Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1915-11-12 · Heft 46 (12.11.1915) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 46 (12.11.1915)
Date
1915-11-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2651922-2651966--10366-2667780
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 374 J U E DI SC H E RUNDSCHAU Nr. 46 r der vom Bürgerkomitee für Scliulzwecke bestimmten Geldmittel zur Verfügung gestellt werden. Die Versammlung fordert das Bürgerkomitee auf, das Prinzip einer obligatorischen, unentgeltlichen Volksschule auch auf die jüdischen Schulen auszudehnen, so daß den Eltern die Möglichkeit freistehen soll, nach ihren Wünschen ihre Kinder in jüdische oder polnische Schulen zu schicken.“ Mitteilung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Wir haben unseren Jahresbericht für das Kriegsjahr 1914/15 allen Mitgliedern zugesandt, deren Adressen in unseren Kartotheken geführt werden. Gesinnungsgenossen, die den Bericht noch nicht erhalten haben, bitten wir um Angabe ihrer genauen Adressen. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. AUS ALLER WELT Am Oesterreich. Einen Appell an die jüdische Oeffentlichkeit richtet ein neugegründetes Komitee zur Aufklärung über os t jüdische Fragen. Der Aufruf betont, daß das Interesse der breitesten Oeffentlichkeit sich infolge der Kriegsereignisse dem ostjüdischen Problem zugewendet hat. ״So erfreulich diese Tat- Sache an sich auch sein mag,!null es doch jedem Kenner der Verhältnisse auffallen, daß neben manch Richtigem und Zutreffendem auch sehr viel U11richtiges und Entstelltes geboten wird. Oft werden sogar in bester Absicht Vorstellungen über ostjüdisefies Wesen und Lehen verbreitet, die zu den wirkliehen wirtschaftlichen, kulturellen, religiösen, sozialen und politischen Zuständen in krassem Wider- Spruche stehen: Wesentliches wird übersehen, Unwesentliches hervorgehoben von den Fällen nicht zu reden, in denen infolge falscher Information oder gar aus böswilliger Absicht die abenteuerlichsten Dinge erzählt werden. Ikaß hierdurch die Ostjuden, die ja gerade jetzt samt ihrer Umgebung vor großen Scnicksalswendüngen stehen, in ihrem lebenswichtigsten Interesse bedroht werden und mittelbar die gesamte Judenschaft gefährdet wird, liegt auf der Hand. Abhilfe ist dringend nötig. Wir, die Unterzeichneten, sind darum zusammengetreten, uni sie zu schaffen. Wort und Schrift wollen wir benützen, um über die Lebenstatsachen des Ostjudentums Klarheit zu verbreiten, eine richtige Wertung der ostjüdischen Probleme atizubalmeii und Irrtümern, wo und in wessen Interesse immer sie auftauchen mögen, entgegenzutreten. Das Büro, das wir zu diesem Zwecke eröffnen, wird eine ebenso gründliche und systematische, wie vielfältige Arbeit zu bewältigen haben. Es wird sie nur dann leisten können, wenn ihm die weitesten jüdischen Kreise ihre moralische und matcriellc Unterstützung gewähren. Wir bitten demgemäß um Ratschläge, Anregungen, Mitteilungen, wir bitten um Förderung durch einmalige oder periodische Beitragsleistungen. Die Bedeutung der Sache läßt uns hoffen, daß wir keine Fehlbitte tun.“ Als das ״Komitee zur Aufklärung über ostjüdische Fragen“ unterzeichnen die Herren: Dr. Wilhelm B e r k e I h a m 111 e r, Dr. Nathan Birnbaum, Dr. 1. S. Bloch, Dr. Max Brod, Dr. B. S. F e 1 d m a » n , Rabb. I)r. ■Max G r u n - wald, Red. Meir H e n i s c 11, Kais. Rat Karl Hirsch, Dr. Hermann Kadisch, l)r. Anselm Klein m a n n , Red, B. Locker, S. Meiseis, Dr. Karl Po Hak, Red. M. N. Racker, Reichsratsabgeurdueter Heinrich Reizes, Dr. Ignaz Schipp e r, Rabb. (iedalje S e h in e 1 k es, Siegfried Schmitz, Adolf Stand, Dr. W. Stein, Dr. F. S t e r!1 b e r g , Ob.-Ing. Robert Stricker, Löbi Taubes, Reichsratsrev. Rudolf T a 11 s s i g. Die Adresse des Komitees zur Aufklärung über ostjiidisclie Fragen lautet:: Wien IX, Seegasse 25/15. Zahlstelle ist das Bankhaus A. Hecht, Wien■XV, Mariahilfer Str. 138. Aus Amerika. (I > i e Ko n f e r e n z d e s A in e r i c a 11 Je w i s 11 C o m in i 11 e e v e r schöbe 11.) Die allgemeine Bewegung gegen die vom A m e r i c a 11 J e w i s ii C o in in i 11 e c geplante Koufe re 11z amerikanisch-jüdischer Organisationen und für den von den amerikanischen Zionisten propagierten alljüdischen demokratischen Kongreß hat bereits ihren ersten Erfolg gezeitigt. Im Anschluß an die von der U. O. B. B. veranstalteten F i n i g u 11 g s - k o 11 f e r e n / , über die wir 111 einer früheren Nunimer berichteten, hat das American Jewish Committee jetzt offiziell die von ihm bereits einberufeite Konf e r e 11 z bis auf weiteres v c r t a g t. Aus Russisch-Polen. Die jüdische Abteilung der Kommission für öffentliche Arbeiten in Warschau erwägt bereits seit längerer Zeit die Möglichkeit der Beschäftigung jüdischer Arbeiter in der Landwirtschaft. Der erste Schritt in dieser Richtung wurde in dieser Woche unternommen. Aul die Initiative eines Mitgliedes der genannten Kommission, des Ingenieurs Sluzki, bildete man eine Gruppe von 30 jüdischen Arbeitern, die jetzt in den landwirtschaftlichen Betrieben der nächsten Umgebung von Warschau beschäftigt werden. Sie erhalten bei Hlstündiger täglicher Arbeitszeit 12 Kopeken für die Stunde. Die Gesellschaft zur Unterstützung kriegsnotleidender Juden hat diesen Arbeitern die weitgehendste Fürsorge angedeilien lassen. Sie sorgte für die Be- Schaffung warmer Kleidung, verschiedener Gerätschäften, wie Schiebkarren, Spaten usw. und bestimmte für diesen Zweck vorläufig 400 Rubel. Auf der Arbeitsstelle werden den Arbeitern neben anderen Vergünstigungen Wolingelcgenheit, Tee und Zucker unentgeltlich gewährt. Der ersten Gruppe wurde seitens der Gesellschaft ein tüchtiger Verwalter beigegeben, dem an Ort und Stelle die Sorge für die Einordnung der Arbeiter und die Beaufsichtigung der Wirtschaft obliegt. In nächster Woche wird eine zweite Gruppe von weiteren 30 Arbeitern nach derselben Wirtschaft abgehen. Laut Versicherung der ״Kommission für öffentliche Arbeiten“ besteht die Möglichkeit, auf diese Weise zahlreiche Arbeitslose der Landarbeit zuzuführen. * Das ״Warschauer Tageblatt“ berichtet unter dem 24. Oktober: ״Der amerikanische Konsul in Warschau erhielt heute eine telegraphische Anfrage von der amerikanischen Regierung in Washington über die Lage der jüdischen Heimatlosen in Warschau und welche Mittel nötig sind, um sie aus ihrer gegenwärtigen Lage zu befreien und ihnen die Rückkehr in ihre Heimatsorte zu ermöglichen. Der amerikanische Konsul ließ unverzüglich seiner Regierung einen telegraphischen Bericht zugehen, in dem er darauf hinwies, daß zu dem genannten Zwecke mindestens eine Summe von 500 000 Doll, nötig sei, die schnellstens zur Verfügung gestellt werden müsse.“ Aua Rußland. Die jüdischen Abgeordneten Fried mann und Dr. B 0 m a s c h begaben sich zum Hilfsminister für Bildungsangelegenheiten, Schevvjakow, und stellten ihm vor, in ■welche unnormale Lage die jüdischen Studenten geraten würden, wenn man ihren christliehen Kameraden den Besuch der Militärschulen und die Teilnahme am Ausbildungsunterricht für künftige Offiziere gestatte, für die jüdischen Studenten aber die alte Beschränkung auch weiter bestehen lasse. Sie baten den Minister, falls der Ministerrat einen diesbezüglichen Beschluß fassen sollte, dahin zu wirken, daß auch den jüdischen Studenten dasselbe Recht gewährt werde. Der Hilfsminister versprach den Abgeordneten, ihre. Darlegungen dem Ministerrat zu übermitteln. * Der Ministerrat, der die Einziehung der bisher vom Militärdienst befreiten Studenten beschloß, behandelte dann auch eingehend die Frage der Ein- ־ berufung der jüdischen Studenten. Einige Minister waren der Meinung, die Einberufung der jüdisehen Studenten sei nicht zweckmäßig, da ja die Juden nach dem Oesetz zu Offizieren nicht befördert werden könnten, andere dagegen erklärten, dies wäre eine unbegreifliche Bevorzugung der jüdischen Studeuten ihren nichtjüdischen Kameraden gegenüber. Nach eingehenden Debatten wurde aber beschlossen, die j ii d i s c 11 e 11 St u d enten nicht cinzubcrufen. * Die einzige Stadt im ganzen Petersb u r g e r G o 11 v e r 11 e m ent, in der den Juden der Aufenthalt auf Grund des bekannten Ministerialerlasses vom 13. August erlaubt worden ist, ist das kleine Städtchen N 0 w a j - L a d 11 g a. Alle anderen Städte dieses Gouvernements sind nach wie vor den Juden verschlossen, trotzdem der Erlaß ausdrücklieh nur die Residenzstädte lind nicht die Gouv e r 11 e m ents von der Aufenthaltserlaubnis ausnimmt, wie das Ministerium in bezug auf das Moskaucr Gouvernement auch neulich offiziell bestätigt hat. > * In Kiew scheint der Ministeriaierlafi vom 13. August die rechtliche Lage derjuden noch versc hie eilt er t zu haben. Bekanntlich erklärte der K i c \v e r Statthalter, der Erlaß könne vorläufig für Kiew keine Gültigkeit haben, da die Wirtschaftliehen und militärischen Bedingungen der Stadt eine neue Zuwanderung von Juden augenblicklich völlig unzulässig erscheinen ließen. Infolgedessen wird jetzt der Zuzug nach Kiew auch denjenigen Juden nicht gestattet, die das Wohnrecht außerhalb des Arisiedlungsrayons immer besessen haben, wie Aerzte, Rechtsanwälte, K a 11 f 1 e 111 e erster und 7. w e i t e r G i 1 d e , Han d w e 1־ k e r usw. Den j ü - dische n Studentinnen des Medizinischen Instituts, die bisher immer auf Grund ihres Studiums in Kiew frei wohnen durften, wurde jetzt, als sie mit Beginn des neuen Semesters nach Kiew zurückkehrten, das Aufenthaltsrecht ebenfalls entzogen. Der Abgeordnete der ersten Reichsduma, Rechtsanwalt J a k 0 b s o h 11 , der sich als Rechtsanwalt im ganzen russischen Reich frei bewegen darf, kam gelegentlich nach Kiew, wurde aber sofort auf Grund der er- \1 ahnten Verordnung des Statthalters aus g e wiesen und erhielt schließlich mit großer Mühe die Erlaubnis, sich wenigstens 3 Tage dort aufhalten zu dürfen. * Nach einem Bericht des ״Djen“ verbot die K i e w c r Militärbehörde denjenigen jüdischen Einwohnern Kiews, die die Stadt vorübergehend verlassen haben, nach dem 18. d. M. in die Stadt zurückzukehreii. Stellennachweis Wir sind in der Lage, Stellen für Warenhaus- Verkäufer, Damenschneider, Hausdien er,Packer und Polst er-Dekorat eure bei einer Firma in Duisburg nachzuweisen. Berücksichtigt werden auch Ausländer, falls sie der deutschen Sprache mächtig sind. Hilfskomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Berlin W 15, Sächsische Str. 8. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Tunis. Aus Tunis wird berichtet, daß dort in der letzten Zeit eine große zionistische Tätigkeit entfaltet wird. Vor kurzem fand in der Hauptstadt T11 n i s eine große zionistische Versammlung statt, an der zahlreiche arabische und afrikanische Juden teilnahmen. Die Versammlung sprach sich einhellig für den zionistischen Gedanken aus und beschloß, die gesammelten Schekelgelder an die Zionistische Organisation abzuführen. Ungarn. ln Ungarn hat das Zionistische Landeskomitee die Organisierung einer geregelten Wintertätigkeit unternommen. Im ganzen Lande sind die Sammlungen für alle zionistischen Fonds eifrig im Gange. Alle zionistischen Vereine arbeiten, obwohl durch die vielen Einziehungen zum Heere viele wertvolle Arbeitskräfte fehlen. Man hat hier nicht ohne Erfolg versucht, Frauen und Mädchen zur Leistung der zionistischen Arbeiten heranzuziehen. In Budapest sind es besonders der akademische Verein ״Maccabaea“ und der Mädchenverein ״Deborah“, die die regelmäßige Arbeit wieder aufgenommen haben. Es werden regelmäßig wöchentlich Vorträge und Seminare abgehalien. Daneben setzt auch der zionistische Turnverein V. A. C. seine Tätigkeit in anerkennenswerter Weise fort. Durch die zahlreichen in Budapest weilenden galizischcn Flüchtlinge hat das Interesse für die hebräische Sprache sehr zugenommen, und es werden von den Flüchtlingen mehrere hebräische Sprachkursc erteilt, für die ein großes Interesse vorhanden ist. Auch die Budapester Bürgervereine ״Kadimah“ und ״Herz!“ suchen und finden Gelegenheit zu zionistischer Tätigkeit, wenn auch zu öffentlichen Propagandaversammlungen keine Möglichkeit besteht. Es ist in Aussicht genommen worden, geschlossene zionistische Vercinssitzungen einzuberufen, um durch sie das zionistische Interesse wachzuhalten und die Gelegenheit zu einer Aussprache herbeizuführen. Außer in Budapest bestehen insbesondere1 in Kolesvar, Poszony, Temesvar, Nyrtra und Kassa gute Arbeitsmöglichkeiten, deren Ausnutzung unmittelbar bevorsteht. Viel trägt zur Aufrechterhaltung der ungarischen zionistischen Organisation auch der ״S z i d 0 Szemle“ bei, der als offizielles Organ des Landesverbandes das wichtigste Mittel ist, um den Zusammenhang mit den Provinzvereinen aufrecht zu erhalten. Nachrichten Berlin. (Wandergruppe des Zionistisehen J11 g e 11 d v e r e i n s.) Sonntag, den 14. November 1915: Tageswanderung nach dem Störitzsee. Bahnsteig Alexanderplatz, Abfahrt 8,46 Uhr, Fahrkarten nach Erkner. Sonntag, den 21. November 1915: Halbtagswandemng Hermsdorf- Heiligensee. Abfahrt Stettiner Bahnhof, 8,55 Uhr nach Hermsdorf. Sonntag, den 28. November 1915: Tageswanderung von Potsdam. Treffpunkt 1/2C* * Uhr Alexanderplatz. Berlin. Die Gesinnungsgenossen Lukats c h e w s k 1 und C11 w o j n i k , jetzt in Oesterreich, bitten die Redaktion der ״J e w r e j s k a j a J i s n“, die Mitteilung aufzunchmcn, daß sie sich wohl befinden und ihre Freunde grüßen. Glogau. Am letzten Sonntag haben wir liier die aus dem Grabe bei Lndwinow exhumierte Leiche unseres im Mai gefallenen Arthur Schweitzer zur ewigen Ruhe gebettet. Die große Trauerversammlung legte noch einmal Zeugnis ab von der Liebe und Verehrung, die Schweitzer trotz seiner Jugend allseitig genossen hat. Zu Häupten des Sarges standen die drei Chargierten der H a s m 0 n;1 c a - Berlin mit ihrem Banner. Nach der Rede des Rabbiners sprach Referendar Siegbert S tbin - Berlin, der Bundesbruder und Kriegskamerad Schweitzers war und an dessen Seite Schweitzer fiel, im Namen des K. J. V. tiefergreifende Worte treuer Freundschaft. Noch drei Salven über das offene Grab und die ersten Schollen Erde fallen dumpftönend auf den Sarg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.