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Jüdische Rundschau · 1915-06-25 · Heft 26 (25.6.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 26 (25.6.1915)
Date
1915-06-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 26 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 209 wird die Zahl der Arbeitslosen wieder zunehmen, so daß man dann wieder gezwungen sein wird, öffentliche Arbeiten in Angriff zu nehmen, um ihnen Arbeitsgelegenheit zu verschaffen. Alle Farmen arbeiten ungehindert. ln Galiläa ist die Ernte so gut wie je. Die Gerste ist schon eingebracht und der Weizen wird gerade geerntet. Die Ernte ist in sämtlichen Farmen Galiläas zufriedenstellend. Das ist um so erfreulicher, als man, wie schon im Vorjahre, imstande ist, einen großen Teil der jüdischen Bevölkerung in den Städten und in den Kolonien mit Hilfe der Getreideernten dieser unserer Farmen zu versorgen. Unsere Schulen setzen überall ihren Unterricht fort. Infolge des Eindringens der Heuschreckenschwärme sind mehrere Klassen verschiedener Schulen abwechselnd auf einige Wochen in die Kolonien gefahren, um die Kolonisten zu unterstützen. Um die durch die vom Zionistischen Exekutiv- Komitee in Amerika zustande gebrachte Anleihe für 4 i e Orangenplantagen richtig zu verteilen, wird die ganze darauf bezügliche Arbeit von eitlem Komitee geleitet, das aus den Herren Dt. R u p p i n, H ס o f i e n und B r i 1 besteht. Man wird jeder Orangerie, die im Jahre 1914 Früchte getragen hat, für den Dunam 50 Frcs. Unterstützung geben und denjenigen, die noch keine Früchte getragen haben, aber die im Jahre 1914 aufgepfropft worden sind, 25 Frcs. auf den Dunam. Der Plan des amerikanisch• jüdischen Kongresses (Resolutionen und Fressestimmen.) Der Londoner ״Jewish Chronicle“ vom 21. Mai veröffentlicht einen Bericht über die 6. Konvention des New Yorker Kehillah, die unter den Vorsitz von Dr. M a g n e s stattfand und den Plan der Einberufung eines jüdischen Kong r e s s e s verhandelte. Im Jewish Chronicle heißt es: ״Aus dem Bericht, den Louis Marshall am Abend vorher über die Tätigkeit des amerikanischjüdischen Komitees erstattet hatte, war es klar, daß daß er und seine Freunde gegen die Abhaltung dieses Kongresses waren, denn er sprach die Befürchtung aus, daß ein solcher Kongreß die Neutralität der Vereinigten Staaten verletzen könnte, und es wäre ferner nicht praktisch und nützlich, eine solche Veranstaltung einzuberufen. Er fürchtete auch, daß ein Kongreß mehr Unheil als Segen stiften könne, da er die russische Regierung erbittern und sie veranlassen könnte, die Lage der russischen Juden noch zu verschlimmem. Prof. Dr. H u r w i t z , der Vorsitzende des Komitees, das sich mit den Kongreßbestimmungen zu befassen hat, setzte auseinander, daß die Lage der russischen Juden kaum noch verschlechtert werden könne, selbst wenn die russische Regierung die Ab» sicht hätte, dies zu tun. Er sagte ferner, da-B ein amerikanisch-jüdischer Kongreß nichts mit der amerikanischen Neutralität zu tun habe, weil der Kongreß sich nur mit jüdischen Angelegenheiten beschäftigen würde ohne Bezug auf allgemeine, diplomatische oder politische Situationen; er machte es den Zuhörern klar, daß der beabsichtigte Kongreß sich nur mit jüdischen Interessen beschäftigen und nichts tun würde, was als eine Verletzung der Neutralität aufgefaßt werden könne. Richter Sulzberger, welcher die sogenannte Minorität vertrat, ineinte, daß er keinen Kongreß brauche, weil er keinen ״Pöbel“ brauche und weil er keinen Staat im Staate wünsche. Die Riehter Goldvogel, Sanders und R o s a I s k o sprachen für die Minorität, während die Herren Realski, Barondess und Zuck er man für die bhaltung des beabsichtigten Kongresses sprachen. Der letzte Redner gegen den Kongreß war Louis M a r s h a 11. Vom oratorischen und rhetorischen Gesichtspunkt war seine Rede ein Meisterstück, aber vom Standpunkt der Tatsachen und Beweise so armlieh wie möglich. Zum Schluß seiner Rede meinte er, daß eine der Resolutionen, die der Konvention! Vorgelegen hatte und in der Proteste gegen die Grausamkeit der russischen Soldateska gegen die wehrlose jüdische Zivilbevölkerung erhoben wurden, verleumtierisch wäre, weil man keine Beweise habe, daß wirklich solche Dinge gegen russische Juden verübt worden wären. Er wenigstens hätte nichts darüber gehört, daß russische Juden solchen Greueltaten ausgesetzt worden seien. Er versuchte zu zeigen, daß alle Berichte aus offiziellen und privaten Quellen, welche von Bedrückung der Juden durch Russen während des Krieges und von Pogromen erzählten, Erfindungen seien. Schließlich drohte er der Konvention, daß er sich ganz von ihr zurückziehen würde, wenn die Resolution, die den Kongreß vorschlägt, angenommen würde. Nach der Rede Louis M a r s h a 11 s antwortete der Vorsitzende Dr. Magnes auf seine Ausfüh!- rungen. Er setzte auseinander, daß die Berichte, die man in New York über russische Pogrome erhalten hatte, nicht bezweifelt werden können, daß Staats- Sekretär Bryan selbst auf Veranlassung der New Yorker Zeitung ״Die Wahrheit“ den amerikänischen Generalkonsul in Warschau telegraphisch aufgefordert habe, ihm über die Lage der Juden in Polen zu berichten, und daß selbst die russische Presse dem Premierminister Goremykin Vorsteilangen darüber gemacht habe, daß er zu leugnen wage, was während des Krieges verübt worden sei. Der Vorsitzende drückte den Wunsch der Majorität der Konvention aus. einen repräsentativen jüdischen Kongreß einzuberulen, um während der gegenwärtigen Krise die jüdisehen Interessen zu wahren.“ . . . Es ist bezeichnend, daß selbst die Londoner Zeitschrift ihren Bericht folgendermaßen schließt: ״Die ganze jüdische Presse hat Herrn Louis Mars ha II wegen seiner Stellungnahme scharf kritisiert. Die jüdischen Zeitungen behaupten, daß Louis Marshall selbst nicht neutral sei, da sein Haß gegen die Zentralmächte und seine Vorliebe für die westlichen Alliierten bekannt ist. Er sei daher bereit, die elementarsten jüdischen Interessen zu opfern, um nicht England und Frankreich durch Schilderung der russischen Barbarei zu diskreditieren. Wenn der Kongreß nicht zustande käme, so werden andere Organisationen einspringen. Die jüdischen Arbeiter- Organisationen, welche ca. 300 000 organisierte Arbeiter umfassen, haben bereits ein besonderes Komitee gebildet, das aus allen jüdischen Arbeiter- Parteien der Vereinigten Staaten besteht, mit dem Zweck, gemeinsam für die Rechte der Juden in Rußland zu arbeiten und einen großen Teil der Aufgaben zu übernehmen, die dem jüdischen Kongreß /!!gefallen wären. Es kann kein Zweifel bestehen, daß das amerikanisch-jüdische Komitee niemals der Demokratisierung jüdischer Politik in Amerika zustimmen und einen amerikanisch-jüdischen Kongreß einberufen wird.“ * ln einer Sitzung des Provisorischen Executiv - Komitees für allgemeine zio>- nistische Angelegenheiten am 9. Mai, wurde eine Resolution eingebracht, in der die Einberufung eines jü’disch-amerika nischen Kongresses ״zu geeigneter Zeit und auf einer demokratischen Unterlage“ beantragt wird. Die Resolution lautet: ״Es ist die Meinung des Pravisorisehen Executiv-Komitees für allgemeine zionistische Angelegenheiten, daß es wünschenswert wäre, daß zu geeigneter Zeit ein Kongreß der amerikanischen Juden auf demokratischer Basis einberufen werde, zum Zweck der Erwägung der Probleme des jüdischen Volkes.“ » Das New Yorker Organ der amerikanischen Zionisten ״The Maccabean“ schreibt in seiner Mainummer über die Kehillah-Konvention einen Artikel, dem wir einige wesentliche Stellen entnehmen. Die Jahreskonferenz der Kehillah sollte diesmal die Ansichten der New Yorker Judenheit über den geplanten Kongreß zum Ausdruck bringen. Daß in dieser Beziehung nichts zustande kam, ist nicht Schuld der Kehillahführer. Dr. Magnes besonders legte allen ihm kraft seines Amtes zu Gebote stehenden Nachdruck auf diese Frage. Aber die reaktionären Kräfte in der Kehillah, welche von den führenden Persönlichkeiten des amerikanisch-jüdischen Komitees vertreten werden, benutzten alle ihre Macht, die sich aus ihrer Stellung und ihrem Reichtum herleitet, um gegen die Veranstaltung aufzutreten und die Freiheit der Juden dieser Gemeinde zu unterdrücken. Die reaktionäre Haltung des amerikanisch-jüdischen Komitees wurde in der Debatte am besten durch die Ansprache seines Präsidenten Louis Mars ha 11 zum Ausdruck gebracht. Herr Marshall brachte eine Reihe von, scheinbar richtigen Beweisgründen gegen die Abhaltung eines Kongresses vor. Aber er drohte und schalt auch, indem er mit der undemokratischen und unamerikanischen Erklärung schloß: ״Wenn Sie darauf bestehen und dabei beharren, den Kongreß einzuberufen, werde ich nicht dabei sein. . . .“ Wenn man den Kongreß in dieser Beleuchtung ansieht, so zeigt die Opposition von Herrn Marshall und seinen Freunden einen Mangel an Gemeingefühl. Wenn die Juden allgemeine und nationale Gleichberechtigung fordern, so wird dadurch keine Neutralität verletzt. ״Die Sanktionierung einer solchen Forderung besteht in der Tatsache, daß die Juden ein bestimmtes Volk für sich sind, mit Interessen, die ihnen eigentümlich sind. Was sollte ein jüdisches Komitee verhindern, vor der Friedenskonferenz zu erscheinen und diese Forderungen vorzutragen? Man wird sie nicht anhören? Aber dies würde eine Ungerechtigkeit gegen das jüdische Volk sein. Warum sollten wir annehmen, daß die Nationen, die nach diesem blutigen Krieg zusammentreten, sich weigern sollten, gerecht gegen das jüdische Volk zu handeln? Unsere Sache kann durch eine ungerechte Handlungsweise seitens der anderen nichts verlieren. Wir haben nichts mit technischen Einzelheiten zu tun, wir kümmern uns um elementare m e n s c h - liehe Rechte. Es ist unsere Pflicht, nach unserem eigenen Gewissen zu handeln, unbeirrt durch falsche Prinzipien und ungerechte Behauptungen. Indem Herr Mars ha 11 seine ganze Beweisfüll rung auf technisch-juristische Aussichten stützte und nicht als Mensch, sondern als Advokat sprach, dessen einziges Ziel war, die Verwirklichung des Planes zu verhindern, wurde er direkt absurd, als er die B e w e i s c r u s s i s c he r G r a u s a m k e i t e n in Frage stellte. Er nahm an, daß die Forderung eines Volkes nach Gerechtigkeit auf denselben Beweisen basieren müsse, wie sie von einem Gerichtshof beansprucht werden. Vor dem Gerichtshof der öffentlichen Meinung gelten andere Regeln der Beweisführung. Wenn man hier tausende von Briefen von Männern und Frauen erhält, welche Geschichten von Grausamkeiten und mcnschlieber Raubgier erzählen; wenn hervorragende Männer davon berichten, was sie gesehen haben; wenn Zeitungeii die Nachrichten als verbürgt bezeichnen; und wenn es kein Ableugnen und keine Erklärung für die berichteten Tatsachen gibt, so kann wohl angenommen werden, daß ein großer Teil davon auf Wahrheit beruht. Sie könnten seihst vor einem wirklichen Gerichtshof erhärtet werden, wenn R u B 1 a 11 d v o r d ie Schranken gefordert werden dürfte. Die Anführung derartiger Argumente vouseiten des Präsidenten des amerikanisch-jüdischen Komitees läßt ihn nicht besonders geeignet erscheinen, Lebensfragen des jüdischen Volkes zu erörtern. . . . Der Vorschlag, das amerikanisch-jüdische Komitee aufzuiordern, zusammen mit anderen Organisationen der Einberufung eines Kongresses zuz.ustimmen, wurde um einen Monat vertagt. Inzwischen kann als sicher angenommen werden, daß das amerikanisch-jüdische Komitee über die Sache kein Gras wachsen läßt, sondern sich bemühen wird, eine Beschlußfassung durch die Kehillah zu verhindern. Herr Marshall hat selbst seinen Widerspruch gegen den Kongreß erklärt. Andere führende Mitglieder haben sich seiner Meinung angeschlossen. Es wird interessant sein, zu sehen, was die Kehillah tun wird, wenn sic die Resolution annimmt und das amerikanisch-jüdische Komitee dagegen ist. Gemäß ihren eigenen Satzungen kann die Kehillah einen Kongreß nicht einberufen. Sie ist verpflichtet, sich dem amerikanisch-jüdischen Komitee in allen nationalen Fragen unterzuordnen. Was werden die Mitglieder des amerikanisch-jüdischen Komitees, welche dazu nur gehören, weil sie Exekutiv- Komitee-Mitglieder der Kehillah sind, tun, wenn die Kehillah zugunsten eines Kongresses entscheidet? Wir sehen einen Konflikt voraus, der wichtige Resultate ergeben wird.“ Diesem Artikel ist besonders klar zu entnehmen, daß der Widerstand gegen die Einberufung des amerikanisch-jüdischen Kong r e s s e s undemokratischen Strömungen entspringt, welche sich der allgemeinen, die Massen des amerikanischen Judentums zur Parteinahme gegen Rußland und seine Politik den Juden gegenüber bestimmenden Bewegung widersetzen. * Den soeben eingetroffenen Berichten über die zweite Versammlung der Kehillah entnehmen wir, daß die New Yorker Jüdische Gemeinde beschloß, dem Amerikanischen jüdischen Komitee, von dem sie ja ein sehr wesentlicher Teil ist, die Einberufung einer Spezialsitzung zu empfehlen, die die Veranstaltung einer Konferenz in der von der Gemeinde- Versammlung gewünschten (demokratischen) Form beraten soll. Den Vertretern der Kehillah im American Jewish Committee — zu denen B. Herr Louis Mars 11 all gehört — wurde ein imperatives Mandat in dieser Richtung mitgegeben, obwohl sich besonders Herr Marshall dagegen wehrte. Auf diese Weise hat die zweite Kehillah-Sitzung Klarheit über die Wünsche des New Yorker Judentums geschaffen. AUS ALLER WELT Aus Amerika. Das amerikanisch-jüdische Hilfskomitee hat bis Mitte Mai folgende Summen be- Rußland .... . . 355 000 Dollar. Deutsch-Polen . . 195 (XX) Palästina ... . 25 000 Oesterreich-Ungarn . . 85 000 die Studenten in der Schweiz . . . . . 2 500 Saloniki .... . . 5 000 Aleppo. . . 2 500 Monastir .... . . 3 000 »» 673 000 Dollar. Ferner für die Ausrüstung des amerikanischen Kohlenschiffcs ״Vulkan“ mit 900 Tonnen Nahrungsmittein für die Notleidenden in Palästina. 84 627,81 Dollar. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Amerika. Eine Gesellschaft von Universitätslehrern zum Studium des Zionismus und der Förderung seiner Ziele wurde in der Zionistischen Universitätsgesellst ha ft New Yorks (Un i versity Zionist Society of New York) gegründet. Es waren ca. 50 hervorragende jüdische Persönlichkeiten anwesend. In der Eröffnungsversainmlung führte Prof. Richard G o t f h e i 1 den Vorsitz, Alvin Theo Sapin s k y war Schriftführer. Kurze Ansprachen hielten Dr. Stephen W i s e, Maurice W e r f 11 e i m, Albert M. Friedenberg, Eugen Meyer jr., H. Grant Straus und andere. Es wird geplant, monatliche Zusammenkünfte der Gesellschaft zu veranstalten, in denen hervorragende Männer Fragen, die mit dem Zionismus unter spezieller Beziehung auf das jüdische Problem in Amerika Zusammenhängen, erörtern werden. * Die Vorbereitungen für die Bosfoner Jahreskonvention der Zionistischen Organisation Amerikas sind getroffen und allem Anschein nach wird diese Tagung

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