Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1915)
- Date
- 1915-08-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seife 25׳ .11s ich <>•;1 Sa vier sc e r e r icht 11111 den Ri. veiu n. St rfteii dei d! irup! Geh1 e r 1 leid!! in d chm 11 z.1 Lipp! נ ׳111 zenu“ (״Wegen unserer Sünden wurden wir aus unserem Lande verbannt“ . . .) Das Bild machte auf uns einen derart erschütternden Eindruck, daß ich darauf eine Woche lang krank darniederlag. Demgegenüber war aber auch die H i I t s t ii t i g ־ keit von jüdischer Seite eine beispiellose. In Riga arbeitete das HÜfskommitec in einer Weise, daß es einem Juden, der es nicht initerlebt hat, unglaublich erschiene. Das Komitee hat nicht allein Geldbeträge, sondern auch Kleidungsstücke und Nahrungsmittel verteilt. Ein Jeder gab mehr, als er konnte, und außerdem arbeiteten alle Tag und Nacht mit. Jüdische Schuhmacher verfertigten Schuhe, Schneider — Kleidungsstücke für die Flüchtlinge, Tischler arbeiteten an den Wohnungseinrichtungen usw. Es war dies unser einziger Trost im Elend. Geldsendungen aus Oesterr ei ch ־ U ngarn Unsere Gesinnungsgenossen in Oesterreich- Ungarn machen wir darauf aufmerksam, dass sie Geldbeträge für die Zwecke des Zionistischen Aktions-Komitees, wie auch für die Jüdische Rundschau sow e das Hilfswerk in Palästina am einfachsten und unter Vermeidung aller Kosten auf folgenden Postscheck-Konten einzahlen können: Postsparkassenkonto Professor Warburg für Zionistisches Zentral-Büro Nr. 1451540 Wien Postsparkassenkonto der ״Welt“ Nr. 39913 Wien Postsparkassenkonto der ״Welt“ Nr. 15655 Budapest. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Oesterreich. Die ״N e u e F r e i e P ress e“ bringt in ihrer Nummer vom 0. August einen Aufruf des Jüdischen Nationalfonds, der in cindrucksvoller Weise alle jüdischen Kreise zur Zeichnung der ״K r i c g s 1 a n d s p e n d e“ auffordert. Die Kriegslandsp e ndc, die vom Nationalfonds ins Leben gerufen wurde, soll dazu verwendet werden, in Palästina Grund und Boden zu erwerben und ihn jüdischen Kriegsinvaliden aus <J«n Osten zum Anbau in Erbpacht zu überlassen. Vor längerer Zeit hat Dr. K. N a w r a t z k i bereits in der ״J ü d i s c h e n Rundschau“ darauf hingewiesen, von wie großer Bedeutung eine Ansiedlung in Palästina für die östliehen jüdischen Kriegsopfer ist und in welcher Weise sie praktisch durchgefüiirt werden muß, um gute Erfolge zu zeitigen. Die Sammlung für die Kriegslandspende hat bereits in der 1. Liste in Oesterreich den Betrag von lbOO Kronen erreicht. England, Der am 25. Juli in London stattgefundene Schekeltag war, wie erwartet, ein großer Erfolg. Es kamen weit mehr Schekel ein als im Vorjahre. AUS ALLER WELT Aus Oesterreich. Am 8. August veranstalteten die in P r a g weilenden jüdischen Flüchtlinge• aus Galizien und der Bukowina zur Feier der Eroberung Warschaus und Iwangorods eine patriotische Kundgebung durch einen Festzug, der sieh vom jüdischen Rathaus zur Statthalterei bewegte. Trotz des strömenden Regens hatten sieh gegen 10 Uhr vor dem jüdischen Rathaus über 1509 Flüchtlinge versammelt, die kurz darauf in geschlossenem Zuge unter Vorantragung eines Doppelbildnisses der beiden verbündeten Monarchen und Fahnen in den Farben der drei verbündeteu Staaten und Landesfarben und Standarten mit verschiedenen Aufschriften, die H a t i k w a h singerid, durch die Niklasstraße über die Karlsbrücke zur Statthalterei marschierten. Vor dem Statthaltereigeoäude hielt der Zug; eine viergliedrige Abordnung der Flüchtlinge, Rabbiner K a n e r, Kantor S o n 11 e 11 - s c 11 e i n , W e i ß e n b e r g e r , Vizebürgermeister von Putila und W. Fischer, wurden vom Statthalter Grafen Coudenhove in Audienz empfangen. Die Deputation dankte dem Statthalter für die den jüdischen Flüchtlingen während der Zeit ihres Aufenthaltes in Prag seitens der Behörden zuteil gewordene Unterstützung und bat, anläßlich des Falles von Warschau den innigsten Glückwunsch aller jüdischen Flüchtlinge an die Stufen des Thrones gelangen zu lassen. Der Statthalter erklärte sich hierzu gern bereit. Er zog dann ein jedes Mitglied der Abordnung ins Gespräch und erkundigte sich nach den Verhältnissen eines jeden einzelnen der Erschienenen. Dann sprach die Abordnung hei dem Präsidenten der Verwaltungskommission Grafen Schön born vor. Auch dieser nahm den Dank aller jüdischen Flüchtlinge entgegen. Sodann sang Kantor S o 11 n ensc h e i n den Segensspruch für Kaiser Franz Joseph. Nach Absiiigung der Volks- Hymne setzte sich der Zug, der inzwischen auf mehr als 2000 Personen angewachsen war, auf den Radetzkyplatz zu in Bewegung. Vom Sockel des Radetzkydenkmals aus hielt der Flüchtling Glutin! Fischer aus S 11 i a t y n eine längere Ansprache, worauf der Zug unter Absiiigung der Hatikwali durch die Brückengasse über die Karlsbrücke und die Karlsgasse auf den Altstädter Ring marschierte, wo die Auflösung erfolgte. * Dieser Tage verstarb im Alter von 62 Jahren der Reichsratsabgeordnete Ber Kern, langjähriger Vertreter des Wahlkreises Buczacz (Galizien) im osterreichischen Reichsrat. Als ״Pole mosaischer Kuniession“ ist er vom polnischen Wahlkomniitee als Gegen- Kandidat gegen den jüdisch-nationalen Kandidaten l)r. Ringel aufgestellt. Aus Bulgarien. In der ״Jüdischen Rundschau“ wurde kürzlich in einem Bericht über die H i 1 f s a k t i o n f ii r P a 1 ä s t i n a auch die Arbeit der b ti I g a r i s c 11 e 11 Zionisten erwähnt. Wie uns von einem bulgarischen Gesinnungsgenossen mitgeteilt wird, bedarf dieser Bericht einiger Ergänzungen. Schon im Januar 1015 hat unser Gesinnungsgenosse, Herr Leon Rad bi 11 in Sofia, die Initiative für eine großzügige Hilfsaktion ergriffen, indem er dem KonjSisiorium den Vorschlag machte, alle jüdischen Institutionen zu einer Hilfsaktion für Pa- 1 ä s t i 11 a aufzuforuern und an der Aktion für die jüdischen Flüchtlinge aus R u ß 1 a 11 d und G a 1 i z i e n teilzunehmen. Auf diesen Vorschlag ging das Konsistoriuin schon damals ein, so daß in Sofia ein Zentral-Komitc e gegründet wurde, welches aus je einem Mitglied aller bulgarischen jüdischen Institutionen besteht und in jeder größeren Stadt ein Lokalkomitee gebildet hat. So wurden, abgesehen von den früheren Sammlungen, die die Zionisten allein vorgenommen hatten, Levas 22624,75 gesammelt. Hiervon wurden Rubel 1833. dem Jüdischen Komitee für die Hilfsaktion zugunsten der jüdischen russisch-polnischen Flüchtlinge in Odessa überwiesen. Das Hilfskomitee für die jüdischen Flüchtlinge in Oesterreich erhielt Kr. 3062. und das Palästina- Komitee in Jaffa zu Händen des Herrn Dr. Ru pp in V titrijue 186.76. Aus England. im Londoner ״Jevvish Chroniclc“ vom 23. Juli 1915 wurde ein Aufsehen erregender Artikel wegen der russischen Judenverfolgungen veröffentlicht. 111 diesen! von Mentor gezeichneten Artikel heißt es u. a.: Kriege sind Angelegenheiten von großer Bedentung, welche von einem richtigen Patrioten verlangen, sich einen weiten Ausblick und gtoßeu Wirkungskreis zu bewahren. Die kriegführende Nation, deren Bürger sich kleinlichem Geschwätz, das eines Waschweibes würdig ist, liingeben, wird gehindert, große Operationell von Bedeutung und Tragweite durchzuführeii. Patriotismus - wirklicher Patriotismus — knebelt weder, noch macht er blind. Patriotismus wirklieber Patriotismus ist kein Feind der Wahrbeit. Wenn wir die Tugenden klar erkennen, die ,unsere Feinde besitzen, und die Lasier unserer Freunde, sind wir besser ausgerüstet, einen solchen Kampf durchzufcchien, wie der, an dem wir jetzt beteiligt sind.!Mau mag mich als unpatriotisch bezeichnen wegen der Dinge, die ich über R u I! 1 a 11 d und die russische Re g i e r 11 n g sage. Manche, die hysterischer und weniger beherrscht sind als andere, mögen vielleicht versuchen, mich als Verräter zu denunzieren. Aber es ist die erste Pflicht eines treuen Patrioten, der Wahrheit ergeben zu sein. Die Beweise jener Schändlichkeitert zu ignorieren, weil sie die Freunde des Vaterlandes belasten, würde eine ebensolche Unaufrichtigkeit sein wie die, falsche Anklagen gegen sie zu verbreiten. Was hier über Rußland gesagt worden ist, über den Verbündeten unseres Landes, muß als ganz besonders a bsc h e 111 i c 11 bezeichnet \verden, 11111 s o a b scheu! i e 11 e r , w e i 1 e b e n R 11 ß 1 a 11 d unser B u 11 d c s g e 11 o s s e ist. Meinerseits jedoch kann ich nicht glauben, daß eine klare Konstatierung von Tatsachen, von denen ich es für meine Pflicht halte, die öffentliche Aufnicrksamkeit auf sie z.u lenken, wie dies versucht worden ist, etwas mit Verräterei zu tun hat, denn sie entstammt der Liebe zur Wahrheit. Ich kann nicht glauben, daß die englische Regierung, so eng verbuiiden sie mit der russischen Regierung sein mag, es dafür halten wird. Wahrheitsliebe und die Brandmarkung von Schandtaten, selbst wenn sie von Freunden und Verbündeten unseres Landes begangen werden, kann kein Verrat gegen England sein diesen Urquell von Ehrenhaftigkeit und Vorkämpfer der Freiheit!“ * Atn 23. Juli tagte in Lo n d o 11 eine Konferenz des ״A r b e i t e r v e r h a!1 d e s f ii r j ii d i s e 11 e R e e 11 - te“. Sekretär Scharf berichtete über die bisherige Tätigkeit des Verbandes, die im wesentlichen darin bestand, die englische Presse von der rechtlosen Lage der Juden hauptsächlich in Rußland zu informieren. Die Ergebnisse dieser Aufklärungsarbeit sind zufriedenstclleiid. Ls wurde beschlossen, eine Arcliivkomrnission lind eine Preßkommission zur Fortführung der Propaganda cin/usetzeu. Aus Amerika. Ende Juli fand in New York der diesjährige I) e I e g i e r t e 11 t a g des ״V e r h a 11 des der r 11 s s i s e h - p o 1 11 i s c 11 e 11 J 11 d e 11 i 11 A!11 e r i k a“ statt. Der Verband beschloß, au dein jüdischen Ko n - grell durch Entsendung von 3 Delegierten teil/unchmen und aus der Verbandskasse zu den Kosten des Kongresses bei/.usteliern. Am 27. Juli tagte in New York eine Konferenz des ״K o 111 i t e e s z 11 r O r g a 11 i s i e r 11 11 g d e s j ü - d! s e h' 1 11 K o 11 g r e s s e s“. Es wurden mehrere Be- Schlüsse gefaßt, so /. B. der der Einberufung einer Massenversammlung zur Propagierung der Kongreßidee unter den Juden Neu Yorks. Darauf wurde eine Exckutivkommission, bestehend ans den Herren Rabbiner Berlin, J. Lcwi, Dr. Schulz, Dr. W e i Ii , (.,. 1. i רן s k i , K a r I i 11 g er, j. C o h 11, gewühlt, der die Gründung eines Kongreß-Büros und die Leitung der Agitationsarbeit übertragen wurde. Aus Frankreich- Wie aus Paris berichtet wird, verstarb dort dieser . Tage der Senator Drei Ins. Der Verstorbene war ein Bruder des Präsidenten der Pariser Börse, Gaston Dreyfus. A11 dem Leichenbegängnis beteiligten sich viele hervorragende Persönlichkeiten, darunter auch der Präsident der frun/ösisehen Republik. Aus Rußland. Der zugunsten der notleidenden Juden Rußlands i!1 Wilna veranstaltete B I ti ni e 111 a g hat einen Reinertrag von 90 0(11) Rubeln ergehen. Alis Rumänien. In Jassy ersehe int seit Lude Juli nach mehrjähriger Unterbrechung wieder die jiddische so/ialistisehe Monatsschrift ,,Der Wecker“. Mitteilung der Zionistischen Veieinigung für Deutschland Von verwundeten und internierten Juden werden wir täglich lim Uebenveisung von Machsorim für die bevorstehenden Feste gebeten. Wir ersuchen datier alle unsere Freunde und Gesinnungsgenossen, uns M a chsori 111, für R o sch- H;1 s c 11 0 11 o 11 und Jom-Kippur zu diesem Zwecke zur Verfügung zu stellen. Allen gütigen Spendern im voraus herzlieber Dank, H i 1 f s k o in i t v e der Z i o 11 i s t i s e h e n V e r e i!1 i g u ח g f ii r D c u t s e h 1 a n d. Nachrichten Berlin. Unsere Gesinnungsgenossen Dr. Max J 11 n g in;1 n n - Berlin (K. J. V.), Richard F r ö h 1 i c It - Ratibor (K. J. V.), Assistenzarzt Dr. Emil S a lo in 0 n - Löcknit/ (K. J.V.), Jakob 11 a d d a - Alt Cliechlin, Kr. Taniüw it/, und Dr. Walter S t e i 11 i t z - Breslau (K. J. V.) haben das Eiserne Kreuz bekommen; letzterer wurde außerdem zum Assisten/ar/t befördert. Unsere Gesinnungsgenossen Leutnant Alfred R o m b e r g - Essen und Julius L e 11 m a 1111 ־ Berlin (Fierzl-Club) wurden 1■ er wund et. Das;Mitglied des I ler/l-Clubs, Moritz. Wasser* hart- Breslau, ist ״ t• f a I I e 11. Berichtigung. Daß» Herr Jakob van der Walde das Eiserne Kreuz erhalten hat, ist irrtiinilieh gemeldet worden. Wien. Unsere Gesinnungsgenossen Ing. Heinrich F r e und- Prol'mitz (jt'ni. Stmientcnvercniignng ״Giskalah“), Fähnrich Heinrich P o 11 a k - Pmßiiil/, I inj.- Freiw. Abraham R o s 11 e r - Bielitz (()!)erführe!• des Jüdischen Wamlerbuiidcs ״Blau-Weiß“ in Bielitz) sind ״ e f a 11 e 11. Unser Gesinnungsgenosse Julius S j | h e r blisc h, .Mitglied des Bukowiiiaer Zion. 1 andeskomitees, wurde v e r w 11 11 d e t. Ausgezeichnet wurden unsere Gesimnmgsgenossen Kadett Paul M a e r z ( jud. ak. techu. Verbiiidung Ivria) mit der silber 11 e n Tapferk e i t s in e d a i 11 e unter Beförderung zum 1'ii 1111 - rieh, Kadett Walter tirunwald (jud. ak. techri, Verbindung Ivria) mit der silbernen Tapferk c i t s!11 e 1! a 1! 1 e , I lermanii R o s e 11 b e r g (A. H. der jüd. ak. teelui. Verbindung ״Lmunali“, Bielitz) mit dem M i 1 i t;1 r ־ V e r d i e 11 s t k 1׳ e u z 3. K 1. m i t der K 1־ i e g s d c k o r a t i u n. Schluß des redaktionellen Teils. Löst die Roschhaschanahwünsche durch den Nationalfonds ab!