Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1915)
- Date
- 1915-08-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Hers 8, . Lindcsbcltrig«־: .Breslau 40,-, Dresden 30,—, ll.ilhrrsiadt 4b,—. München 18,-. Propagflndafondsi De׳lin: Dr. Henryk Cohn 5 - , H'i 1 hisanwnlt Dr Ludwig Freundlich 2(),-, brau l)r. Haiiisc 5, , Theodor Hautkc 5,—, Julius Kalmus 20,—, 1)1. Hans Mühsam 30,— , J. Oppenheim Hl.—; Cassel: 0! I’ ager 5, —; Düsseldorf: Dr. 15, '« eyl 20.—; Frankfint a. M.: Julius Wolilfartli 8,—; Ha'herstadi: Jacob Holtmann 10,— . Paul Loewcnslem h,—, Martin Zimint 5, Halle: l'ipl.-lmj D. Loewenberg, 3. Rate. א,-, vi'ihy Wciss, ך Zt Tornau, 2 und 3 Raie 12,—; aus dem Fehlt• Assistenzarzt Dr, Frenkel 100.--, Wchrmaim Oimipe llcrlln 10,—, Rechtsanwalt Jalowlcz, Berlin, 7, /.\ Sprendlingen (RhetnhesseM 10,—. Verschiedene Spenden! Prag 1,— Eingang vom 21. Juli bis 4. August 1915■ Schekel; 1C5,— M,; L a n d c s be i t r age: 143,--M,; Propagandatonds: 2t8 M. Ucsamteingang: Schekel: 2174,— M; Lan• des beitrage: 2673,50At; Propagandafonds: 7189,- M Adresse für Geldsendungen! Zionistische Verelnlgung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsische stiallc 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkbnto! A. H. Heymann & Co., Berlin W56, Hinter des Katholischen Kirche 1. Boston In dieser Woche jiihrt sich der Tag, da durch L'iiglamls Kriegserklärung der europäische Kontiiuiitalkricg zum Weltkrieg geworden ist. Lin Jahr ist nun schon verflossen, seit in der unmittelbaren Niilie des englischen Hafens Sauthainpton der deutsche Riesendampfer ״Krön- Prinzessin Cäcilic“ mit seiner (Joldlust das Lunki'ntelegramm über die englische Kriegserklärung erhielt, stracks wendete und, den englischen Kriegsschiffen entkommend, den neutralen Hafen Neu Yorks wieder erreichte. Dieses Schiff brachte auch Dr, Sch ttiarja Lev in wieder nach Amerika, der fünf Wochen vorher schon einmal von den amerikanischen Zionisten als Vertreter des Liigeren Aetions-Comites für die 17. Convention der amerikanischen zionistischen Lödcratim! begrüßt worden war. Damals hatte er schon mit den amerikanischen Zionisten über die Her- Stellung einer festeren Verbindung mit der Oesamtbewegung und dem zionistischen Leitung bcraten und die energische Fortführung der hegminenen intensiven zionistischen Arbeit gcsichert. Nun aber, da der Weltkrieg Sicherheit in I hisicherheit verwandelt und die gewohnten Wege der Verständigung und Zusammenarbeit gesperrt hatte, war den amerikanischen Zionisten eine neue, größere Aufgabe erwachsen. Und die amerikanischen Zionisten haben auch nicht gez״gcrt, die Verantwortung zu übernehmen, die timen die Lage der Dinge auflud. ln dem einen Jahr ist in Amerika reiche und fruchtbare Arbeit geleistet worden. Dr. Schntarja Lc '׳ i n hatte als Mitglied des Engeren Actions- Lmmtes der Zionistischen Organisation die Autorität, von den amerikanischen Zionisten eine Arbeit und Leistungen zu verlangen, wie sie nötig waren, wenn die Zionistische Organisation und "׳enn das jüdische Werk in Palästina über die schwerste Krisis hinaus erhalten und gesichert "׳erden sollten, Die aiterprobten Führer der amerikanischen Zionisten begriffen die cntsctieidungsschwere Größe des Augenblicks und stellten ״Der Ztoniimui erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer Affen!• lieh •rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina.״ Baseler Programm. ihre ganze Kraft in den Dienst der zionistischen Bewegung. Und Freunde des zionistischen Oedankens, die seit noch nicht langer Frist auch mit dem organisatorischen Heftige unserer Bewegung fest verbunden wären, bewiesen in einer Zeit, die Außerordentliches verlangte, daß sie den Sinn der zionistischen Aufgabe voll erfaßt hatten. Allen voran leuchtet der Name unseres amerikanischen Freundes Louis D. Brand eis. Liner der cifrigsten demokratischen Politiker Amerikas, der Rechtsanwalt der amerikanischen Regierung, der persönliche Freund des Präsidenten, zögerte er keinen Augenblick, als der Ruf an ihn erging. Ilr wurde der Vorsitzende des unter Mitarbeit Dr, Schmnrjn L e v i 11 s ncugegriimleten ״l’rovis 0 r i s c h c 11 E x e k n t i v l< 0 111 i t e e s f ii r allgemeine zionistische A n g c I c g c n h e i - t e n in A 111 e r i k a“, der Repräsentanz, des gesamten amerikanischen Zionismus. Dieses ,,Prov i s o r i s c h c Exekutivkomitee'‘ hat, vor allein schon in den ersten Monaten des Weltkrieps, eine Arbeit geleistet, deren unschätzbare Bedeutung jedem bekannt ist, der die Geschicke der zionistischen Bewegung, die Entwicklung in Palästina und die Rolle, die das amerikanische Judentum während'des Krieges und aller Wahrscheiulichkeit nach auch in Zukunft spielen wird, mit Aufmerksamkeit verfolgt. Vom ״Provis orischeu. E x e k 1t t i v k o mite e" ist die Initiative aiisgegangen, die mit das größte Verdienst an der uncrscluitterten Arbeitsfähigkeit der Zionistischen Organisation beanspruchen darf. Von den amerikanischen Zionisten, die in ihrem P r 0 v i s o r i s c h c n E x c k u t i v k o m i t e c eine kraftvolle Repräsentanz gefunden hatten, war die erste großzügige Unterstützung der jüdischen Bevölkerung Palästinas ausgegangen, durch die die drohenden Katastrophen verhindert werden konnten. Und es waren nicht mir Geldsummen und Lebensmittel, die die amerikanischen Zionisten für die palästinensischen Brüder herbeischaffen konnten; ebenso bedeutsam war cs, daß die amerikanische Hilfe den palästinensischen Juden schon in den ersten schweren Wochen wieder zur Sicherheit und Beruhigung in ihrer Isolierung verhalt. Daß die amerikanischen Zionisten, unter der Führung des Provisorisehen Exekutivkomitees, ihre Verpflichtung der Organisation und Palästina gegenüber erkannten und erfüllten, gab der Leitung der zionistischen Gesamtorganisation erst die Möglichkeit, ihre unentbehrliche Arbeit ohne Stillstand und Einschränkung fortzusetzen. Und die Tätigkeit dieses von Louis Brand eis geleiteten Komitees konnte auch die wertvollen Anregungen für Amerika fruchtbar machen, die dem amerikanischen Botschafter in Konstantinopel, Mr. Henry Morgen t hau, zu danken sind. Daß die amerikanischen Zionisten nicht nur auf dem Gebiete der rein zionistischen und direkt palästinensischen Arbeit Großes erreicht, sondern atirli das nllgeiiicinjiidische Leben Amerikas sta1׳k beeinflußt haben, Ist bekannt. Die zionistischen Führer, allen voran Dr. Schntarja L e v i n,, L011 Is B r n n d e I s, Dr. M a g n c s, Louis Lipsky, Nathan Straus, wußten mit der aufriittelndcn Kraft der beißen Liebe zum Volke das amerikanische Judentum zur Unter- Stützung der durch den Krieg in Not und Elend geratenen jüdischen Massen Europas und Paliistinas auf/tiriifcn; in unzähligen Versamnilungen sprachen sie zum amerikanischen Judentum für die heilige Sache der jüdischen Gemeinschaft, Welche Bedeutung für das Gesamtjudentum dem Plan des a 111 e r i k a 11 i s c 11 - j ii d i s c h e n Kongresses zukommt, der von allen deniokrntLsrlien Elementen des Judentums Amerikas unterstützt wird und sich die respektvolle Achtung aller Richtungen zu erwerben imstande ist, müssen wir nicht erst her\ erheben. Nun hat in Boston die achtzehnte ״Convention“ der Zionistischen Föderation Amerikas st;ittgcfunden. Heber die Convention selbst und die mit ihr zusammenhängenden Versammlungen und Tagungen haben wir ebenso wie über die Haitung der Presse der lagtmg gegenüber schon berichtet. Besonders muß aller doch noch erklärt werden, daß auch uns diese Convention von Boston einen Merkstein in der Entwicklung des amerikanischen Zionismus darziistellen scheint. Die Convention in Boston war eine Heerschau der reichen zionistischen Kräfte, die der Organisatiuii in Amerika zur Verfügung stehen. Im amerikanischen Judentum leben starke jüdische Energien, die allerdings nur eine zielbewtilitc und unermüdliche Arbeit dem Gcsamtjiulcntmn auf die Dauer nutzbar machen kann. Nur eine Bevvcgtmg, deren tragende Idee die nationale Idee des ücsamtjmlcntums ist, vermag die Tendenzen zu überwinden, die in Amerika allzu leicht durchdringen lind zu einer ״Ainerikanisierung“ der Gedanken ünd Ideen führen, welche die Ideen seihst verändert. Die Geschichte der zionistischen Bewegung in Amerika aber beweist, daß der Zionismus auch auf dem schwierigsten Boden solcher Gefahr widersteht. Darum ist cs mit besonderer Freude zu begrüßen, daß jetzt im amerikanischen Zionismus Männer wie Louis Brand eis mitnrbeiten, die mit dem zionistisehen Enthusiasmus eine vielfältige organisatorische und politische Erfahrung im öffentlichen Leben Amerikas vereinen. .Sie werden verstehen, die ungeheuren Möglichkeiten, die Amerika für unsere Bewegung bietet, wirklich dauernd auszunutze!! und ihr so jenseits des Ozeans ein starkes Zentrum lebendiger Kraft zu schaffen. Daß wir dieser Entwicklung mit froher Zuversicht entgegensehen können, beweist schon die eine Tatsaelie, daß das Gefühl des Verbundenseins mit Palästina, das die zionistische Bewegung im zentraten und westlichen Europa erst in langer Arbeit hat neu wecken müssen, jenseits des Ozeans im drängenden Moment wie mit einem Zauberschlag erwachte. Daß es nicht wieder versiege, dafür wird der amerikanische Zionismus zu sorgen haben. Die Bostoner Convention der amerikanischen Zionisten erbrachte den Beweis, daß gerade die demokratischen Tendenzen, die die zionistische Organisation erfüllen, im Lande der großen Zahlen Anklang finden. Im gesamten amerikanisehen Judentum ist man der kraftvollen Arbeit der zionistischen Führer und der zionistischen Organisation im letzten Jahre mit steigender Sympnthic gefolgt. Kurz vor der Convention In Boston und auf ihr verdichteten sich fliese Sympntlilen zu Kundgebungen des Einverständnisses und Erklärungen des Anschlusses an die Be-