Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1915)
- Date
- 1915-09-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Bonn 1 —, Karlsruhe i. B. 1.—, Meiningen 1.—. Nürnberg 11. — . Rawitsch 1.—, Straßbürg 6 —, aus dem Felde 5.—. Landesbeiträge: Berliner Zion. Vereinigung 18.—, Bremen 32.—, Breslau 20• , Bonn 2.— , Koschinin 10.— , Tarnowitz 3.—. Propagandafonds: Allenstein: Rabb. Dr. Olitzki 5.—, Fr. Natalie Rehfeld 5. —, Alfred Lesser 20.—; Berlin: Julius Berger 10.—, Fanny H ldeslieimer 5 —, Frau Hurwitz 5.—, Dr. Fntz Löwenstein 5. —, Dr. Erich Marx 5.—, Dr. Kurt Nawraizki 10.—; Breslau: Zahnarzt Baer 10 —, Dr. Schwarz (z. Zt. Oh lau!25. -Cottbus: Else Goldstein 5 —; Crone a. B.: R. A. Wi k 5. — : Düsseldorf: J Michalowski 20.—; Essen: (Einzelbeitrag) 3.—; Floß i. B.: Ferdinand Bloch 10. —; Hamburg: A. Calmann 10.—. Dr. Gustav Levien 20.—; Insterburg: J. Klimowski 5. —; Kissingen: Zahnarzt S. Bamberger 5.—; Königsberg: Eduard Deutschländer 5.—; Mülheim a. d. Ruhr: Rechtsanwalt Dr. Königsberger 6.—; Nordrach: Pr. Ascher 10.— Posen: Dr, Manasse 10—; Ratibor: Walter Zernik 10.—; Sangershausen: Max Loewe 5.—; Solingen: (Einzelbeitrag) 3.-; Stettin: (Einzelbeitrag) 3.—; aus dem Felde: Leutnant M. Auerbach - Hamburg 20—, Siegfried Brandt-Posen 5.—, ״ Moritz Krause-Posen 60 —, Dr. Leo Miinz-Berlin 50 —, Dr. Fritz Simon-Berlin 10.—, Dr. Stahl-Tarnowitz 10.—, Dr. Tannenwald-Hamburg 5 —, Gefr. Reinnold Warburg- Nordhausen 10.—, Diverse 5.—. Eingang vom 21 8 bis 5 9. 1915: Schekel: 57.—; Latidesbeüräge: 85. —Propagandafonds: 420—. Gesantfeingang: Schekel; 2390; Laudesbeiträge: 2662, — (nach Abzug der für 1914 nachgezahlten Beträge). Propagandafonds: 8437.—;nach Abzug der für 1914 nachgezahlten Beträge). Das Kriegsjahr 5675 Von Ludwig Batö*) An Stelle des ruhigen DahinflieBeris des jüdischen Lebens trat in den letzten Jahren eine ganze Reihe bedeutender Ereignisse, deren jedes Glied für unser Volk Bedeutsames, leider gar zu oft Furchtbares in sich barg. Allein sie wechselten mit Geschehnissen ab, die bereits das keimende, oft prachtvolle Blüten tragende jüdischnationale Leben hervorgerufen hat. Das Jahr 5675 stand noch halbwegs unter den! Eindrücke des Beilis-Prozesses. Noch zitterten die letzten Klänge in der jüdischen Seele nach: ״Die Schmach ist nun weggetilgt,“ sagten sich die Juden in allen Ländern und alsbald schwand die durch die schmähliche Anklage gezeitigte üemeinbürgsdtaft. Sie wich dem Alltagsleben und jeder ging seinen eigenen Weg. Es schiert, als sähe das Judentum ruhigeren Tagen entgegen, als könnten sich die Bestrebungen, unseren! Volke eine eigene Zukunft zu sichern, ruhig fortentwickeln und entfalten. Es sollte aber anders kommen: Der furchtbare Weltkrieg brach aus, wohl das gewaltigste Ereignis in unserer Geschichte seit dem Sturze des zweiten jüdischen Reiches. Es sei gleich gesagt: durch das Eingreifen Rußlands ward das Völkerringen dem jüdischen Volke zum Verhängnis. Es wurde das Opfer des Krieges. Unsägliche Leiden brachen über uns herein, die man in Israel stets beklagen wird, aber unser Volk vollbrachte auch Taten, die uns ewiglich zürn Stolze gereichen werden. Audit in unserem Volke entstanden über Nacht neue Werte: vor allem der Typus des jüdischen Soldaten. Die Juden, Nachkommen der tapferen Philisterbesieger und der Makkabäer, waren seit dem Verluste der nationalen Selbständigkeit niemals durch einen Krieg derart in Mitleidenschaft gezogen, wie es jetzt der Fall war. Eine ganze Welt stand in Waffen und das jüdische Volk, das vor zweitausend Jahren aus dem Rate der Völker aussdheiden mußte, erschien plötzlich an allen Fronten auf der blutigen Walstatt *) Gekürzt aus dem einleitenden Aufsatz des soeben erschienenen außerordentlich gehaltvollen ״j üd i s e h e n N a t i o ri a 1 k a 1 e 11 d e r auf das jah!• 5676“. (Wien, R. Löwit Verlag, Preis 2 M.) ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffenilieh'rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina." Baseler Programm. und schenkte der Welt den ״jüdischen Soldaten“. Von den östlichsten Sehneefeldern Sibiriens bis an die Küsten des Atlantischen Ozeans, von den Gestaden der Ostsee bis zum Goldenen Horn, allenthalben zog das jüdische Volk ins Feld. Der jüdische Soldat, nicht zumindest unter dem unmittelbaren oder mittelbaren Einfluß der jungjüdischeu Bestrebungen herangereift, stellte überall seinen Mann, selbst dort, wo er für ein Vaterland, das die Seinen zu' Tode peinigte und in die Verbannung trieb, das Leben in die Schanze schlug. Die jüdischen Soldaten, die zu Zehntausenden freiwillig die feldgraue Uniform aulegteu, wußten, daß sie im Felde als Vortrete!׳ ihres Volkes galten, daß es hieß, für die jüdische Ehre eintreten und daß die geringste Unterlassung, die sie sich zuschulden kommen ließen, nicht nur sie, auch ihr Volk träft. Die bewußten Juden begeisterten sich an der Größe, Stärke und Schlagfertigkeit ihrer Wirts Völker, die sie auch für ihr eigenes Volk herbeisehnten, und wiewohl sie sich sagen mußten, daß sic auch für ihr Volk, aber uidit für ri; s/rn r<rei«enste Sache kämpften, setzten sie ihr bestes ein, um gleichsam den Nachweis zu erbringen, daß das Judentum einer besscreu Zukunft würdig sei. Alle jüdischen Soldaten zogen als Söhne ihre» Volkes und ihres Vaterlandes mit Liehe zur Heimat und eisernem Pflichtgefühl ins Feld. Der Krieg rief aber noch ganz andere Wirkungen hervor. Er brachte zustande, was langjähriger Friede nicht vermochte : Der seinem Volke entfremdete Westjtule kam als Soldat nach dem Osten, stieg zu seinem Volke herab, aus eigener Anschauung k־n1tc er seine traurige Lage kennen und gewann Einblick in dessen Leben. Es war gleichsam eine Heimkehr, Und so geschah es, daß gerade das Gegenteil dessen eintrat, was viele befürchteten: Das Gefühl der jüdischen Zusammengehörigkeit ging nicht i!1 die Brüche. Es ist vielmehr gestählt aus dem gewaltigen Völkerringtti hei'vorgegaugeii. Und es dürfte sich hei vielen in ein jüdisches Natkuialgefühl verwandeln. Die bereits damit bevvappnet ins Feld zogen, bringen es als kostbares Gut unversehrt tmd gestärkt im Stolze auf seinen Besitz heim. Die grolle Welt, die bisher meistens nur den gebückten, schwachen, lächerlichen Juden kannte, blickte mm voller Bewunderung auf den neuen Juden, der sich auf allen Schlachtfeldern Ehre tmd Aas- Zeichnung holte und ach so oft! vom Heldentod ereilt wurde! Und die kriegführenden Staaten dürften mit Staunen der Kraft bewußt geworden sein, die ihnen von seiten der Juden und gerade daraus zufloß, daß sie ihr jüdisches Wesen treu und zäh bewahrten und den Krallen der Assimilation zu entgehen wußten. Allein der jüdische Soldat auf allen Schlachtfeldern bedeutet für das jüdische Volk nebst dem großen Stolze auch eine blutige• Tragik: Zu Hunderttausenden kämpften Juden gegen Juden und vergossen einander Blut. Die alte Legende von dem jüdischen Krieger, der von einem feindlichen jüdischen Soldaten ins Herz getroffen in den urjüdiseheii Ruf: ״Schema jisrael!“ ausbricht, ist zur furchtbaren Wirklichkeit von heute geworden. Wohl gerieten auch andere Völker, beispielsweise die Polen und Italiener, in dieselbe Lage, allein nirijt in dem Maße wie die Juden. Audi die ilaheinigebacbene Juden zeichneten sich durch patiiotisdic Opferlreudigkeit: und rührige Mitarbeit auf allen Gebieten des bürgerlichen Lebens aus. Ul a I i z i e n und R 11 s s i s c 11 Pol e 11 mit ihren gewaltigen Judenmassen wurden zum liauptkriegsschaupiatze und d a m i t w a r das Schicksal d e r Ostjuden besiegelt. Nachgerade .sinnbildlich ist es, daß sich gleich nach Ausbruch des Krieges in einem Lande, wo man es am allerwenigsten erwartet hätte, in Belgien, die Volkswut gegen die Juden wandte und sie von Haus und Hof vertrieb. Die armen Flüchtlinge, die zum Teil ihre nächsten Angehörigen im Felde stehen hatten, flohen nach Holland, England, Deutschland und Oesterreich, wo sie von der Bevölkerung allerorts freundlich aufgenommen und von den Juden reichlich versorgt wurden. Mit dem Erscheinen der ersten jüdischen Flüchtlinge erwuchs der jüdischen Oeffentlichkeit —- außer der Teilnahme an der allgemeinen Betätigung für die Kriegshilfe -- eine besondere Pflicht, die der Flüchtlingsfürsorge. Denn die Flucht aus Antwerpen war ja nur ein kleines Vorspiel der kommenden Dinge. Als im Laufe der Kriegsereignisse Mittel- und Ostgalizien geräumt und den Russen vorübergehend überlassen werden mußte, sahen sich über vierhunderttausend galizischc Juden gezwungen, die Flucht zu ergreifen. Sie wußten nur zu gut, was ihnen von seiten der Russen, diesem grimmigen Feinde unseres Volkes, bevorstand und das viele Leid, das über das Land in den nächsten Monaten hereinbrach, hat ihren Entschluß durchaus gerechtfertigt. )Ein namenloses Elend ward den flüchtigen Juden zuteil. Die salzburgischen Flüchtlinge des ״Hermann und Dorothea“ hatten es gut! Sic mußten wohl der heißgeliebten Heimat Lebewohl sagen, allein ihrer harrte ein sicheres ,Heim. Die Juden gingen jedoch,• durch die Kriegsgreuel von ihren Heimstätten vertrieben, um ihr dürftiges Hab und Gut gebracht, oft in der Hast und Kopflosigkeit der Flucht von ihren nächsten Familienangehörigen getrennt, ins U11gewisse des morgigen Tages hinein. Etwa eine Viertelmillion dieser Unglücklichen wandte sich nach Wien, von dem Instinkte der jüdischen Massen geleitet, die mit ihren Brüdern leben wollen. Der Rest zerstreute sich über Mähren, Böhmen und Ungarn. Die österreichische Regierung stand zufolge dieser Menschcnwandening einer gewaltigen Aufgabe gegenüber, ging jedoch bald daran, in dieses Chaos einigermaßen Ordnung zu bringen und der dringendsten Not zu steuern. Sie schuf vor allein eine Zentralstelle für die Flüchtlingsfürsorge, setzte eine tägliche Geldaushilfe für die Mittellosen aus, ließ für einen Teil der Flüchtlinge außerhalb Wien Baracken bauen, sorgte für anderweitige Unterkunft in Böhmen, kurz und gut sie tat, was in ihrer Macht lag־. Im großen und ganzen tat die kaiserliche königliche Regierung ihr Möglichstes und wenn es hier und da nicht ganz klappte, so lag es nicht am mangelnden guten Willen, sondern vielmehr an den durch den Krieg( geschaffenen Ausnahme Verhältnissen. Bloß ein einziges Vorkommnis, die Verordnung, die den gaUzischen Advokaten die Niederlassung in Wien verbot, konnte zur Verbitterung Anlaß gehen. Dasselbe Flüchtlingselend wie in Orsterrei c h hat auch in Rußland geherrscht und herrscht auch heute noch. Die rasch aufeinanderfolgenden Kriegsereignisse und die Verlegung des Operationszentrums nach Polen zwangen Hundertfausende von Juden, ihren Wohnstätten fluchtartig den Rücken zu kehren und sich nach dem Innern des Reiches zu wenden. Oft wurden sie von der rohen russischen Soldateska gewaltsam vertrieben und von den Behörden -. trotz des zarisclien Aufrufs an ,,meine lieben Juden“ — drangsaliert und mißhandelt. Warschau wurde ein riesiges Flüchtlingslager, aber auch in anderen Städten, wie in Wilna, sammelten sich Zehntausende von flächtigeil Juden. Wohin sie sich auch wandten, wurden sie von ihren Volksgenossen aufs brüderlichste aufgieioii'iiii'ii. ve ließen ihnen sogar auf cig'tne Kosten lOi'r feil 1: te ilten. Je mehr jedoch die moskowitiscln-ii t l׳v11■ von den siegreichen Zenfralmaehten zun:ך׳,1 :::•ס',!;.1.׳ wurden, je größer wurde die Drangsal >1 .» ־ Bin.hu. Damals begannen die bestialischen Ju■־• ■: > :,;!ragen i!1 Galizien zum System zu werden in!:. >!.u!\in a raten auch die grauenhaften Ausweisunge!־ ״us ,!11 ס,,־ Gouvernements ein. Ende Mai — "’Hlre >1 .!er tidi/ehen Pfiiigstfeiertuge — mußten s.-D'iri '/ 1״d׳ e der Gouvernement/ K'owno, Kurland