch weiten׳ deutschen Kreisen fast zum ersten Mal so richtig zum Bewußtsein gekommen, daß O c s t e r r e i c h -U n g a r n ein Nationalitätenstaat ist, der keineswegs jeder einzelnen seiner Nationalitäten das Hecht auf ein nationales Eigenleben 'bestreiten kann, weil sie dann einen ״Staat im Staate“ bilden würde. Das österreichische Prohlem, wie eben das Problem jedes Staates mit Verschieden-nationalcr Bevölkerung, besteht darin, die Achtung vor dem nationalen Leben der einzelnen (inippen in die Praxis überzuführen und cs, statt zu unterdrücken und zu bekämpfen, dem gesamtstaatliehen Lehen einzuordnen und dienstbar zu machen.“ Die im Berliner Tageblatt veröffentlichte Zuschrift führt des weiteren aus, wie unbegründet das .־!!:sprechende Urteil über die nationale Lebens- und Beharnmgskraft des Ostjudentuins sei, zumal es sich ausschließlich ״auf das Zeugnis des Ghetto• schilderen: Karl Emil Franzos stützt, für dessen Anschauung die Jugcndcrinncrungcn aus dem galizisehen Osten der sechziger Jahre bestimmend gewesen sind.“ Die meisten, an sich schon genügend beweiskräftigen und überzeugenden Stellen dieser Zuschrift nimmt Paul Harms, ohne m widersprechen, aber auch ohne zuzugeben hin. Nur auf drei Punkte geht er mit folgenden Bemerkungen ein: ״Zunächst sei dazu ein Wort über die Bcdcutung von Karl Emil Franzos gestattet. Ich für meine *Person glaube nicht, daß sich ״das Ostjudentum“, seit uns Franzos seine tiefe Tragik schilderte, so von Orund auf geändert hätte. Im Völkerlcbcn sind 60 Jahre eine gar kurze Spanne! In dieser Annähme bestärkt auch nur die ersichtliche Bemühung der ostjüdischen Nationalisten, Karl Emil Franzos

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