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Jüdische Rundschau · 1915-11-19 · Heft 47 (19.11.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 47 (19.11.1915)
Date
1915-11-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 47 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 381 nahmegesuchc eingereicht, 2 von Christinnen und 6 von Jüdinnen.“ Die polnischen Antisemiten verlangen also schon nach der ״Prozentnorm“. Es kann aber an die Ausführungen in der ״Norddeutschen All gemeinen Z e i t u 11 g“ erinnert werden, iri denen ganz deutlich gesagt wurde, daß die Warschauer Hochschulen keine Benachteiligung irgendeines Bevölkcrungsclements kennen werden. Eine jüdische Kunstausstellung in Warschlu. Wie aus Warschau berichtet wird, wird dort binnen kurzem eine große jüdische Kunstausstellung durch den bekannten jüdischen Künstler und Bildhauer A. Eisenberg veranstaltet werden. Herr Eisenberg ist dem Warschauer Publikum nicht nur als talentvoller Künstler, sondern auch als erfolgreicher Organisator jüdischer Kunstausstellungen wohl bekannt. Die von ihm veranstaltete Kunstaus- Stellung in der ״Luxemburger Cialerie“ in Warschau, in der er einen auserlesenen künstlerischcn Geschmack an den Tag legte, hat seinerzeit in weiten Kreisen des Warschauer Publikums das lebhafteste Interesse hervorgerufen und ist von Zehntausenden besucht worden. Die neue Ausstellung wird eine große Kollektion von Kriegsbildern von Hermann Struck enthalten, ferner u. a. auch Bilder aus dem jüdischen Leben in Galizien und Amerika. Außer der Struckschen Kollektion werden auch die wertvollsten Werke Eisenbergs sowie auch die namhaftesten Schöpfungen des bekannten jüdischen Bildhauers Prof. Henrik Glizenstein und der Künstler und Kunstmaler Mauricy Trembätsch, Weigel, S. Minkowski, Regina M u n d l a c k u. a. zur Ausstellung gelangen. Dieser Nummer liegt ein Chanukah- Prospekt des Jüdischen Verlags bei. AUS ALLER WELT Aus Südafrika■ (Sechs Juden in das südafrikanische Parlament gewählt.) Bei den Wahlen rum Parlament von Südafrika wurden sechs Juden gewählt. Vier davon sind bekannte Mitglieder der Z i o n i s t i - sehen Organisation. Unter anderen wurde Morris Alexander, Vorstandsmitglied der Zionistischen Organisation in Südafrika, gewählt. Aus Amerika. Die neue Ausgabe des Amerikanisch-jüdischen Jahrbuches, das von der J e w i s h Publi cation Society und vom J e w i s 11 American Committee herausgegeben wird, enthält eine Menge statistischen und chronologischen Materials und zwei besondere Artikel. Der eine von Frl. Henriette Szold behandelt ״Die neuen jüdischen Fortschritte in Paliistin a“, der andere von Dr. Joseph Jacobs ״D i e a tn e r i - kanisch-jüdischc Philanthropi e“, Frl. Szold verwertet in ihrem Aufsatz die Erfahrungen, die sie auf ihrer Reise in Palästina gesammelt hat. Der historische Uebcrblick über die Entwicklung der jüdischen Interessen in Palästina berichtet nicht nur über den materiellen Fortschritt; auch Religion und Kultur werden eingehend behandelt. Aus RuEiand. Seit der jüdische Ansiedlungsrayon in Westrußland nicht mehr in russischer Hand ist, haben die russischen Juden durch einen Erlaß des Ministerrats zwar das Recht erhalten, in den Städten innerhalb des Ansiedlungsrayons zu wohnen, sie haben aber nicht ausdrücklich das Recht bekommen, in diesen Städten Handelzutrei־ ben. Da in Rußland insbesondere den Juden gegenüber der Grundsatz gilt, daß alles, was nicht ausdrücklich erlaubt worden ist, als verboten zu gelten hat, werden den neueingewunderten Juden in den verschiedenen russischen Städten die größten Schwierigkeiten gemacht, Wenn sie Gewerbe und Handel treiben wollen. Ein russisches Gesetz aus dem Jahre 1898 verlangt, daß ein Jude, der außerhalb des Ansiedlungsrayons eine Bescheinigung, daß er Handel treiben dürfe, bekommen will, eine spezielle Wohnrechtsbescheinigung beibringen muß. Die Juden, die sich in den ihnen bisher verschlossenen Städten auf Grund der allgemeinen Erlaubnis des Ministerrats niederlassen, besitzen natürlich keine besond e r e W o h n r e c h t s b e s c h e i n i g 11 n g und daher wird ihnen auch die Ausstellung einer Bescheinigung, daß sie Handel treiben dürfen, verweigert. Der Vorsitzende des Börsenkomitees in Nikolajevv intervenierte in dieser Angelegenheit beim Finanzminister, der sie dem Ministerium des Inneren zur Erledigung übergab. Dieses beschloß nun die Aufhebung des Gesetzes von 1898, so daß vo!1 den netieiiigewanderten Juden keine besondere Wohnrechtsbescheinigung verlangt werden soll, wenn sie die Erlaubnis, Handel zu treiben, fordern. Trotzdem ist eine ausdrückliche Erklärung des Ministeriums, die den Juden die Handelsberechtigung in den ihnen neu eröffneten Städten gewähren soll, trotz aller Versprechungen bisher nicht erschienen. ן 1* ln Moskau fand in der Aula des Polvtechnischen Museums eine allgemeine Versammlung der Jüdischen Gesellschaft zur Unter- Stützung der Kriegsleid ■enden unter dem Vorsitz des Herrn Dr. J. T s ch 1 e n o w statt. Der Vorsitzende schilderte kurz die Tätigkeit der Verwaltung, die gegenwärtige Lage der jüdischen Flüchtlinge und die Ursachen, die die Verwaltung der Gesellschaft Jjlllllllllillllllllllllllllllllll | Makkabäerfeier | 1 Berliner Zionistische Vereinigung | §j Meistersaal, Cöthener Str. 38 g g Montag, 6. Dezember, 8 Uhr I Festrede: Dr. Alfred Kl ee m I Rezitationen: Eihel Scharon | §§ (vom Theater in der Königgrätzer Straße) g 1 Violine: Elisabeth Lesser §§ Ü Gesang: LeoGoIlanin 1 § Karten zu 2 und 1 Mk. bei Tietz, Bote &. Bock g H und im Bureau der Zionistischen Vereinigung ₪ g für Deutschland. g %)lllllllllllill!ll!!ll!illllllll!!!tllllllll1y veranlanlaßt haben, die Versammlung, die auch die Wahl der neuen Verwaltung vornehmen solle, einzu־ berufen. Aus den Berichten der verschiedenen Jüdisehen Gesellschaftern in Moskau, die unter der Leitung der Verwaltung stehen, ging hervor, daß während der letzten 10 Monate, in der die gegenvvärtige Leitung arbeitet, 663 000 Rubel in Moskau gesammelt worden <;ind. Hiervon wurden 116 000 Rubel in Moskau selbst, 250 000 Rubel in den Gouvernements Lomscha, Plozk und Grodtio und 170 000 Rubel in den neueröffneten Städten außerhalb des Ansiedlungsrayons, wo sich jetzt die Tätigkeit der Moskauer Komitees hauptsächlich konzentriert hat, verteilt. In die neue Verwaltung wurden mit einer ab' soluten Mehrheit die Herren Dr. J. Tschlenow, Rabbiner J. M a s e, L. J a f f e, J. A. Najditsch, D. W i s o t z k y, L. M o t i 1 j e w, L. B i s k , A r k i n , Berlinraut, Juber, Lunz, Pevvsner, Ponisowsky, Raskin und Fuks gewählt. Nach einer Erklärung des Herrn Heiligmann begrüßte die Versammlung die Wiederherstellu 11g der jüdischen Presse in Rußland, indem nämlich die neue jüdische Tageszeitung ״Retrograder Tageblatt“ in Petersburg am 18. Oktober russ. St. zu erscheinen begonnen hat. * Laut einer Meldung der liberalen Petersburger Tageszeitung ״Rjetsch“ werden sämtliche nach Archangelsk gekommenen jüdischen Kriegsflüchtlinge durch Polizeiverfügung aus dieser Stadt ausgewiesen, ungeachtet der ״Aufhebung“ des Aufenthalts- Verbots außerhalb des Ansiedlungsgebiets. ln gleicher Weise werden die Juden aus Kiew verwiesen. Hier ist den Juden der Aufenthalt nur in den zwei Vororten Libedskoje und P r o s k 0 j e gestattet. Auf Grund eines Befehls der oberen Militärbeliörde wurden aus der Stadt Aschabad m e fl - rere hundert jüdische Familien, die sicti in letzter Zeit dort niedergelassen haben, mit einer Frist von 24 Stunden aus׳״ c w i c s c 11, Die Verwendung der jüdischen Dumaabgeordneten in dieser Sache blieb e r f o 1 g 1 o s. * Den Nachrichten des Petersburger Zentralkomitees zufolge ist der Erlab, der den Juden das Aufentlialtsrccht außerhalb des Ansiedlungsrayons gewährt, in den Städten der Gouvernements” C ha rk 0 w , Rost o w a m I>011, S a r a t o w, Smo- 1 e n s k , N i s c 11 n i - N o w g o r o d , U f a , Wo- I o ״ d a , K a s a n , S a tn a r a , T o tu s k und O r e n - bürg ohne jede Beschränkung verwirklicht worden. Es werden aber vorläufig in allen diesen Städten den neueingewaiiderten Juden Schwierigkeiten in der Ausübung von Handel und Gewerbe bereitet, da der genannte Erlaß sieh nur auf das Wohnrecht bezieht. Es wird jetzt eine Erklärung des Ministcriums über die Handelsrechte der Juden in den neuen Städten erwartet. * Schon früher berichteten wir, daß in Rostow am Don trotz des Aufenthaltsverbotes medizinisch vorgebildeten Juden ein Verbleiben gestattet sei. Diese merkwürdige Abweichung findet ihre Aufklärung in einem besonderen Erlaß des Zaren, der sämtlichen jüdischen Feldscher» und Heilgehilfen den Aufenthalt in dem von Kosaken bewohnten Dongcbiet für die ganze Kriegszcit gestattet,?,um die Bevölkerung von den in letzter Zeit dort grassierenden ansteckenden Krankheiten zu heilen“. * Ein Rundschreiben des russischen Handelsm i n i s t e r s gestattet die Aushändigung von Handelspatenten an Juden in allen denjenigen Orten, in denen die Juden laut Verfügung vom 17. August aas Wohnrecht erhalten haben. * Wie aus Moskau berichtet wird, hat die dortige jüdische Gemeinde an die Regierung־ das Gesuch gerichtet, man möge den gali zischen Juden erlauben, sich mit Handel und Handwerk zu befassen. Das Gesuch wird mit dem Umstand begründet, daß die Massen verschickter galizischer Juden den armen Gemeinden zur Last fallen, während sich unter den Verschickten zahlreiche gute Handwerker und Gewerbetreibende befinden, die gern arbeiten wollen. Auch haben sich zahlreiche jüdische Geschäftsinhaber bereit erklärt, galizische Juden in ihren Geschäften zu beschäftigen. * Nach Berditschew wurden dieser Tage 50 galizische Juden, darunter mehrere Rabbiner, gebracht. Sie wurden als ״Geiseln“ in das städtische Gefängnis eingeliefert. * Binnen kurzem wird in Odessa eine Sammelschrift über ״Palästina im Krieg e“ erscheinen. Die Schrift wird 11, a. Aufsätze von M. Ussischkiii, A. Sußmann, J. Klausner, J. Kleb a n o w und L. J a f f e enthalten. * Am 5. November d. J. begann in Petersburg eine neue j i d i s c h e Tageszeitung unter dein Namen ״Retrograder Togblatt“ zu erscheinen. Jüdischer Hilfsfonds 1915 In! Inseratenteil unserer heutigen Nummer ist der für die Notleidenden in den besetzten Teilen Rußlands erlassene Aufruf des ״Jüdischen Hilfsfonds 1915“ veröffentlicht. Nachrichten Berlin. Unsere Gesinnungsgenossen Gefreiter James S o k o 1 o w s k i - Charlottenburg, Leutnant Fritz H a n t k e - Berlin, Herbert E n g e 1 - Wilniersdorf (K. J. V.), stud. ing. Marum-Cöthcn (Matta-' phiä) und Leopold I s r a e 1 - Ncuniark (K. J. V.) haben das Eiserne Kreuz erhalten. Letzterer wurde gleichzeitig zum Sanitäts-Feldwebel befördert. Herr Unteroffizier Martin Loewenthal -Halle wurde zum Vizefeldwebel befördert. Unsere Gesinnungsgenossen Rechtsanwalt Dr. Arno Loe wen stein - Woldenberg N. M. (K. J. V.), Fritz M e y e r - Stettin (Inhaber des Eisernen Kreuzes II. u. I. Klasse), David S c 11 i c k I e r - Berlin (Jüdische Turnerschaft) sind gefallen, Richard Horwitz (K. J. V. Freiburg) ist vermißt. Der Stabsarzt der Reserve Herr Dr. Hermann L i 11 d n e r - Ratibor ist im Feldlazarett gestorben.

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