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Jüdische Rundschau · 1915-09-17 · Heft 38 (17.9.1915) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 38 (17.9.1915)
Date
1915-09-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ausweis der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Schekel: Berlin 2, , Herzl-Klub 45, , Cochem 4, , (iöppiiieen 2, . Ratihor I,•״•׳, Rawitsch 3,—. Landesbeiträge: Berliner Zionistische Verein!- gimg (f. Bll 1) 28,׳ , .Mülhausen i. Eis. bl, . Propagandafonds: Berlin: Frau B. Besser 5,; Chemnitz: I ran Dr. M. üötz 10, , David Klebe 5,; Cochem: Is. Heim III H, , Frau Johanna Heim 5,; Döthen: Eitudbeitrag 2,; Dresden: Dipl.-Ing. Landau 10,; Königsberg i. Pr.: Wiiliam Arnsdorlf (Bartensteiii) 50,; Lissa: Dr. Baeck 10,.; Nürnberg: Paul Ordensteiu (für 1014) 5, , (für 1015) 5,-; Ratihor (Ehi/elbeitra2 (״,-; aus dem Felde: Feldiinlerveteriiiar Hugo Hein-Cochem 5, , Zahnarzt Lauter-Posen 10, , .M. Stdnberg 5,-•, (Jeir. Hans Werner 5,- . Eingang vom b. bis 15. September 1915: S e 11 e - k c 1: 57,׳ M.: 1. a!1 d e s b e i t r a g e 01,- - M.; P 1׳ o p a g a n d a f o 11 d s: 1 10, 1M. Gesamteingang: Schekel 2417,״ - M.; Laud e s b e i t r ä g e: 2723,- M.; P r o p a g a 11 d a - f o 11 d s : 5577,. M. Juden im türkischen Orient Von Heinrich Sachse Zutn türkischen Orient gehören nicht bloß die Litauer, welche' * ta'-ÄageÄffct:• ideiix1 ■ für- kischen Reiche noch angehören. Besonders!wenn man die Juden im türkischen Orient einer besonderen Betrachtung unterziehen will, muß man die Grenzen wieder!!erstellen, die das osmariische Reich gehabt hat, ehe es von der Höhe der Macht herabsank, die es noch Jahrhunderte lang innehatte, nachdem bereits der Höhepunkt des türkischen Reiches überschritten war. In diesem Sinne gehören zum türkischen Orient noch die Länder auf der. Balkanhalbinsel, ebenso wie das Kankasusgebiet, gehören vor allem Aegypten, Tripolis und allenfalls Tunis dazu. In diesen Ländern sind die Lage der Juden, ihr Kulturzustand und ihre Aussichten für die Zukunft trotz aller Verschiedenheiten im einzelnen doch noch in gleicher Weise abhängig von ihrer jetzigen oder früheren Zugehörigkeit zum türkiscli-arabischen Ländergebiet, und es bestehen deshalb viele Gemeinsamkeiten, die diese Juden denen anderer Länder gegenüber, als eine besondere historische Gruppe in der Judenheit erscheinen lassen. Sie befinden sich noch in dem Gebiete und um es herum, in dem die älteste jüdische Volksgeschichte ihren Schauplatz hatte, und stehen als orientalische Juden in einem viel engeren Zusammenhänge mit dein Orient als alle anderen Juden, die ja doch auch noch immer nicht völlig die Fäden zerrissen haben, die sie an die orientalische Heimat ihres Stammes knüpfen. Was die Türken jemals eigentlich beherrscht haben, das hat von ihnen doch einen besonderen Wesenszug angenommen, und dieser machte sich am meisten bei den Juden geltend, die ja aufs innigste mit den Siegen und den Geschicken der Türken verbunden waren. Ein Blick auf die Juden im türkischen Orient ergibt daher trotz aller Verschiedenheiten immerhin eine gewisse historische Harmonie. Innerhalb dieses weiten Ländergebietes ist ein engeres Stück Landes noch mehr und noch inniger mit der Judengeschichte verknüpft, als die anderen Gebiete. Das sind die Länder am Eufrat, Nil und ,.Iordan. Ihre gemeinsamen Geschicke haben ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffenilieh •rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina." Baseler Programm. das Judentum überhaupt in seiner Entstehung und in seiner älteren Geschichte ganz ausschließlieh beeinflußt. Aus ihren Verhältnissen und gegenseitigen Beziehungen erklärt sich neben den bekannten Imponderabilien der Werdegang der Geschichte Israels und Judas. Endlich nimmt das Vaterland des hebräischen Stammes eine besondere Stellung ein, weil trotz aller räumlichen Trennung wohl niemals ein Volk oder ein Stamm so sehr durch Liehe und Hoffnungen, Eriunerungeu und Erwartungen mit seinem eigenen Grund und Boden, mit der Wiege seines Stammcstuins verbunden war, als dies jemals und heute und für alle Zeiten mit Israel und seinem Lande der Fall ist. Der Stammvater der Hebräer, der aus den! Zweistromlande gekommen ist, dessen damals unter Hatmnurabi auf hoher Stufe stehende Kultur er durch höhere Anschauung überwunden hatte, war als beduinischer Aramäer in dem Lande herumgezogeu, das später seinen Nachfahren als ewiges Eigentum gehören sollte. Sein Erika war ftöfrdefö Stumme auch Aegypten aus׳ -׳ gewandert, wo der zweite große Kulturkreis der alten Welt ihnen die größten Kenntnisse vermittelte, die er geschaffen hatte, und die sie nun mit den babylonischen Kulturstoffen zu einer besonderen Einheit verbanden. Ihr eigentliches Wesen empfingen sie aber aus sich selbst, aus dem Erbteil ihres eigenen Stammes und aus ihrem eigenen Blute, durch die Hand des größten Mannes, den ihr Stamm und den die Menschheit überhaupt je hervorgebracht hat. MosesifWard der Schöpfer des jüdischen Volkes. Er ist der nationale Heros, der alles Wesen des Stammes in seiner Person zu einem großen Ideal zusammenfaßte, ihn zu einer Nation schuf, der er gleich bei der Geburt die höchste Blüte ihrer Kultur als Patengeschenk in den Schoß legte. Was der Israeliten Weisheit in den Augen der Völker bis auf den heutigen Tag ist, das ist die Lehre, die ihnen Moses gegeben. Um dieser Lehre eine ewige Stätte zu verleihen, schuf der große Prophet und Gesetzgeber aus seines Blutes Stamme das Volk, das er aus Aegypten führte. Seine Lehre ist die Lehre eines freien Volkes. Ihr Wesen ist Freiheit. Aus den Kerkermauern Aegyptens wanderte Israel in das freieste Land der Welt, in die Wüste, wo es mit seiner mosaischen Kultur zu einem untrennbaren Einen verwuchs. Von dort aus aber eroberte das frische Heldenvolk in unvergeßlichem Kampfe das Land der Väter, um es den Enkeln als Erbteil zu hinterlassen. Damit wurde Kenaan, das nunmehr das Land Israel war, zur geschiehtliehen Heimat des Judenvolkes und ist trotz aller Vertreibungen der sichtbare Mittelpunkt des Volkes und seiner Sehnsucht bis auf den heutigen Tag geblieben. Auch zu den Zeiten, wo nur noch die allerkleinste Zahl von Juden im Lande Israel wohnen konnte, wo sogar fast alle Söhne vom heimatlichen Boden verjagt waren, blieb es der unverrückbare Mittelpunkt der jüdischen Volksidee. Politisch kann die Lage des Juden- Volkes sein, wie sie wolle, kulturell und ideell schlägt sein Herz immer noch in Zion. Darum aber hängt das Schicksal des jüdischcn Volkes mit dem seines Landes aufs innigste zusammen, ganz abgesehen von den Hoffnungen, die für uns mit der Wiederbesiedhing des alten Heimatlandes verknüpft sind. Aber lange nachdem der jüdische Staat zerstört war, und als bereits die Weltwanderung der Juden ein Jahrtausend gedauert hatte, wohnte noch immer der größte Teil des jüdischen Volkes iri den Landgebieten, die noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts das türkische Reich ausgemacht hatten. Bis zum Untergänge des Gaonats war Babylonien und damit der vordere Orient auch immer noch das geistige und kulturelle Zentrum des jüdischen Volkes. Erst als der Orient entvölkert wurde, als die Chowaresmier und Mongolen vernichteten, was die Kreuzfahrer noch gelassen hatten, und den Türken nur ein halb vernichtetes Erbteil von den Arabern her zufiel, ging auch das orientalische Judentum einem raschen Verfalle entgegen. Ja, diese Vernichtung der Juden und des Judentums, an der sich mit Ausnahme der Osinanen alle Stämme und Religionsgemeinschaften des Orients und Okzidents gewissenhaft beteiligten, war viel gründlicher und nachhaltiger als die des übrigen Orients, um so mehr als die byzantinischen Kaiser ja den Kreuzfahrern recht gründlieh vorgearbeitet hatten. Immerhin gibt es noch heute überall Nachkömmlinge ,von jpdejisHiafkri in denselben Landstrichen, in denen ihre Vorfahren seit mindestens zwei Jahrtausenden beheimatet waren. Als die Türken die Gebiete eroberten, die noch heute zum türkischen Reiche und zu den auf seinen europäischen Trümmern entstandenen Staatsgebilden gehören, fänden sie überall eine Minderheit von Juden vor. Das war eberiko der Fall in Palästina, dem alten Lande Israel, in ganz Syrien und Mesopotamien, wie auf der Balkanhalbinsel. Die asiatischen und afrikanisehen Besitzungen der Türken hatten Judenschäften, die zum Teil sehr beträchtlich waren. Wo die Türken hinkamen, brachten sie für die jüdischen Minoritäten die ihnen in Europa vorenthaltenen Menschenrechte, die politische Freiheit und die Gleichberechtigung ihres Kultus. Aber die Türken gingen in ihrer Duldung noch weiter. Sie erkannten die Juden in ihrer stainmestümlichen Eigenart an und sahen es gern, wenn sie ihre jüdische Nationalität bewahrten und pflegten. Aehnlich war es den Juden seit der Zerstörung ihres Staates nur noch im arabischen Spanien gegangen, und sie empfanden daher eine Dankbarkeit gegenüber dem türkischen Volke und dem osmanischen Staate, die sie aufs innigste mit ihnen für alle Zeiten verband. Noch enger wurde dieses Freundschaftsverhältnis, als die von den Spaniern vertriebenen Juden, die vor Inquisition und Scheiterhaufen flüchteten, ebenfalls eine Zufluchtsstätte in der Türkei fanden, die sie gastlich aufnahm. Dazu kam die nahe religiöse Verwandtschaft, die Muslimen und Juden verbindet. Während die einheimischen Juden in den mittleren und niederen Ständen verblieben, ebenso die Rumanioten des früheren byzantinisehen Reiches, wie die aramäisch sprechenden Juden des Zweistromlandes, stiegen die gebildeteren Spaniolen sehr bald in höhere Kreise auf, und es gingen aus ihren Familien nicht bloß die Leibärzte und Kassenverwalter der kaiserliehen Familie, sondern auch Beamte, Feldherren, Minister und Paschas hervor. Don Josef Han-

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