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Jüdische Rundschau · 1915-07-09 · Heft 28 (9.7.1915) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 28 (9.7.1915)
Date
1915-07-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 226 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 28 fahrt mit Sicherheit vorgenommen werdÄi kann, und jss wurde von den Einvvanderungsbehörden sogar der Versuch gemacht, sie auf russisch-amerikanischen Linien zurückzuscnden, in der Annahme, daß solche Deportation jetzt ohne Gefahr vorgenommen werden könnte. Die oben genannte Gesellschaft war jedoch der Meinung, daß das Lehen dieser Einwanderer in Gefahr wäre, wenn sie zurückfahren würden, erstens wegen der Möglichkeit eines Angriffs auf das Schiff, zweitens wegen der Cie fahren der Unterseeboote und drittens, weil an Bord der Schiffe Munition mitgeführt werden könnte. Aus diesen Gründen erhob sie heftigen Widerspruch gegen die verschiedenen Anstrengungen, diese Einwanderer zurückzuschicken. Richter Sanders verlas ein Telegramm von George K e n 11 a 11 , dem berühmten Kenner der russischon Verhältnisse, das wie folgt lautet: ״Auf dein Etappenwege nach Südrußland vorschickte Einwanderer würden 1000 bis 1201) Meilen zu reisen haben, da die Eisenbahnen mit Truppen und Kriegsmunition überfüllt sind. Die Einwanderer würden täglich mindestens 15 Meilen zu Fuß zu gehen haben. Sie würden unter Bewachung zusatnmen mit gemeinen Verbrechern zu wandern haben und würden mit letzteren in schmutzigen, ungesunden Gefängnissen mit unvermeidlichen Verzögerungen zu übernachten haben. Die Reise würde drei bis vier Monate dauern und mit großen Beschwerlichkeiten und Gefahren verbunden sein. Die meisten der schwächeren Teilnehmer würden wahrscheinlich an Krankheit und Erschöpfung zugrunde gehen. Ich bezweifle stark unser moralisches Recht, mit menschliehen Wesen solche Experimente anzustellen. Wir versuchen, den Leidenden in Rußland zu helfen und Todesfälle zu verhindern, aber durch die Rückkehr dieser Leute würden wir das Unglück nur vergrößern.“ Dieses Telegramm, zusammen mit anderen klaren Beweisen und Dokumenten, die vom Komitee vorgelegt wurden, machte auf Sekretär Wilson Eindruck und infolgedessen hoher sofort den Befehl wegen der Deportation dieser Ein- Wanderer auf. Die achte Jahresversammlung der Vereinigung der Orthodoxen Jüdischen Gemeinden Amerikas fand in New York unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Bernard D rachmann statt. Es waren etwa 120 Vereinigungen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten vertreten. Die Versammlung sprach sich für den geplanten jüdischen Kongreß aus und empfahl den orthodoxen jüdischen Vereinigungen das Zusammenarbeiten mit anderen Körperschaften im Interesse der Durchführung von Maßnahmen, die die ,Lage der Juden in allen Ländern verbessern können. Aus Rumänien. Aus Palonka in der Moldau wurden Juden ausgewiesen, die sich in einem telegraphischen Protest an den Minister des Innern wandten. 1 Die rumänischen Zeitungen, so der Adeverul, berichten über die Ausweisung von Juden aus den Grenzbezirken. Die Ausgewiesenen erhielten nicht einmal eine kurze Frist zur Erledigung ihrer ,Oeschäfte. Die Zeitung Lupta teilt eine Erklärung des Ministeriums für Innere Angelegenheiten mit, daß angeblich nur solche Juden ausgewiesen worden seien, die ihre rumänische Staatsbürgerschaft nicht heweisen konnten, weil ihre Anwesenheit in den Grenzbezirken deren Sicherheit gefährde. Aus Bulgarien. Aus den russischen Grenzgou 1׳ e r n e - ments ausgewiesene russische Juden wollten nach Rumänien flüchten. Die Ueberschreitung der Grenze wurde ihnen verweigert, so daß sie sich nach Bulgarien wandten. Auch die bulgarischen Behörden wollten die Flüchtlinge nicht über die Grenze lassen, auf Verwendung der jüdischen Gemeinden erteilten sie aber schließlich doch die Erlaubnis und wiesen ihnen als Aufenthaltsort die Gemeinden Ferdinat, Karnolat, Gerna-Oreitewitza, Tirnowo, Gabrowo, Kotei und Lewetsch an. Viele der Flüchtlinge hatten Frauen und Kinder in Rußland zuriicklassen müssen. Die bulgarischen Juden bemühen sich jetzt, ihren russisehen Volksgenossen die Aufenthaltserlaubnis in Städten zu erwirken, in denen jüdische Gemeinden bestehen. Aus Rußland. Wir haben bereits in einer der letzten .Nummern mitgeteilt, daß die Arbeitsvcrmittlmigskommissioii, die sich in W a r s c h a 11 gebildet hat, Juden keine Beschiiftigung nachwies. Es hat sich seither infolgedessen ein jüdisches Arbeitsvcrmittlungskomitee gebildet, dessen Arbeiten bereits gute Erfolge gezeitigt haben. * Der Londoner ,,J e \v i s 11 Chronicle“ gibt Aeußerungen des früheren russischen Ministers Ermoloff und des russischen Reichsratsmitgliedes Kowalewsky wieder, daß die Lage der Juden nach dem K r i e g e sich bessern würde. Aber ein augenscheinlich inspirierter Artikel in der ״No wo je W r e rn j a“ gibt, wie der ״Jewish Chronicle“ erklärt, die Ansicht wieder, die man in Regierungskrisen hegt, daß die gegenwärtige Zeit als ungeeignet für die Erörterung der jüdischen Frage anzusehen ist. * Die polnische Literaturgesellschaft hat eine Erwiderung gegen den Artikel von Georg Brandes über den Antisemitismus in Polen veröffentlicht. Man leugnet die Beschuldigung, daß Polen sich an ,den Pogromen beteiligt hätten, beklagt sich über den Zustrom von russischen Juden nach Polen und wendet sich gegen die Angriffe gegen die ,Polen, die u. a. in der jüdischen Presse erschienen sind. Die jüdische Presse wird aufgefordert, ihre Politik auf die ,Her- Stellung ״freundlicher polnisch-jüdischer Beziehungen“ einzurichten Die Proteste gegen Georg Brandes zeigen, daß seine Veröffentlichungen, die die Aufmerksamkeit Europas und Amerikas auf die polnischen Hetzen gegen die Juden lenken, di« Polen nicht kalt lassen. Von keiner einzigen polnischen Stelle aus ist aber auch nur der ernsthafte Versuch gemacht worden, mit sachlichen Beweisen den Anklagen Brandts entgegenzutreten. Die ״Proteste“ werden daher niemand irreführen. . , , ln der neunten Konferenz für Handel und Gewerbe, die in Petersburg stattfand, wurde gegen den judenfeindlichen Kurs der russischen Regierung Stellung genommen. Einflußreiche Delegierte lenkten die Aufmerksamkeit auf die zerstörende Politik der Judenausweisungen aus der Provinz Ko w n o. Aus England. Der ״Jewish Chroniele“ teilt mit, daß die englische Heeresverwaltung Vorkehrungen getroffen hat, um, soweit es möglich ist, die feindlichen Untertanen jüdischen Glaubens, die koschere Nahrung zu erhalten wünschen, im Lager der Insel M a 11 Au internieren, wo solches Essen geliefert werden kann. Es soll hierfür wöchentlich ein Extraaufschiag berechnet werden. Aus Ungarn. In Budapest ist am 17. Juni Herr Max Szab o 1 c s i, der Redakteur des ״E g y e n 1 ö s e g“, gestorben. Der Verstorbene war auf jüdisch-literarischem Gebiete seit 30 Jahren tätig. Als Redakteur des ״Egyenlöseg“ hatte Szabolcsi vor einigen Jahren auch eine Campagne gegen den Zionismus geführt, ln der letzten Zeit schien seine Gegner- Schaft gegen den Zionismus schwächer geworden zu sein.־ Die ungarische Judenschaft hatte in ihm jedenfalls einen publizistischen Vorkämpfer für staatsbürgerliche Gleichberechtigung, der seine Fähigkeiten des öfteren bewiesen hatte. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Amerika. Die jüdischen Zeitungen Amerikas aus den ersten Juni-Wochen zeigen das allgemeine Interesse, das man der für Ende Juni angesetzten Tagung der atnerikanisehen Zionistenföderation entgegenbringt. Herr Nathan Straus und Richter Julian Mack haben rtjitgeteilt, daß sie an der Tagung teilnehrnen werde». Dem Bostoner ״Jew ish Ad voca t e“ zufolge hat die Galizianisch -Jüdische Föderat i o n der Vereinigten ^Staaten beschlossen, für alle ihre Mitglieder den Scheckei zu bezahlen. Sie zählt zurzeit gegen 40 000 Mitglieder. * Aus Atlantic City, N. )., wird dem ״Jewish Advocate“ ferner berichtet: Der Independent Order Brith Abrah a m beschloß einstimmig, die Bewegung zu erneuern, die im Jahre 1013 zugunsten der Annähme des zionistischen Parteiprogramms eingeleitet wurtjp. Ferner wurde eine Resolution angenommen, einen Schekeltag abzruhalten; 1000 Doll, wurden für den Notstandsfonds des Provisorischen Zionistisehen Komitees bewilligt. Die Versammlung des Ordens war von ca. 1300 Delegierten aus fast allen Teilen des Landes besucht. In der Eröffnungssitzung sprach Herr Louis D. Brand eis. 1237 Delegierte, die etwa 200 001) Mitglieder vertraten, jubelten Herrn Brandeis begeistert zu, als er von den jüdischen Kolonien in Palästina als Beispiel der Entwicklung des jüdischen Volkes sprach. Herr Louis P. Brandeis erklärte, daß nichts in der jüdischen Geschichte seit der Zerstörung Jerusalems dem Leiden gleichkäme, das während der vergangenen neun Monate Millionen Juden auf dem östlichen Kriegsschauplatz durchzumachen gehabt hätten. Er wandte sich an die drei Millionen Juden Amerikas mit dem Ersuchen, sich zusammenzutun und Gerechtigkeit für ihre Brüder jenseits des Meeres m fordern. ״Wir müssen der Welt jetzt zeigen, daß wir ein einiges Volk von 14 Millionen sind und das Recht verlangen, der Zivilisation der Zukunft ebenso unseren Tribut zu zahlen, wie wir dies in der Vergangenheit getan haben, trotz der jahrhundertelangen Unterdrückung.“ Es wurde eine von Richter Aaron J, Levy, New York eingebrachte Resolution angenommen, die dem Staatssekretär Bryan für seine Bemühungen dankt, amtliche Feststellungen zu erhalten über ״die schändlichen Massakres und die barbarischen Torturen, die von den russischen Behörden und Soldaten, wie auch von der Zivilbevölkerung Polens und der angrenzenden Provinzen gegen die Juden verübt worden sind, die eine Schande der Zivilisation darstellen und das dunkelste Blatt in •der Geschichte des jetzigen Krieges bilden . . .“ Die Versammlung sprach sich in einer Resolution für die Einberufung einer Jüdischen Nationalkonferenz aus. Die Einberufung soll wo maglieh im Einvernehmen mit dem Amerikanisch-Judischen Komitee geschehet!. Dänemark. Donnerstag, den 1. Juli, veranstaltete die Koperihagener Zionistische Vereinigung einen Trauerabend anläßlich des 41. Todestages Theodor Herzls. Nachdem sich die Versammlung auf Aufforderung des Vorsitzenden Herrn Nachemsohn zum Zeichen der Trauer von ihren Plätzen erhoben hatte, gab Dr. S. Bernstein eine •Charakteristik des Lebens und Schaffens Theodor Herzls. Der zweite Redner Herr M. Großmann behandelte die Frage, worin Herzls Größe besteht und weshalb gerade er es verstanden hat, der alten zionistischen Idee die Organisation zu schaffen. England. Kürzlich hat die Jahresversammlung der Zionistischen Gesellschaft in Manchester stattgefunden. Von Prof. Dr. W e i z m a n n wurde äugeregt, daß die Gesellschaft den Namen des atnerikanischen Gesandten in Konstantinopel Herrn Morgent hau ins Goldene Buch eintragen lassen solle. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen Nachrichten Berlin. Unsere Gesinnungsgenossen Di. Theodor Z 1 o c i s t i - Berlin (K. J. V.), Leo Weißbrem- Königsberg und Vizefeldvvebel Franz Emanuel Auerb a c h - Berlin erhielten das ,Eiserne Kreuz. Referendar Siegbert S t e i n - Berlin (K. J. V.) wurde verwund et. Herr Leo C as pari- Ratibor, Lothar C a 11 n und Arthur David sind gefallen. Wien. Folgende Gesinnungsgenossen erhielten Auszeichnungen: Kadett Architekt Karl Gonda- Wien die große silberne Tapferkeitsm e d a i 11 e; Leutnant i. R. Richard Koch (Jild.-akad. Verbindung Ivria in Wien) für tapferes Verhalten vor dem Feind das Signum lau dis; Einj.-Freiw. Ernst Pollak (״Neure Jehuda“ in Wien) die silberne Tapferkeitsmedaille 2. KL; Einj.- Freiw. Robert Weinberger (״Neure Jehuda“ in Wien) die Belobung des Armeekommandos; Fähn!- rieh Alois Schlesinger (A. H. der Jordania in Wien) wegen hervorragender Tapferkeit bei der Erstürmung russischer Geschütze die goldene T apferkeitsmedaille. Unser Gesinnungsgenosse Dr. Arnold Weiner (A. H. der Jüd.-akad. Verbindung IJnitas in Wien) befindet sich׳ in russischerQefangenschaft. Unser Gesinnungsgenosse Dr. Hermann Löw (A. H. der Jüd.-akad. Verbindung Ivria in Wien) ist aus russischer Gefangenschaft entkommen. Gefallen sind unsere Gesinnungsgenossen Fritz H u 11 e r e r ־ Teschen (Jüd.-akad, Verbindung Ivria in Wien) beim Sturmangriff bei Gorlice; Kadett cand. ing. Erich Rehberger (Verein jüdischer Hochschüler aus den südslawischen Ländern ״Bar Giora“) in der Bukowina; lug. Ernst Reizes (A. H. der jüd.-akad. Verbindung Kadimah) auf dem südwestlichen Kriegsschauplatz; Kadett cand. jur. Chaim Dis teilt e Id (Jüd.-akad. Verbindung Hasmon a e a, Lemberg). Prag. Unser Gesinnungsgenosse Dr. Fritz Freund, Ausschulirnitglied des Jüdischen Volks- Vereins in Saaz, wurde zum Oberleutn ant und Kompagniekommandanten ernannt und mit dem Sigtium 1 a udis ausgezeichnet. Unser Gesinnungsgenosse Assistenzarzt Dr.Gustav FantI, der Gründer der poale-zionistischen Gruppe ir, Prag, wurde wegen tapferen Verhaltens vor dem Feinde mit dem Signum laudis ausgezeichnet. Budapest. Unser Gesinnungsgenosse Regimentsarzt Dr. Friedrich Szilard, Mitglied des Zionistisehen Zentralkomitees für Ungarn, erhielt das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Band der Tapferkeitsmedaille. Berlin. Am 5. Juli erstattete Herr Dr. Arthur Hantke in einer Versammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung einen Bericht über die Lage der zionistischen Bewegung und jiauptsächlich über die Ereignisse in Palästina. Der Berieht fand das lebhafteste Interesse der zahlreichen Zuhörer. Berlin- Als ״Liebesgaben für die Jüdische Turnerschaff“ werden folgende Spenden mit Dank bestätigt: 7. Klasse der Jüdischen Mädchenschule; Apotheker Jacobovvitz 5 Mk,; Herr Schlesinger- Berlin 3 Mk.; Gesammelt auf einer Turnfahrt des Bar Kochba-Berlin 4,50 Mk.; Sammlung beim Schauturnen des Bar Kochba 16 Mk.; Robert Guttmann- Prag 1 Mk.; IV. Frauenabteilung des Bar Kochba 3 Mk.; Büchsenlecrung der Hl. Frauenabteilung 7,40 Mk.; Georg Wolff-Berliri 5 Mk.; Sammlung bei der letzten Nachtturnfahrt 7,65 Mk. Schluß des redaktionellen Teils.

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