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Jüdische Rundschau · 1915-08-13 · Heft 33 (13.8.1915) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 33 (13.8.1915)
Date
1915-08-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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CfcKMAN! judah: Abonnements »־af die wöchentlich am Freitag׳ erscheinende ״Jüdische Rundschau“ kosten bei der Expedition und bei allen Postämtern vierteljährlich M. 1^30 innerhalb Deutschlands, in Oesterreich- Ungarn M. 2,50, im Ausland M. 3,—, JÜdUdi« Rundschau, G. in. b. H, BERLIN W.!5, Sächsische Straße 8. Telephon: Amt Uhland 845, 846. Postscheckkonto: Berlin Nr, 17392. OUCDISCHC RUNDSCHAU ן Anzeigen 1 kosten für die sechsgespaltene Petit* | seile oder deren Raum 40 Pf.; Stellen- | Angebote und -Gesuche sowie Vereins- S Mitteilungen und ״Kleine Anzeigen" ן O O O O nur 30 Pfennig. O O O O j Manuskripte werden, wenn Porto beiliegt« J stets xurückgesaodt. Redaktionsschlaßt I Mittwoch vormittags. ן Redaktion Jüdische Rundschau I BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8. I Telephon: Amt Uhland 845, 846, 1 Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. .....ו^ח-ד-ז1־ו1ר ALL06M6INC 9UC0ISCHC ZCITUNC Nummer 33 Berlin, den 13. August 1913 — 3. Elul 5675 XX. Jahrgang. Ausweis Brandenburg 2,—, Duisburg Sierck i. Lothr. 1,— , aus dem Schekel: Berlin 9,- 8. - , Frankfurt a. O 6,- Felde 2,—. L ,ndesbeiträge: Berlin 5,—, Dresden 36,—, Duisbürg 18,—, Frankfurt a. O. 4,-, Hildesiieim!Einzelbettr.) 4,--. Hohensalza (Einz.elbeitr.; 1,50, aus dem Felde 3. —. Propagandafonds: Allenstein: Jakob Silberstein (f. 1914 u. 1915) 10,—, J. Wistinetzky 10.—, Berlin: Dr, Julius Becker 10,—, Hermann Erteschik 5,., Rechtsanwalt Dr. Oersott 5,—, R-A. Dr. Pincus!0,— . B Sulmann (1914/1915)40,—, Salo Translateur-Baumschulenweg 5,—, Max Wolisteiner 30,—; Bielefeld : Berta Cohn 5,; Brandenburg: R.-A Cohn 5,—; Breslau: Dr. WalterSteinitz 10,—; Chemniiz: Lepp, Jacoby( 1914/1915) 50,—; Danzig: Apoth Heinrich-Neufahrwasser 6,—; Dortmund: Hugo Moser 10,; Festenberg: Rob. Hermarin (2. Rate) 3, •; Frankfurt a. M.: Max Braunthal 10,—; Gera: Dr. Jankelowitz 6, —; Guben: Zahnarzt Lichtwitz 5.—; Hamborn: LouisLeeser 5, —; Köln a. Rh.: A. Reinhardt 10,-, Paula Löb 5, —. Bertha Reinhardt 5, -; Königsberg: W. Perlis 10,—; Magdeburg: Martin Ruppin (1914/15) 10,—; Mannheim: Julius Simon (1914/1915) 100, —; Meiningen: Zahnarzt Herbert Meyer 5,—; Nicolai: Dr. Poznanski, z. Zt, Militär-Hilfsrichter in Breslau, 5, : Posen: Dr. Kassel 2-1, —; Sierck: Eduard Bing 5,—; Wanne: Sal. Salomon 15,; aus lern Felde: Leo Barth-Berlin 5,— , Dr. Kar! Kahn 15,—, Dr. Arthur Levy-Berlin 5,—, Moses Marx-Berlin (erhöhter Beitrag) 100.—, Eingang vom 5. bis 11. August 1915: S ch e k e 1: 28,׳— M.: Landesbeiträge: 71,50 M.; Prcpagandafonds: 554 M. Gesamteingang: Schekel: 2202,- M.; Landesbeiträge: '2745,-— M.; P r o p a g a n dafonds: 7743,- M. Polnische Antisemiten Das Vorrücken der deutschen Armee in Russisch-Polen und zuletzt der Fall von Warschau haben in gesteigertem Maße das Interesse der ()Öffentlichkeit auf die nationalen Probleme der nichtrussischen Völker in jenen Liinilern gelenkt, die bisher unter der russischen Gewaltherrschaft standen. So ist vor allem die Polenfrage zu einer Uislatssion gestellt worden, deren Charakter kaum mehr akademisch zu nennen ist. An der Entwicklung dieser Frage sind aber die jüdis che 11 Massen besonders interessiert und darum steht auch die Diskussion des Schicksals der jüdischen Bevölkerung im Osten in engster Verbindung mit allen Erwägungen über die künftige Gestaltung der polnischen Frage. Diese Dislaission bezieht sieh allerdings nicht nur auf jenes nunmehr der russischen Herrschaft entrissene Gebiet, sondern auch auf die österreicliisehen Landesteile, die nach einer mehrmonatigen Fremdherrschaft wieder unter österreichische Verwaltung gekommen sind und in denen die Polen das vor allem entscheidende Wort mitspreclieii ni dürfen verlangen. Noch ist es nicht klar, in welcher Weise lort die österreichische Regierung der durch len Krieg besonders akut gewordenen Probleme du Verwaltuiigsgebiet des Statthalters von Gaizien Herr werden wird; hat doch der Krieg mit iner selbst die Eingeweihten überraschenden Sittlichkeit bewiesen, daß die ״russische >!' i e n t i c r u n g“ im g a 1 i z i s c h e n P o lenu 111 weit mehr um sich gegriffen hat, als geahnt erden konnte*. Zu Anfang des Krieges allerlings wurden systematisch Nachrichten über den errat verbreitet, den die galizischen R 11111 e n e 11 n Oesterreich begangen hätten. Je weiter aber in den früheren Perioden es Krieges die Russen in Galizien vorrückten ud je länger ihre Herrschaft im Lande währte, »Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer ö ff entlieh-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Baseler Programm. um so klarer wurde es, daß die Fäden der Verbindung zwischen Galizien und Rußland in Wahrheit in den Händen polnischer Kreise zu- -sammcnlaufen. Und als die Russen Galizien räumen mußten, flohen denn auch mit ihnen jene ,,russisch orientierten" polnischen Politiker mit, deren Werk die Organisierung eines großzügigen Landesverrates im östlichen Oesterreich gewesen ist und die zu einem nicht geringen Teile die Entwicklung der militärischen Ereig-!risse der ersten Monate beeinflußt haben. Es ist bezeichnend, daß sich unter diesen aus Lemberg geflohenen polnischen Freunden der russischen Herrschaft wirklich ganz maßgebende polnische Politiker befinden, die zum allergrößten Teile hohe Stellungen in der österreichischen Verwaltun« bekleideten. Es waren nicht nur Beamte der politische 11 Verwaltung, unter ihnen verschiedene Staatsbeamte, über deren ebauvinisti- Ne.' M‘*■. d t: i l r'v Jit! t!.י v i11 ’‘■י •* t H ין u ’! 11 11־. tuV o'v* ן i tdiscli-nationale Richtung immer zu klagen gehabt hatte, sondern auch manche Landesger i c h t s r ä t c , Oberstaatsanwälte u. a., von Angehörigen der polnischen Gemeindev e r t r e t u n g e n gar nicht erst zu spreellen. Daß auch polnische Aristokraten, wie Dr. Henrik Stanislaw Graf Badeni, Erbliches Herrenhausmitgücd, Sohn des gewesenen Landmarschalls von Galizien und Neffe des gewesenen Minister- Präsidenten von Oesterreich, dessen Name auch uns aus der Geschichte des galizischen Antisemitismus bekannt ist, mit der! Russen vor der anrückenden österreichischen Armee ihr Vaterlancl geräumt haben, ist interessant und be/.eichneiul, aber immerhin nicht überraschend für Kenner der galizischen Verhältnisse, die sieh von den Erklärungen 11 ich 1 täuschen lassen, welche gerade jetzt von polnischer Seite erlassen wurden, um das österreichische Mißtrauen zu beschwichtigen. Die Ersetzung des galizischen Statthalters durch einen aktiven (i e n e r a 1 war ja im übrigen auch der sichtbare Ausdruck dafür, daß die österreichische Regierung mit Ernst daran gegangen ist, in einem Lande Grdnun« zu schaffen, in dem zum Unheil des Staates und der loyalen Bevölkerung eine kaum kontrollierte Autonomie so lange geduldet worden ist. Daß jetzt aber von polnischer Seite der Versuch gemacht wird, den wahren Sachverhalt zu entstellen und die jüdische Bevölkerung Galiziens des Landesverrates zu bezichtigen, das zeugt allerdings von einer besonderen Urnerfrorenheit. Der Schwindel ist aber doch zu primitiv, als daß jemand auf ihn hcreinfallen könnte. Zwischen der Flucht der polnischen Fährer und der Verschleppung der armen Jaden besteht ein auf keine Weise wegzuleugnender Unterschied. Heber die Verhältnisse in Russisch- Polen ist in den letzten Monaten viel gesagt und geschrieben worden. Das Schicksal der jüdisclieii Bevölkerung war und ist hier ein besonders schweres» denn es wurde nicht nur von der russischen Fremdherrschaft, sondern auch vom polnischen Einfluß bestimmt. In einer furchtbaren Zange wand sich die große jüdische Masse und nur zu leicht gelang es, der russischen Regierung und dem polnischen Antisemitismus, sie zum Si'mdenbock zu machen, wo ein solcher gebraucht wurde. Wir haben ausführliche Berichte über die M i ß h a n d 1 u n g e n d e r j ü ü i s c h e n Bevölke rung durch die russische Sol dateska gebracht und haben andererseits unseren Teil dazu beigetragen, daß man auch bei uns erfahre, welche Rolle der furchtbare polnische A n t i s e m i t i s m u s , der die polnische Politik bestimmt, in der Zeit vor dem Kriege, vor allem aber in den letzten Schreckensmonaten, gespielt hat. Unsere Aufklärungsarbeit war nicht vergebens, zumal uns in den machtvollen Anklagen eines Georg Brandes ein Beistand geworden ist, an dem auch die intransingenten polnischen Antisemiten nicht achselzuckend vorübergehen konnten. Seit man auf diese Weise auch bei uns und in den neutralen Ländern über das System der Intrigen und Denunziationen unterrichtet worden ist, das von polnischer Seite gegen die jüdische Bevölkerung in Anwendung gebracht worden ist und das Georg Brandes unter Anführung von Tatsachen in den Begriff ״A u f w i e g e 1 u 11 g z u P o g r o m e n“ zusammengefaßt hat, ist in der polnischen Oeffentlich- ,.־Dt!rin tvür.iv::', Oezcter vor allem gegen ffyorg Brandes losgegangen, den die ganze Welt als den ״großen Freund des polnischen Volkes" kennt und dessen Anklage sie darum um so mehr glaubt. Es ist nicht unsere Aufgabe, Georg Brandes gegen die heuchlerischen Beschiinpfungen der Herren Dmowski, Nirnoj c \v s k i und S \v i 111 o c 11 o w s k i in Schutz zu nehmen. Ihnen weiß Georg Brandes allein zu antworten, wenn e.s nottut. Auch diese Politiker sind vor dem Anmarsch der verbündeten Heere rechtzeitig geflohen, denn auch bei ihnen ist der Antisemitismus aufs engste verbunden mit der nHsophilen ״Orientierung“. Wir müssen uns nur dagegen verwahren, daß sich auch jetzt noch niiter den P o len diesseits d e r G r e 11 z e n, als!) hauptsächlich unter de!1 österreichischen Polen. Leute finden, die den Feldzug der russophilen Antisemiten und die ganze antisemitische Kampagne in Russisch-Polen zu decken wagen. Wir selbst haben gerade bei der Polemik, die wegen unserer Aufdeckung und Bekämpfung der antisemitischen '1 emlen/en des russischen Pulentunis die Zeitschrift ״Polen*‘, herausgegeben von dem polnischen Universitätsprofessor Dr. Ritter von Jaworski in Wien, mit uns und unseren Mitarbeitern führt, erfahren, in welch heuchlerischer Form die Poieri gegen die Vorleidiger jüdischer Interessen zu kämpfen wissen. Noch ist es nicht klar, wie der Krieg das Schicksal der staatenlosen Völker im Osten gestalten und beeinflussen wird. Abei׳ die Polen, oder wenigstens ihre politischen Führer, sollten sich doch klar machen, daß sie der Zukunft ihres Volkes nicht am besten dienen, wenn sie selbst in einer Zeit, da sich viele ihrer hervorragendsten Männer kompromittiert haben, die Pausen zwisehen den Schlachten dazu benützen, die antisemitische Kampagne, die unter der russis,ch e n Herrschaft blühte, auf/unehinen und fortzuset/eii. Wäre es nicht vielmehr an der Zeit für sie, zu beweisen, daß die sogenannte ״u n te ri r d i s c 11 e V e r b i n d 1111 g“ mit dem russischen Polentum nicht so aufgefaßt werden soll, daß auch diesseits der Grenze nur die russische Orientierung die herrschende ist? I... H.

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