Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1915)
- Date
- 1915-11-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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r ר¬! I Abonnements J auf die wöchentlich am Freitag־ er- | scheinende ״Jüdische Rundschau“ ■ kosten bei der Expedition und bei ■ allen Postämtern vierteljährlich M. 1,75 ■ innerhalb Deutschlands, in Oesterreich- 5 Ungarn M, 2,50, im Ausland M. 3,—. J | Jüdische Rundschau, G. m. b, H. | | BERLIN V7. 15, Sächsische Strafte 8. | | Telephon! Amt Uhlaad 845, 846* | | Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392j I-1 DUcDISCHC RUNDSCHAU Anzeigen körten für die aechsgcapaltene Petit- *eile oder deren Raum 40 PF; Stellen- Angebote und - Gesuche sowie Verein*- Mitteilungen und ״Kleine Anzeigen" O O O O nur 30 Pfennig. O O 0 O Manuskripte werden, wenn Porto beiliegL stets surüdegesandb Rcdaktionsschiiafl: Mittwoch vormittags. Redaktion Jüdische Rnndsdtn BERLIN W. 15, Sächsische Strafte «, Telephon: Amt Uhland 845, 846, Postscheck koote: Berlin Nr. 17 392. ALLG6M6INC 3UGDISCHC ZGITUNG Nummer 48 Berlin, den 26. November 1915 — 19. Kislew 5676 XX. Jahrgang. t)er Solidaritätsgedanke Lärtger als du halbes Jahrhundert hat die Alliance Israelite Universelle bestanden und arbeitet. Jetzt aber, während des Weltkrieges, ist in ihrer Organisation ein Riß aufgetan worden, der sich zu einer Kluft zu erweitern droht. Der Sekretär ihrer Pariser Leitung, Herr Jacques Bigart, hat einen vom Zentralkonsistoriurn der französischen Juden ausgehenden Appell an die Juden der neutralen Länder, sich in diesem Kriege für das französische Interesse zu exponieren, unter der Firma der Alliance und unter Ausnutzung ihres Rufes und Ansehens zur Versendung gebracht. Er hat durch diesen Akt der Parteinahme in das Oefiige der von Crernieux gegründeten Organisation einen scharfen Keil getrieben. Es muhte vorausgesehen werden, dal] die zahlreichen Mitglieder der Alliance in Deutschland diesen Schritt des Sekretärs der Pariser Leitung nicht ohne Antwort und Widerspruch lassen würden. Es war und ist selbstverständlich, daß die Juden Deutschlands als Staatsbürger einer mit Frankreich im Kriege stehenden Macht sich zu Worte melden würden, wenn die Organisation, der sie angehören, auf diese Weise in die politische Verwicklung dieser Zeit hineingezogen wird. Die Freie Konferenzgemeinschaft der Alliance Israelite Universelle 111 DeütscfrLmd irai, nachdem .nicht mal!.׳ in Zweifel gezogen werden konnte, daß der Name der Alliance für den Appell an die Juden der neutralen Länder zugunsten Frankreichs als Deckmantel in Anspruch genommen worden ist, die Suspendierung ihrer Beziehungen zur Zentralleitung der Alliance ausgesprochen. Diese Sus- .pendierung soll so lange gelten, als nicht für den eigenmächtigen Schritt des Herrn Bigart Genugtuung geleistet ist. Ein endgültiger Abbruch der Beziehungen ist nicht ausgesprochen worden. Man muB diese Zurückhaltung gerechtfertigt finden, wenn man weiß und berücksichtigt, daß es unter den gegenwärtigen Umständen fast unmöglich ist, die Wahrheit restlos festzustellen. Vor Jahren schon ist in Deutschland ein Kampf gegen die Pariser Leitung der Alliance Israelite Universelle geführt worden, weil man ihr zum Vorwurf machte, daß sie die jüdischen Interessen hinter französische zurücktreten lasse. Damals ist dieser Kampf nicht zum vollständigen Austrag gelangt, aber schon damals ist gerade von zionistischer Seite in ganz unmißverständlicher Form betont worden, was von ihr für richtig und für falsch gehalten wird. Esg bleibt tief bedauerlich, daß in dieser für das' üesamtjudentum so unendlich schweren Zeit der Anstoß zu einer ebenso unrichtigen und schädlichen als überflüssigen Auseinandersetzung gegeben worden ist, deren Resultat für die jüdischen üesamtinteressen nur schädlich sein kann. Es wäre vollkommen verkehrt, den Stoß, der von Paris aus geführt wurde, mit einem Gegenstoß zu parieren. Davon muß schon die Auffassung über den wahren Sinn der jüdisehen Solidarität abhalten, in deren Zeichen einst die Alliance Israelite Universelle gegründet worden ist, in deren Zeichen viele um das Judentum außerordentlich verdiente jüdische Persönlichkeiten aller Länder gearbeitet haben und die von der Pariser Leitung nun verletzt und bedroht erscheint. ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffenilieh •rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Baseler Programm. An uns aber ist es, zu sagen, daß zu der bedauerlichen Verkennung der Aufgaben jüdischer Solidarität nicht der Gedanke der j ii d i s c 1! e n Solid a r i t ä t selbst geführt hat, sondern eben die Verkennung und Mißdeutung dieses uns allen heiligen Gedankens, der aus der Sclucksalsv.erbundcnheit aller Juden fließt. Der Gedanke der jüdischen Solidarität kann durch solche Vorfälle nicht erschüttert und diskreditiert werden. Unberechtigt und gefährlieh ist es, wenn die Reaktion gegen den Pariser Appell diesseits wieder zu einer zum großen Teil apologetischen Leugnung des jüdischen Einheitsgedankens an sich führt. Aber es inuß fcstgelialtcn und betont werden, daß die Einheit jüdischer Organisationen nicht den Boden zu Versuchen bereiten darf, Juden des Auslandes in ihrer durch die Staatszugehörigkeit allein bestimmten Stellungnahme zu beeinflussen. Jüdische Organisationen sind für jüdische Zwecke gegründet und dürfen nur diesen dienen. Das üaluth-Schicksal des jüdischen Volkes hat die Glieder der jüdischen Gemeinschaft in einen Komplex von Beziehungen ' gestellt, die miteinander durchaus nicht in Widerspruch geraten müssen und nicht geraten können, wenn keine Verwischung ihres wahren Charakters eintritt. Darum kann und soll gerade anläßlich der Vorfälle innerhalb der Alliance Israelite Universeile, die zu lauten Diskussionen in der jüdisehen Presse Deutschlands geführt haben, ausgesprochen werden, daß die Bürgschaft der Juden füreinander sich auf ihre jüdischen Interessen und die Arbeit für die jüdische Gemeinschaft bezieht und von den Staatsbürgerliehen Beziehungen und Pflichten der einzelnen jüdischen Gruppen so wenig berührt wird, wie umgekehrt diese von jener. Dieser Gedanke der berechtigten jüdischen Solidarität und ihrer wahrhaften Sinnbestimmung wird sicherlich in Deutschland genügendes Verständnis finden und die entstandene Diskussion nicht ebenfalls zu ■falschen Schritten ausarten lassen. Jene aber, Ausweis der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Schekel: Berlin 5,—, Berliner Zionistische Vereiniguiig 150,- , Cassel 2,—, Duisburg 5,—, Halle 1,—, Ratihor I, , Regensburg 45,- , Straßburg i. E, 3,—, Würzburg 1,-, aus dem Felde 6,—. Landesbeiträge: Berlin 1, , Berliner Zionistisehe Vereinigung (1014) 53,- , Duisburg 15, , Ratibor 2,- , Regensburg 48,—, Würzburg' 2~. Propagandafonds: Cassel; Dr. Prager 5,—; Floß: Ferdinand Bloch 10,; aus dem Felde: 2 Beiträge 5, , Feldunterarzt Benjamin 5,—. Verschiedene Spenden: aus dem Felde 2,50. Eingang vom 11. bis 24. November 1915: Schekel: 210,— M.; Landesbeiträge: 68,— Mark; Propagand a f o n d s : 27,50 M. " Gesamteingang: Schekel: 3069, M.; L a 11 - de sbei träge: 3350,50 M.; Propagandafonds: 3287,50 IM. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W 56, Hinter der Katholischen Kirche 1. die um des Schicksals des jüdischen Volkes willen den Gedanken der jüdischen Solidarität im eigenen Herzen lebendigfühlen, brauchen sich nicht zu scheuen, offen und ehrlich ihrer Ansicht und ihrem Willen Ausdruck zu geben. Der Gedanke der jüdischen Solidarität ist unverletzlich. L e o H e r r in a n 11. Ein Mahnwort Sehr geehrter Herr Redakteur! In seinem Leitartikel in Nr. 45 der ״Jüdischen Rundschau“ stellt der verehrte Präsident unserer Landsmannschaft ״mit Befriedigung“ fest, ״daß die zionistische Stimmung auch in der Kriegszeit in der Opferwiliigkeit für unsere Institutionen und Sammlungen ihren vollen Ausdruck gefunden hat“. Ich bin recht erstaunt über diese Besclieidenheit, denn ich glaubte bisher (zu meinem Bedauern natürlich), etwas anderes konstatieren zu müssen. Von den etwa 10 000 unserer deutschen Schekelzahler stehen nach einer Angabe in demselben Artikel etwa 2000 im Felde. Das will doch besagen, daß der größte Teil unserer Gesinnung-sgenossen auch im Kriege seiner gewohnten beruflichen Tätigkeit nachgehen kann. Und \*ir vrissrerr׳doe£r-'g»m> gut,-׳ daß die meiste» unserer Freunde in Berufen sind, deren Einnahmen sich durch den Krieg nicht gerade viel gemindert haben. Wahrscheinlich werden aber unter ihnen auch eine ganze Anzahl sein, die trotz des Krieges ein höheres Einkommen haben. Das ist sogar bei einer Anzahl aus unseren Reihen der Fall, die jetzt im Felde stehen und dort in verschiedenen Positionen ein höheres Einkornmen als zuvor im Frieden haben, ich denke da an manche Juristen und Mediziner. Andererseits ist doch aber auch die Opferwilligkeit in der Kriegszeit eine allgemein erhöhte. Was will alledem gegenüber das besagen, was bisher unsere Sammlungen gebracht haben? Und wer, wie ich es getan habe, die verschiedenen Ausweislisten der ״Jüdischen Rundschau“ mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt hat, müßte mir ohne weiteres zustirnmen, wenn ich danach jetzt behaupte, daß unsere Gesinnungsgenossen sich durchaus nicht so opferfreudig gezeigt haben, wie es hätte der Fall sein können und wie wir es hätten erwarten können. Es war, wie es leider schon immer war: das, was gegeben wurde, stand durchaus nicht in dem richtigen Verhältnis zu den Einkommens- und Vermögensverhältnissen unserer Freunde, die doch so ungefähr denen, die schon lange in der Organisation arbeiten, bekannt sind. Es ist die alte Geschichte: je höher das Einkommen, desto geringer der Prozentsatz, den man seinem zionistischen Ideal opfert. Daher dann der Begriff ״Maasser“, worunter der Z e h 111 e zu verstehen w a r. Oder nennt man das ״Zedakah“, zu deutsch bekanntlich ״Gerechtigkeit“?... Nun gibt der üeschäftsführende Ausschuß des Zentral-Komitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland eine Gelegenheit, Versäumtes nachzuholen. Er verlangt einen einmaligen ״K r i e gs bei t r a g“, den er recht niedrig mit 6 M. bemessen hat, hofft allerdings, daß jeder nach seinem Können darüber hinausgehen wird. Das sollte nun aber auch wirklich für jeden und jede ein Ansporn sein, ein Mehrfaches, ein