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Jüdische Rundschau · 1915-10-08 · Heft 41 (8.10.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 41 (8.10.1915)
Date
1915-10-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 41 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 331 David Kahane Ein gutbekannter, vielsagender Name, den wir jahrzehntelang in allen besseren hebräischen Journalen und Sarnmelbüchern zu finden gewohnt sind, ist wieder in einen! schwarzen Viereck eingeklammert. 77 Jahre alt ist David Kahane geworden. Zirka 50 Jahre war er als gewissenhafter historischer Forscher und geachteter Wissenschaftler tätig. An keinem Gebiet unserer alten Gcistesgeschichte, das Probleme stellt und Anregungen birgt, sind seine unzähligen Arbeiten achtlos vorübergegangen. Bibelexegcse und Midrasch-Sagen, mittelalterliche Philosopnen und Dichter, Sprachforscher und Religionsketzer, Mystiker und Freiheitsdenker - - alles und alle zog er in den Kreis seiner Aufmerksamkeit, von den Sirachforschungen bis zu Lilienthals Stellung in der russischen Aufklärung. Seine biographischen Studien über die Schriftsteller des Mittelalters, wie auch die vielen historischen Urkunden, die er aus Handschriften und alten Büchern fleißig gesammelt, bearbeitet und herausgegeben hat, gehören zu den ernsten historischen Arbeiten in der hebräischen Literatur. Selbst Autodidakt, der den Forschungsmethoden der Neuzeit fernstand, besaß er doch eine eindringende Kenntnis der heimischen Quellen, historische Begabung und kritischen Scharfsinn. Mit der Literatur der jüdischen Wissenschaft des Westens vertraut, war er auch eine Zeitlang einer der wenigen, die die Kluft zwischen den Schöpfern der Wissenschaff des Judentums in den fremden Sprachen und ihrem natürlichen hebräischen Leserkreis überbrückten. Sein Lebenswerk aber war die Geschichte des jüdischen Mystizismus. Noch im Anfänge der 70er Jahre veröffentlichte Kahane in Smolenskis ״Haschachar“ seine Monographie ״E wen h a t o i m“, gewidmet der Geschichte der Kabbalisten in Safet, der erste bedeutende wissenschaftliche Versuch, ein historisches Licht auf diese merkwürdige und folgenreiche Epoche zu werfen. Bald wurde es klar, daß diese Arbeit nicht eine gewöhnliche isolierte Abhandlung darstellt, sondern daß hier ein Versuch gemacht wird, eine Erklärung für die Gestaltung der jüdischen Mystik in den folgenden Jahrhunderten zu finden. Und von da an bis in die letzten Jahre seines Lebens vertiefte sich Kahane immer wieder in diese seine Lieblingsarbeit. In den Jahrbüchern von Sokolow und von Rabinowitsch, im ״Haschiloach“ von Achad- Haam und von Klausner und in Sonderpublikationen veröffentlichte er neue Abhandlungen und Broschüren, die überall gelesen wurden und mehrere Auflagen erlebten, bearbeitete sie, besserte aus und ergänzte, bis der Verlag ״Moriah“ 1013 sie alle zusammenfaßte und als großes, 2 Bände starkes, schön ausgestattetes Buch, das die ״Geschichte der Kabbalisten, Sabbatianer und Chassidim“ darstellte, herausgab. Als Sohn seiner Zeit, der Aufklärungsepoche entstammend und Zeitgenösse des Kampfes zwischen ״Haskala“ und Chassidismus, konnte sich Kahane vom Einfluß seiner Sympathien und Antipathien nicht immer freihaften, mußte manches unterschätzen und übersehen, und mit der wissenschaftlichen Erziehung, die ihm die Bücher der westlichen Autoritäten vermittelten, mußte er auch manche ihrer Vorurteile in sich aufnehmen. Das ist aber das Los der meisten Historiker. Ein neues Geschlecht, das in sich auch eine neue Epoche verkörpert, wird das Alte immer mit neuen Augen betrachten. Die jüdische Geschichtswissenschaft wird über manche Anschauungen David Kahanes hinausgehen müssen. Kein Geschichtsschreiber der jüdischen mystischen Bewegungen wird aber die Arbeiter! von Kahane entbehren können. Besonders interessant und anziehend War die Art seiner Darstellung. Er besaß die Kunst einer einfachen, schmucklosen Sprache. Den ganzen schwerfälligen wissenschaftlichen Apparat und die problematisehen Auseinandersetzungen verlegte er in die Fußnoteu und Nachglossen, so daß er dem Leser eine flüssige und schlichte Erzählung bot. Deswegen war er im weitesten hebräischen Publikum beliebt. DeswSgen fand er Anerkennung sogar bei den Kreisen unserer Intelligenz, in denen mail sonst den exakten wissenschaftlichen Arbeiten wenig Interesse entgegenzubringen gewohnt ist. Die hebräische Literatur, der er gänzlich und ausschließlich gehörte, und die jüdische Geschichtswissenschaff, derer! treuer Diener er während seines ganzen arbeitsreichen Lebens war, wird seinen Namen mit Achtung und Dankbarkeit bewahren. S. R u b a s c h o w. AUS ALLER WELT Aus Amerika. In diesem Kriegsjahre, vom Juli 1914 bis zum Juli 1915, betrug die Gesamtzahl der Einwanderer 362 700 Personen, gegenüber 1 218 180־ in den vorangegangenen 12 Monaten. Die jüdische Ein- Wanderung in die Vereinigten Staaten ist in diesem Jahre um HOOOO Personen geringer als im Vorjahre. ,lirW׳ e w York wurde vor kurzer Zeit ein neuer Hebräischer Verlag unter dem Namen ״Okeanos“ begründet. Der neue Verlag widmet sich in erster Reihe der hebräischen Ausgabe klassischer Werke der Weltliteratur. Er hat bereits ein sehr schönes Sammelwerk zum Sukkotfest herausgegeben.! Aus dem östlichen Okkupationsgebiet. ln Warschau soll demnächst eine neue jiddische Zeitung unter dem Titel ״Warschauer Tageblatt‘“ erscheinen. Aus Rußland. (Der erste jüdische Abgeordnete im russischen Herren 11 a u s.) Unter den vier neuen Mitgliedern des Reichsrats ist auch der jüdische Großindustrielle aus Odessa, W e i n s t e i n. Das ist der erste Fall, daß ein Jude die zweite Kammer Rußlands betreten wird. # (D i e g a I i z i s c 11 e 11 Juden i 11 R u ß 1 a 11 d.) Wie die russischen Zeitungen mittcilen, wurde itn Ministerium des Innern über Schritte beraten, um die Lage der galizischcn Juden, die aus Galizien ״evakuiert“ worden sind und sich jetzt in Rußland in der Nähe der österreichischen Grenze befinden, zu regeln. Vor kurzem verbot der russische General stab den galizischcn Juden den Einlaß nach Rußland und ordnete die Ausweisung aller galizischen Juden, die bisher nach Rußland gekommen sind, an. Hinter der Linie der russisch-österreichischen Grenze befinden sich jetzt die aus Galizien mitgeschleppten und nicht nach Rußland hineingelassenen galizischcn Juden. Die Zusammenpfercliung lind der Hunger haben verschiedene ansteckende Krankheiten hervorgerufen. Der Ministerrat, der die Frage behandelte, beschloß, die galizischen Juden, die nicht nach Galizien zurückfahren können, ins Gouvernement Pensa zu übersiedelu. * Die Moskauer jüdische Gemeinde erhielt aus Dwinsk (Dünaburg) die Benachrichtigung, daß 28 000 jüdische Flüchtlinge aus dieser Stadt auf dem Wege nach Moskau seien. Das Verbleiben in Moskau wird ihnen nicht gestattet werden, sondern sie werden in die weiter östlich liegenden Gouvernements abgeschoben werden. * ln einer Sitzung des ersten S e n a t s - D e p a r t e - m e n t s wurde der Bericht des Ministers des Innern über den Erlaß vom 13. August vorgelesen, der den Juden das Aufenthaltsrecht in allen Städten des russischen Reiches mit gewissen Ausnahmen gewährt. Der Senat beschloß, diesen Erlaß in der Gesetz- Sammlung zu veröffentlichen. ♦ Dienstag, den 24. August, starb in Odessa im 77. Jahre seines Lebens der hebräische Schriftsteller und Historiker David K a 11 a n e. Mitteilung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Wir sind in der Lage, einem jungen Arzt oder einer Aer’ztin eine gute Vertretung in Ratibor während der Kriegszeit nachzuweisen. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. Nachrichten Berlin. U nsere Gesinnungsgenossen Feldunterarzt Ernst W 01 ff-Berlin (K. J. V.) und Referendar Georg W o 11 s t e i n - Berlin (K. J. V.) haben das Eiserne Kreuz bekommen; letzterer wurde gleichzeitig z.um U n t e r o f f i z i e r befördert. Unsere Gesinnungsgenossen Joseph Marcus- Breslau (K. J. V.), Alfons R i e s e n f e I d - Ostrowo (K. J. V.), Gefreiter Adolf H e i d e m a n n - Halberstadt, Unteroffizier Leopold Eisberg und Musketier Oppenheimer- Berlin (Herzl-Club) wurden ver w u n d e t, Koschmin. Am I. September waren es 25 Jahre, seit Herr Rabb. Dr. Heppner —- bekannt durch seine literarische Tätigkeit — das Amt als Ortsrabbiner in ne hat. Zu Ehren des Jubilars fand früh b Uhr in der festlich geschmückten Synagoge ein Festgottesdienst statt, zu welchem sich fast die ganze Gemeinde einfand. Welche Verehrung und Anhanglichkeit Herr Rabb. Dr. Heppner in der Gemeinde und der Stadt genießt, kam durch die ihm so zahlreich dargebrachten Ovationen von den städtischen und Gemeindebehörden sowie der Vereine zum Ausdruck. Vom Posener Rabbinerverband erschien Herr Rabb. Dr. Freimann-Posen als Vertreter, ferner viele Amtsgenossen und die Vertreter der Gemeinde Jarotschin. Wien. Für nachbenannte Personen sind aus Amerika von ihren Verwandten und Freunden Geld- Sendungen eingelangt: Für Rachel Weisgal, Serpec, Gub. Ploek, von Rev. S. H. Weisgal, 2S9 Brook A\׳., New York; für Frieda Neumann, Bolechow bei Stryj, Galizien, von Shaie Brenner, 318 E 3d Str., New York; für Abraham Vitachin, Kriegsgefangenen-Lager Barak. Nr. 16, Pratschenau-Kommando, von Jacob Bender, R. F, D. 29 Stainford, Conn.; für Leib Eron, Kalwaria, Suwalki Gub., von Arthur Zittel c./o. lsh. Kishor, 44 E. 23 Str., New York; für M. Schimschalowitz, Kalwaria, Suwalki Gub., von Arthur Zittel, c./o. lsh. Kishor, 44 E. 23 Str,, New York; für Schcskin, 4. Komp., Gefangenenlager, Depot I, Stendol, Pr., von tl. Schcskin, 1615 Madison Str., K. <:., New York; für Rachel Hecker, Suwalki, za Gorodna St., Haus Nr. 32, von (i. Mucker, 262 High Str., Dotiert, Midi.; für Cliawc Rvbiat, Kaczionz uj. Sierpetz, Gub. Ploek, von Abc Rvbiat, 1205 Gratiot Av., Detroit, Mich.; für Jndis Rvbiat, Raczionz, uj. Sierpetz, (inb. Ploek, von Abc Ribiat, 1205 Gertiot Av., Detroit, Mich.; für Jankel Rybiat, Rad/inowo, uj. Mlawa, Gub. Ploek, von Ahe Ribiat, 1205 Gratiot Av., Detroit, Mich.; für Meier Maloti, Zborow bei Zloczow, Galizien, von Siegmund Heller, 31. Union Square, New York; für Ghana;Musehkatenbliit, Chokoua Ycnjaif, von Abraham Muschkateublut, 2821 Golerein Av., Cincinnati, Ohio; für Sliia Zuckerbrod, Wlo/Iawek, Gouv. Warschau, von S. Schneidermann, 513 Henry Street, Brooklyn. Anspruclisbcrechtigte wollen sieh unter Beibringung von ldcntitätspapicrcn persönlich täglich (mit Ausnahme von Sonnabend und Sonntag) von 1! bis 1 Uhr vormittags oder schriftlieh au den Unterzeichneten wenden. Audi werden dritte Personen, die um den Aufenthaltsort einer der genannten Personen wissen, uni Nachricht ersucht. K. K. Reichsratsrevisor Rudolf Taussig, Zionistisches Zentralbüro, Wien, 2. Bezirk, Zirkusgasse 33. Schluß de* * * redaktionellen Teils. Jfidische Gemeinde, Berlin (Gottesdienst) Freitag, 8. Oktober, abends; in allen Synagogen S1':׳ Uhr. Sonnabend, 9. Oktober, morgens; in der Alten und Pestalozzistr.-Synagoge SG Uhr ir! der Kaiserstr.- u. Rykestr.-Synagoge 9 Ulrr, in den anderen Synagogen: Frühgottesdienst 7>/2 Uhr, Hauptgottesdienst 10 Uhr. Predigten: Neue Synagoge: Rabb. Dr. Weiße; Synagoge Lindenstr.: Rabb. Dr. Blumenthal; Synagoge Fasanenstr.: Rabb. Dr. Hochfeld; Synagoge Levetzowstr.; Rabb. Dr. Bergmann. — Abend gottesdien st (Sabbatausgang): 6 Uhr 9 Min. Mincha: in allen Synagogen G Stunde vor dem Abendgottesdienst. Gottesdienst an den Wochentagen: Morgens: in der Alten, Kaiserstr.-, Rykestr.- u. Pestaloz.zistr.-Synagoge 7 Uhr, in den anderen Synagogen 7/2 IJhr. Abends: in allen Synagogen 5G Uhr, Einsegnung der Konfirmandinnen: Sonntag," den 10. Oktober, vormittags 10 Uhr; Synagoge Lützowstr.: Rabb. Dr. Weiße; Synagoge Fasanenstr.; Rabb. Dr. Hochfeld. Jüdischer Nationalfonds Zentral• für Deutschland Geldsendungen sind ausschliesslich zu richten an Herrn Max Wollitelnsr, Charlotteaburg־, Roscher-Strsfti 9. M. Siegfried Moses, z. Zt. Thorn, grat. s. 1. Bbr, Bach rach z. Vermählung ... 2,- Erna Leser, Nord hausen, f. 1 N. F.-Büchse 1, Dipl.-Ing. Kaufmann, im Felde .... 12,- S- S.3,- Frau L.evigard grat. Fam. Tachaucr 11. Postrat Joseph, Oberursel.1,— Ueberschuß der Baumspende von Marcus W o I f f s o h n u. Frau, Cöln.2,— Frau F r i e d 1 ä n d e r, Schweiz.1,50 Martin H irsch, Mannheim, z. Zt. Qollub . I,— Else Esther P e r u t / u. Lambert L e o p old, Hamburg, beglückwünschen u. begrüßen ihren 1. Simon W e r t 11 e i m.1.— Landsturmrekr. Walter Woog. z. Zt. Trier, grat. s. 1. Frau H a 11 e n s t e i 11 z. 26. Tischri 2, M. Seeligmaun im Felde, Thoraspende z. Rusch Haschanah '2, , z. Jom Kippur 3, 5,— Einj. Ernst Kramer im Felde, grüßt alle Freunde u. Bekannten.2.— Käte Israel Ncumark, freut s. über gute Nachricht v. ihrem Bruder Georg, im Felde . 1,— o. 1 1 vj 1 1 v. ה vgjiii, 1 111 1 ׳ a 1 ן יל l 1 וu v .... Kurt u. Jenny B I u m e!1 f e I d grat. Albert Baer 11. Frau herzl. Paul G r a e t /. grat. s. 1. Lbb. M. S m o i r a 11. Frau z. Assessor mit Prädikat u. z. ״provisarisehen“ Wohnung 2.- , verspr. s. Nachbarn A. H. Wcitznunn, ihn doch zu besuchen ,50, nimmt J a r i s 1 o w s k y s Entschuldigung z. Kenntnis —,50.3,-— Betty Franken stein grat. Dr. S in o i ra .-.50 Friedmann, Harry u. Siegt'r. H e y - mann Hirschfeld u. Klein danken L)r. Baer u. Frau f. freundl. Bewirtung .... 250 Hugo H ein, im Felde, dankt d. J. N.-F.-Büro f. prompte Erledigung s. Bitten u. Broschüren- Zusendung 1,—, wünscht s. 1. Lbb. Georg Wollstein gute Besserung .50, bittet

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