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Jüdische Rundschau · 1916-01-14 · Heft 2 (14.1.1916) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXI (1916)
Issue
Heft 2 (14.1.1916)
Date
1916-01-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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J U EDI SC H E RUNDSCHAU Seite 13 ___________2_חא Sammelt Briefmarken für den Jüdischen Nationalfonds! Oie in Ictzler Zeit wieder erfreulich gestiegenen Sncmle» I1״' den Jüdischen Nationalioiuls zeigen dent• ljj.|1 vvic sehr niiscrn Freunden die Förderung der Nationalfomlsnrhcit am Herzen licjjt. Sic alle wissen, dall der N.tlioiialfomls jetzt mehr als je mit allen Mitlcln tniHisliiizt werden muß, damit er seine so dringenden Aufgaben erfüllen kann, Ein solches leider bisher immer noch nicht genügend beachtetes Mittel, das noch dazu für den Iii117.cln.cn mit keinerlei Aus- ״ben vcil'itnden ist, bildet das S a in m ein von Briefי "'״ k e n durch unsere Briefmarkensamt" eis teile in Berlin. Der Verkauf der dort «sammelten Briefmarken hat bisher dem Jüdischen blationalfonds schon über 2000׳ M. eingebracht. Aber diese Summe läßt sich bei eifriger Unterstützung durch unsere (iesinnungsgenossen noch um ein Vieliaehes vermehren. Die Briefmarken aller Länder, sowohl gebrauchte wie ungebrauchte, haben in den letzten Jahren einen hohen Sammclwcrt erreicht, und dieser Wut wird zweifellos nach dem Kriege, wo in vielen!.;indem höchstwahrscheinlich neue Marken ausgegeben «erden, noch steigen. Die Sammeltätigkeit unter unseren (iesiiimmgsgcnosscn, die im Frieden ganz zufriedenstellend war, ist seit Kriegsbeginn bcdaucrlicliciweise fast völlig eingestellt worden, trotz.- dem sich doch zweifellos jetzt genug Uelegcnlicit bietcl, Muken aus neutralen und befreundeten Liindem, vor allem aber die besonders wertvollen Stücke aus den besetzten Gebieten 7.u sammeln. Wir bitten daher unsere Freunde dringend, uns alle ihnen erreichbaren gebrauchten oder ungebrauchtoi Marken einzusenden. Wer persönlich ausländische Briefe nicht erhält, der wird zweifellos Freunde und Bekannte* haben, die mit dem Ausland in privater und geschäftlicher Verbindung stehen und daher Briefmarken, Postkarten usw. zur Verfügung stellen können. Wer Markcnsamtnler zu seinen Freunden zahlt, der bitte sie um die in ihrer Sammlung doppelt vorhandenen Fxemplarc, wer selbst Sammler ist, sende uns ebenfalls a Ile seine Doublcttcn ein. Wir legen auf jede Marke Wert, auch wenn wir vielfach dieselben Sorten erhalten, da der Verkaufswert immer der gleiche bleibt. Der Unterzeichnete Leiter der Briefmarkensammclstelle des Jüdischen Nationalfonds, an den sämtliche Sendungen und Anfragen zu richten sind, ist z.u jeder näheren Auskunft gern bereit. Fr bittet nochmals alle Gesinnungsgenossen; Sammelt Briefmarken für den Jüdischen Nationallonds! Dr. Julius Löwcnhcim, Berlin W. 50, Neue Bayreuther Str. 8. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Oesterreich. 1 (Zehn Jahre ״S c 1 b s t w c h r“.) Die Prager zionistische Wochenschrift ״Selbst- ״ehr" trat mit Januar 1016 in ihren zehnten Jahrgang ein. Anläßlich dieses Ereignisscs gab sie eine Jubiläumsnummer heraus, die einen besonders reichen und schönen Inhalt aufweist. Außer den einleitenden Aufsätzen, die über Bedeutung U||d Entwicklungsgang der Zeitung Aufschluß gehen, auch ein Brief zum Abdruck gebracht, den das Act io 11 s - C o m i t e der Zionistischen Organisation fn die ״Selhstwehr" anläßlich ihres Jubiläums sandte. ״! diesem Briefe heißt es u. a.: ״Wir haben in p5em Dezennium des öfteren Gelegenheit gehabt, '51״^feilen, welchen wertvollen Einfluß die ״Selbst- ״™r" auf die jüdische Arbeit in Böhmen gehabt "a1■ Wir konnten immer wieder erkennen, daß cs “cf unermüdlichen und zielbewußten Arbeit dieser «״״"ff gelungen ist, die Solidarität der Juden- *mait Böhmens zu stärken, ihr nationales Oe- ’18?tn zu schärfen und sie für den Gedanken der .1׳tonalen Erneuerung des jüdischen Volkes und ins- «sondere des Zionismus empfänglich zu machen.״ ״,,j V1°'IC Beiträge von Dr. H. Kadisch (Die Juden "d das neue Europa), Adolf Damaschke (Die ״odcnrcforni in Israel), C. Z. Klötzel (Saloniki), lSJB Maun (Hermann Struck) u. a. machen die CI. msnu,nmcr interessant. Belletristische Beiträge mCd״ ()it0 Äbeles (Fänd ich den Wcg..^), Buk r(?d (Tycho Brahes Weg zu Oott) und Martin v״ ״״r (Geschichten vom Rishiner). Reproduktionen ren rvrmann Struck sollen Manns Essay illustric- •.'e Nummer zeigt, in welch bewährten Händen wii■*« 1?IC Reaktion der ״Selbstwehr״ liegt. Auch wollen der .,Selbstwehr״ unsere innigen wünsche נ t Zukunft mit auf den Weg geben. Möge “'*‘י * den Heiligen Kampf für die 01 .],6*thieden sein, ucn iicmg»:״ *«■ <». j tc der jüdischen Nation bis zum .endgültigen י*« durchzuführen. AUS ALLER WELT! Aus England. (Ein Jüdischer Volksvcrband.) Wie aus London berichtet wird, wurde dort dieser Lage ein ״Jüdischer Volksvcrband" ms Lehen gerufen, der sich den Kampf f ii 1־ die j ii d i s c 11 e G I e i c h 11 e r e c h t i g u 11 g in R u ß fand zur Aufgabe gemacht hat. Präsident des ״eilen Verbandes ist der bckaunfl' jüdisch-englische Politiker Luden Wolf. Der neue, auf demok r a t i s c h e r Grundlage aufgebaute ״Volksverbaud" zur Erkämpfung der iiiiliselieu Gleichberechtigung wird als großer moralischer Erfolg in weiten jüdischen Kreisen lebhaft begrüßt. I Aus Russisch-Polen. Wusch,! u. Bereits vor längerer Zeit wurde eine ans 4 Mitgliedern der Warschauer jüdischen Gemciiideverwaltimg und den Ocmeindesckretärcn bestellende Kommission Init der Vorbereitung eines neue n V c r w n 1111 n g s s t a t u t e s für die i ii - d i s c h e G e m c i n d c beauftragt, in dem die bisherige Organisation und ihre Tätigkeit eine radikale Umgestaltung erfahren sollen. Da bei dem Verlesen lies neuen aus 80 Haiiptparagraplien bestehenden Statutes große Meinungsverschiedenheiten zutage traten, so wurden 4 neue Mitglieder der genannten Kommission mit der endgültigen Bearbeitung und Festlegung des neuen Statutes beauftragt. Lebhafte und weitläufige Debatten rief besonders der Punkt bezüglich der Festsetzung des Wahlzensus hervor. Trotzdem das neue Statut nach den Versicherungen seiner Urheber demokratischer als das frühere und nach dem Muster der in den großen jüdischen Zentren Westeuropas bestehenden Gcmeiudeordmingen eingerichtet werden soll, wird doch der alte Wahlzensus von 15 Rubel bcibehalten. In der erweiterten Kommission wurde beantragt, den Zensus auf 5 Rubel zu reduzieren, aber dieser Antrag wurde mit einer großen Mehrheit abgclchnt. Es wurde auch beschlossen, die bisher bestehenden 17 Abteilungen, aus denen sich die Gesmiitverwaltung z.usammeuselz.t, auf 7 Hauptabteilungen zu reduzieren, die das gesamte Tätigkeitsgebiet der Verwaltung umfassen soll. Jeder Abteilung soll völlige Selbständigkeit gegenüber der Zcntralverwaltnng gewährt werden, während der letzteren als oberster Instanz die Kontrolle und das Vetorecht zustchcn soll. | Mitglieder-Versammlung § 1 der gj 1 Berliner Zionistischen Vereinigung. I f| §3 1 *Bericht von Dr. Hantke über | | die Zentralkomitee-Sitzung*, j Sonnabend, 15. Januar 1916, pünktlich §j 1 9 Uhr abends, Restaurant *Alt-Bayern״, | 1 Potsdamcrstr. 127/128, Spiegelsaal. §j | Eintrittsgeld 20 Pfg. | j Zutritt nur gegen Vorzeigung der Einladung. g illllllllllll!llllllllllllllllllllllllllllllllll!llllllllllll!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIH Die Reorganisierungsarbeit in der Warschauer jüdischen Gemeinde wurde in letzter Zeit auch von n ntionaljüdischcr und chassidischcr Seite in Angriff genommen. Die Rcformbcstrcbungcn dieser Kreise gehen darauf hinaus den bisher bcstehenden ganz unmöglichen Wahlz cnsus, der die Volksmassen des Gemcindcwnhlrcchtcs beraubt — von den 300 000 Juden Warschaus besitzen nur etwa 4000--5000 Ücmcindcwahlrecht, während an den letzten Duma wählen etwa 20 000 jüdische Einwolincr der polnischen Metropole sich beteiligen durften! — aut ein berechtigtes Maß zu reduzieren. Aut Anregung der Vertreter des Amcrika nisch •jüdischen Hilfskomitees bcschloß die bei der jüdischen Gemeindeverwaltung bestellende ״Amerikanische Scktio n", Bcvollmächtigte nach Litauen und Kurland zu entsenden mul die allgemeine Lage der jüdischen Bcvölkerung in diesen Ländern zu studieren. Der erste Bevollmächtigte, Herr Dr. J. Göttlich, hat sich bereits nach diesen Gebieten begeben. Er wird die größeren jüdischen Gemeinden Litauens und Kurlands aufsuchen, wo er im Aufträge der genannten Sektion lokale Hilfskomitees ins Leben rufen wird. Er wird dann der Amerikanischen Sektion ausführlichen Bcrieht über die Ergebnisse seiner Reise erstatten, auf Orund dessen entsprechende Mittel zur Verbesserung der Lage der Flüchtlinge und Heimatlosen ergriffen werden sollen. Lodz. Im Zentrum des hiesigen jüdischen Kulturlebens steht jetzt, wie übrigens auch in einer ganzen Reihe anderer Städte des besetzten Gebiets, das B c t A m". Um dieses ״Volkshaus" konzentriert sich die jüdisch-nationale Jugend verschiedener Schattierung. Am 11. Januar begann der Unterricht in den neuen, von der -Verwaltung des ״Volkshaiites" gegründeten hebräischen Kursen für Erwachscnc. Die Kurse werden von den bekanntesten hiesigen Pädagogen geleitet. Am 8. Januar veranstaltete der zionistische Verein ״Zeire /.io 11" im Lokal des ״Bet-Am“ einen zionistischen Abend, der einen großen Erlolg Iredeutete. Der Vorsitzende schnitt die Sprach eil«' frage an und nahm einen extrim-hchraistisclien Standpunkt ein. Eine geistreiche Ansprache hielt der bekannte zionistische Schiiltslellcr Dr. Gerselton Lewin, in welcher er den Inhalt des § 4 ries Baseler Programms, die ״Oegcnwartsnrbci{״ bctreffend, zu erklären und zu beleuchten suchte. Mit* teihmgen eines palästinensischen Arlniicrs, der die Erlebnisse der palästinensischen Jugend und d;c Ent- Wicklung der jüdischen Arbeiterbewegung Palästinas schilderte, schlossen den Abend, der von Tausenden von Menschen besucht war. Der B i I d u 11 g s v e r e i n veröffentlichte einen Bericht seiner Tätigkeit, nach welchem die Verwaltung des Vereins 14 Gruppen von Erwachsenen gebildet hat, an welchen ca. 400 Schüler teilnelimcn: (1 Gruppen für Deutsch, 4 für Polnisch, 3 für Hebräisch und 1 für Arithmetik. Es wurde aueh eine Bibliothek und eine Lesehalle eröffnet. Die Verwaltung der Jüdischen Gemeinde beschloß, eine Delegation von 3 Mitgliedern nach Warschau zu schicken, um dort Gemeindeangelegenbeiten zu erledigen. * C. z c!1 s t o c h a u. Eine erregte Arbeitcrversnmmhing fand hier am 4. Januar im Lokal der Jüdischen Gemeindeverwaltung statt. Vor einigen Monaten ersuchten einige hundert jüdi che Arbeiter die Indische Gemeindeverwaltung, ihnen die Reise nach Deutschland zwecks Arbeit zu ermöglichen. Leider war es nicht gelungen, die Hindernisse aus dem Wege zu räumen. Die Führer der jüdischen Arbeiter Iwsclmldigten die Mitglieder der Gemeindeverwaltung, daß sie die Interessen der Arbeiter vernachlässigen und sich wenig Mühe gehen, die Erlaubnis der Behörden zu bekommen, da in vielen anderen Städten den Arbeitern die Abreise nach Deutschland gestattet wurde. Es wurden der Gemeindeverwaltung auch Vorwürfe gemacht, daß sie wenig miternotfmicn habe, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und so die Not der jüdischen' Arbeiter zu lindern, Die Mitglieder der Verwaltung und der Rabbiner verteidigten sieh gegen alle diese Vorwürfe und behaupteten,'die Schwierigkeiten der Abfahrt nach Deutschland seien von außen gekommen. Sie versprachen, ihre Bemülumgen fortzuset/en. Es wurde beschlossen, Vorstände der professionellen Vereine zu wählen, die zu- Stammen mit den Mitgliedern der Gemeindeverwaltung die Frage der Arbeitsvermittlung in lX-utschlana behandeln sollen. Es wurde auch beschlossen, eine Arheittrkiichc zu gründen und einen Konsumladen zu eröffnen. Die Gemeindeverwaltung wurde vcrpflichtet, jeden Monat einen Bericht Ihrer Tätigkeit zu׳ erstatten. M I a w a. Vor kurzem wurde eine Gesellschaft gegründet, die sich die Anlegung einer jüdischen Bibliothek zur Aufgabe macht. Der Gesellschaft sind bereits 150 Mitglieder beigetreten. Es wurden Sektionen für Musik, Theater und Literatur gcbildet, die jeden Sonnabend abends Vorlesungen veranstaltcn. * Scdlez. Am 3. Dezember wurde hier eine ״Gesellschaft zur Unterstützung der jüdischen arbeitslosen Arbeiter“ I c - g a I i s i c r t. Um den jüdischen Flüchtlingen aus Brest-Litowsk, Kobrin, Pinsk mul Grajcwo, die sich jetzt in Scdlez in großer Anzahl befinden, Hilfe zu leisten, beschloß der Rabbiner mit Genehmigung der Verwaltung, eine Fett - und Fleischsteuer cinzuführcn. Im ersten Monat ergab diese Steuer 1200 Rbl. Das Geld wurde an die Volksküchen, die Gesellschaft für Arbeitslose, den Verein der Reservistenfrauen und an die Flüchtlinge verteilt Aus Rußland. (Ein neues Projekt der russischen Antisemiten.) Aut dem Kongreß des schwarzen Blocks in Nisch ni-Nowgorod wurde unter anderem beschlossen, die Regierung autzutordern, d i e jüdischen landwirtsch ältlichen Kolo« nien in Rußland aufzu heben und den jü^ dischcn Boden den verwundeten Kriegern gcschenkweise zu überlassen. * (Neue Evakuierungen.) Der jangen Reihe vernichteter großer jüdischer Gemeinden schließt sich jetzt ein neuer weltbekannter Name an: Bcrditschcw. Als Nicdcrlassungs- R'' " - ' •’־־ ־“־,־" ־' — — -־ suchungcn des jüdischen Hilfskomitees zu Moskau zufolge ist Nisclmi-Nowgorod schon von Flüchtlingen überfüllt. Das Komitee ersuchte deswegen die Bchörden, die Marschroute der Evakuierten ändern zu dürfen. Ein neuer Evakulcrungsprotcß begann auch in der Stadt Llachowltschi. Die Flüchtlinge wurden nach Sluzk, Bobruisk und Rjasan verschickt. Wie aber aus anderen Mitteilungen hervorgehL ilnd diese drei jüdischen Gemeinden bereits von rlüchtilngen überschwemmt. In Bobruisk allein befinden sich jetzt ca. 30 000 Evakuierte. '

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