Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1915)
- Date
- 1915-07-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2651922-2651952--10230-2667630- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 252 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 31 Hunger zu sterben, als mit den russischen Mördern zu leben. Jetzt befinden wir uns, Oott sei gedankt, unter gehr anständigen Deutschen, und wir danken Oott, daß wir mit dem Leben davongekommen sind. Wenn ich dir alles genau schildern wollte,־ so müßte ich ein ganzes Buch vollschreiben.״ Jüdischer Nationalkalender Ende August erscheint im Verlage R. L o e w i t In Wien der Jüdische N a t i o n a 1 K a I c n d c r für das Jahr 5776, he rausgegeben von l)r. Otto Abel es und Ludwig Dato. An diesem Jahrbuche werden alle hervorragenden Männer des bewußten Judentums niitarbeitcn, clie in dieser sturmbewegten Zeit zu ihrem Volke sprechen und cs beraten wollen. Aufsätze, Novellen, Skizzen und Ocdichte unserer ersten Schriftsteller und ein erlesener Bilderschmuck werden diesem jüdischen Volksbuclte dauernden Wert verleihen. Der jüdische Nationalkalcnder, ein starker handlicher Hand, soll mit seinem reichen, mannigfaltigen Inhalt in diesen schweren Tagen allen Juden Erhebung und Belehrung bieten und der jüdischen Familie ein treuer Freund werden. Brief aus Rumänien Die schwierige Lage der Juden Rumäniens, die hier bereits geschildert wurde, ist inzwischen noch e r 11 e b I i c 11 k r i t i s c h c r geworden, Vor ein paar Wochen mußten die Juden der au der östcrreic li isch-u 11 g arischen Grenze gelegenen Dörfer eine neue Prüfung bestehen: die rumänische Regierung gab, angeblich aus Furcht vor Spionage, getreu dem großen Vorbild Rußlands, den Befclil, alle Juden aus diesen (Iren/gebieten ausztiweisen. In einer Frist von 3 mal 21 Stunden mußten sie Haus und Hof, ihre Heimat, in der sie seit Jahrzehnten gelebt und gearbeitet hatten, verlassen, und selbst Familien, deren Söhne bei den jetzigen Mobilisierungen eingczogeii waren, j,1 greise Veteraneu des Krieges von 1878, wurden von dieser grausameit Maßregel nicht befreit. Allerdings hob die Regierung diese Verordnung nach verschiedenen Interventionen, die zum Teil von! Verband rumänischer Juden ausgingen, auf, nicht ohne die altbewährte Entschuldigung, die ausführenden Organe hätten den Befehl falsch interpretiert, mir die Juden fremder Staatsangehörigkeit sollten durch ihn getroffen werden. Jedenfalls waren sämtliche jüdischen Familien inzwischen nach dem Inlandc abgewandert, in völliger Ungewißheit über Ihr Schicksal, materiell aufs schwerste geschädigt, und 14 Tage dauerte es, bis sie aus ihrer verzweifelten Lage befreit wurden und wieder in ihre Heimat zurückkehren durften. Bezeichnend ist auch, daß selbst aus dem Grenzdorf M a m o r 11 i t z a, das von Juden gegründet worden ist, 25 eingesessene jüdische Familien ausgewiesen wurden. Die zionistische Bewegung Rumäniens hat gerade in dieser schweren Zeit eine erfreuliche Tätigkeit gezeigt, ln Bukarest fand auf Veranlassung der jungen Zionisten eine eingehende Besprechung aller zionistischen Fragen statt und man beschloß einstimmig, die zionistische Arbeit mit ungeminderter Tatkraft forfzusetzen. Bemerkenswert ist die Herausgabe der neugcgrüiideten zionistischen Halbmonatsschrift ״I I a t i k w ah“, die seit dem 1. Juni in G a 1 a t z, dem Sitz der zionistisehen Förderation, erschein(. Die Zeitschrift verspricht sowohl literarisch wie politisch und informatorisch eine wertvolle Ergänzung des zionistischen Lehens in Rumnnien zu werden. Ihre ersten beiden Hefte sind dem Andenken von Percz liüd Herzl gewidmet. Die Pcrez-Nuinincr enthält nach einem warm empfundenen Aufruf aii die nationale Jugend Rumäniens von Dr. I, Nacht, Fokschani, Aufsätze über Percz als Mensch und Dichter, gut gelungene Ucbcr- Setzungen seiner Märchen und Gedichte und außerdem als wertvolle Erinnerung einen Beitrag David Wolffsohns, den er kurz vor seinem Tode für die damals schon geplante ״Hntikwnh“ schrieb, und der sich an die rumänischen Zionisten richtet. Im zweiten Heft, das als Hcrzl-Gedcnkn ummer am 20. Thamus erschien, wird Hcrzls Persönlichkeit von Samuel P i n e 1 c s, dem Ehrenpräsidenten der rumänischen Förderation, von Dr. J. Nacht, Dr. in r d c n i ־ Berlin, Zositicr, S. L a 7. a r und A. L. issu eingehend gewürdigt. Beide Hefte bringen in rumänischer Uebcrsetzimg die offiziellen Berichte des Actions-Comitfis aus Berlin und des Zionistischen Bureaus ip Kopenhagen, ausführliche Erörterungen der zionistischen Bewegung Rumäniens und der oben erwähnten Besprechung in Bukarest und eine Unterredung mit M. Heinrich Schein, dem Vorsitzenden der zionistischen Förderation. Berichte über die Tätigkeit des Studcntenvcrclns H a s - m o n a c a und der einzelnen Ortsgruppen 60wlc eine Revue der gesamten jüdischen Presse schließen den reichen redaktionellen Teil. Die schön gedruckte Zeitschrift, die außerdem Originalzeiclinungen von Rubin und Roß enthält, macht schon äußerlich einen durchaus würdigen Eindruck, und wir dürfen hoffen, daß sie anregend und befruchtend auf die Jugend Rumäniens wirken und ln weiten Kreisen Interesse linden wird. Erwähnenswert sind neben dieser Neuerscheinung noch zwei Werke, die der Bukarcster Verein ״Saaron“ herausgegeben hat: Einen Oedichtband ״S p i 11 i" (Dornen) von dem Dichter Dr. A. S t c 11 c r - mann, der fcinempfuiulciie jüdische Lyrik enthält, und ein Buch Uebcrsctzungcn Pcrczschcr Novellen, die den großen Dichter dem rumänischen Publikum sicher näher bringen werden. Endlich möchten wir noch zwei polemische Broschüren hervorheben, die als Antwort auf die immer neu auftretenden Ve r- Icumdungen der Juden erschienen sind: ,,Die M o r a I d c s J u d e n t u m 8" von Dr. J. NI c m 1 r o ־ wer, die ebenfalls beim ,.Saaroir' verlegt Ist, und ,,Heldentum der Juden Im jetzigen Weltkrieg“ von M. S c 11 w e I g, dem Direktor des C11 r i e r u 1 Israelit. Diese reiche literarische Tätigkeit bedeutet ein Erwachen neuen zionistischen Lebens ln Rumänien und läßt uns für die Zukunft gute Erfolge erwarten. E, S. Aiiuicnz. .-. c>cck uDcrnracme eine nuiaigumr ' seiner Gemeinde, Dr. Stern erschien namens d» Union einheimischer Juden. Mit Dr. J. Niemir0. wer,'dem bekannten rumänischen Zionisten, unter* hielt sich König Ferdinand über die jtid ische Frage im allgemeinen. Aus Bulgarien. Die Organisation für hebräische Sprache und Kultur in Berlin erhielt aus S o I i a ein Bcgrüßungstclegramm der jüdischen Kulturvcrcine Bulgariens, die ihre erste Konferenz fn Sofia nbhielten, um den Grund für die Organisatinn für hebräische Sprache und jüdische Kultur zu legen, Aua England. AUS ALLER WELT Aus Oesterreich. Das Präsidium des Exekutivkomitees der Zionistischcn Partei Oesterreichs erhielt die behördliche Verständigung, daß ihm im Allerhöchsten Aufträge für die anläßlich der Wicdcrcroborung Lembergs telegraphisch zum Ausdruck gebrachte Loyalitiitskundgebung der Allerhöchste Dank bekahntgegeben wird. In das Lcmbcrgcr Statthalterpalais ist ein k. u. k. General, General der Infanterie von Colard, eingezogen. 111 dieser Ernennung sicht die ״Jüdische Zeitung“ in Wien die beste Qcwälir dafür, daß die Amtsführung der politischen La!ntcsstel|c den Weg unbedingter Gerechtigkeit und Objektivität gehen wird . . , ״Die Judenschnft Galiziens begrüßt diesen Wandel mit besonderer Befriedigung unu sieht darin den Anbruch einer glücklicheren Acra.“ Das Exckutivkomitec der westösterreichis c 11 c 11, galizischcn und Bukowinncr Z i o 11 i s t e 11 hat an den neuen Statthalter von Gali/icn, General der Infanterie vta Colard, ein Bcgrüßiingssclirciheii gerichtet, in dem cs heißt: ״Die von unserem gerechten und gütigen Monarchen gctroffene Wahl erfüllt die gefertigte Repräsentanz der nationalen Judenschaft mit dem Vertrauen, daß die Geschicke des vielgeprüften Kronlaiidcs Galizien im Sinne strengster Gerechtigkeit und verständnisvollen Wohlwollens allen Bevölkerungskreisen und auch dem jüdischen V o I k 8 s t a m 111 e gegenüber geleitet werden. Ein glückliches Galizien im untrennbaren Gcfüge eines starken Oesterreich ist das Ziel aller wahrhalt patriotischen Hoffnungen, daher auch der Wunsch dcrnationalgcsinntenjudenschaftin Galizien. Bei der Arbeit zur Erreichung dieses hehren Zieles werden Euere Exzellenz der willigsten und opferfreudigsten Mithilfe der nationalorganisierten Jude 11 schaft Oesterreichs und insbcso11dcrcOaUzlcn9 sicher sein,“ Die Genugtuung der nationalen Judenschaft über die Ernennung des Ocncrals von Colard zum galizischcn Statthalter ist verständlich. Als Militär dürfte er, wie die ״J üd i sc 11 c Zci 111 n g“ annimmt, ״frei von politischen und nationalen Einflüssen sein, als Kenner von Land und Leuten kennt er auch die mit der früheren Verwaltung verknüpften Mängel. Er wird sie abstcllcn. Das ist die Hoffnung der jüdischen Flüchtlinge und aller Juden Oesterreichs.״ Es erscheint dringend wünschenswert, daß diese Hoffmmg in Erfüllung geht, wenn man in der Oesterreic bischen Wochenschrift vom 16. J 1615 zum Beispiel liest, daß sich die israelitische C incinde in Dobromil in einem trostlosen Zustande befindet, namentlich infolge der Schikanen des dor» tigcii von den Russen während der Invasion eingesetzten — Bürgermeisters, gegen dessen judcnlcindlichcs Vorgehen die Bezirkshauptm a 1111 s c 11 a f t nicht cinschritt. Solcher Fälle werden mehrere angeführt; darum erwarten die Juden Outes von dem neuen Regime. Wie ans I’rzcmysl berichtet wird, ist der dortige Rabbiner Gcdaljah Schmelkcs, der, allen Kriegsiiöten trotzend, bis zuletzt auf seinem Posten ausgeharrt und sich durch sein energisches Auftreten den Russen gegenüber um die jüdische Bevölkerung außerordentlich verdient gemacht hat, kurz vor der Räumung der Festung durch die Russen aber nach Lemberg verbannt worden war, aus dem befreiten Lemberg wieder in seine Gemeinde zurückgckchrt. Er wurde von seiner Gemeinde mit allen Ehren und voller Begeisterung empfangen. Herr Rabbiner Oedaljali Schmclkes ist in den letzten Jahren, als einer der bekannten Führer des Misrachl, für die Propaganda der zionistischen Organisation in Galizien besonders tätig gewesen. Aus Lemberg erfahren wir, daß sieh dort Herr Dr. Max Geyer aufhält, der Sekretär des Zionistischen Aktionskomitees, von dem seit der Be- Setzung Lembergs durch die Russen keinerlei Nachrichten zu erhalten gewesen waren. Aus Rumänien. . König Ferdinand empfing nacheinander als Repräsentanten der rumänischen Judcnhclt die Herren Dr. Beck, Dr. Niemirower und Eh־. Stern in Der Londoner ״Jcwish Chronicle1' voröffentlicht aus dem Brief eines englischen Majori Rathbone an seinen Bruder folgende Stelle: ״Ich war 24 Stunden lang Im Schützengraben, mit einer Stunde Ruhepause, wir fingen einen deutschen Ollizier, Leutnant Max Seiler, von einem baycrisehen Kavallerieregiment. Er und ca. 50 Mann griffen uns mit Handbombcn an, und der Offizier wurde mit dem Bajonett getötet. Ich half, ihn mit unseren eigenen Mannschaften zu begraben! Er war ein Jude, so daß ich den Gottesdienst durch den Kaplan ändern ließ. Vielleicht werden seine Angehörigen sich freuen, dies zu hören, und Di! kannst den ״Jcwish Chroniclc“ und die ״jewish World" ersuchen, es zu erwähnen, damit jene davon in Kenntnis gesetzt werden. Er war ein tollkühner Bursche, und meine Leute konnten nicht umhin, seinen Versuchen, uns zu bombardieren, Bewunderung zu zollen." Aus RuBland. Feuersbrünste haben 300 jüdische Häuser In Polotzk (Witebsk), 32 Häuser des jüdischen Städtchens Derevni (Wilna) und grolle Teile von L u b a n (MI n s k) und Alexandria (Rovno) zerstört.! Die kleinen Städte T o k m a k und T e r n I - govka (Tauridal haben durch Uebcrschwcmmungen «ehweren Schauen erlitten. Der bekannte jüdische Verleger Klezkin hat den Vorschlag gemacht, Percz’ Andenken zu verewigen, indem man in der Krim auf seinen Namen eine Villa baut, die als Erholungsheim für arme jüdische Schriftsteller dienen solle. Klezkin hat eine ganz bestimmte Villa in Aussicht, die er für diesen Zweck für durchaus geeignet hält. Die Verwlrklichung dieses Planes soll die Gesellschaft ״Mephize Haskalah" und die jüdische Sanitätsgcscllschift übernehmen. Die Kicwer Verehrer des verstorbenen Dichters haben den Vorschlag mit großer ־Wärme aufgenommen. Nachrichten Berlin. Unsere Gesinnungsgenossen Dr. Walter Katzcncllcnbogcn -Königsberg (K.J.V.), Waltcr Silberbach - Cöln (K. J. V.), Albert Cohn- Berlin und Jakob van der Waldc-Tarnowitz haben das Eiserne Kreuz erhalten. Das Eiserne Kreuz erhielt ferner unser Gesinnungsgenosse Dr. Rudolf Schauer, z. Zt. Justitiar bei der Kaiserliehen Zollverwaltung in Belgien. Unsere Gesinnungsgenossen Walter Samuel- Berlin (Hcrzl-Club) und Emil E noch-Hamburg (Hcrzl-Club) wurden verwundet. Das Mitglied des Ruderklubs Ivrla. Herr Walter Ooldstcln, Ist gefallen. Wien. Unser Gesinnungsgenosse Fähnrich Jakob Rothcnbcrg-Tarnow äst bei Gorlice gefallen. Unser Gesinnungsgenosse Fähnrich Arthur F ränkel (Zionistischer Verein Ncüre Jchuda, Wien) wurde mit dem goldenen Verdienstkreuze am Bande der Tapferkcitsmedaillc ausgczeichnet. Unser Gesinnungsgenosse Kadettaspirant Max Schlamm (Jüd.-akad. Verbindung K ad im ah) wurde infolge hervorragend tapferen Verhaltens mit der Silbernen Taplerkcitsmedaille 2. Klasse ausgezeichnet. Unsere Gesinnungsgenossen Ing. Edmund Bern* hard und Ing. Jeremias Balti nester (A, H. der jüd.-akad. Verbindung K ad im ah) wurden mit der Bronzenen Tapferkcitsmedaille ausgczeichnet. Prag. Unser Gesinnungsgenosse Leutnant Dr. Ernst K o r e t z Egcr wurde — zum dritten Male — verwundet. Unsere Oesinnungsgenossen Leutnant Dr. Arthur Bergmann - Pilsen (Bar Kochba - Prag) und Leutnant Arthur Freund-Prag (Bar Kochba-Prag) wurden verwundet, Tarnowltz. Das Eiserne Kreuz erhielt Oeslanungsgenossc Jakob van der W a 1 d e aus Alt-Lechlau, Kr. Tarnowltz, der als Feldwebel beim Stabe des