Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1915)
- Date
- 1915-12-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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r I I I I I ו 1 ו Abonnements auf die wöchentlich am Freitag׳ eracheinende ״Jüdische Rundschau“ kosten bei der Expedition und bei allen Postämtern vierteljährlich M. 1,75 innerhalb Deutschlands, in Oesterreich- Ungarn M. 2,50, im Ausland M. 3,—, Jüdische Rundschau, G. m. b. H. BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8. Telephon : Amt Uhland 845, 846, Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. DUCDISCHC RUNDSCHAU Anzeigen kosten für di• sechsgespalten« Petit- *eile oder deren Raum 40 Pf.; SteHan- Angebote und -Gesuche sowie Vereins- Mitteilungen und ״Kleine Anzeigen* O O O O tsur 30 Pfennig. O O O O Manuskripte werden, wenn Porto bei liegt, stets *uruckgeaaadt. Red&ktioassdxhdi ג Mittwoch vormittag». Reduktion Jüdisch• Rundjulm BERLIN W. IS, Sächsische Strafte ft, Telephon: Amt Uhland 845, 846, Postscheckkonti: Berlin Nr. 17392. ALLG6M€IN€ 9UCDISCHC ZGITUNG Nummer 51 Berlin, den 17. Dezember 1915 10. Tebeth 5676 XX. Jahrgang Die Pflicht Vor mehreren Wochen hat die Leitung der Zionistischen Vereinigung für I)cutschlanil an die deutschen Zionisten einen Appell ״(.'richtet. Sie wurden auf Gefordert, einen Kriegsbeit r a g zu entrichten, einen Beitrag, der die Organisation der deutschen Zionisten in die Lage setzen soll, zu arbeiten und ihren!»־roßen Aufgaben gerecht zu werden. Der Appell erging־ in einer Zeit, in der wir alle ״eiernt haben, den Wert organisatorischer Kraft und Leistung womöglich noch höher an- Zuschlägen als jemals zuvor. Wir nahmen also alle an, daß es genügen werde, die deutschen Zionisten aufzufordern, ein jeder Einzelne von ihnen möge seinen Kriegsbeitrag־ für die zionistische Laiidesorganisation entrichten; kennen wir doch die organisatorische Schulung der deutschen Zionisten. Schon einmal hat in der Jüdischen Rundschau ein treuer Mitarbeiter seine mahnende und warnende Stimme erhoben, weil er bei genauer Nachprüfung fand, daß die Mehrzahl der Zionisten ihrer Pflicht nicht liachgekonmien war. Dibarti gab damals der Hoffnung Ausdruck, daß sein Hinweis genügen werde, um die Säumigen zu befeuern. Leider ist bis jetzt seine Hoffnung nicht in Erfüllung־ gegangen. Die meisten der deutschen Zionisten haben noch den Kriegsbeitrag' ' n i c 11 t entrichtet. Sie scheinen nicht begriffen zu haben, welche unverzeihliche• Pflichtvcrsüunmis der Zionistischen Organisation gegenüber sie sich in dieser schweren Zeit zu schulden kommen lassen, wenn sie nicht einmal einem solchen Appell der Leitung entsprechen. Aus dem Felde wohl kommen die Kriegsbeitrüge; unsere Freunde, die vor dem f einde stehen, in den Schützengräben liegen, harten Dienst fern der Heimat tun, - sie alle hegreifen es, daß auch die Zionistische Organisation von ihren Zionisten Opfer und zum wenigsten Treue und Pflichterfüllung verlangt. Was bisher an Kriegsbeiträgen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland eingelaufeu ist, stammt dem Hauptteil■ nach aus den Leistungen unserer im Felde stehenden Freunde, die noch aus ihrem S o 1 d ihren K 1־ i e g s beit r a ־״ im wahren Sinne des Wortes abliefern. Die Zionisten aber, die der Opfer enthoben sind, welche unsere Freunde ו in Felde auf sich genommen haben, - sie haben uns enttäuscht. Ihnen müssen wir heute sagen : sie gefährden durch ihre Sorglosigkeit, Nachlässigkeit, Pflicht- Versäumnis die Arbeit der Zionistischen Orgunisation für Deutschland. Hier soll nicht noch dargelegt werden, wozu die Zionistische Vereinigung für Deutschland des Kriegsbeitrages bedarf. Wer das nicht verstellt, dem kam! es auch nicht erklärt werden. Auch w t r f ii h r e 11 Krieg־, Krieg mit allen Möglichkeiten, die unsere Arbeit erschweren, unser Werk gefährden könnten, die bedrohen, was wir, unserem Ziel entgegen, in langjähriger Arbeit geschaffen 11abcn. Auch wir können nicht durch 11 alten, wenn nicht der Geist einheitlicher Opferfreudigkeit unsere Zionisten beseelt und zur Pflichterfüllung treibt. Wir haben keine Staatsgewalt zur Verfügung, die unseren Maliniingen Nachdruck verleiht, uns fehlt die großzügige Technik, die die auf eigener Scholle orionisierten Völker iiufwenden können, um sich für einen historischen Augenblick bereit zu ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlieh-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Baseler Programm. inachetf und in ihm zu bewähren. Wir haben nichts als den Zionismus der Zionisten. Ist dieser nicht stark genug, <0 hilft uns kein Appell an ihr Verständnis fiir die Bedeutung der Organisation in dieser Zeit, für die Notwendigkeit, ihr gerade jetzt volle Arbeitsmöglichkeiten zu sichern. Nicht an unsere Freunde im Felde ist heute unsere ernste Mahnung gerichtet. Sie erfüllen ihre Pflichten, und sie wenden sich an uns immer wieder mit der Versicherung, daß sie nicht aufhören werden, ihre Treue der Organisation durch die Tat /u beweisen. Aber an die Zionisten in der Heimat appellieren wir, an sie, die es um so viel leichter haben als jene. Ihnen gilt das Malm wort.. Die Lage der Juden in Russland Den iiadisiehcndcn, Bericht über die g e g e 11 w ii r t i g e 11 Verhältnisse in Rulllaiul erhalten wir von einer se 11 r gut in- I o r m i e r t e!1 Persönlichkeit von der hol- I ii 11 (I i s 111 ־ e 11 (il enze. Ls ist eine in weiten Kreisen in Europa verbreitete Ansicht, daß in den inneren Verhältiiissen jn R 11 ß lg 11 d in der letzten Zeit eine gewisse ß e r u 1! i gu 11 g eingetreten sei, und daß namentlich die Lage der r u s s i s c 11 e n Juden eine bedeutende Besserung erfahren habe. Doch dem ist nicht so. Eine kleine Weile durften die russischen Juden frei aufatmeii. Es war dies die kurze Epoche des früheren Ministers des Innern, Fürsteil Schtsdierbatovv, Die Erweiterung des Wohnrechts für die Juden in allen Städten des russischen Reiches war gewiß eine bedeutsame Erleichterung für die Hmidcrttauserule von 1111glücklichen Flüchtlingen und Ansgewiesenen. Allerdings war diese Erweiterung ein Gebot der ן Die ,,Jüdische Rundschau" ן | in Russisch'Polen | Ü Die in Russisch-Polen bestehenden §§ § deutschen Postanstalten in Bendzin, §§ Ü Czenstochau, Kalisch, Kolo, Konin, §j j§ Lodz,Pabianice,Sieradz, Sosnowice, g j Warschau, Wielun und Wloclawek g j! nehmen Bestellungen auf die ״Jüg 1 dische Rundschau“ zum Abonnejj S in entspreis von j§ | M. 1,75 vierteljährlich | 1 entgegen. Ebenso werden Be- §§ g Stellungen aus diesen Städten auch g 1 bei der Unterzeichneten Administrag 1 tion entgegengenommen. §j | Administration der ״Jüdischen Rundschau“ | §§ Berlin W. '15 Sächsische Str. S. g ill!lllli!!lllllllli!llll|j|i!ll!l!lllllll!lllllill!llilll« Notwendigkeit für die russische Regierung, die den ungeheuren Fliichtliiigsmassen gegenüber völlig macht- und hilflos dastand, und ganz ratlos war, wo sie die Heere der Emigranten unterbringen sollte. Seit einigen Monaten wütet nun die Bande der ,,Schwarzen Hunderte“ mit einer noch nie d«gewesenen Intensität. Es ist für Kenner der Verhältnisse kein Zweifel, daß int gegenwärtigen Moment die ,,Schwarzen Hunderte“ den Sieg davongetragen haben. Die ,,Schwarzen Hunderte“ haben nun eine ganz neue Methode eingefülirt. Sie suchen durchaus nicht die Regierung für ihre Idee zu gewittneii, sondern haben sich mit der Militärgew alt ins Einverständnis gesetzt. Auf diese Weise haben sie nicht nur ihren Zweck, die zügellose Judenverfolgung, erreicht, sondern gehen auch der Regierung die Möglichkeit, sich vor der ()Öffentlichkeit an allen diesen Untaten unbeteiligt zu erklären, und die ganze Schuld auf die großfürstliche Soldateska zu schieben. In einer Reihe von Konferenzen der russisehen L i b e r a len, die kürzlich in Petersburg und Moskau .stattfanden, konnte mir der täglich w a c 11 s e 11 d e P e s s i in israus aller politischen Kreise festgestellt werden. Der Sturz des Oberprokurators des heiligen Synod, des erzreaktionären S a marin, die Folge eines Konfliktes mit dem Bischof Warnaba, einem früheren Bauern und ■unwissenden Dorfpatron, war das Zeichen für sämtliche liberale Kreise, daß der bekannte Hochstapler R asp u t i n wieder am Ruder sei. So sehen wir, daß die schwarze Kamarilla in den letzten Monaten gegen ihr altbeliebtes Opfer, die Juden, von neuem mit ihren alten Freunden lind Gönnern vereint, loszieht. Diesmal ist ihre Zentrale nicht Moskau und auch nicht Kiew . Das Mekka der Schwarzen ist diesmal der schöne Kaukasus, wo der Großfür.st Nikolai sein Zelt aufgesclilagen hat und gemeinsam mit .seinem Gehilfen, dem blutdurstigen I a n 11 s c 11 k e w i t s c 11, möglichst viel neue Leiden und Bedrückungen über die unglücklichen russischen Juden zu bringen sucht Vom Kaukasus aus führen die Drähte in die Salons der beiden Residenzen, wo täglich neue Leiden und neue Qualen für die Juden erfunden und ausgeführt werden. Von dort gehen alle die Befehle und Verordnungen der Militärmacht aus, die tfen Zweck verfolgen, die angeblichen ״Privilegien“, die den Juden bewilligt wurden, rückgängig zu machen. Die russische Regierung hat letzthin eine unangenehme Ueberraschung erlebt. Sie hat vor dein Ausland jahrelang die Unmöglichkeit der Erweiterung des Wohnrechts für die Juden damit erklärt, daß die einheimische Bevölkerung außerhalb des Ansiedlimgsrayons eine Iinigration der Juden mit Pogromen beantworten würde. Tatsächlich hat beinahe die gesamte russische Bevölkerung iri den Städten außerhalb des Ansiedlungsravons, wo große jüdische Massen sich niedergelassen haben, die neu «!!gekommenen Juden mit auffallender Freundliclikeit aufgenominen. Viele städtische Verwaltungen haben beschlossen, neue Hauser aufführen zu lassen, um den jüdischen Bewohnern Wohiiungstuöglichkeit zu gellen. Diese Erscheinung hat manchen Bureaukrateu in der Regierung veranlaßt, eine bcsondere Hetze gegen die neu aiigekommencn Juden zu inszenieren. Mit einem Male erließ eine Reihe von Gouverneuren ■und höheren (iouverneinentsbeamten, wie auf Verabredung,