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Jüdische Rundschau · 1915-07-02 · Heft 27 (2.7.1915) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 27 (2.7.1915)
Date
1915-07-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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■“ין I fl I i 1 1 1 1 I I Abonnements I auf die wöchentlich am Freitag erscheinende ״Jüdische Rundschau** kosten bei der Expedition und bei allen Postämtern vierteljährlich M. 1,00 innerhalb Deutschlands, in Oesterreich- Ungarn M. 2,50, im Ausland M. 3,—, Jüdische Rundschau, G. m. b« H. BERLIN W.15, Sächsische Straße 8. Telephon: Amt Uhland S45f 846. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Postscheckkonto: Berlin Nr 3U6DISCH6 RUNDSCHAU Anzeigen kosten für die sechsg-espalteue Petit- *eile oder deren Raum 40 Pf.; Stellen- Angebote und •Gesuche sowie Vereins- Mitteilungen und ״Kleine Anzeigen* O O O 0 nur 30 Pfennig. O O O O Manuskripte werden, wenn Porto beiliegt, stets zurückgesandt. Redakt: onsachlaS: Mittwoch vormittags. Redaktion Jüdische Rundschau BERLIN W. IS, Sächsische Straße 8. Telephon: Amt Uhland 845, 846, Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392, 17392 8 ALLGCMCIN6 3UCDISCHG ZCITUNG Nummer 27 Berlin, den 2. Juli 1915 — 20. Tammus 5675 XX. Jahrgang. Theodor Herzl Theodor Herzls Todestag ist wiedergekehrt. Wieder sammeln wir uns, unseres großen Toten zu gedenken, dessen stolzem Willen, dessen feurigeni Ethos das Werk gelang, die Zionistische Organisation zu schaffen. Hunderttausende unserer Volksgenossen, die dem Tod selbst ins Auge zu sehen gelernt haben, werden in Trauer und in Stolz an diesem Tage dessen gedenken, der unserem Volke wieder den Glauben an seine nationale Zukunft, den Willen und den Mut zur Tat gegeben hat. Im Gedenken, das Theodor Herzl geweiht ist, fühlt sich die Zionistische Organisation als seine lebendige Schöpfung. 1 rn Gedenken an die von Theodor Herzl verkündete Einheit des jüdischen Volkes umschließt alle Volksgenossen das Band der unzerreißbaren Solidarität. Das üaluth lastet schwer, in diesen Tagen schwerer vielleicht als jemals, auf unserem unglücklichen, zersprengten, geknechteten Volke. Daß ein Theodor Herzl das Judentum zur nationalen Tat aufrufen, dem Zionismus eine Organisation schaffen konnte, die sich* als die V ertretung des jüdischen Lebenswiilejis fühlt, das läßt uns nicht verzagen. Unser Volk will leben. Unser Volk wird leben. In der Erinnerung, die Theodor Herzls Todestag in jedem Zionisten aufs neue aufwiihlt, gewinnt unser Wille, an dem Werk unserer nationalen Erneuerung mit heißer Hingabe zu arbeiten, unerschütterliche Kraft. Wir danken es Theodor Herzl. Streng vertraulich.. Wir haben unsere Leser schon in früheren Nummern darüber unterrichtet, daß im amerikanischen Judentum bereits vor Monaten der Plan aufgetaucht ist, einen Kongreß einzuberufen, auf welchem die durch den Krieg besonders akut gewordene jüdische Frage behandelt werden sollte. Dieser K 0 n g r e ß p 1 a n hat verschiedene Formen angenommen. Der Grundgedanke aber blieb, daß sich vor allem das a m e r i k a n i s e h e Judentum organisieren und in einer mächtigen Kundgebung sagen solle, was in den verschiedeneu Ländern, in denen jüdische Massen wohnen, diesen an menschlichen, bürgerlichen und nationalcn Rechten vorenthalten werde. Diese Kundgebung׳, hofften die Initiatoren dieses Planes, werde nicht nur einen großen moralischen Wert besitzen; dieser amerikanisch-jüdische Kongreif werde auch einerseits der amerikanischen Regierung den starken Anstoß zur Unterstützung der jüdischen Wünsche geben — hatte man doch noch die Kündigung des Handelsvertrags mit Rußland im Sinn —, andererseits werde dieser Kongreß aber selbst die Möglichkeit haben, eine unabhängige, wegen ihrer demokratischen Ervählung legitime Delegation zu der künftigen T^denskonferenz zu entsenden, welche in GeufTnschaft mit den berufenen Vertretern der jüdischen Massen Europas und mit den verschiedei en jüdischen Organisationen vor den euro- Falschen Mächten die im Interesse der ge- ' ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer äffen!» lieh-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Baseler Programm. drückten jüdischen Volksgenossen unternommene Aktion führen könne. Der Plan des amerikanischjüdischen Kongresses wurde von den breiten Massen des amerikanischen Judentums mit Wärme aufgenommen; die jiddischen Zeitungen setzten sich für ihn mit Energie ein; auch die zionistischen Kreise Amerikas, die mit den breiten jüdischen Massen in engster Fühlung stehen, gaben ihrer Sympathie für den Plan Ausdruck, und in den Komitees, die sich mit besonderem Nachdruck um die Vorbereitung des Kongresses bemühten, waren auch bekannte amerikanische Zionisten, wie B a r 0 n d e s s und Dr. M a g!1 e s , an leitender Stelle tätig. Von verschiedener Seite wurde gewünscht, daß das Amerikanisch- J ii d i s c h e K o m i t c c , das gewissermaßen die nationale Repräsentanz der amerikanischen Juden darstellt, diesen amerikanisch-jüdischen Kongreß einberufen solle. Im Amerikanisch-Jüdischen Komitee waren aber, wie sich zeigte, starke Widerstände gegen diesen Plan voiHänden, Widerstande einzelner amerikanischer ״Notabein“, denen der demokratische Clwrakter des geplanten Kongresses nicht zusagte, vielleicht weil sie im Gegensatz zu den jüdischen Massen einer ententefreundlichen Politik zuneigen. Uni aut das A m e r i k a n i s c 11 - J ii - d i s c 11 e K o m i t e e einen Druck auszuüben, wurde der Kongreßplan auf die Tagesordnung der <). Sitzung d e r N e w Y o r k e r G e - m e i n d e gesetzt. Herr Dr. M a g n e s . der Vorsitzende der K e h i 11 a h - V e 1׳ s a m in 111 n g, vortrat besonders energisch den Plan der Einberufung eines Kongresses; Herr Louis Marshall, ein Delegierter der New Yorker Kchillah im Amerikanisch-Jüdischen Komitee, bekämpfte den Kongreßplan mit Gründen, die selbst der Londoner ״J e w i s 11 C 11 ro n i c I e“, über die Haltung der amerikanischen Presse referierend, durch die Hinneigung Marshalls zur Entente erklärt, um derentwillen dieser amerikonische Notable ״die elementarsten jüdischen Interessen opfere“. Wir haben über diese Vor- Sammlung schon in der letzten Nummer unseres Blattes berichtet und auch erwähnt, daß in der zweiten großen Kchillah-Versammlung in New York, die zur Beschlußfassung über die beim erstenmal noch nicht ausgetragene Angelegenheit einberufen worden ist, eine Resolution angenommen wurde, die dem Amerik a!lisch- Jüdischen Komitee als Richtlinie für sein Verhalten die Einberufung einer Konferenz auf vier von der Kehillah-Versarmnlung gewünschten d e m okratischen Basis aufträgt. Die Delegierten der Kehillah-Versammlung (also selbst Herr Mars 11 all) erhielten sogar ein i in p e r a t i v e s M a n d a t. Wir haben diese ganze Frage hier noch einmal iir! Zusammenhang• dargestellt, weil das ״Hamburger Israelitische Fami 1 ie n - blatt“ in einem Leitartikel vom 17. Juni die Erörterung des Kongreßplans als Anlaß zu einein seiner üblichen Angriffe auf den Zionismus ninunt. Dieser Leitartikel ist allerdings hierzulande entstanden; seinen Inspiratoren kommt es nicht so sehr auf eine sachliche Erörterung des Kongreßplanes und eine Diskussion seiner Bedeutung für das Gesamtjudentmn, als auf einen Angriff auf den Zionismus und eine Reklame für bestimmte ״repräsentative Persönlichkeifen“ an, die so plump ist, daß an ihr selbst diese keine Freude haben dürften. Als dieser Absicht erst Genüge getan war, trug die Redaktion des ״Hamburger Israelitischen Familien- Blattes“ auch kein Bedenken mehr, in der folgenden Nummer ihren amerikanischen Korrespondenten iin Gegensatz zu diesem Leitartikel darauf hinweisen zu lassen, daß ״ein Kongreß amerikanischer Juden nicht nur eine Repräsentanz der amerikanischen Judenheit sein könnte, sondern auch für die russischen Juden von größter Wichtigkeit sein würde . . . Die Kongreßidee ist so einleuchtend, daß sie heute die Parole fast aller jüdischen Politiker in New York ist, mit Ausnahme einer kleinen Gruppe ״echt amerikanischer Leute mosaischer Konfession“, die diese Idee bekämpft, weil sie, um als ״echte Amerikaner“ zu erscheinen, antideutsch sind und befürchten, daß auf einem solchen Kongreß Dinge zur Sprache gebracht werden könnten, die nicht nur auf Rußland, sondern auch auf seine Verbündeten ein schlechtes Licht werfen“. - Das ״Hamburger Israelitische Familienblatt“ nennt jetzt plötzlich in diese! amerikanischen Korrespondenz Louis Mars 11a 11s Angriff auf die Kongreßidee ״ein typisch amerikanisches A d v o k a t e n s t ü c k c h e n“ und ironisiert es, daß ״dieser Herr die Kühn- 11 eit hatte, die Juden in Amerika zur ״Neutralität“ zu ermahnen und im Namen der Neutralität die Kongreßidee zu verwerfen“. Und die Korrespondenz schließt sogar mit dem Schlachtruf: ״Auf die Dauer würden sich die Massen mit einer Konferenz, die nicht auf demokratischer Grundlage aufgebaut ist, doch nicht zufrieden geben“. Eine Woche früher aber hat dieses selbe Hamburger Blatt aufs schärfste g e g e 11 den K o u g r e ß p 1 a n Stellung geiionunen und sich der K a m p f g e ח os s e!1 - schalt mit den amerikanischen Gegnern der ״demokratischen“ Kongreßidee nicht geschämt. Zu dieser Zeit hat das ״Hamburger Israelitische Familienblatt“, das seine Korrespondenzen des öfteren mit gewissen Verspätungen erhält, anscheinend noch nicht gewußt, daß die auch von ihm propagierte Bekämpfung des Kongreßplans in Amerika großenteils ententefreundlichen Stirn-!!Hingen entspringt . . . Trotzdem das Hamburger Organ sich also gewissermaßen selbst desavouiert hat, müssen wir seinem Leitartikel vom 17. Juni noch einige Worte widmen; denn aus diesem Aufsatz spricht sehr deutlich eben jene politische Psychologie, die gewisse ״Notable“ in Amerika zur Bekämpfung des Kongrcßplanes, liier zur Bekämptung des Zionismus verleitet. Der Aufsatz behandelt, die Z u s a m m e n fass 11 n g d e r Weltjudcnheit, die von dem amerikanischjüdischen Kongreß nach den Erwartungen der amerikanischen Initiatoren des Planes ausgehen soll wie sieh die Sache übrigens in Wahrheit verhält, haben wir eben festgestellt -- und erörtert vor allem die Frage der legitimen j ii d i s c 11 en Vert r etung, zu deren Schaffung der Kongreß beitragen soll. Gegen die Vertretung des Judentums bei einer künftigen Friedenskonferenz wendet sich das Hamburger Familienblatt an sich nicht; nur

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