Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXI (1916)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1916)
- Date
- 1916-01-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2651974-2651978--10462-2667886- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ן Abonnements I I I I I I I Jflillathf« RufiiUcImu» C. m. b. H. | BERLIN W.15, SUchiUche Straße 9. I Tflrr'i״!״ Amt Uhlond 845, 816. poiU'liedikontot Berlin Nr.!7392. | 8uf die wöchentlich •m Kreftaf er• idirinmHr ״Jüdliche Rundschau'1 Italien h«4 der Eipcdition und bei 8l|rn P״»l.«״׳lern vierteljährlich M. J,75 Ipfierhrtih |)r»dschland«, In Oeaterreicb• Unfsrn M• 7,50, im Auilnad M, 3,—, \(T[T cjoLi Ü Anzeigen koste! für dl• •echnfespaUena PsrtH* teil« oder deren Raum 40 Pf.ן Stell••- Angebote und •Gesuche sowie Verein»״ Mitteilung^• and «Kleina Ameifea* O O O O nur 30 Pfennig. OOOO Manuskripte werden, wenn Porto beiU«f4v Btata aurOckgessadt RedaktionaadbJafti Mittwoch vormittafa. Redaktion JHdiadi• Rmdadian BERLIN V. 15, Slcbalacb« Straft• ft, Telephon! Amt Ubland 845, 146, PoaUdiwkkonU! BarUn Nv. 17391. N.imnier Berlin, de» 21 Januar 1916 — 16. Scli’bat 5676 XXI. Jahrgang. Solidarität oder Bevormundung? WViiii man auf die bisherige jüdische Tätigkeit für die vom Krieg betroffenen Ostjtideii einen rückschaucnden und zugleich prüfenden l’iiik wirft, so läßt sich— nach einem inneren Mallstaln׳ gemessen konstatieren, daß der lielfemle Teil der Judenheit noch nielit vollauf seine!,flieht getan hat. Wenn man die Im Interesse der Ostjnden entfaltete Tätigkeit rein äußerlich betrachtet, so sind ja ungeheuere Massen von Papier mit Schreckensnachrichten über das Martyrium des jüdischen Volkes bedruckt worden. Fleißig und treulich hat man in der jüdischen Presse alle (11 ent!taten der russischen Soldateska registriert und alle neuen Zwangsmaßnahmen der niaskow itischcn Regierung gebührend gebraudmarkt, (irolie weitverzweigte Sammlungen zur Limlcruug der unerträglichsten Not sind veranstaltet und Komitees zur Verteilung der (iekler und zur Beeinflußimg maßgebender Stellen zugunsten der Unglücklichen eiligeset/t um den. In allen Kriegsgebieten, wo die allgemeine Lage es erlaubte, hat man nicht nur für die Erleichterung des Loses der Betroffenen, sondern «lieh für die staatsbürgerlichen, kultiirclleii und nationalen Rechte der Ostjnden gearbeitet. Mail hat über komplizierte ostjiidisclie Fragen Berufene und Unberufene Artikel sein eiben lassen und hat mit Spannung auf die ״Stimmen von .lullen“ gehorcht, die man gewissenhaft, besonders wenn sie als Sympathiekundgebungen anlgelaßt werden konnten, arcliivartig aufstapelte. Die inneren Vorzüge der Ostjnden und ihre Nützlichkeit für diesen oder jenen Kulttu;;e11 ׳;ulken, für diese oder jene Wirtschafts- Politik wurden vielfach hervorgehoben, kurz: man hat manches getan, um das Los der östlichen Volks״ vnossen für den Augenblick und für die Zukunft zu verbessern. Aber diese intensive Aktivität im einzelnen, diese geschickte Wahrnehmung politischer und pliilaiitnipischcr Möglichkeiten, dieses emsige Sammeln wichtiger Dokumente zugunsten einer glücklichen Wendling der Dinge kann nicht liinwcgt!tischen über das Fehlen des einen FirolUu mul Absoluten, im Vergleich zu dem alles andere nur wie die Emanation der Strahle« ,׳nr Sr>m1e1u|uelle erscheint. Man darf Cs nicht übersehen, daß der jüdischen Hilfsaktion die Ciroflr der unmittelbaren V c r b u 11 d e 1111׳e i t יח‘• den jüdischen Massen abgclit, und daß der helfende glücklichere Bruder — bewußt oder unbewußt - in die zweideutige und nüchterne &>lle des Bevormtindcrs gegenüber seinem vom Schicksal stiefmütterlich behandelten Bruder zu fallen gemägt ist. Anstalt mit dem ganzen Gewicht ihrer feieren Bctütigungsmöglichkeit sich auf die ״unsclic des jüdischen Ostens einzustcllcn und 1״nen ein wirksamer Arm zu sein, bat die jüdische resse — besonders in Deutschland — Politik nach eigenem Gutdünken gemacht, d. 11. die ״«Inen jüdischen Parteien haben sich je nach lhfen allgemeinen jüdisch-politischen Anschau- “n!c״ ein ostjüdisches ״Arbeitsprogramm“ zujcbtgclcgt, das zwar in irgend einem mehr oder J1״ger sichtbaren Zusammenhang mit der allleinen politischen Tendenz der betreffenden “1elitiing steht, aber bei Anwendung auf die «Der Zionismus erstreb! für das jüdische Volk die Schaffung einer dffeni• lieh-rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina.״ Baseler Programm. Ostjnden eine willkürliche lehensfremde Konslruktion darstellt. Was wollte man nicht alle* aus dem jüdischen Volke machen: Pole» mosaischer Konfession, litauisch-lettische Staatsbürger jüdischen Glaubens, ktiiliindische Deutsche israelitischen Bekenntnisses, russische Juden deutscher ״Seelenlieimat“ und noch manches andere. Und was erwarte! inan nicht alles von seinem Kultur- und Handclseinfluß! Es müßte zu einem Bollwerk gegen das Slawentum, zum Träger des deutschen Handels im Osten, zum Vermittler zwischen Deutschen und Polen, zum Schrittmacher deutscher Kultur, zum politischen• Gegengewicht gegen die Gefahr des Polentums verwendet werden. Das alles wurde über die Acrinstcn dekretiert, ohne daß man sie auch nur einmal gefragt hätte, was sic selbst dazu meinen. Und so darf mau sich nicht wundern, daß die Ostjtideii ein kalter Schauder ergreift, wenn sie von den Piäncii hören, die ihre Brüder mit ihnen vorhaben. Diese unheimliche Stimmung oder besser Verstimmung macht sich in den großen jüdischen Tageszeitungen Polens jetzt häufig in aller I K'iillichkeit geltend. Man gibt seinem Befremden darüber Ausdruck, daß man die Meinung der Ostjnden über ihr Schicksal und ihre Zukunft für unwesentlich erachtet und sie einfach übergeht. Unlängst erfuhren in der Warschauer ji- (iischeii Tageszeitung ״Haint“ die Ansichten des Herrn Professor Philipp soll n über die Zukunft der Juden itn Osten eine unzweideutige Ablehnung durch einen ״Die Rechnung ohne uns“ betitelten Aufsatz. Dort heißt es am Schlüsse: ״Eines wollen wir unseren ,,Vcrsorgern“ vom Schlage des Herrn Philippsohn sagen : schließlich sind wir doch keine Steine oder Vierfüßler. Ihr sorgt für uns um! diktiert im Namen des Liberalismus die Lösung verwickelter Probleme. Allein ihr dürft nicht vergessen, daß cs sieh hier um Millionen von Menschen handelt und daß ein wahrhafter Liberalismus weder Vergewaltigung noch Beglückung anderer gegen ihren Willen kennt. Verständigt euch zunächst mit uns, veranstaltet eine Rundfrage, beruft eine Konferenz ein, fragt uns! Dann werdet ihr den richtigen Bescheid erhalten!“ Die Zeit jener Philanthropen des vergangenen Jahrhunderts, die ungeheuere Summen Geldes durch ihre Beamten zur Verteilung bringen ließen, ohne für das Leben und die Bedürfnisse der Juden als Volk ein persönliches Interesse zu gewinnen, ist endgültig vorüber und die veraltetc Notablcnpolitik bei den ostjüdischen Massen bereits genügend in Mißkredit geraten. Die national und sozial organisierten Juden lehne» diese Methode der Hilfe ab und die nichtorganisicrteiie Massen haben für den sittliehen Wert einer Hilfstätigkeit auf demokratischcr Grundlage genug instinktives Verständnis, um unvolkstümlich arbeitenden Komitees und deren Vertretern ein Maß von Mißtrauen entgegen z.u bringen, das die Arbeit stören könnte. Der Ernst der Stunde ,verlangt Verständnis dafür, daß es sich nicht allein um die Höhe der Summen und die Z a h I der Komitees handelt (alle diese Bemühungen bedeuten ja nicht viel im Vergleich zu der Größe des Unglücks),sondern um die Qualität der Hilfsarbeit. Zum ersten Mal soll sieh die Methode der solidarischen Hilfe im größten Maßstabc wirklich bewähren. Die glücklichere Judenheit kann nur durch ein absolutes Si c h e i 11 s e r k I ii re n mit den bcdrängten polnisch-jüdischen Massen sich jenes unbedingte Vertrauen der Hilfebedürftigen siehern, das die einzige wahrhaft einwandfreie Grundlage für Volksarhcit ist. In der Durchführung dieser Art von Bruderhilfe liegt eine Aufgabe des Westeuropaisclicn und amerikanischen Judentums. ITie äußere Gefährdung der jüdischen Existenz, die der Krieg im Gefolge hat, ist nicht so verheerend wie die Bedrohung der inneren Solidarität, auf der die Zusammengehörigkeit und Stärke der Judenheit beruht. M. M. Fortschreitende Einsicht Die Auseinandersetzung über das Verhältnis der Juden zu den Polen zieht in der Welt deutscher Zeitungen und Zeitschriften immer weitere Kreise und aus allen publizistischen Darstelhingen und Repliken schält sieh immer klarer die Erkenntnis heraus, an der nur die Blindesten gern achtlos vorübergegangen wären: daß die Ostjnden eine derartig in sich geschlossene Gruppe darstellen, daß es unmöglich ist, ihr den nationalen Charakter abzusprcclicn und von ihr den Verzicht auf eigenes nationales Leben zu verlangen. Die Deuts eben, die mit voller Unbefangenheit, aber mit klarem Vcrantworwortungsgctülil die Frage ins Auge fassen, kommen zuerst zu dem richtigen Standpunkt. Wir haben in der letzten Woche zwei deutsche Stirnmen zu verzeichnen, denen sicherlich eine ganz außergewöhnliche Bedeutung zukommt. In einer pädagogischen Fachzeitschrift, der ״Pädagogisehen Warte“, die mit den maßgebendsten deutselten Pädagogen in enger Fühlung stellt, veröffentlich! der bekannte Schulrat Otto Eberhard einen Aufsatz über das ostjiidisclie Schulwesen, in dem er kräftiger als irgend- | Die ״Jüdische Rundschau* | in Russisch-Polen | Die in Russisch-Polen bestehenden | deutschen Postanstaltcn in Bendzin, | Czenstochau, Kali sch, Kolo, Konin, | Lodz,Pabianice, Sieradz, Sosnowice, | Warschau, Wielun und Wloclawek | nehmen Bestellungen auf die ״Jü- | dische Rundschau“ zum Abonne- 1 mentspreis von י M. 1,73 vierteljährlich 5 .....»——»■ . | entgegen. Ebenso werden Be- | Stellungen aus diesen Städten auch | bei der Unterzeichneten Administra* | tion entgegengenommen. I Administration dir Jüdischen Rundschau** I Berlin W. 15 Sächsische Str. 8. illlllllllll«llllllli(lllllllll!l!llllllllll|lllll!||llllll|ltll||il||||1y||||||||||!||||ij|||||||||||||||||||||||lli