Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1915)
- Date
- 1915-12-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 421 Öie dienstfähigen | russischen Juden in England . Die Lage der militarpfliclitiye 11 russischen ן u d c 11 i n E n g I a 11 d wird mit jedem Tage scliwieliger. Ts kommt so weit, dalt es für einen russischen Juden oft schon unangenehm ist, die Tore von Whitechapel /u verlassen. Tr wird sofort als ״De- ן serteur“ aiigeniten, bestenfalls von Herren und | Damen, die die Werbetätigkeit ausüben, gefragt: ״Warum erfüllen Sie nicht Ihre Pflicht gegen Ihr Vaterland 2“ Die Lage dieser Juden wird tirtt so sdnvieriger, als russische Juden, die sieh zum Militärdienst | melden, abgewiesen werden, da in England nur in j England Geborene 711111 Militärdienst angenommen werden können. 1 )ic c n g I i s c h e 11 M i I i t ä r b c - hör den empfehlen diesen jungen Leuten, in die T r e m d e n 1 e g i o 11 in Trankrci c 11 einzutreten. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß kein russischer Jude sich freiwillig in die Fremdenlegion einreilien lassen wird, um so mehr als sie in England selbst mehr als ״Strafanstalt“ denn als Regiment angesehen wird. Reisepässe nach Amerika bekommen die Leute auch nicht, da die Auswanderungslust allein jetzt in England kein genügender (irund ist, tun einen Pal! 711 bekommen. Die diesbezügliche Lage in Frankreich ist zur Genüge bekannt. Dort kann sich ein junger russischer Jude einfach nicht auf der Straße zeigen, ohne sich der Gefahr aus/usetzen, tätlich beleidigt zu werden. Ebenso ergeht es den jungen russischen Juden in Italien. Sofort nach Kriegsausbruch mußten sie alle Italien verlassen und begaben sich nach London, wo sie aus dem Regen in die Traufe kamen. Chanukah in Warschau Im vorigen Jahre konnte die jüdische Bevölkerung Warschaus das Makkabäerfest nicht in gewohnter Weise begehen. Ls wurde daher yi diesem Jahre, da das Leben in der polnischen Hauptstadt allmählich wieder seine geregelten Formen angenommen hat, besonders lebhaft gefeiert. Die jüdischen ״Kinderheime“ und die Kinder- und Volksküche veranstalteten hesondere Chanukahfeiern, in denen man den Kindern die Bedeutung des Festes erklärte, sie festlich bewirtote und Chanukahspiele in fl ihnen spielte. Auch die Jüdische Volksschule in der Nowolip-icstraße und die in der Ochronkastraße, die von den ״Chowcwc Sphat Ewer“ gegründet ist, ferner die jüdische Kommerzschule von Krinsky, hielten für ihre Zoglinge in ,Anwesenheit der bekanntesten Vertreter des nationalen Judentums Warschaus schöne Makkabäerabende mit Bildern mul (iesnng, hebräischen Vorträgen und Volksliedern ab. Linen besonderen Abend mit literarisch-musikalischem Programm, unter Betei־ ligtuig der hebräischen Truppe ״Habama lia'iwrith“, veranstaltete der Jugeiidvcrein ״Merkas ha'zeirim“. Eines großen Erfolges erfreute sich auch das Makkabäerfest des iieugegrüiuleien zionistisch-orthodoxen Vereins ״liascliachar“. Die beiden jüdischen Theater spielten zu Chanukah bei vollbesetztem Hause, Der Verein der jüdischen Angestellten, die Gesellschaft ״Beili Lechem“ u. a. veranstalteten besondere Konzerte und Vorträge. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Schweden. Sonntag, den 5. Dezember veranstaltete die zionistische Ortsgruppe in Landskrona ein M a k k a - bäerfest. An der Feier nahmen sämtliche Mitglieder der kleinen Gemeinde teil. Die Festrede hielt Herr Dr. B e rn s t c i n-Kopenhagen. Nach der Rede wurden Sammlungen zugunsten zionistischer Zwecke vorgenommen. In einer Reihe anderer Städte in Schweden sollen demnächst größere zionistische Versammlungen abgehalten werden. So gedenkt das Kopenhagener Bnrean der zionistischen Orga nisaiiou noch im Laufe des Monats Dezember Versammlungen in Malmö, Lund und Göteborg־ zu arrangieren. Amerika. Das offizielle Zentralorgaii des zionistischen Sonderverbandes ״Misrachi“, die hebräische Wochenschritt ״Haibri“, die mit Ausbruch des Krieges ihr Erscheinen eingestellt hafte, wird vom 1. Januar ab unter der Leitung des früheren Redakteurs, M. Bcr- I i n , in Ne vv Y 0 r k erscheinen. AUS ALLER WELT Aus Palästina. (A ti s dem Kulturleben in J e r 1! s a I e nt.) Der Frauenverein in Jerusalem beschloß, einen Zyklus von Wintervorträgen über Geschichte, Natur- Wissenschaft und Kunst in Jerusalem zu veranstalten. Die Organisierung der Vorträge soll dieselbe sein, wie die’ der Vorlesungen, die die Lehrer im vorigen Sommer eingerichtet hatten, aber populärer, um auch den breiten Schichten der Intelligenz. Jerusalems zugänglich zu sein. Der Zyklus wird aus 20 Vorlesungen bestehen. Bis jetzt haben die folgenden Vorlesungen stattgefuiuleii: Schriftsteller A. M. Boraichow über Soziologie; Dr. A. He 11a!11 über die Entdeckungen des verstorbenen Prof. Ehrlich, und Prof. Boris Schatz über Autokolsky. Alle diese Vorträge, die i!1 hebräischer Sprache ahgehalten und durch Lichtbilder illustriert wurden, zogen Scharen von Besuchern an, die mit Spannung den Vorträgen folgten. * Die türkischen Behörden haben den Kolonisten von Ri sc 11 oii le-Zion die Dünen längs ihrer Kolonie abgetreten. Diese Konzession wurde von den Behörden als Zeichen der Anerkennung des Wertes der jüdischen Kolonien für das Land gewährt. Die Abgrenzung der abgetretenen Diinen wird in den nächsten Wochen vnrgeiioinmen werden. Aus Rußland. (Ein e 11 e 11 e jüdische Zeitschrift i 11 R u ß 1 a 11 (1.) Das Komitee zur Unterstützung der kriegsnutleidenden Juden hat beschlossen, eine neue Zeitschritt zu gründen, die sich mit den Fragen der Hilfsorganisation belassen, die Lage der jüdischen Flüchtlinge erforschen und der Organisieruiig des jüdischen (icmeiiidelebcns in den neueröffneten Städten dienen soll. Die Zeitschrift soll gleichzeitig in russischer und jidiseher Sprache erscheinen. (Ein ti e 11 e s M ä r e 11 e 11 v o in J u d e 11 v e trat i n R 11 ß I a 11 d.) I Wie die in Moskau erseheinende jüdische Zeit- | schritt ״Jexvreiskaja Nedelia“ mitteilt, werden jetzt I in den Dörfern und Städten von Zentral-Rußland anonyme Proklamationen verbreitet, in denen es heißt, I daß Deutschland, um eine Hungersnot in Rußland | hervorzurufeii, ein chemisches Präparat erzeugt, tlas ן die Ernte vernichtet. Mit der Ausführung’ dieser Ver- | niditungsarbeit sollen von den Deutsehen die;ms I ihren Wohnorten evakuierten und nach Zentralrußf laud geflüchteten Juden beauftragt worden sein! .Man kann sich leicht vorstellen, was diese Proklamationen bezwecken und welche Wirkung sie tatsächlieh hervorrufen. Aus Russisch-Polen. (F ii r die I I ü c h 11 i n g 0 a ti s Brest- L i t o w s k.) Am (1. Dezember fand in Warschau eine Ver- Sammlung der wohlhabenden Einwohner von Brest- Litowsk statt, die jetzt in Warschau weilen, um die Lage der Flüchtlinge aus Brest-Litowsk zu besprechen. Die Versammlung, die von der Kriegshilf!־,kommission der jüdischen Gemeinde einberui'en war, wurde von Herrn I). Farbstein eröffnet, der soeben von seiner Reise durch die Städtchen, in die die meisten Juden aus Brest-Litowsk geflüchtet j waren (Radzin, I iikow u. a.), /uniekgekehrt war.! Der Redner schilderte die Not der I Icimloseii, die I alle Grenzen der Phantasie übersteige. Fs gibt Eltern, die den Tod ihrer Kinder begrüßen, da sie nicht ihren Hunger stillen können. Insgesamt hatte die Kommission nur 3000 Rubel zur Verteilung au diese Flüchtlinge, darunter 122 Rubel für Leichen-Begräbniskosten, li e i 1 p e r 1 11 berichtete, dali jetzt neue 3000 Juden aus Brest-Litowsk, die zuerst nach P i 11 s k ' geflüchtet waren, nach Warschau gekommen sind. < Nach langen Debatten wurde beschlossen, ein ״Brest- Litowsker Komitee“ zu gründen, das Sammlungen einleiten soll, ferner soll eine Jugt tidkoimnissioii Wasche für die fTÄ-htlinge sammeln. IW/Verwaltung des neugegrüiideten jüdischen JugLjfffjfiubs ״Merkas“ in W a 1 s e h a u hat beschlagen, eine Reihe Vortragszyklen aus dem Ge- Iete der jüdischen Geschichte und Literatur lind disch-sozialen Fragen zu veranstalten, und zwar soll der derartige Zyklus aus 5 bis 10 Eiiizcivorträgeii .,stehen. Vorläufig sind folgende 6 Zyklen ringeindigt worden: Ben Awigtlor -- Geschichte der .Hihebräisäien Literatur (jidisch); Dr. J. Gotteh — Geschichte der jüdischen Emanzipation idisch); E. N. Frcnk Geschichte der Jadeit in ölen (polnisch); Hilcl Zeitlin •״ Die religiösen Strömungen im Judentum (jidisch); J. Schweiger -T- Neu hebräische Poesie (hebräisch); Sch. Stupnitzky — Die jüdische Wirtschaft in Vergangenheit und Gegenwart. ♦ Die zionistischen und iiationaljüdisclien Vereine Warschaus haben ein gemeinsames Heim eingerichtet, das vor einiger Zeit durch eine öffentliche Veranstaltung e i n g e w e i 111 wurde. Die Feier begann mit Begrüßungsansprachen der einzelnen Vereine, darauf folgte ein musikalisch-deklamatorischer Teil. Den Schluß bildete die Aufführung; eines Einakters. Die Darbietungen waren fast durchweg hebräisch. Von zionistischer Seite sind für die Kinder der Heimatlosen in W a r s c 11 a 11 K i!1 d e r g ä r t e 11 ti n d A n f a n g s s c 11 u 1 e n eingerichtet worden. Die Sprache ist hebräisch. Die Kinder •«־erden in den Pausen auch beköstigt. Für die int berttfsfähigen .Alter stehenden Töchter 11er Heimlosen sind Flaut!- fertigkeitssdaiilen errichtet worden, in denen Mascliinentiähen und -stricken, Putzmacherei. Blumen-; fahrikation erlernt wird. Nachrichten Berlin. Unsere Gesinnungsgenossen l.eo Kohlt und Leopold K a 11 11 -Mannheim. l>f 1 i/!ewsaspir;1 Uten, haben das F 1 s e r 11 e Kr e ti / erhalten. Dr. S t a h I -'Tanmwitz (K. J. V ) bat den b a \ r. M i 1 i t ä r v e r 11 1 e n s t n r d e 11 1111t Sc h w c r t e 111 ־ erhalten. Das Mitglied des Vereins I lascluichar-Göln, Jacob S c ii 1! ון I c 1־ , ist in russische tief a n g inst I! a f t geraten. Berlin. (Z i ״ n i s t i s c h e r J tu; c 11 d v c r e i n.) Sonntag, den Id. Dezember: I lalhtagsw ainienuig von Jungferaihridc. Treffpunkt K.Yt auf Halmhof Jungfernbeide. Berun. (J u d 1 s e ii e r I 11 r n v e 1־ e 1 11 B a r K o e h h a). Venn der Har Kocliba seine vielen Freunde zu < laste ladt, dann kann er stets auf ein iiberlülllcs Haus rechnen, ganz besonders jedoch dann, wenn die Fiten! der zahlreichen jugcndmitglicder sich von der Arbeit 1111,1 dein Schallen des Vereins von neuem überzeugen wollen. Die (I 11 a 11 u k a h - I e s t 1 i e I! k eil, die ganz 1111 Rahmen eint י Festes für unsere Jugend stand, erhellte die anwesende altere (leiieration mit Stelz und F reude über das Konneu und sichere Aultieten unsere!־ Schüler 11ml Zoglinge. In der Festrede gab der Vorsitzende des Vereins Herr Georg Karrski dein (iedankeii Ausdruck, daß erst die schwere Zeit gezeigt hat, welche ernste Arbeit wir bisher geleistet und dal! diese Arbeit getreu dem alten Programm in kommenden glücklicheren lagen in ausgedehnterer Weise weitergeführt werde. Nach tlett einzelnen musikalischen Vortragen setzte dann der turnerische Teil lies Abends ein. Ls ist immer het/erfrischend, unsere!Wadellen in zierlicher Anmut mul unsere ,Schiller in lebhafter Frische turnen zn sehen. Jetles Flternpaar war glücklich, ihr Kind /wischen diesen lebhaften (iruppeu zu wissen. Hervorragend Gutes leisteten die Zöglinge am Doppelgerät, Pferd, Barreit, in würdiger Vcitretuiig unserer Maniwnibteihmg, die draußen in Sturm und Not ihre!,!licht tut. Diesen Braven galt ja auch der Ertrag tles Festes, der dadurch noch einen höheren Wert erhielt. Gncsen. Eine schone Clinmikali-Ueberraschung wurde den jüdischen Soldaten der hiesigen Garnison sowie den in hiesigen Lazaretten weilenden jüdischen Verwundeten mul Kranken bereitet. Der Jüdische Mädchen-Waiulerbnml (J. W. B.) lud die Soldaten für Sonntag, den ö. Dezember, 111 den Sitzungssaal der jüdischen Gemeinde ein. Nachdem die Leiterin des J. W. B. die Anwesenden begrüßt hatte, wurden die Chainikahliehter angezündet und Mnaiiszur gesungen. Während sich die Gäste an der Festtafel die reich aufgetafelten I lerrlichkeiten־ schmecken ließen, brachten die jungen Mädchen verseil irdene Gesangsstücke mit Maiidolineii-Bcgleilimg zu Gehör. Ein kleines Chanukali-Stück, das sein־ schon dargestellt wurde, er- Tobte die Fröhlichkeit. Nach der Tafel trugen die oingelaiiciieii triste selbst durch gesangliche und komische Vortiüge zur Feststiminting bei. Sie verabschiedeten sich zum Schluß mit herzlichen Dankeswerten an die jungen und jüngsten Mädchen, die ihnen einen Festtag \ oti cchtjiidischer Innigkeit bereitet hatten, Günzenhausen. Der neue Lese- und Diskutierkhib halt alle il läge literarische Abende ah. Von jüdischen Autoien wurden Perez und Znckemiann behandelt. Am Chamikah versammelte sich der Klub zu einer würdigen Festsitzung. Nach einer Ansprache und einem geschichtliche11 ״eberblick über die Makkabncrkriegg־ wurden 11. a. die .Ueiiorah um Th. Iler/1, das grolle Wecken um Auerbach, Mizpa und Auserwahlfes Volk von Zuckermaim, Vergessenheit tuitl Glockenrui \<>11 Zloeisti um th n Damen des Vereins vorgetragen. Die Stimmung war eine sehr Wcihetoily und zum ersten Male wurde für den N. F. gesammelt und mit gutem Ergebnis. Lübeck. Am 2. Abend ('.hanukah versammelte sich die Zionistische Ortsgru]>|'c zu einer internen M a k k aha er fei er. In kernigem Worten erinnerte Herr Dr. Leo Landau an 'die ־herrlichen Kampfe unserer Väter zu den Zeiten der Makkabäer und stellte diese in eine gelungene Parallele mit der Beteiligung unserer Brüder im jetzigen Völkerringcu. Die Vorlesung der schönsten Gedichte unseres auf dem 1 ־'eitle der Titre gefallenen 1 1 > Z ti c k er r in a n n beschloß den oft!;!eilen Feil der Feier, In fröhlicher Chanukah- Stimmung; bkeheii die ,Mitglieder noch bis gegen Mitteniacin beisammen. München. De! Jüdische W;1 11 d e r b 11 n d ״B I a u - \Y e 1 ß" hatte für Sonntag Nachmittag; die Eltern der Wanden■!־ und andere Gäste zu einem < diaimkahtcstc eiugeladen. Das reiche, zum größten Teil jüdische Programm, das bewegte, frische und fröhliche Ti eiben <101־ Jugend trugen wesentlich /.um Gelingen der Veranstaltung bei. Jeder wird das (:hamikahfest!Ls Blau-Weiß \״r allem als ein echtindisches Fest 111 der!:nnnermig behalten und mit Stolz des jungjüilisdn n (ic!>i< s gedenkt n, von dem Führer und Wanderer des Blau-W'cill erfüllt sind. Das P ן!ו!11;־ךי<ח 1 0 racl 1 tu in /WM mdoser Fol! W Gesangsvorträ; 0'׳״, (iedi CU tu;; 2nU‘t7׳ 1■ fc, igle ein reizender Mädcitenre ii׳uu, ili ׳r nD Sehlul ’!hild eine lene htentle Metrara I! iki r,steil t e. Di G PK■ 11)1;' sten ti er I •!1 au-Weiße 11 wurde!1 durch Freia ־־ nu>: 2'cA heil net. In seiner Ansprach e 20;.׳; Herr f)r 1\ affat. 1 S t r a 11 l'i eine Parallele /.was!. ’heu d( Ul fl;! sim neu r-K: impf en!!1111 der ücgcnwni t. Nach dem A I! 2 linden der Ginn ukahlichte tan/tuu die KU. am!1 (.,Uh ■n sorg! dilti- •; ein st ו rt! io rten Ki lufem i;»־ en. hu׳ rau; י tVliP Iw! /w• d S> 1•׳a-g ״(dha-