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Jüdische Rundschau · 1915-07-02 · Heft 27 (2.7.1915) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 27 (2.7.1915)
Date
1915-07-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 218 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 27 111 Petersburg ist die Zensur besonders scharf. In Moskau scheint sie erträglicher zu sein. Die jiddische Zeitung ״N o w i Woschod“, die in Petersburg unterdrückt worden ist, erscheint jetzt unter dem Titel ״J e \v r e s k a j a N e d e I j a“ in Moskau. Das Elend unter den aus den Gouvernements K o vv n 0, S u \v a t k i und K u r 1 a n d ausgewiesenen Juden ist ungeheuer. Der ״Rasswjet“ veröffentlicht einige Notizen. 111 Bachinut waren größere Beträge gesammelt, die an das Kicvver Zentralkomitee abgeführt werden sollten. Plötzlich kamen über 300 Flüchtlinge 11111 und das Geld wurde für sie in der Stadt zurückbelialten. Die jüdischen Einwohner Bachmuts haben bei der Ausladung der Fliichtlinge ihr möglichstes getan, um das traurige Los der Armen zu erleichtern. In Mirgorod sind neuerdings jüdische Flüchtlinge angekommen. Es wurden ihnen die zu den Synagogen gehörigen Räumlichkeitcn zum Aufenthalt angewiesen. Von der Jüdischen Gemeinde wurde ein Hilfskomitee organisiert, dessen Arbeit sich durchaus bewährt hat. Bemerkenswert ist, daß die Mehrzahl der Flüchtlinge Kinder, Frauen und Greise ausniachen. Arbeitsfähige Miinner gibt es so gilt wie gar nicht. Nach Mariupol sind mehrere tausend jüdische Flüchtlinge gekommen, für die es gar keine Hilfe gibt, trotzdem sie durchaus notwendig wäre. - Nach Poltawa sind etwa 1100 Flüchtlinge gebracht worden. Da es liier keine Jüdische Gemeinde gibt, die sich um sie kümmern könnte, sind ihnen die Kasernen zum Aufenthalt angewiesen worden. Es herrscht hier ein großer M a 11 g e I a n L ebensm i 11 e 111. Die Verpflegungsfrage macht hier daher große Schwierigkeiten. ln Kobeljaki sind 200 jüdische Flüchtlinge angekommen. Sie wurden von Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde mit allem Nötigen versorgt. Ihre Wohnung erhalten sie vorläufig in Privathäusern. Nach Leb 11 y sind mehrere hundert Flüchtlinge gekommen. Die Jüdische Gemeinde kann hier höchstens 2000 Mark monatlich aufbringen. Man hat sich daher mit dem Petersburger Jüdischen Hilfskomitee in Verbindung gesetzt, und dieses hat eine größere Unterstützung versprochen. In Zitomir sind 234 Flüchtlinge angekommen, meist Kinder, Frauen und Greise. Sie sind vorläufig in einigen großen Sälen nntergebracht. Die meisten Kinder werden in die Sommerkolonien des jüdischen Wohltatigkeitsvereins kommen. Den übrigen hofft man fn verschiedenen öffentlichen Gebäuden, wie Krankenhäusern, Stiften u. dgl., Wohnung verschaffen zu können. Viele Einwohner der Stadt haben verschiedenes, wie Möbel, Kleider, Wäsche und Lebensmittel, zur Verfügung gestellt. — ln Pinsk wurde vorher festgestellt, wieviel Flüchtlinge Unterkunft finden könnten. Trotzdem nur für 200 Auskommen geschaffen werden konnte, wurden dennoch 500 hingeschickt: ־- Nach U in a 11 j sind 300 Flüchtlinge gebracht worden. Durch den Rabbiner wurde Hilfe organisiert. Diese dem nunmehr eingestellten ״Rasswjet“ entnommenen Notizen kann man nur dann richtig würdigen, wenn man weiß, daß die Zensur alle grölteren Berichte, jede Mitteilung, die den Charakter des Elends, das die Ausweisungen angerichtct haben, enthüllen könnte, strich. Es blieben also nur Notizen stehen, die der Zensur zu geringfügig und harmlos erscheinen, als daß sie sie gestrichen hätte. Im Mai schwebte in W a s s i 1 k o vv der Prozeß gegen den Wachtmeister Malicki und den Polizeileutnant Didikalo, die von Boleslaw Piontkowski der Verleumdung angeklagt worden sind. Piontkowski war es, der s. Z. Zeugen dafür gefunden hat, daß der ermordete Paszko w kein Jude, sondern Christ sei. Ais min im März der Prozeß gegen den wahren Mörder üontscharuk sich abgespielt hatte, haben diese beiden vor Gericht erklärt, der Prozeß habe den Charakter einer Ritualmordaffare nur durch den 11 i c h t - ת o r m a 1 e 11 P i o 111 k o w s k i erhalten. Dafür hat mm dieser Mal ick und Didikalo angeklagt, sie wurden jedoch beide freiges p 1׳ o c h e n. Die Geschichte der letzten Monate hat gezeigt, daß es noch immer jüdische Kreise gibt, die in ihrem Assimilantentum auch jetzt noch durch Aufgabe ihres nationalen Stolzes die Gunst der Polen gewinnen zu können wähnen. Auch sie scheinen aber allmählich eines besseren belehrt worden zu sein. Darauf deutet wenigstens folgender Artikel hin, der in dein polnischen Assimilantcnblatt ,3 s - raelita“ in Warschau neulich erschienen ist: j ״Als in den ersten Kriegsmonaten die tragische Wanderung der zehntausend'’von Juden begann, die aus ihren" Heimatsorten, in denen sie ihr ganzes Vermögen im Stiche lassen mußten, vertrieben wurden; als diese riesigen Massen in den Abgrund der Armut und Verzweiflung gestürzt, verschreckt, hungrig und krank ihre Wanderung aufnahmen, ohne zu wissen, wann und wo sic ein wenig Ruhe finden könnten, da erhob sich in der polnischen Presse ein Freudengeschrei, weil sich die christliche Bevölkerung in den von Juden verlassenen Städten und Dörfern der jüdischen Geschäfte und Läden würde bemächtigen können. Es fehlen uns die Worte, um mit genügender Schärfe diese tierischen Anfälle charakterisieren zu können.“ Und weiter lesen wir in dem Organ der polnischen Assimilanten, das gegründet worden ist, um zwischen Polen und Juden ein besseres Verhältnis herzustellen.• ,,Ein solches Benehmen schändet den polnischen Namen mehr als alle Lügen, die gegen die Polen ins Feld geführt werden; denn hier hat jeder das Recht dazu, die Polen der Unmenschliehkeit zu zeihen. Der böse Wille oder die mangelhafte Bekanntschaft mit der polnischen Gesellschaft nat hier ein dankbares Arbeitsfeld und wird dieses tierische Benehmen als die Stimme des ganzen polnischen Volkes ansehen.“ Sind die Beschuldigungen, die gegen die Polen bekannt geworden sind, nach den Ausführungen der ״Israelita“ wirklich nur böswillige Erfindungen? Die Warschauer Zeitung fährt fort: ״Noch dankbarer wird das Arbeitsfeld dadurch, daß die Mehrheit der polnischen Zeitungen kein starkes Gegengewicht gegen den moralischen Tiefstand einiger antisemitischer Hetzblätter schafft.“ Und die ״I s raelita“ muß noch eins zugeben, was allerdings in anderen Kreisen schon längst erkannt worden ist: ״Selbst die Zeitungen, die ״human“ sein wollen, haben es nicht für nötig befunden, das wilde Verhalten der Leute zu tadeln, die die Ehre der polnischen Presse durch ihr Benehmen beflecken.“ Natürlich, ein Blatt wie der ״H u m a n i s t a P v I s k i“, das Organ Alexander S vv i c n t o c h o w s - k i s , ist von der antisemitischen Straßenhetze weit entfernt. S vv i e n t o c h o vv s k i ist zivilisierter und empfiehlt es nicht, die Läden der Juden zu berauben. Nein, er wundert sich mir darüber, daß die Juden in so großer Anzahl Warschau aufsuchen. Die unglücklichen jüdischen Massen, die aus der Provinz getrieben wurden, konnten hier zeitweilig Ruhe finden, konnten hier ein gastliches Heini und ein Stückchen Brot erhalten. Jedoch Herrn Swient o e h o w s k i erfüllt das mit großem Aerger. ״Was auch nur auf der Welt geschieht (schreibt der ״H u ־ manista Polski“), stets hat es das gleiche Ergebnis: ein neuer Strom von Juden kommt nach Warschau.“ Wahrlich, eine betrübende Erscheinung (bemerkt darauf beißend die ״Israelita“): die jüdischen Massen, die aus ihrer Heimat entfernt wurden, besitzen die Unverschämtheit, Dach und Brot in Warschau zu suchen, anstatt wie Helden vor den Mauern unserer Stadt Hunger zu sterben, damit sie nur ja nicht ״verjude“. Und die ״Is raelita“ schließt ihren charakteristischen Artikel mit den Worten: ״Daß Swientochowskis Blatt den Namen ״Human ista Pelski“ trägt, ist auch sehr eigentümlich“. Nachrichten Berlin. Unsere Gesinnungsgenossen Dr. Eduard Licpmann - Chariottenburg (K. J. V.) und Dr. Kol s k i - Duisburg (K. j. V.) haben das Eisern e Kreuz bekommen. Unser Gesinnungsgenosse Assessor Felix Ros e n bl ü t h - Be rl in (K. J. V.) wurde zum Leut- 11 a 11 t eines preußischen Regiments befördert. Unser Gesinnungsgenosse Robert Heller (Bar Kochba-Hamburg) Fähnrich in der österreichischen Armee, ist in russische Gefangenschaft geraten. Die Gesinnungsgenossen Martin Marcus- Berlin (Herzl-CIub), Fritz Kraft-Berlin (Herzl-CIub), Paul Li 11 d e 11 b e r g - Berlin (Herzl-CIub) und Georg A ro n h e i in - Breslau (Herzl-CIub) wurden vervmndet. Unser Gesinnungsgenosse Vizefeldwebel Alfred Le s ch c •/ i 11 e r-Rybnik ist einem Unfall erlegen. Unser Gesinnungsgenosse Berthold G o 1 d s t e in- Charlottenburg (K. j. V.) ist gefallen, Berichtigung: Unser als gefallen gemeldeter Freund Siegfried Bl a n k enf e I d ־ Hamburg hat nicht dein Herzl-CIub, sondern dem Bar Kochba- Hamburg angehört. Berlin. (Zionistischer Jugendverei 11.) Donnerstag, den 24. Juni, fand der letzte Vereinsabend statt, an dem Herr Leo H c r r 111 a 1! 11 seinen vierten Vortrag über die ideellen und historischen Grundlagen des Zionismus hielt. Die Vereinsabende werden erst im Herbst wieder aufgenonimen. ״ Sonntag, den 4. Juli findet eine Wanderung nach Strausberg-Tiefensee statt. Abfahrt 7,13 Bahnsteig Alexanderplatz mit Fahrkarte nach Strausberg-Ost (nicht Fredersdorf, wie im Fahrtenzettel angegeben). UHdelberf. Die Vorberei tun0 «■״ hu I e nebst זי ii tj i sc hem Erziehungs heim des Dr. Jonas Simon in Ho id elborg, Weberatr. fi. hat hervorragende, pädagogische Erfolge aaf'zuweisen. Es ist daher verständlich, dali sich dieses Institut des Vertrauens weiter Kreise erfreut. Trotz des Krieges w&eiist die Schiilerzahl. insbesondere ist die Anstalt für Kinder geeignet, deren Eltern ihnen eine besonders gediegene Erziehung und einen gründlichen, ißdividaelion Unterricht zuteil werden lnssen wollen. Die einzigartige NatarschÖnheit Heidelberg:« übt ihro Wirkung auf das jugendliche Gemüt. Die herrliche und gesunde Lage der InstitutgviÜa erweckt die Bewunderung־ aller Besucher. Die prachtvollen Spaziergänge in die Heidelberger Berge, die direkt ander Stadt sieb erhoben, stählen Körper und Geist der •lugend. Schluß des redaktionellen Teils. jüdische Gemeinde, Berlin (Gottesdienst) Freitag, 2. Juli, abends: in allen Synagogen 7!/2 Uhr. Sonnabend, 3. Juli, vormittags: in der Alten Synagoge 842 Uhr, in der Kaiserstr.- u. Rykestr,- Synagoge 0 Uhr, in den anderen Synagogen: Frühgottesdienst 70 Uhr, Hauptgottesdienst 10 Uhr. - Predigt: Synagoge Rvke- Straße: Rabb. Dr. Stier;Schrifterklärung: Neue Synagoge: Rabb. Dr. Weisse, Synagoge Lindenstr.: Dr. Julius Cohn, Synagoge Lützovvstr.: Dr. Finkei, Synagoge Fasanenstr.: Rabb. Dr. Bergmann. — Ä b e n d g o 11 e s d i e n s t (Sabbatausgangj: 9 Uhr 33 Min. M i 11 c h a : iii der Alten Synagoge 5 Uhr, in den anderen Synagogen Stunde vor Sabbatausgang. , Gottesdienst an den Wochentagen: Morgens: in der Alten, Kaiserstr.- u. Rykestr.- Synagoge 6״ י Uhr, in den anderen Synagogen 7 Uhr. Abends: in allen Synagogen 7 Uhr. Wegen Vornahme von Reparaturen bleibt der Hauptraiim in der S y n a g o g e Lev etz o w - straße bis auf weiteres geschlossen. Während dieser Zeit findet der Gottesdienst auch am Sabbat in der Wochentagssynagoge statt, die nur einer beschränkten Zahl von Besuchern Raum bietet. Jüdischer Nationalfonds Zentrale für Deutschland Geldsendungen sind ausschliesslich zu richten an Herrn Max Vollittiner, Chartottenburff, Roscher-Straße 5. , — —--- _-— . j— ilו—ו,!-.——.-־!,—(—*_jLnjn.il— 1 וו— ־.»■' Zum Todestag Theodor Herzls Elf Jahre sind am 20. Tammus vergangen, seit Theodor Herzl uns entrissen wurde. Aber die Erinnerung an den grossen Toten lebt in uns fort. Wir ehren sein Andenken durch treue Hingabe an sein Ideal, das er uns als teuerstes Vermächtnis hinterliess. Unser ganzes Sinnen und Schaffen ist auf das eine hohe Ziel gerichtet, — das Werk der Befreiung unseres Volkes, das er begonnen, zu gutem Ende zu führen. Trotz aller Romantik -seines Wesens war er ein Mann der Tat. Sein kühner Geist, sein scharfer Blick sahen alle Notwendigkeiten unserer Organisation voraus. Jede bedeutungsvolle Einrichtung, die uns zu Erfolgen führte, hat er geschaffen oder angeregt. Er träumte von einem starken und freien Volk auf fruchtbarer Scholle. Er wies uns den Weg, den Traum der Verwirklichung nahezubringen. So trotzten Sohne unseres Volkes im Lande der Väter in heisser Heimatliebe allerorten dem so lange vernachlässigten Boden die alte Fruchtbarkeit ab. Sie schufen blühende Gärten und legten die Keime zu stolzen Wäldern. Sie pflanzten auf den Bergen Judas den Herziwald, ein ragendes Denkmal ewigen Dankes, ein Zeugnis unvergänglicher Treue. Wir fühlen, zumal am Todestage Theodor Herzls, die Pflicht, dieses schöne Werk der Treu• und Dankbarkeit zu fördern. Auch wir wollen helfen, dass dieses Denkmal unseres Führers immer würdiger seiner Grösse werde. Der Weltkrieg hat uns in unserer unverbrüchliehen Treue zu Herzls Werk und unserem Gefühl der Verantwortung für die Zukunft unseres Volkes nur stärken können. Darum ergeht an alle Jud8n, die zu unserer Fahne stehen, die Aufforderung; Jeder pflanze zum 20. Tammus einen Baum im Herziwald! Bezeuget durch diese Spende die ewige Dankesschuld an den Mann, der euch das jüdische Lebensideal gegeben! Jüdischer Nationalfonds Zentrale fiir Deutschland, Berlin W15. M. Dr. E I i a s b c r g kond. Dr. Huldsch jner u. Dr. Zobel ..2.- Dr. J a c o b s o 1111 - Lüneburg, z, Zt. im Felde, grat. Dr. E. Auerbach z. Eis. Kreuz ... 1,— Max Freundlich, Breslau, und Georg F r e u n d 1 i c 11, im Felde, kond. auch auf diesem Wege ihrer I. Tante Fr. Jenny K a - 1 i s k i, Thorn, herzl. zu ihrem schweren Verlust 2,— R.-A. Grone mann u. Frau grat. Felix Rosenblüth u. Frau —,50 11. kond. d. Fam. Saling u. Rosenkranz 1,—.1,50

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