Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1915)
- Date
- 1915-12-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 43S J U EDI SC H E RUNDSCHAU Nr. 53 Aus Russisch-Polen. S 11 w a I k i. Das Hür^erkomitee hat liier den allg e m 1׳ i 11 e 11 S c 11 111 /. \v a n g ein״efiilirt. An imii für sich bedeutet diese Verordnung für die Juden keine neue Verpflichtung, da auch bisher jeder jüdische Knabe auf irgendeine Weise Unterricht bekommen hat. Das Neue ist nur die Einheitlichkeit der Schul- Organisation und ■des Programms. Die privaten Schulen muhten alle unter Rcgieningskoiitrolle gestellt werden. Die Lehrer hatten darunter materiell sehr zu leiden. Die meisten Lehrer haben sieh organisiert lind die Schüler, ihrem Wissensgrad entsprechend, unter sich verteilt, so da ft jeder Lehrer nur Schüler einer Klasse zu unterrichten hat. Die jüdische Gemeinde, die für ,XX) Schulkinder zu sorgen hat (die Katholiken haben 800 Schüler und die Protestanten 05), war die erste, die die notigen Raume und Schulgegenstände zur Verfügung stellte. Auch das R a b b i 11 u t s vv e s e 11 erfüll!׳ neulich wesentliche Reformen. Hin jüdischer Rat ist erwählt worden, der die < leineimlegebiiliren der Schlächter einkassiert und das (ielialt der Rabbiner und Schochtim | verteilt, statt daH sie, wie bisher, ihr (ielialt direkt von \ den Schlächtern erhielten und dadurch von ihnen abhängig wurden. Lomscha. Bevor die Russen die Stadt vorlassen hatten, war hier ein Biirgcrkomit-ee tätig, in dem auch einige Juden vertreten waren. Da aber die' meisten polnischen Mitglieder des Komitees jetzt nicht mehr in Lomscha sind, blieb das Komitee fast ganzlieh in den Händen der Juden. Die Juden, die die Mißstände sich nicht zunutze machen wollten, wandten sich an einen polnischen Rechtsanwalt, der wohl kein ,besonderer Juden freund ist, der aber als Wortführer der Polen von jeher bekannt war, mit dem Vorschlag, ein Bürgerkomitee aus Polen und Juden zusammenzustellcn, was er auch tat. Bald stellte sich aber heraus, daß vorläufig noch ein gemeinsames /Zusammen־ arbeiten der Juden und Polen eine Sache der U11möglichkeit sei, insbesondere wenn dieser obenerwähnte polnische Rechtsanwalt an der Spitze steht. Die Folge war, daß neben dem Bürgerkomitee sich eine besondere jüdische Kommission bildete, die eine Art selbständiges Bürgerkoniitee* für die Juden darstellt. Die Hauptarbeit beider Bürgerkoiniiees ist die Brotversorgung. ln Lomscha befinden sich zurzeit hunderte jiidiseher Flüchtlinge aus der Provinz, die völlig׳ arbeitslos und nur auf die öffentliche Wohltätigkeit angewiesen sind, darunter auch viele Personen, die erst vor kurzem recht wohlhabend waren. Leider gibt es keine Einrichtung, die die Lage dieser Unglücklichen linderte. Neulich sind liier hebräische Abendkurse gegriindet worden, die von 80 Personen, meistens Damen, besucht werden. Es wird auch die Eröffnung einer Bibliothek und Lesehalle projektiert. * Die jüdischen Volks k i't c h e 1! in Warschau, die bisher vom Warschauer jüdischen Unterstützungsverein ״Esra“ geführt worden sind, sollen in Kürze in den Vcrwaltungsapparat des Bürger- Komitees eingegliedert werden. 111 der Zwischenzeit werden die Küchen von der Jüdischen Gemeinde unterstützt. * Herr L e v i n - E p st ei n, der Schatzmeister des amerikanischen Hilfskomitees für die jüdischen Opfer des Krieges, ist in Warschau cingetroffen. Die ganze jüdische Presse begrüßt ihn trendig. Herr Lev in- Epstein hat den Auftrag, sich über die Verteilung ,der von dem amerikanisch-jüdischen Hilfskomitee kürzlieh an eipWarschauer Komitee überwiesenen 500 000 Mark zu orientieren und über die ökonomische Lage der Juden in Polen einen Bericht an das jüdische Hilfs- Komitee in den Vereinigten Staaten zu erstatten. Herr Levin-Epstein ist der erste amerikanische Jude, der, mit ausreichenden Vollmachten ausgestattet, während des Krieges nach Polen gekommen ist. * Das s c h \v e i z. e r i s e 11 e H i 1 f s k o in i t e e für Polen hat vor einigen Tagen 10000 Rbl, speziell für die jüdischen Kriegsopfer!lach Warschau gesandt. Das Geld ist bereits am Bestimmungsort eingetroffen. * Zum Steuerinspektor des Sieradzer Kreises (Gouv. Warschau) wurde durch die deutsche Verwaltungsbehörde der dortige jüdische Einwohner- und Cierueindcrepräsentant Herr Josef Manitz ernannt. * ln Petrikau hielt dieser Tage Dr. O. Thon aus Krakau, der gegenwärtig das polnische Okkupationsgebiet bereist, einen öffentlichen Vortrag über die ״Polnisch-jüdischen Beziehungen“. Aus RuBland. (Zum Verbot der jüdischen Zeitungen), Der Direktor der russischen Preßvcrwaltung, Fürst Urussovv, erklärte, daß für das Verbot der jüdischen^ Zeitungen kein triftiger Grund Vorgelegen wäre. Sogar die Kriegszeusur hätte auf die patriotische Haltung des ״Petro״rader Tageblatts“ ltingewicsen. Dessenungeachtet hat die höchste Militärbehörde dem Oberkommando der Nordfront ihre volle Zu- Stimmung zu dieser Maßnahme ausgedrückt und noch dazu bemerkt, daß das Erscheinen neuer jüdischer Zeitungen verhindert werden müsse. Fürst Urussow bemüht sieh um die Aufhebung dieses "Verbotes und hat das diesbezügliche Gesuch der jüdischen Redakteure dem Hauptquartier des Kaisers zügelten lassen. (Ausweisung jüdischer Studenten). Auf Grund des bekannten Schtscheglowitow-Er- I lasses, der den Juden das Wohnrecht in allen Städten Rußlands, mit Ausnahme der Residenzen, gewährte, haben sich manche Juden, deren Handel ■oder Studium sie nach Petersburg wies, in den kleinen Städten, die in der Nähe der verbotenen Residenzstadt liegen, niedergelassen. Sehr geeignet dafür zeigte sich bald das Städtchen Kalpino, insbesondere für die Studeuten und Studentinnen des Psycho-Neurologischea Institutes, dessen Lehranstalt mir eine Stunde weit von Kalpino entfernt ist. Da Kalpino eine selbständige, von Petersburg administrativ völlig getrennte Stadt ist, hatten die lokalen Behörden kein Bedenken, den jungen Juden den Aufenthalt zu gestatten. Am 11. Novenjber wurde plötzlich bekannt, daß der Petersburger Gouverneur anderer Ansicht sei, und sämtliche Juden, darunter 300 S t 11 d e 111 e n und Studentinnen des genannten Institutes, mußten binnen zwei Tagen die Stadt verlassen. Zugleich wurden auch die Juden aus Narew, Jambug, Luga und aus arideren in der Nähe der Residenzstadt liegenden Ortschaften ausgewiesen. * (Vo in Kongreß der Sc h w a r z e n H u n d e r t). Auf der vor kurzem in Petersburg abgchaltencn Zusammenkunft der ״Schwarzen“ wurden viele Reden gehalten, die scharfe Ausfälle gegen die Juden enthalten. So klagte der Odessaer Delegierte Chanzow darüber, daß Odessa, das alte ״Bollwerk der Rechten“, in letzter Zeit in die Gewalt der Juden geraten sei. Das Reichsratsmitglied Weinstein repräsentiere augenblicklich die höchste städtische Autorität ... I Der Petersburger Delegierte Kelz.ow griff die Moskauer Kaufmannschaft an, die ehemals eine j feste Stütze des Thrones war und heute mit ״jüdischen Bankiers“ zusammengehe und das Vaterland den Juden ausliefere ... Andere Redner sprachen gegen die ״Nowoje Wretnja“, die in jüdische Hände gekommen sei und nunmehr die Organisationen der Rechten verrate . . . ln der vom Delegierten Markow vorgcschlagenen Resolution, die dem Minister Schtscheglovvitow zur Weitergabe an den Zaren übergeben wurde, wurde die Regierung aufgefordert, tlcn Einfluß der ״Freniden“ in Rußland zu vernichten und die inneren Feinde rücksichtslos zu bekämpfen . . . י"* Auf Verordnung der russischen ״Hauptvervv a! t u 11 g für P r e ß a 11 g e 1 e g e n h e i t e n“ vvurde die Broschüre ״Die Wahrheit über die Juden“ konfisziert. t)ie Broschüre enthielt einen in einer Sitzung des Petersburger Komitees der Kadettenpartei erstatteten Bericht über die Judenfrage, die Rede des Durnaabgeordneten Friedmann u. a. * Der Dumaabgeogdnete Fried marin ist, einer Meldung der ״Jüdischen Volksstimme“ zufolge, infolge Ueberanstrengting schwer erkrankt. Die Aerzte hoffen, ihn bald wiederherzustellen. Persönliches Dr. Echiel Tschlcnow hat sich, wie wir erfahren,in .Moskau einer Magenoperation unterzogen und befindet sich bereits erfreulicherweise auf dem Wege der Besserung. Palästinaspitzen Im Verband jüd. Frauen für Kulturarbeit in Palästina, Berlin, Burgstr. 27, sind neue Spitzen aus Palästina eingetroffen. Wir verweisen auf die im Inseratenteil stehende nähere Anzeige. Nachrichten Berlin. Die Lehranstalt für die Wiss e 11 sebaft des Judentums veranstaltet auch diesen Winter einen Montagsvoriesungszyklus;n der Aula der Lehranstalt, Artilleriestr. 14. Es werden folgende Vorlesungen gehalten: 10. Januar: Professor Dr. Emil Milan, Bibelabend; 24. Januar: Privatdozent Dr. Harry T o r c z y n e r-Wien, Der Ideengehalt der hebräischen Spradte; 7. Februar: Bibliothekar Dr. Heinrich Löwe, Jüdische Sprachen und Mundarten; 21. Februar: Schriftsteller Georg Hermann, Vorlesung aus eigenen Werken; 6 März: Rabbiner Prof. Dr. Siegmund Sa 1 fe 1 d-Mainz: Welt und Haus der deutschen Juden im Mittelalter; 13. März: Universitätsprof. Dt. Ernst Cassirer, Der deutsche Idealismus und das Staatsproblem. Beginn der Vorlesungen abends 8 Uhr. Der Reinertrag dient zum Besten des Stipendienfonds der Anstalt und der vom Krieg Betroffenen. Einlaßkarten zu 5 Mk. für den ganzen Zyklus, zu 1 Mk. für eine Vorlesung sind zu haben bei Herrn Hofjuwelier Eugen 1915/16 Wochenkalender , 5676 תרע״ו Freitag Dezbr. 31 טבת Tebeth כד 24 Sonnabend Januar 1916 1 כה 25 Wacra, 1אףא עבת * Sonntag 2 כו 26 Nacht 4,52 N טס mosd v erk ü ח digunj טברבין חחודש Jcchenkel 28,20-29,»! בה אתר ה׳ בקבצי Montag 3 נו 27 Dienstag Mittwoch 5 כח 28 ״נט 29 ערב ר״ח׳ יוכ״ק Donnerstg. שבט Sch’bat א 1 Neuniondtag Freitag 7 ב 2 ראש חודש Sonnabend 8 כ 3 B0, בא. Nacht 8,— שבת jirinijab 46, 13—28 הדבר אשר דבר ה■ Marcus, Unter den Linden 31, beim Sekretariat de: Lehranstalt und am Eingang in den Saal. Berlin. Das Vokale-Konzert י von Jame: Rothstcin am 13. Januar 1016 (Philharmonie zum Besten der Kriegsfürsorge des Verein! selbständiger Handwerker jüdische! Glaubens bringt fast ausschließlich neue Kom Positionen des Konzertgebers. Darunter einen Psaln in hebräischer Sprache, ein Duo für Kunstliarmoniun und Pianoforte, ״Neue Volkslieder“, Stiminungslicde für eine Singstimme und Kriegslieder, sowie ״Ein! neue Kaiserhymne“ für Männer- und gemischte! Chor (Worte und Musik von James Rothstcin). Frankfurt a. M. Die Zionistische Vereinigung eröffnete ihre diesjährige Wintertätigkeit mit einen Vortrag des Herrn Dr. Heinrich L o e vv e (Berlin) übe das Thema ״Die jüdisc 11deutsc 11 e Sprach und ihre Liter atu r“. Frankfurt a. M. Bekanntlich wird in diesen Jahre der gesamte Mehlbedarf für die Herstellunj von Mazzos den Bäckereien durch die ״Freie Vei einigung für die Interessen des orthodoxen Juden tums, E. V.“ geliefert. Hierbei ist, wie die genannt« Vereinigung mitteilt, gemäß Verfügung der Reichs getreidestelle auch die Preisfrage in einer Weis geregelt worden, die einen billigen Ausgleich zvvischei den berechtigten Interessen der Bäckereien und den jenigen des konsumierenden Publikums schafft. Di Bäckereien dürfen hiernach auf Grund des mit de ״Freien Vereinigung“ abgeschlossenen Lieferungsvei träges die Mazzos an das Publikum nicht teurer al bis" zu 12(2 ״;״ über ihrem vorjährigen durchschnitt liehen Verkaufspreis, keinesfalls aber über 65 Pfg pro Pfund verkaufen. War also beispielsweise de Durchschnittspreis einer Bäckerei im Vorjahre 48 Pfg. so darf in diesem Jahre nicht mehr als höchsten 54 Pfg. genommen werden; war der vorjährige Prei 60 Pfg., diesmal dennoch nicht mehr als 65 Pfg Die Erhöhung von 12(0/° ״ entspricht nach gewissen hafter Schätzung der in diesem Jahre naturgemäl eingetretenen Steigerung der Gestehungskosten. Nürnberg. Eine Feierstunde zur ernsten Zei möchte man den Vortrag des Herrn Schauspieler Arnold Marie aus München ״Die Juden un! der Weltkrieg“ bezeichnen, ln kurzen, wuch tigen Bildern zog das Schicksal unserer Brüder i Ost und West an uns vorüber, und wie ein Aufschre aus wundem Herzen klang die Mahnung des Redners Helfet den Unglücklichen eine Existenz schaffen un laßt es nicht mit einer wohltätigen Gabe sein Beweii den haben. Die zahlreichen Zuhörer spendeten der Redner herzlichen Beifall. Im gemütlichen Bcisammer sein, im engeren Kreise, fand "nach dem Vortrag noc ein Gedankenaustausch über zionistische Fragen stat und allseitig war der Wunsch, Herrn Marie recht bal wieder in Nürnberg zu hören. Wien. Die Firma Heinrich Franck Söhn in Linz hat der Kriegslandspende des Jüdische Nationalfonds den Betrag von ‘2000 Kronen zug( wendet. Dieselbe Firma hat vor kurzem für da jüdische Hilfskomitee in Lemberg 10 000 Krone gespendet. — Die Sammlungen für die Kriegslanc spende haben bereits die Höhe von 50 000 Krone erreicht. Ebenso wurden für das Armenainbulatoriut des Zionistischen Zentralbüros in Wien 50 000 Krone gesammelt. Unter anderen spendete auch Exzeßen Tschirschki, deutscher Botschafter in Wien, ein größere Summe. Schla0 de« redaitionallen Teil». J&dische Gemeinde, Berlin (Gottesdienst Freitag, 31. Dezember 1015, abends: in alle Synagogen 4(/, Uhr. Sonnabend, 1. Januar 1016, vormittags: ln dt Alten, Pestalozzistr,-, Kaiserstr.- u. Rykestr.-Syi j agoge: 0 Uhr, in der Neuen, Lindenstr. I Lutzovvstr.-, Fasanenstr.- u. Levetzawstr.-Syi